Value Proposition Canvas: Produkte entwickeln, die Kunden wirklich wollen

Mit dem Value Proposition Canvas (VPC) erkennen Gründer die wahren Probleme ihrer potenziellen Kunden. So entstehen Lösungen, für die Menschen gerne Geld zahlen. Denn genau daran scheitern Selbstständige und Unternehmen häufig.

Mit unserer kostenlosen VPC-Vorlage und der Schritt-für-Schritt-Anleitung bauen Gründer ein tragfähiges Geschäftsmodell auf.

Redaktion

Geschrieben von Experte Rechtsformen

Für-Gründer.de Redaktion

Daniel Sorge hat sich bereits als Werkstudent redaktionell mit Finanzthemen auseinandergesetzt. Als SEO-Redakteur ist er bei Für Gründer einerseits dafür verantwortlich, dass möglichst viele Gründungsinteressierte die kostenlosen Inhalte über Google erreichen. Andererseits verfasst er auch selbst Beiträge: rund um das Thema Rechtsformen.

Inhaltlich geprüft Chefredakteur

Für-Gründer.de Redaktion

Seit 2010 ist René als Gründer von Für-Gründer.de Teil der deutschen Gründerlandschaft. Seine Mission: Gründerinnen und Gründern praxisnahe Inhalte und echte Insights an die Hand zu geben. Das tut er als Chefredakteur, Podcast-Host, Webinar-Moderator und auf unserem YouTube-Kanal.

Er ist Interviewpartner in anderen Medien und verfasst Fachbeiträge zu Gründungsthemen.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Das VPC besteht aus zwei Seiten: dem Customer Profile (Kundenprofil) und der Value Map (Angebot).
  • Ziel: das Angebot auf Kundenbedürfnisse abstimmen.
  • Wichtig dabei: Kunden gut kennen und ihre Aufgaben und Bedürfnisse konkret ausformulieren.
  • Das Ergebnis ist die Value Proposition (Wertversprechen).
  • Das Wertversprechen sollte mit Prototypen getestet und angepasst werden.

  | Value Proposition Canvas einfach erklärt

Das Value Proposition Canvas ist ein Werkzeug für Unternehmer, das dabei hilft, ein Wertversprechen (Value Proposition) auszuformulieren. Es besteht aus zwei Teilen:

  • Die Angebotsseite (Value Map) links bildet den Nutzen des Produkts ab.
  • Die Kundenseite (Customer Profile) rechts beschreibt Aufgaben, Wünsche und Probleme der Zielgruppe.
Das Value Proposition Canvas besteht aus zwei Seiten: Die Value Map links umfasst die Gain Creators, Pain Relievers und Products/Services. Das Customer Profile rechts besteht aus Customer Jobs, Pains und Gains.
Nach diesem einfachen Schema lässt sich in kurzer Zeit ein Value Proposition Canvas erstellen.

Die Value Proposition bezeichnet den konkreten Nutzen des Produkts für die Kunden. Die Anwendungszwecke sind folgende:

  • Produktidee und Geschäftsmodell prüfen: Anhand des ausformulierten Wertversprechens lässt sich einschätzen, inwiefern echte Kundenprobleme adressiert werden.
  • Team-Workshop: Die Value Proposition stellt sicher, dass alle dieselbe Zielgruppe vor Augen haben.
  • Investoren-Pitch: Mit einer Value Proposition kann Geldgebern der Nutzen des Produkts für Kunden überzeugend vermittelt werden.
Die drei Kernfragen des VPC

Die Value Proposition soll drei Fragen beantworten:

  1. Welches Problem löst das Produkt?
  2. Welchen Nutzen erhält der Kunde?
  3. Warum ist dieses Angebot besser oder einzigartig?

Ziel: Das Angebot soll echte Kundenbedürfnisse erfüllen. Wenn das gelingt, ist der Problem-Solution Fit erreicht. Nur dann besteht Nachfrage und das Produkt wird gekauft.

Eine Value Proposition lässt sich auf viele Arten formulieren. Das folgende Format von Steve Blank hat sich etabliert:

  • "Wir helfen A, B zu erledigen, indem wir C."

Beispiel: die Value Proposition von Airbnb.

  • "Wir helfen Reisenden, authentische und bezahlbare Unterkünfte auf der ganzen Welt zu finden, indem wir sie mit privaten Gastgebern verbinden, die einzigartige Wohnorte anbieten."
Ursprung des Value Proposition Canvas

Das Value Proposition Canvas wurde vom Unternehmer Alexander Osterwalder entwickelt. Es ist eine Ergänzung zum bekannten Business Model Canvas.

  | Vorteile des Value Proposition Canvas

Das VPC hat einige Vorteile:

  • Einfache Nutzung: Das VPC ist schnell erklärt und leicht nutzbar, da es keine Vorkenntnisse oder besonderen Mittel voraussetzt.
  • Flexibel einsetzbar: allein, im Team oder im Workshop. Digital oder auf Papier.
  • Risikominimierung: Schwachstellen im Geschäftsmodell wie unklare Zielgruppen oder unpassende Features werden früh sichtbar.
  • Effektiver Vertrieb: Mit dem VPC werden Wertversprechen formuliert. Diese dienen als Grundlage für eine überzeugende Kommunikation mit den Kunden.

Ein Value Proposition Canvas lässt sich schon in 30-45 Minuten erstellen. Es bringt Struktur in vage Ideen, die beispielsweise in einem Brainstorming entstanden sind.

Dank des simplen Aufbaus lässt es sich auch leicht in ein Business Model Canvas integrieren. So dient das Value Proposition Canvas als unkompliziertes Tool bei der Erarbeitung eines Businessplans.

Wer das Value Proposition Canvas im Team nutzt, stellt sicher, dass alle Beteiligten am selben Kundenbild arbeiten. Im Rahmen eines gemeinsamen Workshops lassen sich Perspektiven abgleichen und Annahmen hinterfragen.

Dies ist besonders hilfreich bei der Vorbereitung von Pitchdecks, zur Ideenfindung im Team oder zur Kundenanalyse.

Liegt bereits eine Produktidee vor, ist das Value Proposition Canvas ein Realitätscheck: Bietet das Angebot echten Nutzen für die Zielgruppe? Ist dies nicht der Fall, wird die Nachfrage ausbleiben.

Produktideen testen und entwickeln

Ausgehend vom Kundenprofil dient das VPC auch dazu, Ideen für kundenzentrierte Produkte zu entwickeln. Das Modell hilft dabei, aus Sicht der Zielgruppe zu denken und ihre Probleme herauszuarbeiten.

Dank des systematischen Vorgehens werden solche Schwächen der Geschäftsidee frühzeitig erkannt. Dadurch lassen sich Fehlannahmen korrigieren, bevor sie zum Scheitern des Unternehmens führen.

Value Proposition für erfolgreichen Vertrieb

Schließlich verschafft das VPC Unternehmern Klarheit über das Wert- beziehungsweise Leistungsversprechen ihres Produkts.

Diese Value Proposition dient als Basis für eine überzeugende Kommunikation: Ein eindeutiges Wertversprechen lässt sich direkt in Verkaufsargumente und Marketing-Slogans übersetzen.

Beispiel: Ein bekannter Slogan von Airbnb lautet "Belong Anywhere" ("überall zu Hause"). Das Versprechen an Reisende von bezahlbaren Unterkünften auf der ganzen Welt wird so in zwei Worten zugespitzt.

Podcast: Start-up-Coach hält das Value Proposition Canvas für essenziell

  | Aufbau des Value Proposition Canvas

Das Value Proposition Canvas besteht aus zwei Seiten, die jeweils in drei Bereiche unterteilt sind.

Das Value Proposition Canvas besteht aus zwei Seiten: Die Value Map links umfasst die Gain Creators, Pain Relievers und Products/Services. Das Customer Profile rechts besteht aus Customer Jobs, Pains und Gains.
Das Value Proposition Canvas: links die Produktseite, rechts die Kundenseite.

Die rechte Seite des Value Proposition Canvas wird als Kundenprofil (Customer Profile) bezeichnet. Sie umfasst drei Bereiche:

  1. Kundenaufgaben (Customer Jobs): z. B. Termine organisieren, Rechnungen schreiben
  2. Schmerzpunkte (Pains): z. B. Zeitdruck, Rechnungschaos
  3. Gewinne (Gains): z. B. Zeitersparnis, Rechnungsübersicht

Die linke Seite wird Wertangebot (Value Map) genannt. Auch sie besteht aus drei Teilen:

  1. Produkte und Dienstleistungen (Products and Services): z. B. Terminplaner-App, Rechnungssoftware
  2. Problemlöser (Pain Relievers): z. B. Automatische Terminerinnerungen, Zentrale Rechnungsübersicht
  3. Nutzenstifter (Gain Creators): z. B. Automatische Terminsynchronisation, Benachrichtigungsfunktion für überfällige Zahlungen

Nur wenn die rechte und linke Seite so wie hier inhaltlich übereinstimmen, entsteht ein echter Mehrwert – und damit ein tragfähiges Angebot.

Kundenprofil (Customer Profile): Die rechte Seite des VPC

Das Kundenprofil (Customer Profile) im Value Proposition Canvas beschreibt die Sichtweise des Kunden. Für jedes Kundensegment muss ein eigenes Kundenprofil ausgefüllt werden. Das Kundensegment fokussiert sich auf eine konkrete Zielgruppe (z. B. preisbewusste Verbraucher, Studenten, Geschäftskunden).

Das Customer Profile ist die Kundenseite. Sie besteht aus den drei Bereichen Customer Jobs, Pains und Gains.
Das Customer Profile ist die Kundenseite. Sie besteht aus den drei Bereichen Customer Jobs, Pains und Gains.

Das Kundenprofil im Value Proposition Canvas ist in drei Teile gegliedert. Entscheidend sind die Kundenaufgaben (Customer Jobs). Das sind Aufgaben, die ein Kunde erledigen muss.

Beispiel: Die Steuererklärung ist eine Aufgabe, vor der Unternehmer und Selbstständige jedes Jahr aufs Neue stehen.

Aus den Kundenaufgaben lassen sich entsprechende Schmerzen (Pains) ableiten. Dabei handelt es sich um Ängste, Risiken oder Hindernisse, die das Erfüllen der Aufgabe erschweren.

Beispiel: Gründer empfinden die komplizierten Formulare häufig als ein großes Hindernis bei der Steuererklärung. Das spiegelt sich auch in der Beliebtheit unseres Ratgebers zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wider.

Gains sind die Gewinne, die eine Lösung der Aufgabe dem Kunden bringen. Wird ein Pain beseitigt, handelt es sich meist um einen erwarteten Gain. Darüber hinaus kann es noch erwünschte und unerwartete Gains geben.

Beispiel:

  • Was zum Verständnis komplizierter Steuerformulare beiträgt, hilft Unternehmern dabei, die Steuererklärung schnell und einfach zu erledigen.
  • Zusätzlich wünschen sich viele Unternehmer eine klare Übersicht über potenzielle Steuervorteile, um gezielt sparen zu können.
  • Eine Erinnerung per E-Mail, welche Belege für das nächste Steuerjahr gesammelt werden sollten, wäre ein zusätzlicher unerwarteter Nutzen.

 Jobs, Pains und Gains können funktional, emotional und sozial sein. Die folgende Tabelle liefert entsprechende Beispiele:

  Customer Job Pain (erwarteter) Gain
funktional Steuererklärung erledigen Komplizierte Formulare Steuererklärung schnell und einfach erledigen
emotional Sicher bei finanziellen Entscheidungen fühlen Unsicherheit und Überforderung Finanzielle Entscheidungen selbstbewusst treffen
sozial Im Team ernst genommen werden Inkompetent vor Kollegen wirken Vor Kollegen Professionalität ausstrahlen

Diese Kategorien helfen später dabei, Produktfeatures gezielt auf die wichtigsten Kundenerwartungen auszurichten: Beispielsweise Ausfüllhilfen für Formulare (funktional), Hilfebereiche zu Steuerthemen (emotional) oder PDF-Vorlagen mit professionellem Layout (sozial).

Wertangebot (Value Map): Die linke Seite des VPC

Das Wertangebot (Value Map) ist die Produktseite des Value Proposition Canvas. Sie beschreibt, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung Wert für den Kunden schafft.

Die Value Map ist die linke Seite des VPC. Sie besteht aus Gain Creators, Pain Relievers und Products and Services.
Die Value Map ist die Angebotsseite. Sie besteht aus den drei Bereichen Gain Creators, Pain Relievers und Products and Services.

Wie das Kundenprofil besteht auch das Wertangebot aus drei Komponenten. Im Feld Produkte und Dienstleistungen (Products and Services) wird beschrieben, was das Unternehmen konkret anbietet. Auf dieses Angebot wird sich bei der Bearbeitung der folgenden beiden Felder der Value Map konzentriert.

Den Pains auf der Kundenseite entsprechend werden auf der Produktseite Problemlöser (Pain Relievers) festgehalten. Sie beschreiben konkret, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung Schmerzpunkte der Kunden behandelt.

Beispiel: Ein Pain Reliever für den Pain "komplizierte Steuerformulare" könnte lauten "mit nur wenigen Klicks werden komplexe Steuerdokumente vorausgefüllt".

Den Gains auf der Kundenseite wiederum entsprechen die Nutzenstifter (Gain Creators) auf der Produktseite. Sie beschreiben, wie das Angebot Kunden hilft, Wünsche, Erwartungen oder Ziele zu erreichen.

Beispiel: Ein Gain Creator für den Gain "Steuererklärung schnell und einfach erledigen" könnte lauten "eine automatische Datenübernahme ermöglicht die Erstellung der Steuererklärung ohne Fachwissen".

Hier passen die Pain Relievers und Gain Creators des Angebots zu den Pains und Gains der Kunden.

Der Problem-Solution-Fit ist erreicht: Das Produkt bietet Lösungen für genau jene Schmerzpunkte, über die sich die Zielgruppe beklagt. Nur dann kann ein Angebot am Markt bestehen.

  | Value Proposition Canvas: Beispiele

Die folgenden Beispiele sollen verdeutlichen, wie man ein Value Proposition Canvas ausfüllt. Untersucht werden drei Produkte:

  1.  Die Cloud-Buchhaltungssoftware von sevDesk
  2. Der Homepage-Baukasten von IONOS
  3. Das digitale Geschäftskonto von Finom

Das Kundensegment: digital affine Einzelunternehmer, die frisch gegründet haben.

Sie stehen oft unter Zeitdruck und müssen sich in einer Flut von Informationen zurechtfinden. Klare, einfache Lösungen sind daher besonders wichtig.

Kundenprofil für digital affine Einzelunternehmer
Beispielhaftes Kundenprofil für die Zielgruppe "digital affine Unternehmer".
Ein Kundenprofil für die Zielgruppe "digital affine Unternehmer": Sie müssen häufig unter Zeitdruck eine breite Facette an Aufgaben erledigen.

Die Buchhaltung zählt zu den grundlegenden Aufgaben von Unternehmern. Fehlt ein strukturiertes Vorgehen, entsteht schnell ein Belegchaos, das die Finanzverwaltung zusätzlich erschwert. Ein strukturgebendes Angebot vereinfacht die Buchhaltung und spart wertvolle Zeit.

Eine eigene Website unverzichtbar, um im Internet sichtbar zu sein und das eigene Angebot zu präsentieren. Doch ohne technische Vorkenntnisse kann die Erstellung der Homepage schnell zur Überforderung werden.

Wer als Unternehmer Einnahmen und Ausgaben effizient managen will, braucht klare Übersicht. Ein gutes Geschäftskonto erleichtert die Kostenkontrolle. Allerdings entpuppt sich der Eröffnungsprozess häufig als überraschend langwierig.

Wertangebot: Drei Beispiele im Überblick

SevDesk ist eine cloudbasierte Buchhaltungssoftware, die speziell für Selbstständige, Freelancer und kleine Unternehmen entwickelt wurde. Die angebotenen Funktionen und Lösungen richten sich gezielt an digital affine Unternehmer.

Die Value Map für die Buchhaltungssoftware sevDesk als Beispiel.
Value Map: Pain Relievers und Gain Creators der Buchhaltungssoftware sevDesk.

Zwischen Wertangebot und Kundenprofil besteht ein eindeutiger Problem-Solution-Fit:

  • Produkt: Als Cloud-Buchhaltungssoftware bietet SevDesk eine digitale, ortsunabhängige Lösung zur Buchhaltung.
  • Problemlöser: Die automatische Digitalisierung und strukturierte Ablage von Belegen verhindert Belegchaos.
  • Nutzenstifter: Der mobile Zugriff und ein Dashboard ermöglichen jederzeit den Überblick.

Auch IONOS richtet sich mit seinem Homepage-Baukasten an Unternehmer. Die Abstimmung auf die Bedürfnisse der Zielgruppe sieht wie folgt aus:

  • Produkt: Ein benutzerfreundlicher Homepage-Baukasten.
  • Problemlöser: Die intuitive Bedienung (Drag and Drop) beseitigt technische Hürden bei der Website-Erstellung.
  • Nutzenstifter: Ein KI-gestützer Textgenerator spart Zeit bei der Texterstellung.

Das digitale Geschäftskonto von Finom passt hingegen folgendermaßen zum Kundenprofil digital affiner Unternehmer:

  • Produkt: Digitales und mobiles Geschäftskonto für alle Unternehmensformen.
  • Problemlöser: Schneller Start ohne Papierkram und mit voller Kostentransparenz.
  • Nutzenstifter: Cashback auf Zahlungen senkt laufende Kosten automatisch.

Die Beispiele zeigen, wie sich Produktmerkmale klar einzelnen Jobs, Pains und Gains zuordnen lassen. So entsteht ein nachvollziehbarer Problem-Solution-Fit, der die Grundlage für ein überzeugendes Wertversprechen bildet.

  | Value Proposition Canvas erstellen: Vorlage und Schritt-für-Schritt-Anleitung

Hinweis: Ein aussagekräftiges VPC lässt sich nur ausgehend von einer detaillierten Kenntnis über das Kundensegment erstellen. Liegt diese nicht vor, sollten zuerst Kundeninterviews und Umfragen durchgeführt werden.

Im Idealfall wird das VPC auf Grundlage eines typischen Vertreters der Zielgruppe (Persona) erstellt. Die entsprechenden Informationen können auf der Kundenseite unserer VPC-Vorlage eingetragen werden.

Vorlage kostenlos herunterladen

Ist das Kundensegment bekannt, lässt sich ein Value Proposition Canvas in acht einfachen Schritten erstellen:

1. Kundenaufgaben ermitteln
  • Welche Aufgaben, Ziele oder Probleme versucht die Zielgruppe zu bewältigen?
  • Auch emotionale und soziale Aspekte berücksichtigen.
  • Methoden wie die Empathy Map helfen, sich besser in Kunden hineinzuversetzen.
2. Schmerzen der Kunden ermitteln
  • Was ist für die Zielgruppe schwierig oder wovor hat sie Angst?
  • Eine Pain-Point-Analyse kann sich hier lohnen.
3. Gewinne der Kunden ermitteln
  • Welche Ergebnisse wünscht sich die Zielgruppe?
  • Was würde sie überraschen oder begeistern?
  • Gewinne können erwartet, unerwartet oder erwünscht sein.
4. Produkte und Dienstleistungen bestimmen
  • Welches Produkt oder welche Dienstleistung soll auf Marktfähigkeit getestet werden?
  • Für jedes Produkt und jede Dienstleistung sollte ein eigenes VPC erstellt werden.
5. Problemlöser formulieren
  • Welche Probleme löst das Produkt?
  • Spart das Produkt Zeit?
  • Hilft es dabei, Fehler zu vermeiden?
6. Nutzenstifter ermitteln
  • Welchen zusätzlichen Nutzen bietet das Produkt, der über die Problemlösung hinaus geht?
  • Was am Produkt ist für Kunden nicht nur nützlich, sondern begeistert?
7. Fit prüfen
  • Gibt es für jeden relevanten Schmerz einen Problemlöser?
  • Gibt es für jeden wichtigen Gewinn einen Nutzenstifter?
  • Falls ja, ist die Basis für ein erfolgreiches Produkt gelegt: der Problem-Solution Fit.
  • Falls nein, muss das Produkt überarbeitet werden.
8. Value Proposition formulieren
  • Dazu kann folgende Formel genutzt werden:

     

Wir helfen [Zielgruppe], [Customer Job] zu erledigen, indem wir [Pain beseitigen] und [gewünschten Gain ermöglichen].

Beispiel: "Wir helfen Coaches, ihre Buchhaltung in unter 20 Minuten im Monat zu erledigen – ohne Steuerstress und mit vollem Überblick über Einnahmen und Ausgaben."

Tipp

Die Vorlage eignet sich nicht nur zur Analyse bestehender Angebote, sondern auch zur Entwicklung neuer Produkte.

Aus den identifizierten Pains und Gains der Zielgruppe lassen sich gezielt Pain Relievers und Gain Creators ableiten. Daraus können wiederum konkrete Produktideen entwickelt werden.

Vorlage herunterladen

  | Häufige Fehler, Tools und ChatGPT-Prompts

Bestimmte typische Fehler sorgen dafür, dass ein VPC nicht die gewünschte Klarheit bringt. Wie man sie vermeidet und mit welchen Tools sich das Value Proposition Canvas noch einfacher umsetzen lässt.

Fünf häufige Fehler beim Erstellen eines VPC

1. Unklare oder zu breite Zielgruppe

Wenn Zielgruppen zu allgemein beschrieben sind, bleiben Customer Jobs, Pains und Gains vage. Das Nutzenversprechen wirkt dann beliebig.

Dieser Fehler lässt sich durch sorgfältige Kundenforschung vermeiden. Mithilfe von Interviews können konkrete Kundengruppen identifiziert werden, auf die das Value Proposition Canvas ausgerichtet wird. Für jede Zielgruppe sollte ein eigenes Canvas erstellt werden, um deren spezifische Bedürfnisse und Herausforderungen zu erfassen.

2. Customer Jobs nicht konkret genug

Beim Ausformulieren der Kundenaufgaben ist es wichtig, konkrete Handlungen statt Themenfelder zu benennen. Abstrakte Customer Jobs führen dazu, dass aus vagen Pain Relievers ein schwaches Nutzenversprechen formuliert wird.

Statt "Finanzen" könnte ein Customer Job beispielsweise lauten: "Ich möchte meine Einnahmen kategorisieren, um den Überblick zu behalten".

3. Produktfeatures als Pain Relievers und Gain Creators

Auch die Produktseite sollte so konkret und präzise wie möglich ausgefüllt werden. Häufig werden bloße Produktfeatures als Pain Relievers und Gain Creators interpretiert. Dieses Vorgehen verfehlt aber den eigentlichen Kundennutzen.

Folgende Frage hilft dabei, aus Kundensicht zu denken: "Wie hilft dieses Feature, ein Problem zu lösen oder ein Ziel zu erreichen?"

Aus dem Merkmal "intuitive Nutzeroberfläche" wird so "ermöglicht selbstständige Nutzung ohne technisches Vorwissen". Dadurch wird der Bezug zum Pain "ich fühle mich überfordert und verliere den Überblick" auf der Kundenseite deutlich.

4. Überladenes Canvas

Oft wird das Value Proposition Canvas mit zu vielen Informationen gefüllt. Statt Klarheit entsteht dann Verwirrung.

Ein gutes Canvas konzentriert sich auf die wichtigsten Probleme, Bedürfnisse und Angebote einer klar definierten Zielgruppe. Für ein übersichtliches VPC sollten Pains und Gains priorisiert werden.

Hierzu ist eine Gewichtung sinnvoll, zum Beispiel mittels einer Punktevergabe. So lassen sich die drei relevantesten Aspekte bestimmen, auf die sich die Value Map ausrichten kann.

5. Value Proposition zu generisch

Ziel des Value Proposition Canvas ist ein konkretes und einzigartiges Nutzenversprechen. Aussagen wie "wir machen es einfacher" oder "wir bieten Qualität" erfüllen diesen Anspruch nicht. In vielen Fällen ist das ein Hinweis darauf, dass die Kundenperspektive in den vorangegangenen Schritten noch zu vage war.

Eine starke Value Proposition baut auf den zuvor konkret ausformulierten Elementen des VPC auf. Mit folgender Formel wird das Nutzenversprechen kundenzentriert und aussagekräftig: "Wir helfen [Zielgruppe], [Job] zu erledigen – ohne [Pain] und mit [Gain]."

Value Proposition Canvas: Wann sich Miro, Canva und ChatGPT lohnen

Für ein Value Proposition Canvas braucht man im Grunde nur eine Vorlage und ein paar Stifte. Je nach Ziel kann sich aber der Einsatz von digitalen Tools oder ChatGPT lohnen.

Tipp

Wer kein Geld für ein Tool ausgeben will, kann auch mit dem Value Proposition Canvas Coach von für-gründer.de arbeiten.

Zum VPC-Coach

Im Folgenden eine Übersicht zu gängigen Tools, die für die Erstellung eines Value Proposition Canvas genutzt werden:

Tool Geeignet für Vorteile Nachteile Preis
Strategyzer
  • Strategischer Fokus
  • Lean Startup Teams
  • Klar strukturiert
  • Validierungs- und Testing-Module
  • Eingeschränkte Individualisierung
  • Eingeschränkt kostenlos nutzbar
Auf Anfrage (kostenlose Vorlagen zum Download)
Miro
  • Selbstständige mit klarem Plan
  • Teams
  • Workshops
  • VPC-Vorlagen
  • Zusammenarbeit in Echtzeit
  • Vielseitig
  • Wirkt schnell unübersichtlich
  • Einarbeitung nötig

Kostenlos / Pro-Funktionen ab 7 € pro Mitglied

Canva
  • Visuell denkende Unternehmer
  • Pitches und Präsentationen
  • Einfache Bedienung
  • Viele Design-Vorlagen
  • Perfekt für Pitchdecks
  • Nicht für Workshops und Teams geeignet
  • Kein Strategie-Fokus
Kostenlos / Pro-Version ab 7,50 € (bei jährlicher Zahlweise)

 

ChatGPT hilft beim Brainstormen. Mit der folgenden Eingabe lässt sich schnell checken, ob das Produkt kundenzentriert ist. Außerdem liefert ChatGPT wertvolle Verbesserungsvorschläge.

ChatGPT-Prompt: Problem-Solution-Fit prüfen

Du bist ein erfahrener Innovationscoach und Business Designer. Hilf mir, ein präzises Value Proposition Canvas zu erstellen.

Hier sind die Informationen zu meinem Vorhaben:

  • Zielgruppe (Customer Segment): [Zielgruppe möglichst konkret beschreiben: Demografisch, beruflich, psychografisch etc.]
  • Produkt/Dienstleistung: [Angebot knapp und klar beschreiben]

Bitte liefere:

  1. Ein vollständiges Value Proposition Canvas mit folgenden Bereichen:
    - die drei wichtigsten Customer Jobs
    - die drei wichtigsten Pains
    - die drei wichtigsten Gains
    - Products & Services (halte dich strikt an meine Vorgabe)
    - Pain Relievers
    - Gain Creators
  2. Eine kritische Einschätzung: Liegt ein Problem-Solution fit vor? Falls ja, formuliere eine griffige und präzise Value Proposition. Falls nein, erläutere, wieso nicht.
  3. Vorschläge zur Verbesserung meines Angebots, falls du Lücken erkennst.

Denke bitte wie ein Gründercoach, der ehrliches, direktes und umsetzbares Feedback geben möchte.

Auch zur Entwicklung neuer Produkte für eine bestimmte Zielgruppe im Rahmen des VPC kann ein ChatGPT-Prompt genutzt werden.

ChatGPT-Prompt: Produktideen entwickeln

Du bist ein erfahrener Innovationsstratege und Business Designer. Ich möchte gemeinsam mit dir ein neues Produkt entwickeln, das exakt auf die Bedürfnisse meiner Zielgruppe zugeschnitten ist. Nutze das Value Proposition Canvas als strukturierte Grundlage für unsere Arbeit. Ich beschreibe dir nun meine Zielgruppe möglichst konkret. Fülle das Canvas aus. Dein Ziel: Hilf mir, ein Produkt zu entwickeln, das echten Problem-Solution-Fit erreicht – strategisch fundiert, kundenorientiert und marktfähig.

Hier sind die Infos zu meiner Zielgruppe: 
Demografie und Beruf: [ausfüllen]
Alltag & Verhalten: [ausfüllen]
Herausforderungen: [ausfüllen]
Ziele und Wünsche: [ausfüllen]

Bitte:

  1. Hilf mir beim Ausfüllen des Customer-Profils (Customer Jobs, Pains, Gains).
  2. Leite aus dem Kundenprofil Ideen für mögliche Produkte ab.
  3. Zeige mir passende Pain Relievers und Gain Creators, die ein Produkt haben müsste, um echten Nutzen zu schaffen, sich klar vom Wettbewerb abzuheben und am Markt bestehen zu können.
  4. Liefere mir eine erste Skizze eines Produkts oder Angebots, das auf diesem Canvas basiert.
  5. Gib mir kritisches Feedback zur Plausibilität und Differenzierung meiner Idee.

  | Value Proposition testen

Ein starkes Nutzenversprechen ist nur der Anfang: Jetzt muss es sich auch am Markt bewähren. Im nächsten Schritt muss also die Value Proposition überprüft werden. Dazu sollte schnellstmöglich eine erste funktionsfähige Version des Produkts (MVP) am Markt getestet werden.

Für den Test sollten im Vorfeld konkrete qualitative und quantitative Erfolgskriterien definiert werden: Wie viele potenzielle Kunden zeigen echtes Interesse? Welche konkreten Aussagen zum Nutzen des Produkts sind entscheidend?

Wenn der Test erfolgreich ist, wird das Business Model Canvas mit den neuen Erkenntnissen aktualisiert. Danach gilt es, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu enwickeln.

Fällt der Test negativ aus, sollte das Value Proposition Canvas überarbeitet und erneut getestet werden.

  | Unser Fazit

Das Value Proposition Canvas hilft dabei, Produkte auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen. Es besteht aus zwei Teilen: dem Kundenprofil (Customer Profile) und dem Wertangebot (Value Map).

Ziel ist es, das Produkt an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Nur dann kann es auch am Markt bestehen.

Daten aus Kunden-Interviews und -Umfragen bieten eine fundierte Grundlage für die Erstellung eines VPC. Die Arbeit mit dem Canvas lässt sich in drei Schritte strukturieren:

  1. Kundenprofil ermitteln: welche Probleme und Wünsche hat er?
  2. Wertangebot bestimmen: welche Probleme löst das Produkt? Welchen Nutzen stiftet es?
  3. Prüfen, ob das Angebot ein Kundenproblem löst: löst das Produkt die Probleme der Kunden? Erfüllt es ihre Wünsche?

Hält das Angebot dieser Prüfung stand, liegt ein Problem-Solution-Fit vor.

Dieser sollte anschließend mithilfe eines Prototyps (z. B. einer Skizze oder eine Testversion) am Markt validiert werden.

Jetzt marktfähige Produkte entwerfen
War der Artikel hilfreich?

Als Gründer, Selbstständiger oder Unternehmer weißt du, wie wichtig passgenaue Inhalte sind. Hilf uns, diese auch in Zukunft zu liefern, indem du uns bewertest.

Autor: Daniel Sorge
Experte Rechtsformen
Daniel Sorge, SEO-Redakteur und verantwortlich für Rechtsformen auf für-gründer.de

Daniel Sorge hat sich bereits als Werkstudent redaktionell mit Finanzthemen auseinandergesetzt. Als SEO-Redakteur ist er bei Für Gründer einerseits dafür verantwortlich, dass möglichst viele Gründungsinteressierte die kostenlosen Inhalte über Google erreichen. Andererseits verfasst er auch selbst Beiträge: rund um das Thema Rechtsformen.