Die Erfolge einer Multi-Unternehmerin



Raffaela Rein gründete mehrere Start-ups und das Ideenlabor WildWildVentures. Im Tagesgeschäft setzt sie erfahrungsgemäß nicht auf flache Hierarchien, wie es in der Start-up-Szene sonst üblich ist. Ihr erstes gegründetes Venture Vitalute hat mit anderen Strukturen den Durchbruch geschafft. 

GründerDaily: Hallo Raffaela, für diejenigen, die dich noch nicht kennen: Stelle dich und deinen Werdegang doch bitte kurz vor.

Raffaela von WildWildVentures: Hallo, ich bin Raffaela, Gründerin von WildWildVentures und CareerFoundry (CF). In der Gründerszene kennt man mich wohl am ehesten von CareerFoundry, einer der führenden UX/UI-Schulen weltweit, für die ich 5 Millionen Euro in Venture eingesammelt habe. CareerFoundry ist heute profitabel, hat 55 Mitarbeiter in unserem Headquarter in Berlin und dient Kunden in über 80 Ländern.

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Der Topseller von Vitalute ist das Ingwer-Kurkuma-Shot-Trinkpulver. (Foto: Raffaela Rein)

Letztes Jahr habe ich CF verlassen, um eine neue Firma zu gründen: WildWildVentures. Dabei handelt es sich um ein Ideenlabor und einen Company Builder, unter dem wir unsere Lieblingsideen realisieren. Unser erstes Venture, das daraus hervorging, ist Vitalute, eine Marke für natürliche Heilmittel. Für Vitalute wiederum entwickeln wir eigene Produkte.

Zum Beispiel ist unser Topseller das Ingwer-Kurkuma-Shot-Trinkpulver. Unser neuestes Produkt heißt Headstart und ist ein natürliches Mittel bei Kater und Kopfweh. Weiterhin gebe ich viele Keynotes zum Thema Unternehmertum und New Work.

GründerDaily: Viele Unternehmen, gerade Start-ups, werben mit Eigenverantwortung der Mitarbeiter und flachen Hierarchien. Bei CareerFoundy hast du damit schlechte Erfahrungen gemacht. Woran lag das?

Raffaela von WildWildVentures: Mit CareerFoundry wollte ich von Beginn an nicht nur eine erfolgreiche Firma, sondern auch eine extrem gute Kultur aufbauen. Ein Ort, an dem Vollgas gegeben wird. Nicht, weil die Mitarbeiter müssen, sondern weil sie wollen. Um eine solche Kultur zu erreichen, haben wir viele Management – und New Work-Besteller gelesen.

Alle sagten das Gleiche: Flache Hierarchien bringen Innovation, Schnelligkeit und hohe Motivation.

Holokratie war uns zu krass, also haben wir ein System namens „Selbst-Management“ eingeführt. Ein System, bei dem es keine Manager gibt, sondern jeder sich selbst managed. Theoretisch hätten wir nach der Einführung von „Selbst Management“ mehr Innovation, Schnelligkeit und Motivation erleben müssen. Leider war das nicht der Fall. Im Gegenteil: Engagement, Innovationskraft und Performance waren niedriger als zuvor.

Wir haben „Selbst-Management“ nach einem Jahr wieder abgeschafft und dann direkt zwei Hierarchieebenen eingeführt. Damit ist die Performance extrem gestiegen und wir haben unseren Umsatz innerhalb von 6 Monaten verdoppelt.

Wenn ich heute über diese Zeit nachdenke, ziehe ich drei Schlüsse:

  • Wir sind die Sache falsch angegangen: Wir hätten erst die Mitarbeiter nach ihren größten Pain Points befragen sollen und basierend auf ihren Antworten Lösungen ausarbeiten und testen sollen.
  • Wir sind mit den flachen Hierarchien zu weit gegangen: Flache Hierarchien sind gut, aber sie brauchen Führungskräfte für Struktur und für die unangenehmen Entscheidungen und Gespräche.
  • Wir hatten eine sehr schlechte Feedback-Kultur, unbequemes Feedback wurde nur sehr ungern gegeben, was die Sache mit dem Selbst-Management nicht einfacher gemacht hat. Wir haben seither stark an unserer Feedback-Kultur gearbeitet und heute glaube ich, dass Feedback-Kultur eine der wichtigsten New-Work-Strategien ist, von der aber leider nicht viel geredet wird.
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Raffaela Rein mit Mitgründer James Smith zur ersten Produktion des Ingwerpulvers. (Foto: Instagram | vitalute_de)

GründerDaily: Mittlerweile hast du ein E-Commerce-Start-up gegründet: Vitalute. Wie kam es zu diesem krassen Umschwung deiner persönlichen Interessensausrichtung?

Raffaela von WildWildVentures: Ehrlich gesagt finde ich das gar nicht so krass. Ich war mit Rocket Internet schon im E-Commerce Bereich. Danach hatte ich CF gegründet, weil ich eine riesen Chance im IT-Fachkräftemangel gesehen habe und dachte, dass ich in dem Bereich echt was bewegen kann.

Heute ist Gesundheit ein sehr wichtiges Thema für mich und wieder denke ich, dass ich in diesem Bereich mit Vitalute viel bewegen kann.

Ich denke, nach sechs Jahren CareerFoundry wollte ich mich einfach neu ausprobieren und bin sehr happy, dass wir mit Vitalute so einen guten Start hatten.

Während wir Vitalute weiter voranbringen, überlegen wir, für unser nächstes Venture wieder etwas Digitales zu machen, als Herausforderung und Diversifikation.

GründerDaily: Anfang dieses Monats hast du ein neues Produkt gelauncht. Welche drei Tipps hast du für einen gelungenen Launch?

Raffaela von WildWildVentures: Ein erfolgreicher Launch kann sehr vielfältig aussehen, aber wenn ich drei Tipps geben müsste, würde ich sagen:

  • 1. TESTEN TESTEN TESTEN: Es hilft, einen Pre-Launch Test mit mindestens 15-20 Leuten zu machen, um die Message und Verpackung zu testen.
  • 2. COMMUNITY AUFBAUEN: Es gibt viele Möglichkeiten, eine Community aufzubauen: Blogging, Podcasting, über Instagram oder LinkedIn. Eine Community bereits Monate vor dem Launch zu pflegen zahlt sich aus.
  • 3. INFLUENCER EINBINDEN: Damit meine ich nicht, 500k Follower Instagram Influencer zu sein, sondern Leute mit Einfluss aus dem eigenen Netzwerk, die bereit sind, die News über den Launch zu teilen. 3-10 Influencer sollten ausreichen.
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Der Ingwer-Kurkuma Shot ist ein wahres Power-Pulver und überzeugt die Follower. (Foto: Instagram Vitalute | Raffaela Rein)

GründerDaily: Welche Rolle spielen Feedback und Anregungen der Community bei der Entwicklung eines neuen Produkts?

Raffaela von WildWildVentures: Wenn man bereits eine Community hat, kann man sich sehr viele Fehler ersparen. Man bekommt einfach schnelleres und ehrlicheres Feedback, kann Design und Branding kostengünstig testen. Das ist das Geniale an unserer heutigen Zeit.

GründerDaily: Vitalute soll ein ortsunabhängiges Unternehmen sein. Welche rechtlichen und steuerlichen Richtlinien muss man beachten, wenn man ortsunabhängig arbeitet?

Raffaela von WildWildVentures: Wir sind derzeit mehr als sechs Monate im Jahr in Deutschland. Insofern sind wir rechtlich und steuerlich eine ganz normale deutsche GmbH.

GründerDaily: Du machst dich unter anderem für Frauen in der Start-up-Szene stark. Welche Schritte müssten deiner Meinung nach von Seiten der Politik ergriffen werden, um Fempreneurs stärker zu fördern?

Ich wünsche mir zudem mehr frauenfokussierte Gründungsstipendien, denn es ist erwiesen, dass sich Frauen gerade bei den ersten Finanzierungsrunden schwertun. 

Raffaela von WildWildVentures: Für die Gründerszene im Allgemeinen wünsche ich mir von der Politik bessere Handhabung von Mitarbeiteranteilen. Da haben wir in Deutschland einen starken Nachteil im Gegensatz zu der USA. Extrem wichtig wäre es auch, einen Zukunftsfond aufzusetzen, um in Start-ups zu investieren. Denn was das Funding angeht, sind wir weit hinter anderen Ländern in dieser Sache.

Letztlich wünsche ich mir eine Verbesserung der Wohnwirtschaft: Es ist sehr schwer, für Mitarbeiter Wohnungen in Berlin zu finden.

Ich befürchte, dass der Mietendeckel das nur noch verschlimmert. Ich würde mir wünschen, dass die Politik eher über die Beschleunigung von Bauanträgen und die Anreize für Investoren denkt, als über einen Mietendeckel, der nicht eine Wohnung mehr auf den Markt bringt.

Spezifisch für Frauen sollte es die Politik einfacher machen, einen Kindergartenplatz zu bekommen und Unterricht zum Thema Unternehmertum in allen Schulen anbieten.

GründerDaily: Liebe Raffaela Rein, danke für das Gespräch und die spannenden Einblicke. 

Keyfacts über Vitalute

  • Gegründet im Jahr: 2019
  • Firmensitz in: Berlin
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 3 Leuten
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: Die Gründer
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Amazon
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für uns folgende:
    • Menschen: Mein Mitgründer und Partner
    • Tools: Google Drive, Apple Notes, Amazon Seller App, Helium 10 (eine Analyse Software für Amazon)
    • Internetseiten: Amazon, Instagram und LinkedIn

 

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