Verivox Geschäftskonto-Vergleich im Check: Kaum Aussagekraft
Der Verivox Geschäftskonto-Vergleich verspricht, ein passendes Konto für das eigene Unternehmen zu finden. Ein genauer Blick zeigt, dass der Verivox-Vergleich lediglich ein Rechner ist, der nur wenige Angaben des Nutzers berücksichtigt. Das Ranking wird primär Kosten sortiert.
Zudem stammt das Rechnungs-Tool gar nicht von Verivox selbst. Und bei Gleichstand beeinflusst die Abschlussquote des Anbieters das Ergebnis.
Das Wichtigste auf einen Blick
Verivox testet nicht selbst, sondern nutzt einen externen Vergleichsrechner von FinanceAds.
Für die Kostenberechnung werden nur wenige Nutzungsdaten abgefragt.
Mit 20 Kontomodellen wird nur ein kleiner Teil des Marktes analysiert.
Das Ranking ermittelt kein Preis-Leistungsverhältnis.
Verivox prüft Anbieterangaben redaktionell, testet die Produkte aber nicht umfassend selbst.
| Verivox berechnet Kosten mit erstaunlich wenigen Angaben
Die Grundidee im Verivox Geschäftskonto-Vergleich ist sinnvoll: Statt Geschäftskonten nur anhand ihrer Grundgebühr zu vergleichen, sollen die tatsächlichen Jahreskosten berücksichtigt werden.
Verivox erklärt, dass Nutzer ihren Geldeingang, die Zahl der Buchungen und Zusatzleistungen anpassen können. Anschließend werden die Konten nach den jährlichen Gesamtkosten sortiert.
Für ein einfaches Onlinekonto kann das eine brauchbare Näherung liefern. Für die realen Gesamtkosten eines Geschäftskontos sind diese Angaben jedoch sehr begrenzt.
Denn Kosten entstehen zusätzlich durch:
Bargeldeinzahlungen
Bargeldabhebungen
Zusätzliche Karten
Mehrere Nutzer oder Mitarbeiter
Unterkonten
Echtzeitüberweisungen
Internationale Überweisungen
SWIFT-Zahlungen
Fremdwährungen
Auslandseinsatz der Karten
Kontoüberziehungen und Kontokorrentkredite
Gerade bei Unternehmen sind diese Kostenpositionen erheblich.
Bemerkenswert ist: Verivox selbst weist darauf hin, dass Interessenten neben Transaktionskosten auch Ein- und Auszahlungsvorgänge sowie Giro- und Kreditkartenkosten berücksichtigen sollten. Der Rechner kann einen Teil dieser Nutzung aber gar nicht individuell abfragen.
Unser Kritikpunkt: Die Bezeichnung „jährliche Gesamtkosten“ ist irreführend, das zugrunde liegende Nutzungsprofil sehr eingeschränkt ist.
Der Verivox Geschäftskonto-Vergleich ist in Wahrheit ein einfacher Konto-Rechner von FinanceAds.
| Die angezeigten Gesamtkosten gehen an der Realität vorbei
Das Problem wird an konkreten Unternehmen besonders deutlich.
Beispiel Einzelhändler: Der Händler hat:
100 beleglose Buchungen im Monat,
Eine Bankkarte
Keine beleghaften Buchungen.
Das lässt sich im Verivox-Rechner gut erfassen.
Nicht eingeben kann er aber beispielsweise, dass er 20-mal im Monat Bargeld einzahlen muss.
Kostet eine Bargeldeinzahlung Geld, verändert das die reale Jahresbelastung erheblich. Das Konto, das im Rechner mit 0 Euro oder besonders niedrigen Jahreskosten erscheint, muss dann in der Praxis keineswegs das günstigste sein.
Beispiel internationaler Onlinehändler: Auch folgende Nutzung kann der Rechner nicht individuell modellieren
Regelmäßige Zahlungen in USD
SWIFT-Überweisungen
Karteneinsatz außerhalb des Euroraums
Mehrere Fremdwährungen
Dabei können Wechselkursaufschläge und Auslandsgebühren die monatliche Grundgebühr deutlich übersteigen.
Beispiel wachsende GmbH: Bei einer GmbH kommen vielleicht hinzu:
5 Mitarbeiterzugänge
Mehrere Karten
Unterkonten
Freigabeprozesse.
Auch diese Kosten lassen sich aus den wenigen Haupteingaben nicht realistisch errechnen.
Deshalb ist eine sprachliche Unterscheidung wichtig: Der Rechner ermittelt nicht zwangsläufig sämtliche realen Geschäftskonto-Kosten. Er berechnet die Kosten, die sich aus den von ihm berücksichtigten Parametern ergeben.
Verivox zeigt vor allem, welches Geschäftskonto im Rechner günstig erscheint – nicht, welches Geschäftskonto insgesamt am besten zum Unternehmen passt.
| Der Vergleichsrechner stammt von FinanceAds, nicht von Verivox
Ein besonders wichtiger Unterschied zu unserem Test: Der eigentliche Rechner auf der Verivox-Seite wird von FinanceAds eingebunden. Im Quellinhalt der Verivox-Seite ist ausdrücklich ein iFrame von comparison.financeads.net eingebunden.
FinanceAds beschreibt sich selbst als europäisches Affiliate-Netzwerk für Finanzprodukte. Das Unternehmen bietet fertige White-Label-Vergleichsrechner an, die Publisher unter anderem per iFrame in ihre Websites integrieren können. FinanceAds nennt dabei ausdrücklich die Monetarisierung von Traffic sowie höhere Conversions als Ziele seiner Tools.
Das bedeutet nicht, dass Verivox keinerlei redaktionelle Arbeit leistet.
Verivox erklärt ausdrücklich, dass die Informationen ausschließlich von den Anbietern stammen und Änderungen von eigenen Experten geprüft werden, bevor sie in den Vergleichsrechner gelangen.
Trotzdem muss man zwei Ebenen im Verivox Geschäftskonto-Vergleich unterscheiden:
Verivox
Erstellt die redaktionellen Inhalte
Kontrolliert nach eigener Aussage Konditionsänderungen
Bindet den Vergleich auf seiner Seite ein
FinanceAds
Stellt den eigentlichen Rechner bereit
Liefert die Vergleichsinfrastruktur
Stellt die Rankinglogik bereit
Betreibt das zugrunde liegende Affiliate-System
Der Verivox-Geschäftskonto-Vergleich ist damit kein eigenständig entwickelter redaktioneller Geschäftskonto-Test mit eigener Testnote.
| Das Ranking beantwortet vor allem die Frage: Was kostet das Konto?
FinanceAds legt die Sortierung ungewöhnlich transparent offen.
Der Hauptrankingfaktor ist das Gesamtergebnis, das anhand der Nutzereinstellungen und Produktkonditionen berechnet wird. Die Liste beginnt mit den höchsten Erträgen und endet mit den höchsten Kosten.
Das passt zur Verivox-Erklärung, wonach die Angebote nach den jährlichen Gesamtkosten sortiert werden.
Damit beantwortet das Ranking vor allem: Welches enthaltene Konto liefert bei meinen Eingaben das beste finanzielle Ergebnis?
Es beantwortet nicht: Welches Geschäftskonto hat insgesamt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für mein Unternehmen?
Das ist umso bemerkenswerter, weil Verivox in seinem eigenen Ratgeber Funktionen wie DATEV, Buchhaltungsintegration und Kontokorrentkredit ausdrücklich als relevante Eigenschaften eines Geschäftskontos beschreibt.
Die redaktionelle Seite beschreibt damit einen größeren Leistungsumfang, als der Rechner für seine Rangfolge tatsächlich bewertet.
| Bei gleichen Kosten kann die Abschlussquote entscheiden
Besonders kritisch ist die zweite Stufe der Sortierung. FinanceAds erklärt für den eingebundenen Geschäftskonto-Rechner:
Sind Produkte bei Kosten beziehungsweise Ertrag gleich, wird zusätzlich die Abschlussquote berücksichtigt. Angebote, die im Verhältnis zu ihren Aufrufen häufiger gewählt werden, werden höher platziert.
Das ist aus Sicht eines Affiliate-Vergleichs nachvollziehbar. Ein Qualitätsmerkmal für ein Geschäftskonto ist die Abschlussquote jedoch nicht.
Ein Produkt kann häufiger abgeschlossen werden, weil es:
Eine bekannte Marke hat
0 Euro Grundgebühr bietet
Besonders einfach eröffnet werden kann
Prominent beworben wird
Einen attraktiven Bonus bietet
Daraus folgt nicht automatisch, dass es besseren Service, bessere Finanzierung oder leistungsfähigere Firmenkundenfunktionen bietet.
Zugespitzt: Bei zwei gleich teuren Konten entscheidet im Ranking nicht zwingend die bessere Leistung. Ein häufiger abgeschlossenes Produkt kann weiter oben stehen. Für Nutzer ist diese Information wichtig, wenn sie eine Rangliste als Qualitätsranking interpretieren.
| Der Vergleich bildet ausdrücklich nicht den gesamten Markt ab
Auch die Marktabdeckung sollte deutlich eingeordnet werden. Verivox wirbt mit „über 20 Kontomodellen im Vergleich“.
Der aktuell eingebundene FinanceAds-Rechner zeigt bei seiner Standardabfrage lediglich 10 Ergebnisse. Welche Konten erscheinen, hängt allerdings von den Einstellungen und der Unternehmensart ab.
FinanceAds weist selbst ausdrücklich darauf hin: Der kostenlose Vergleich bietet keinen kompletten Marktüberblick. Zudem finanziert er sich über Provisionen bei Produktabschlüssen. Finanzvergleich
Das ist transparent. Für die Aussagekraft eines Rankings ist es trotzdem entscheidend. Zum Vergleich: Unser Geschäftskonto-Test umfasst 36 Anbieter und 111 Tarife.
Der Unterschied ist nicht nur quantitativ. Je kleiner die untersuchte Auswahl, desto stärker hängt ein „bestes Konto“ davon ab, welche Anbieter überhaupt in den Vergleich aufgenommen wurden. Ein gutes Konto außerhalb des FinanceAds-Pools kann niemals im Verivox-Ranking vorne stehen.
Marktbreite
Verivox / FinanceAds
Für-Gründer.de
Tarife / Kontomodelle
über 20
111
Anbieter
keine vollständige Zahl veröffentlicht
36
Vollständiger Marktüberblick
Nein, ausdrücklich nicht
Nein, aber deutlich breitere Auswahl
Grundlage des Rankings
vor allem errechnete Kosten bzw. Erträge
Preis und Leistung anhand von 200+ Kriterien
Qualitative Bewertung
keine umfassende Testnote
u. a. Service, Finanzierung, Teamfunktionen und Schnittstellen
| Für Gründer fehlen gerade die Kriterien, die später wichtig werden
Für sehr einfache Nutzungsprofile kann der Verivox-Konto-Rechner nützlich sein.
Ein Solo-Freelancer mit wenigen SEPA-Buchungen, einer Karte und keinem Bargeld kann damit verschiedene Gebührenmodelle schnell vergleichen.
Je komplexer das Unternehmen wird, desto schwächer wird allerdings die Aussagekraft.
Händler und Gastronomie: Bargeldeinzahlungen können zu den wichtigsten Kostenfaktoren gehören. Die tatsächliche Bargeldnutzung lässt sich nicht detailliert eingeben.
Wachsende GmbH: Mehrere Nutzer, Karten, Unterkonten und Rechte werden wichtig. Der Vergleich bewertet ihre Qualität nicht systematisch.
International tätige Unternehmen: SWIFT, Fremdwährungen und Auslandsüberweisungen können erhebliche Kosten verursachen. Das tatsächliche Nutzungsvolumen lässt sich nicht modellieren.
Gründer mit Finanzierungsbedarf:Kontokorrent, Investitionskredit oder Förderfinanzierung können später viel wichtiger sein als fünf Euro Unterschied bei der Grundgebühr.
Genau hier liegt die Grenze eines reinen Kostenrechners: Ein Geschäftskonto ist nicht nur ein Tarif. Es ist im Idealfall die finanzielle Infrastruktur eines Unternehmens.
| Unser Fazit
Verivox bietet eine schnelle Möglichkeit, einen Teil der Geschäftskonto-Kosten miteinander zu vergleichen.
Das ist sinnvoll und besser als ein Vergleich, der ausschließlich auf die Grundgebühr schaut. Positiv ist außerdem, dass Verivox nach eigenen Angaben Konditionsänderungen täglich prüft und Anbieterinformationen redaktionell kontrolliert.
Für einen umfassenden Geschäftskonto-Vergleich reicht der Ansatz aus unserer Sicht jedoch nicht.
Dafür gibt es fünf wesentliche Gründe:
Zu wenige Nutzungsparameter: Zahlreiche reale Kosten lassen sich nicht individuell berücksichtigen.
Externer Rechner: Der eigentliche Vergleich stammt von FinanceAds und ist ein White-Label-Affiliate-Tool.
Kosten statt Qualität: Die Rangfolge basiert primär auf dem finanziellen Ergebnis.
Abschlussquote als Tie-Breaker: Bei gleichen Ergebnissen kann die Häufigkeit der Abschlüsse die Reihenfolge beeinflussen.
Begrenzter Markt: FinanceAds weist selbst darauf hin, keinen vollständigen Marktüberblick abzubilden.
Unser Geschäftskonto-Vergleich geht deshalb deutlich weiter: Wir untersuchen deutlich über 30 Anbieter und weit über 100 Tarife anhand von mehr als 200 Kriterien.
Unser Fazit: Verivox eignet sich für einen schnellen Kostencheck. Die angezeigten Jahreskosten bilden aber nur einen Teil der möglichen Kontonutzung ab. Wer ein Geschäftskonto langfristig auswählt, sollte deshalb nicht auf die Verivox-Rangfolge schauen.
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