Internationaler Frauentag: Wie steht es um die Female Founders?



Wisst ihr, wie viele Gründerinnen es unter den Top 50 Start-ups gibt? Die Antwort unserer Erhebung erschüttert. Erfahrt, wo es hakt und was Female Founders anderen Frauen am Internationalen Frauentag empfehlen.

Gerade einmal 4 Prozent der Top 50 Start-ups in Deutschland wurden von Frauen gegründet.

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Das Ergebnis unserer Analyse ist eindeutig: Gründerinnen sind bei den Top-Start-ups unterrepräsentiert. (Grafik: Top 50 Start-ups)

Wie diese niedrige Zahl zustande kommt, und wie mehr Frauen den Mut zur Gründung wagen können, verraten uns die erfolgreichen Unternehmerinnen Sophie Zepnik von hejhej mats und Anna Yona von Wildling Shoes am internationalen Frauentag.

Vor welchen Herausforderungen stehen Gründerinnen?

Frauentag - hejhej-mats Gründerinnen
Anna Souvignier und Sophie Zepnik sind die Gründerinnen von hejhej-mats (Bild: Christin Schwarzer Photography)

Sophie Zepnik, Mit-Gründerin der nachhaltigen Yogamatten hejhej-mats, sagte uns auf die Frage, wie es um die weibliche, deutsche Gründerszene steht:

Hier in Deutschland gibt es unserer Meinung nach noch viel zu wenig Gründerinnen. Wir hatten die Idee für hejhej ja in Schweden und waren dort in einigen Start-up Zentren, haben ein Stipendium bekommen und hatten andere Möglichkeiten zum Austausch.

Man müsse sagen, so Sophie weiter, dass es dort wirklich viel, viel mehr weibliche Gründerinnen gibt. Da hätten wir in Deutschland deutlich weniger. Dabei betonten sie insbesondere, dass sie sich im Pitch und in den Gesprächen immer wieder für das Thema Yoga und Nachhaltigkeit rechtfertigen mussten:

Die ganze Wirtschaft ist sehr männlich dominiert. Viele der Coaches, Investoren und andere Akteure in der Wirtschaft sind männlich.

Junge weibliche Gründerinnen hätten es dadurch einfach schwer, sich durchzusetzen:

Wir waren beispielsweise mal bei einem Wettbewerb, wo Jury, Moderator, Gewinner aus dem letzten Jahr und andere Start-up-Teams alle männlich waren. Dass man dann als junge weibliche Gründerin wenig Chancen hat, ist fast klar. 

Was brauchen Gründerinnen?

Wie wichtig es für Frauen ist, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, darauf weist Sophie hin:

Es wird Zeit, dass Gründen als interessante Berufsalternative bei mehr Frauen ins Bewusstsein rückt. Viele Frauen erwägen diese Option oft gar nicht, oder gründen eher zufällig.

Damit Gründen attraktiver wird, brauche es Vorbilder, die zeigen, wie abwechslungsreich, selbstbestimmt und sinnstiftend die Arbeit im eigenen Unternehmen ist, und wie viel man damit bewegen kann.

Ein solches Vorbild ist Anna Yona von Wildling, Top 50 Start-up 2018. Ihren Geschlechtsgenossinnen gibt sie den Tipp, alte Rollenbilder zu hinterfragen:

Gründen braucht Zeit und Fokus. Frauen nehmen sich diese Zeit oft nicht so selbstverständlich wie männliche Gründer.

Viele Frauen würden eher “nebenbei” gründen, während der Elternzeit, neben einem Teilzeitjob, parallel zum Studium. Dazu sagt Anna:

Wir müssen lernen, uns mit einem ganz anderen Selbstverständnis diese Zeit zu gönnen und dafür Verantwortung für andere Rollen, wie z. B. Familienmanagement, gerechter zu verteilen. 

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Faire Aufgabenverteilung: Anna Yona und ihr Mann bewältigen den Alltag gleichberechtigt. So werden Frauen nicht in eine Geschlechterrolle gedrückt und müssen eine Gründung nicht “nebenbei” angehen. (Foto: Wildling)

An die eigene Idee glauben

Den Mut würden die Gründerinnen niemals aufgeben, viel mehr sind sie überzeugt davon, dass man an sich und seine Idee glauben muss – trotz Zweifeln und negativem Feedback, wie Sophie weiß:

Manche Kritik darf man dann einfach nicht zu nah an sich ranlassen. Man muss auch trotz Rückschlägen weitermachen. Wir haben beispielsweise bei keinem dieser Wettbewerbe gewonnen, aber selbstverständlich trotzdem weitergemacht.

Männerdominierte Wirtschaft bei den Akteuren und Juroren, Coaches, Investoren: Sophie und ihre Co-Founderin Anna Souvignier versuchen, anderen Frauen immer zu sagen, dass all dies nichts bedeutet und dass Frauen in der Wirtschaft und in Unternehmen unbedingt gebraucht werden.

Wir versuchen immer zu verdeutlichen, dass man es sich einfach trauen soll und mutig sein soll.

Es könne oft nicht viel schief gehen und auch scheitern sei völlig in Ordnung. Sophie empfiehlt hierfür einen gesunden Optimismus:

Wenn man sich weniger Gedanken macht, dann klappt es auch besser :). 

Anna  von Wildling verfolgt den Ansatz, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen und selbst auf der Bühne für die Anhebung der Frauenquote zu werben:

Ich nehme oft als Speakerin an Veranstaltungen für Gründungsinteressierte teil, um von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten und Mut zu machen.

Eine persönliche Geschichte könne man sich gut merken und aus erster Hand erfahren, was gut funktioniert hat, wo es Schwierigkeiten gab.

Inspiration überträgt sich hierbei durch Emotion:

Was bis heute wahnsinnig Spaß macht, ist nahbarer und nachvollziehbarer als abstrakte Beispiele. Ich glaube, dass sich so Hürden und Zweifel – die vor allem Frauen oft von einer Gründung abhalten – leichter abbauen lassen. 

Holt euch Unterstützung, es gibt sie überall

Frauen, die gründen wollen, sind nicht allein. Sophie und Anna empfehlen, sich online wie offline zu vernetzen. So sagt Sophie:

Wir haben uns ganz viel mit anderen Gründerinnen ausgetauscht. Es ist unglaublich wichtig, sich mit Frauen auszutauschen und man lernt sehr, sehr viel von Erfahrungen anderer.

Sie und ihre Co-Founderin Anna empfehlen Frauenmacht als ein tolles Netzwerk, worüber man auch andere Gründerinnen kennenlernen kann und tollen Content bekomme.

 

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Anna von Wildling empfiehlt den regionalen Ansatz. Unterstützung, sagt sie, gibt es eigentlich überall, wenn man danach sucht oder auch mal darum bittet:

In jeder Stadt gibt es Beratungsangebote und häufig Veranstaltungen wie z. B. Businessplan-Wettbewerbe, bei denen man sich viel kostenloses Feedback und manche wertvolle Beratung einholen kann.

Besonders hilfreich sei es auch, andere Gründerinnen und Gründer anzusprechen und nach ihrer Erfahrung zu fragen:

Die Gründungsszene ist meist sehr offen und kollaborativ – wir haben alle einmal angefangen, wissen noch gut, wie sich das angefühlt hat, haben selbst Unterstützung genossen und freuen uns, jetzt etwas zurückgeben zu können.

Bleibt uns noch zu sagen: Vielen Dank für die Einblicke und Tipps, Sophie und Anna. Wir wünschen allen Gründerinnen und gründungsinteressierten Frauen einen tollen Internationalen Frauentag und viel Mut für die Selbstständigkeit!

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