Bundestag stimmt Entlastung zu 1000 Euro Krisenbonus und Steuersenkung: Selbstständige gehen leer aus?

Bundestag stimmt für Tankrabatt und Krisenbonus
Der Bundestag hat am Freitag, den 24.06., zwei zentrale Entlastungen auf den Weg gebracht: den Tankrabatt für Autofahrer und den Krisenbonus für Beschäftigte. In Kraft treten können beide Maßnahmen aber erst, wenn der Bundesrat zustimmt.
Die Bundesregierung hatte auf die gestiegenen Energiepreise reagiert. In einem Ergebnispapier des Koalitionsausschusses vom 13. April 2026 hält die Koalition fest:
- Arbeitgeber sollen ihren Beschäftigten im Jahr 2026 eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 € zahlen können. Diese Frist ist nun bis zum 30. Juni 2027 verlängert worden.
- Parallel dazu soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate sinken.
In Regierungsdarstellungen ist von einer Entlastung von rund 17 Cent brutto je Liter die Rede. Anlass sind die stark gestiegenen Öl- und Kraftstoffpreise infolge des Iran-Nahost-Konflikts und der Sperrung der Straße von Hormus.
Das klingt erst einmal nach einem kraftvollen Signal. Autofahrer sollen an der Zapfsäule entlastet werden. Beschäftigte könnten zusätzlich Geld vom Arbeitgeber erhalten. Doch dieses Paket hilft nicht allen gleichermaßen. Es bevorzugt die klassische Arbeitswelt: Arbeitgeber hier, Arbeitnehmer dort. Wer dazwischen lebt und arbeitet, kommt wieder nur am Rand vor.
Unsere Partner-EmpfehlungenWie Arbeitnehmer und Arbeitgeber vom Krisenbonus profitieren
Für Arbeitnehmer ist die neue Prämie attraktiv. Bis zu 1.000 € zusätzlich, ohne Steuer und ohne Sozialabgaben – das ist in Zeiten hoher Preise deutlich spürbarer als eine normale Gehaltserhöhung auf dem Papier. Nur: Es gibt keinen Rechtsanspruch. Wer die Prämie bekommt, hängt also vom Unternehmen ab und von dessen wirtschaftlicher Lage.
Genau darin liegt zugleich der Reiz für Unternehmer. Der Krisenbonus ist keine bloße Nettigkeit. Er ist ein Personalinstrument. Wer Mitarbeitern in einer angespannten Phase schnell und sichtbar hilft, bindet Leute. Und er sendet ein Signal nach außen: Dieses Unternehmen reagiert nicht nur auf Krisen, es übernimmt Verantwortung. Gerade in einem Arbeitsmarkt, in dem gute Fachkräfte knapp bleiben, kann das im Recruiting mehr wert sein als mancher wohlklingende Karriere-Slogan.
Dazu kommt der betriebliche Vorteil: Eine steuer- und abgabenfreie Sonderzahlung ist für viele Unternehmen kalkulierbarer als eine dauerhafte Gehaltserhöhung. Sie wirkt sofort, erhöht aber nicht automatisch langfristig die laufenden Personalkosten im selben Maß. Das macht die Maßnahme für Arbeitgeber politisch so elegant: Sie hilft Beschäftigten und gibt Unternehmen ein flexibles Werkzeug an die Hand.
Die frühere Inflationsausgleichsprämie zeigt zudem, dass solche Modelle tatsächlich genutzt werden: Laut Destatis erhielten bis Ende 2024 mehr als acht von zehn Tarifbeschäftigten eine solche Prämie.
Doch genau hier beginnt das Problem. Denn auch diese neue Prämie wird nicht dort ankommen, wo die Not am größten ist, sondern vor allem dort, wo Unternehmen sie zahlen können oder wollen. Große, rentable oder tarifgebundene Arbeitgeber haben einen Vorteil. Kleine Betriebe, die selbst kämpfen, eher nicht. Das Paket ist also schon innerhalb der Arbeitnehmerwelt ungleich. Es wird noch schiefer, sobald man auf die Selbstständigen blickt.
Der blinde Fleck der Politik: Solo-Selbstständige
Denn was ist mit denen, die keine Personalabteilung haben, keinen Konzern im Rücken und auch keinen Chef, der mal eben 1.000 € überweist? Gemeint sind Solo-Selbstständige: Der Tankrabatt gilt zwar auch für sie. Aber der medienwirksame Krisenbonus in Höhe von 1.000 € ist an ein Beschäftigungsverhältnis geknüpft. Wer allein arbeitet, fällt wieder einmal durchs Raster.
Das ist die eigentliche politische Schwäche dieses Pakets. Nicht, weil Arbeitnehmer die Entlastung nicht verdient hätten. Natürlich haben sie sie verdient. Und selbstverständlich sollten Unternehmen, die es sich leisten können, ihre Mitarbeiter unterstützen. Der Punkt ist ein anderer: Der Staat baut erneut ein Entlastungsmodell für die klassische Lohnlogik und ignoriert jene, die ebenfalls steigende Kosten tragen, aber nicht in dieses Schema passen.
Solo-Selbstständige fahren zu Kunden, transportieren Material und zahlen ihre gestiegenen Kosten direkt aus dem eigenen Umsatz. Sie haben keinen Arbeitgeber, der einspringen kann. Sie können sich auch nicht einfach selbst eine steuerfreie Prämie genehmigen, nur weil die Koalition ein neues Instrument erfindet. Sie tragen unternehmerisches Risiko, bekommen aber bei Entlastungspaketen oft nur den Beifang.
Das ist mehr als ein Schönheitsfehler. Es ist ein Muster. Die Politik redet gern über Mittelstand, Gründergeist und Eigenverantwortung. Wenn es konkret wird, denkt sie aber zuerst in Lohnzetteln. Der Angestellte kann hoffen, dass sein Chef zahlt. Der Unternehmer mit Team kann mit dem Bonus seine Leute halten.
Der Solo-Selbstständige dagegen steht daneben und darf bestenfalls beim Tanken ein paar Cent sparen. Das ist keine ausgewogene Entlastung. Das ist eine asymmetrische Politik mit Schlagseite.
Am Ende bleibt deshalb ein zwiespältiger Befund; Ja, die Koalition entlastet. Ja, Arbeitnehmer und manche Arbeitgeber können profitieren. Aber ausgerechnet jene, die ohnehin alles selbst schultern, schauen wieder nur zu. Für Solo-Selbstständige ist dieses Paket kein Durchbruch. Es ist die nächste Erinnerung daran, wie schnell sie in Berlin mitgemeint, aber nicht mitgedacht werden.
Auch spannend:
- Bundestag: Entlastungsprämie ist beschlossen
- Markenstreit: Bielefelder Döner-Unternehmer will gegen KFC klagen
- Taco Bell: Große Franchise Chance – aber nicht für jeden