Bäckereien & Konditoreien Reformpaket: Längere Öffnungszeiten am Sonntag ab 2027

Sonntagsöffnung ab 2027: Wen die Reform betrifft
Die Bundesregierung will Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken ab 1. Januar 2027 mehr Spielraum am Sonntag geben. So steht es im neuen Reformpaket. Die Maßnahme geht auf den Koalitionsvertrag zurück und soll bundesweit gelten.
Wie stark die Reform einzelne Betriebe trifft, hängt vom Standort und vom Geschäftsmodell ab. Eine Bäckerei am Bahnhof oder in einer Innenstadt kann stärker profitieren als ein kleiner Betrieb im Wohngebiet.
Entscheidend bleibt zudem der finale Gesetzestext. Erst dann ist klar, wie weit der neue Spielraum wirklich reicht.
Warum die Bundesregierung die Sonntagsöffnung ändern will
Die Reform soll Bäckereien und Konditoreien mehr Flexibilität geben. Nach Ansicht der Bundesregierung passen die bisherigen Regeln nicht mehr gut zum Alltag vieler Betriebe.
Wer sonntags verkauft, muss Ware vorbereiten, backen und ausliefern. Dafür reicht das bisherige Zeitfenster oft nur schwer aus.
Auch Teile der Branche begrüßen die geplante Änderung. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks fordert seit Längerem mehr Spielraum bei der Sonn- und Feiertagsarbeit.
Aus Sicht des Verbands geht es dabei um fairere Wettbewerbsbedingungen. Denn Bäckereien konkurrieren sonntags nicht nur mit anderen Handwerksbetrieben, sondern auch mit Backshops, Tankstellen, Bahnhöfen und gastronomischen Angeboten.
Für Betriebe mit starker Sonntagsnachfrage kann die Reform ein Vorteil sein. Sie könnten Produktion, Lieferung und Verkauf besser planen.
Das betrifft vor allem Standorte mit viel Laufkundschaft, etwa in Innenstädten, an Bahnhöfen oder in touristischen Lagen. Dort ist der Sonntag für viele Bäckereien kein Nebengeschäft, sondern ein wichtiger Umsatzbringer.
Aus Sicht der Befürworter schafft die Reform deshalb keine Sonderrolle, sondern mehr Gleichbehandlung. Das Bäckerhandwerk soll dort verkaufen können, wo Kunden ohnehin kaufen wollen: am Sonntagmorgen, vor dem Ausflug oder nach dem Spaziergang.
Unsere Partner-EmpfehlungenWarum die Sonntagsöffnung in der Kritik steht
Die schärfste Kritik kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Sie warnt davor, die Sonntagsarbeit in Bäckereien weiter auszuweiten.
Ihr Argument: Die Branche kämpft schon heute um Personal. Längere Arbeitszeiten an Sonn- und Feiertagen könnten Jobs in Backstube und Verkauf noch unattraktiver machen. Die NGG hält es für realitätsfern, dass Beschäftigte freiwillig sonntags länger arbeiten wollen.
Was Betrieben mehr Flexibilität bringen soll, trifft auf einen Arbeitsmarkt, der ohnehin angespannt ist. Kleine Bäckereien haben oft keine großen Teams, die sie beliebig einteilen können. Wenn der Sonntag länger wird, müssen Inhaber häufiger selbst einspringen oder Mitarbeiter stärker belasten.
Auch wirtschaftlich ist die Reform kein Selbstläufer: Mehr Öffnungszeit bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Personal, Zuschläge, Energie und Logistik kosten Geld. Für kleine Betriebe kann der längere Sonntag zur teuren Pflicht werden, sobald Wettbewerber nachziehen.
Kritisch ist deshalb vor allem der mögliche Druckeffekt. Die Reform schafft formal mehr Freiheit.
Praktisch könnten aber gerade kleinere Betriebe gezwungen sein, längere Sonntagszeiten mitzugehen, obwohl sie dafür weder genug Personal noch genug Marge haben.
Davon würden größere Filialisten eher profitieren: Sie können Schichten leichter verteilen und Ausfälle besser abfedern.
Wird die Reform zum Sargnagel für kleine Bäckereien?
Die Reform ist nicht automatisch schlecht für kleine Bäckereien. Aber sie könnte ein altes Problem verschärfen: Große Anbieter können neue Freiheiten leichter nutzen als kleine Handwerksbetriebe.
So wird die Sonntagsöffnung zur Machtfrage. Auf dem Papier dürfen alle länger arbeiten.
In der Praxis profitieren aber vor allem die Betriebe, die genug Mitarbeiter, Kapital und Standorte haben. Für sie ist der längere Sonntag eine Chance, Marktanteile zu sichern. Für kleine Betriebe kann er dagegen zur Verteidigungsschlacht werden.
Denn sobald große Filialisten sonntags länger öffnen oder besser liefern können, steigt der Erwartungsdruck bei den Kunden. Wer dann geschlossen bleibt oder früher ausverkauft ist, wirkt schnell weniger attraktiv.
Nicht, weil seine Qualität schlechter ist. Sondern weil der Wettbewerber länger verfügbar ist.
Damit berührt die Reform einen wunden Punkt im Bäckerhandwerk. Viele Kunden wünschen sich handwerkliche Qualität und regionale Betriebe.
Gleichzeitig entscheiden sie im Alltag oft nach Bequemlichkeit, Öffnungszeit und Standort. Genau dort sind größere Ketten häufig im Vorteil.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer kann sich das leisten?
Wenn die Antwort vor allem "die Großen" lautet, könnte die Reform die Schere zwischen Filialist und Handwerksbetrieb weiter öffnen. Und somit ein weiterer Sargnagel für eine Branche sein, die in den vergangenen Jahren ohnehin schon zu viele Betriebe verloren hat.
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Quellen:
Bundesregierung: Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung [PDF]
Welt: Längere Sonntagsarbeit für Bäcker: Gewerkschaft besorgt
Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks: Wirtschaftsfaktor Bäckerhandwerk