Bootstrapping: Existenzgründung ganz ohne fremde Hilfe!

Die Frage nach der besten Finanzierungsform der Existenzgründung wird oft gestellt, kann aber nicht abschließend beantwortet werden, da die optimale Finanzierungsform jeweils vom Geschäftsmodell und der persönlichen Situation abhängt.

Genauso verhält es sich auch mit dem Bootstrapping - der Existenzgründung, die ausschließlich mit eigenem Geld realisiert wird. Nicht für jeden ist es ratsam, eine Bootstrapping Strategie zu verfolgen - es gilt wie so oft, Chancen & Risiken abzuwägen.



Was bedeutet Bootstrapping?

Etwas aus eigener Kraft erreichen, wie z.B. der Baron Münchhausen, der sich samt Pferd an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf zog, darum geht es im Wesentlichen beim Bootstrapping.

Der aus dem englisch stammende Begriff Bootstrapping bezeichnet eine Art Selbsthilfe. Es geht darum, eine Herausforderung ohne fremde Hilfe zu meistern. Zum Teil weil fremde Hilfe nicht verfügbar ist, zum Teil auch, weil man bewusst auf Unterstützung verzichten möchte – man will es aus eigener Kraft schaffen.

Bootstrapping für Gründer: nur eigenes Geld

In der Gründerszene hat sich der Begriff Bootstrapping schon längst etabliert. Bootstrapping beschreibt dabei eine Finanzierungsform der Existenzgründung, bei der auf fremdes Kapital bewusst verzichtet wird. Das Ziel ist, das eigene Unternehmen aus eigener Kraft zu gründen und aufzubauen. Das bedeutet folglich auch, dass beim Bootstrapping nur eigenes Geld investiert wird.

Voraussetzungen für eine Bootstrapping Gründung

So faszinierend sich das Bootstrapping auch anhört: Bootstrapping eignet sich nicht für jede Art von Gründungen und auch nicht für jeden Gründertyp. Folgende Voraussetzungen sollten für eine erfolgreiche Bootstrapping Strategie gegeben sein:

  • Eigenes Geld
  • Fokus auf positive Cashflows
  • Risikobereitschaft
  • Effizienz
  • Klarer Fokus auf Vertrieb
  • Mut zur Lücke

Eigenes Geld: Beim Bootstrapping gründen Sie ausschließlich mit eigenem Geld. Dabei müssen Sie bedenken, dass Sie insbesondere in der Anfangsphase neben der Gründung auch Ihre privaten Kosten (Miete, Versicherung, Essen & Trinken etc.) tragen müssen. Ein gut ausgearbeiteter und konservativ gerechneter Finanzplan ist daher beim Bootstrapping das A&O.

Fokus auf positive Cashflows: Die Grundregel beim Bootstrapping lautet: so schnell wie möglich einen positiven Cashflow erwirtschaften, also möglichst schnell mehr Geld einnehmen als ausgeben! Entsprechend wichtig ist es, dass Sie die Kosten genau im Auge behalten und insbesondere auf eine steile Umsatzentwicklung hinarbeiten. Geschäftsmodelle, die eine lange Entwicklungsphase haben, eigenen sich daher eher nicht für das Bootstrapping.

Risikobereitschaft: Bei einer Bootstrapping Gründung tragen Sie das volle Risiko (und teilen dies nicht mit z.B. weiteren Investoren). Die Risikobereitschaft von Bootstrapping Gründern muss entsprechend vergleichsweise hoch sein. Spannend ist außerdem die Frage nach der Risikofähigkeit. Denn: nicht jeder Gründer, der risikobereit ist, sollte auch Risiken voll in Kauf nehmen. So kann es beispielsweise für einen Familienvater mit Eigenheim (und Hypothek) Sinn machen, das Gründungsrisiko zu verringern bzw. zu diversifizieren, indem weitere Kapitalgeber mit ins Boot geholt werden.

Effizienz: Viele Gründungsexperten, die über Bootstrapping schreiben sind der Ansicht, dass Sparsamkeit eine Tugend beim Bootstrapping ist. Wir vertreten jedoch eher die Meinung, dass bei einer Bootstrapping Strategie insbesondere die Effizienz im Fokus stehen sollte. Es geht darum, so schnell wie nur möglich den Umsatz zu steigern, ohne aber unnötige Ausgaben zu tätigen. Es nützt Ihnen aber auch nichts, wenn Sie alles selber machen, nur um Geld zu sparen.

Denn: Wenn Sie sich insbesondere auf Ihre Kernkompetenzen fokussieren und für gewisse Dinge (z.B. eine Homepage kostengünstig erstellen zu lassen anstatt eine semi-professionelle Homepage mühsam selber zusammenbasteln) Spezialisten beiziehen, kommen Sie in der Regel wesentlich schneller voran, da Sie Ihre Arbeitszeit produktiver nutzen.

Klarer Fokus auf Vertrieb: Für eine erfolgreiche Bootstrapping Strategie sind gewisse „Vertriebler-Gene“ unbedingt notwendig. So schnell wie möglich den ersten Euro verdienen – das ist das Motto beim Bootstrapping! Sind Sie kein Verkäufertyp, so sollten Sie über eine Erweiterung Ihres Gründerteams nachdenken.

Mut zur Lücke: Ein knappes Budget bedeutet häufig auch Mut zur Lücke. Sie werden nicht in allen Bereichen eine perfekte Lösung erzielen können. Das ist aber normalerweise auch nicht nötig, da in der Regel auch 80 % reichen, um erfolgreich zu sein.

Vorteile von Bootstrapping

Es gibt verschiedene Punkte, die für eine Bootstrapping Strategie sprechen. So sind z.B. Unternehmen, die mittels einer Bootstrapping Finanzierungsstrategie gegründet wurden, meist schlanker und effizienter aufgestellt als Unternehmen, bei deren Gründung ausreichend Kapital zur Verfügung gestellt wurde.

Ein weiterer, für Gründer sicherlich wichtiger Faktor beim Bootstrapping ist, dass man das Unternehmen zu 100% in eigener Hand behält und somit auch 100% vom Erfolg, aber auch vom Misserfolg, profitieren kann.

Positiv hervorzuheben ist sicherlich auch der Reputationsgewinn der durch ein erfolgreiches Bootstrapping resultiert. Wer es aus eigener Kraft geschafft hat zeigt, dass man auch mit kleinen Budgets erfolgreich sein kann. Dies beeindruckt Kunden und Geschäftspartner, aber insbesondere auch mögliche Kapitalgeber, die so relativ einfach z.B. für eine Expansionsfinanzierung gewonnen werden können.

Nachteile von Bootstrapping

Man kann es drehen und wenden wie man will: Eine Bootstrapping Strategie ist sicherlich die risikoreichste Finanzierungsstrategie. Hinzu kommt, dass der Weg zum erfolgreichen Unternehmen meist steiniger ist und es vergleichsweise länger dauert, bis große Umsatzgrößen erreicht werden.

Die Tatsache, dass beim Bootstrapping keine weiteren Gesellschafter an Bord sind kann zwar ein Vorteil sein, muss aber nicht. Denn: Falls es mal nicht so läuft wie geplant, dann kann ein erfahrener Investor mit Rat und Tat zur Seite stehen und ggf. helfen, dass Ruder nochmal herumzureißen.

Fazit: Bootstrapping nicht für jeden geeignet

Abschließend kann man folgendes zusammenfassen: Eine Bootstrapping Strategie eignet sich für Gründer mit einer erhöhten Risikobereitschaft, die mit Ihrem Geschäftsmodell innerhalb kurzer Zeit den Break Even erreichen können.

Für Gründer, die nicht das volle Risiko auf sich nehmen möchten oder können oder für Start-ups, die eine lange Entwicklungszeit einplanen, ist eine Bootstrapping Strategie nicht unbedingt zu empfehlen.

TIPP

Gerade bei einer Bootstrapping Strategie ist ein wasserdichter Business- und Finanzplan unerlässlich. Nutzen Sie das geförderte Gründercoaching. Ein erfahrener Berater hilft Ihnen, Sie optimal auf Ihre Gründung vorzubereiten.

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