Gesundheitsreform Pflegeversicherung: Kinderlose Selbstständige sollen mehr zahlen

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Nur 0,1 Prozentpunkte mehr Pflegebeitrag. Das klingt nach Kleingeld. Für kinderlose Selbstständige ist es trotzdem ein Warnsignal. Denn sie zahlen Kranken- und Pflegeversicherung meist allein. Wir haben durchgerechnet, wie hoch die Mehrkosten ausfallen würden.

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Pfleger mit Geld in den Händen
Für kinderlose Selbstständige könnte der Pflegebeitrag bald steigen Bild: Karola G / Pexels.

Kinderlosenzuschlag soll steigen

Laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU)  soll der Kinderlosenzuschlag im Rahmen der Gesundheitsreform um 0,1 Prozentpunkte steigen. Das geht aus einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) hervor. Der Beitrag für Kinderlose läge dann bei 4,3 %.

Aktuell beträgt der allgemeine Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung 3,6 %. Kinderlose Mitglieder ab 23 Jahren zahlen zusätzlich 0,6 % Kinderlosenzuschlag. Damit liegt ihr Beitrag derzeit bei 4,2 %. Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber 1,8%. Selbstständige bezahlen den vollen Beitragssatz selbst.

Für Eltern soll sich dagegen nichts ändern. Sie zahlen je nach Kinderzahl geringere Beiträge. Der höchste Beitrag bliebe damit bei Kinderlosen hängen.

Die Erhöhung ist noch nicht gesetzlich beschlossen. Selbstständige sollten sie aber schon jetzt im Blick behalten. Denn wenn sie kommt, wird sie direkt monatlich fällig.

Warum kommt die Erhöhung jetzt?

Die Pflegeversicherung steht finanziell massiv unter Druck. Laut Bericht rechnet Warken ohne Reformen mit einem Defizit von 22,5 Mrd. Euro in den kommenden zwei Jahren.

Deshalb geht es nicht nur um höhere Beiträge für Kinderlose. Diskutiert werden auch Einschnitte bei Zuschüssen für Pflegeheime und ein erschwerter Zugang zu Pflegeleistungen. Für Beitragszahler und Pflegebedürftige heißt das: Pflege wird teurer. 

Für Selbstständige ist das doppelt wichtig. Sie zahlen nicht nur ihre Beiträge selbst. Viele von ihnen müssen zusätzlich privat vorsorgen, weil sie bei Krankheit, Pflege oder Verdienstausfall weniger abgesichert sind als Angestellte.

So teuer wird die Erhöhung für Selbstständige

Die geplante Erhöhung der Pflegeversicherung für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte bedeutet: Pro 1.000 € beitragspflichtigem Monatseinkommen steigt der Beitrag um 1 Euro im Monat.

Mit dieser einfachen Formel können Selbstständige ihre Mehrbelastung selbst überschlagen:
beitragspflichtiges Monatseinkommen × 0,001 = Mehrkosten pro Monat

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, was auf Selbstständige zukommen könnte:

Beitragspflichtiges Monatseinkommen Mehrkosten pro Monat Mehrkosten pro Jahr
1.318,33 € ca. 1,32 € ca. 15,82 €
3.000 € 3,00 € 36,00 €
5.812,50 € ca. 5,81 € ca. 69,75 €

Die Mehrbelastung liegt grob zwischen 16 und 70 Euro pro Jahr. Für sich genommen ist das nicht existenzbedrohend.

Doch der Trend ist eindeutig: Die Sozialabgaben steigen. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt. Zusatzbeiträge der Krankenkassen können steigen.

Das Einkommen bleibt für viele Selbstständige hingegen gleich. Rücklagen werden daher wichtiger. 

Was Gründer jetzt tun sollten

Kinderlose Selbstständige sollten die mögliche Erhöhung nicht dramatisieren, aber einplanen. Dieser 4-Schritte-Plan schafft Klarheit:

  1. Mehrkosten berechnen: Welches beitragspflichtige Einkommen liegt zugrunde? Und was würde ein Plus von 0,1 Prozentpunkten konkret bedeuten?
  2. Rücklagen nicht nur für Steuern: Selbstständige sollten Geld auch für steigende Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zurücklegen. Das Einkommen kann höher ausfallen als zunächst gemeldet.
  3. Pflegebeitrag in die Preiskalkulation: Wer Stundensätze oder Tagessätze berechnet, muss Sozialabgaben mitdenken. Sonst bleibt vom Umsatz weniger übrig als geplant.
  4. Familienstatus prüfen: Eltern sollten bei der Krankenkasse erfragen, ob ihr Familienstatus korrekt hinterlegt ist. Denn der Kinderlosenzuschlag entfällt für Versicherte mit Kindern.

Wer gründet, sollte Pflege- und Krankenversicherung deshalb nicht als private Nebenkosten behandeln, sondern fest in Preise, Rücklagen und Liquiditätsplanung einbauen.

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