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Lieferschwellen: Wann Sie im Bestimmungsland versteuern müssen

Wenn Onlinehändler Waren ins EU-Ausland versenden, sind knifflige Fragen zum Thema Umsatzsteuer zu beachten. Eine davon ist die Frage der Lieferschwelle, die im Online-Handel mit B2C Kunden wichtig ist. Wir erläutern, was die Lieferschwelle ist und wie Sie die Umsatzsteuer korrekt abführen.

1. Sind Lieferschwellen für mich als Online-Händler relevant?

Sie sollten auf jeden Fall Kenntnis über die Lieferschwellen laut UStG (Umsatzsteuergesetz) haben, wenn Sie 

  • Online-Handel innerhalb der EU betreiben
  • Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen, wenn Sie Waren ins EU-Ausland versenden
  • Waren an Privatpersonen (B2C) versenden

Die umgangssprachlich auch „Versandhandelsregelung“ (§ 3c UStG) genannte Vorschrift, in deren Kontext die Lieferschwellen relevant werden, greift dann, wenn der Empfänger eine Privatperson oder „einer Privatperson gleichgestellt“ ist und eine gewisse Erwerbsschwelle (siehe unten) nicht überschreitet.

Was sind „Privatpersonen“ und „Privatpersonen Gleichgestellte“?

Als „Privatperson“ oder „einer Privatperson gleichgestellt“ wird im Zusammenhang mit der Versandhandelsregelung ein Empfänger bezeichnet, der einen innergemeinschaftlichen Erwerb (also den Empfang einer Ware aus und in einem EU-Land) nicht versteuern muss. Das können folgende Personengruppen sein: 

  • Personen, die keine Unternehmer sind
  • Unternehmer, die nur für den Privatbedarf (also als Privatperson) bestellen
  • Unternehmer, die ausschließlich umsatzsteuerfreie Umsätze haben
  • Kleinunternehmer
  • Land- und Forstwirte, die die Durchschnittsabsatzbesteuerung nutzen

Jedoch müssen Onlinehändler auch bei innergemeinschaftlichen Lieferungen an solche Endkunden in anderen EU-Länder nicht jede Ware im Land des Empfängers selbst versteuern. Denn genau um diesen Aufwand zu verringern, gibt es die Lieferschwellen laut UStG: Erst nach deren Überschreitung (jeweils im laufenden Kalenderjahr) muss sich der E-Commerce Unternehmer selbst um die Besteuerung kümmern.

2. Wie hoch sind die Lieferschwellen?

Die Lieferschwellen sind in den verschiedenen EU-Ländern unterschiedlich hoch. Die aktuellen Lieferschwellen können Sie auf der Website der Europäischen Kommission („Threshold for application of the special scheme for distance selling“) nachlesen. Wichtig zu beachten: Für jedes Land gibt es genau eine Lieferschwelle, auch wenn Sie Waren aus unterschiedlichen EU-Ländern in dieses Land liefern.

  • Beispiel: Ein Online-Händler nutzt aufgrund der geringeren Kosten die Möglichkeit, Waren in Amazon-Lagern in unterschiedlichen osteuropäischen Ländern zu lagern. Die Lieferschwelle für Frankreich beträgt zum Beispiel 35.000 €. Egal von wie vielen Ländern der Händler aus liefert, der Warenwert aller Waren darf die Lieferschwelle von 35.000 € nicht überschreiten.

Sobald diese Lieferschwelle überschritten wird, müssen nach dem Bestimmungslandprinzip alle Umsätze, die darüber hinaus entstehen, im Land des Abnehmers versteuert werden. Das gilt dann auch für das folgende Kalenderjahr.

Rechenbeispiel: Lieferschwellen in der EU beachten und richtig versteuern

  • Ein Onlinehändler versendet im Zeitraum Januar bis April Waren im Wert von 20.000 € zzgl. USt. in ein anderes EU-Land (das sogenannte „Bestimmungsland“), beispielsweise nach Italien. Die Umsatzsteuer wird bei der Berechnung der Lieferschwelle nicht berücksichtigt. 
  • Die aktuelle Lieferschwelle für Italien liegt bei 35.000 €. Im Juni desselben Kalenderjahres liefert der Händler erneut Waren im Wert von 20.000 € (insgesamt also 40.000 €) und überschreitet somit die Lieferschwelle um 5.000 €. Der gesamte Umsatz der Ware, deren Verkauf zur Überschreitung der Lieferschwelle geführt hat, muss nun bei der italienischen Finanzbehörde – mit der italienischen Umsatzsteuer – versteuert werden. Das gilt auch für alle Umsätze aus Warenlieferungen nach Italien im folgenden Kalenderjahr. Die Entgelte für Waren vor der Überschreitung der Lieferschwelle (und deren Umsatzsteuer) sind davon nicht betroffen. 

3. Wann greift die Versandhandelsregelung nicht?

In folgenden Ausnahmefällen bleiben die Lieferschwellen unberücksichtigt – die Waren müssen also unabhängig von ihrem Wert sofort im Bestimmungsland besteuert werden: 

  • Verbrauchssteuerpflichtige Waren (z. B. Tabak, Alkohol) müssen ab dem ersten Umsatz im Empfängerland besteuert werden. Bei der Berechnung der Umsätze für die Lieferschwellen bleiben diese Entgelte unberücksichtigt. 
  • Das Gleiche gilt für neue Fahrzeuge. Auch hier greifen die Lieferschwellen in der EU nicht. 

Sonderfall: Holt der Empfänger die Ware selbst im Land des Lieferanten ab, spielt das Land des Empfängers dabei keine Rolle mehr. Somit wird die Ware im gleichen EU-Land verkauft und gekauft und unterliegt somit der Besteuerung in diesem Land. Es gilt das sogenannte „Herkunftslandprinzip“. 

Wichtiger Hinweis: Auch für den Versand an Privatpersonen (und Gleichgestellte) greifen die Versandhandelsregelung und die Lieferschwellen nur dann, wenn der Empfänger eine gewisse „Erwerbsschwelle“ nicht überschreitet.

Was ist die Erwerbsschwelle?

Eine Privatperson (oder eine einer Privatperson gleichgestellte Person) darf innerhalb der Versandhandelsregelung Waren nur bis zu einem bestimmten Wert pro Kalenderjahr in Empfang nehmen. Wird diese sogenannte Erwerbsschwelle überschritten, so gilt der Empfänger im Kontext der Versandhandelsregelung als Unternehmer: Als Lieferant gelten für Sie dann die gleichen steuerlichen Regelungen wie im B2B-Bereich.

Die Höhe der Erwerbsschwelle ist, wie die Höhe der Lieferschwelle, ebenfalls vom Land des Empfängers abhängig und auf der Website der Europäischen Kommission („Threshold for application of the special scheme for acquisitions by taxable persons not entitled to deduct input tax and by non-taxable legal persons“) einsehbar.

Es ist außerdem sowohl dem Lieferanten als auch dem Empfänger möglich, auf die Anwendung der Erwerbsschwelle freiwillig zu verzichten. Als Online-Händler kann das für Sie sinnvoll sein, wenn der Umsatzsteuersatz im Bestimmungsland niedriger ist als in Ihrem eigenen Land. Dass der Empfänger auf die Anwendung der Erwerbsschwelle verzichtet hat (und also als Unternehmer zu behandeln ist), erkennen Sie in der Regel daran, dass er eine Umsatzsteuer-ID verwendet.

TIPP

Im internationalen Versandhandel brauchen Sie in jedem Fall einen guten Steuerberater.

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4. Was passiert, wenn die Lieferschwelle überschritten wird?

Selbst ein versehentliches Überschreiten der Lieferschwelle – und damit eine falsche oder gar nicht vorgenommene Steuererklärung – kann als Steuerhinterziehung und im schlimmsten Fall sogar als Straftat ausgelegt werden. Die steuerliche Registrierung im Empfängerland ist bereits dann vorzunehmen, wenn absehbar ist, dass die Lieferschwelle überschritten werden wird. Daher ist es äußerst empfehlenswert, sich als Online-Händler im EU-Gebiet steuerlich beraten zu lassen.

Wie führt ein Unternehmen die Umsatzsteuer ab, wenn die Lieferschwelle überschritten wurde?

Wird die Lieferschwelle überschritten, muss sich der Online-Händler bei der Finanzbehörde des jeweiligen EU-Landes steuerlich registrieren, alle weiteren Umsätze für das laufende Jahr und das Jahr darauf in diesem Land versteuern und dort auch seine Steuererklärung abgeben. Ein kompetenter Steuerberater für grenzüberschreitenden Lieferverkehr ins EU-Ausland ist dabei dringend empfehlenswert.

5. Fazit: Nehmen Sie sich einen guten Steuerberater

Wenn Sie im Online-Handel tätig sind und Waren an Privatpersonen (oder ihnen Gleichgestellte) in andere EU-Ländern liefern, ist die Kenntnis der Lieferschwellen für Sie als Online-Händler unerlässlich. Auch eine versehentliche unbemerkte Überschreitung kann vom Finanzamt bereits als Steuerhinterziehung ausgelegt werden. Dies kann Nachzahlungen oder sogar Strafzahlungen nach sich ziehen. 

Eine umfassende steuerliche Beratung ist daher unerlässlich. Unser Partner im Bereich Steuerberatung berät Sie kompetent zu allen Fragen rund um die Lieferschwellen der EU sowie zu weiteren steuerlichen Themen im Online-Handel.

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