Geld von der Crowd: Finanzierung durch den Schwarm

Neben klassischen Geld- und Kapitalgebern wie Banken, Business Angels oder VC-Gesellschaften hat sich in den letzten Jahren auch die Finanzierung durch die Crowd zu einem möglichen Weg für Selbstständige, Start-ups und Unternehmen entwickelt. Auch wenn es sich im Vergleich zu den klassischen Wegen noch um eine Nische handelt.

Die Rahmenbedingungen bei der Finanzierung durch die Crowd sind je nach Form, sei es der Kredit, die Beteiligung oder die Unterstützung für ein Dankeschön, sehr unterschiedlich.



Verschiedene Arten der Crowdfinanzierung

Die Idee hinter der Crowdfinanzierung ist, dass sich viele, meist kleine Geldgeber, in der Crowd (zu Deutsch: der Schwarm) zusammenschließen. So summieren sich auch die kleinen Beträge eines einzelnen Geldgebers zu einer größeren Summe. Wenn Banken Kredite an Unternehmen vergeben, verfolgen sie eigentlich das gleiche Prinzip, da sie die Gelder aus den Einlagen der zahlreichen Kunden bündeln. Bei der Crowdfinanzierung wird allerdings kein Intermediär wie die Bank benötigt. Das Unternehmen tritt direkt mit der Crowd in Verbindung und trifft die entsprechende Vereinbarung. Bei der Finanzierung durch die Crowd gibt es vier maßgebliche Formen:

  • Crowdfunding
  • Crowdinvesting (häufig auch als equity-based crowdfunding bezeichnet)
  • Crowdlending
  • Crowddonation

Die Unterschiede bestehen insbesondere darin, wie die Crowd das Kapital zur Verfügung stellt - also welche Gegenleistung durch das Unternehmen erbracht wird. Gemeinsam ist den verschiedenen Formen der Finanzierung durch die Crowd, dass die Vermittlung über Onlineplattformen erfolgt und durchgeführt wird. Diese partizipieren dann in der Regel bei erfolgreichen Finanzierungen über ein entsprechendes Vergütungsmodell. 

TIPP

Wie viel Geld die Crowd in Deutschland über die einzelnen Kanäle zur Verfügung stellt, halten wir regelmäßig in unserem Crowdfinanzierungs-Monitor fest.

Crowdfunding: Unterstützung durch die Crowd für Kreative

Crowdfunding basiert auf einer Unterstützung durch die Crowd, die im Gegenzug sogenannte Dankeschöns erhält. Diese sind durch den Projektinitiator frei bestimmbar. Oftmals sind sie allerdings eng mit dem zu finanzierenden Projekt verbunden. So erhält die Crowd oftmals zum Projektabschluss das fertige Produkt, das sie unterstützt hat. Es besteht aber keine direkte vertragliche Beziehung zwischen der Crowd und dem Projektinitiator.

Geeignet ist Crowdfunding vor allem für Kreative und Künstler, die somit oft ihre CDs, Bücher, Filme oder Kunstprojekte finanzieren wollen. Allerdings sind ebenfalls Finanzierungen durch die Crowd für Soft- und Hardware, IT-Projekte, Games sowie Ladengeschäfte oder gastronomische Konzepte auf den Plattformen zu finden. 

Während auf großen internationalen Plattformen wie indiegogo oder kickstarter die Crowd auch Kapital im Millionenbereich für einzelne Projekte zur Verfügung stellt, sind die Projekte auf hiesigen Plattform wie bspw. Startnext noch deutlich kleiner. Insgesamt ist eine Finanzierung per Crowdfunding häufig für Projekte zwischen 5.000 Euro und 50.000 Euro anzutreffen. Dabei ist die Finanzierung über Crowdfunding kein Selbstläufer sondern mit einer intensiven Kommunikation verbunden. Wie man erfolgreich Unterstützung aus der Crowd erhält, sehen Sie hier.

Crowdinvesting: viele kleine Business Angels

Anders als beim Crowdfunding geht die Crowd beim Crowdinvesting eine vertragliche Beziehung zum Start-up ein. Es handelt sich jedoch meist nicht um eine klassische Beteiligung wie bspw. bei einer Business Angel-Finanzierung sondern um ein partiarisches Darlehen, das eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellt. Dennoch wird Crowdinvesting häufig mit der Finanzierung durch einen Business Angel verglichen, wobei es eben viele kleine Business Angels aus der Crowd sind.

Die Investitionsbeträge der einzelnen Mitglieder der Crowd reichen dabei von wenigen Hundert Euro bis zu mehreren tausend Euro. Auf deutschen Plattformen können Start-ups auf diese Weise teilweise sehr hohe Beträge durch die Crowd einsammeln. Typische Finanzierungen bewegen sich zwischen 100.000 Euro und 500.000 Euro, wobei Start-ups auch schon bis zu 3 Mio. Euro pro Finanzierungsrunde eingesammelt haben. Zudem haben Start-ups nach einer erfolgreichen Finanzierung auch die Möglichkeit ein weiteres Mal Kapital von der Crowd zu erhalten, sodass Anschlussfinanzierungen erfolgen können.

Es gibt zahlreiche Plattformen auf denen Start-ups von der Crowd Kapital erhalten können. Und neben der Finanzierung von Start-ups bieten die Plattformen auch Crowdinvesting für mittelständische Unternehmen, grüne Projekte, Immobilien oder Filme an. Erfahren Sie mehr über Crowdinvesting.

Crowdlending: Kredite von der Crowd

Crowdlending - auch bezeichnet als Kredit von privat - gibt es in Deutschland schon länger als die beiden anderen Finanzierungen durch die Crowd. Hierbei schließen sich die Anleger zu Kreditprojekten zusammen und gehen ein klassisches Kreditverhältnis ein. Somit hat der Gründer oder das Unternehmen Zinsen und Tilgung an die Crowd zu leisten.

Die im Markt tätigen Plattformen unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die Voraussetzungen, die Gründer oder Selbstständige für die Finanzierung durch die Crowd mitbringen müssen. So wird teilweise bereits eine seit mehreren Jahren bestehende Geschäftstätigkeit gefordert, um auf der Plattform zugelassen zu werden. Andererseits unterscheiden sich die Plattformen auch in der maximalen Kredithöhe, die von der Crowd zur Verfügung gestellt wird. 

Für Start-ups ist der Kredit durch die Crowd aufgrund des hohen Risikos sicherlich nicht geeignet. Vielmehr dient Crowdlending eher als Alternative für die Finanzierungen, die auch über die Bank stattfinden könnten. Erfahren Sie mehr über Crowdlending und die aktiven Plattformen für Ihren Kredit von der Crowd.

Crowddonation: Spenden durch die Crowd

Eine weitere Form der Crowdfinanzierung ist spendenbasiert und wird als Crowddonation bezeichnet. Hier stellen Projektinitiatoren ihre Initiativen vor, für die sie dann von der Crowd Spenden erhalten. Allerdings eignet sich diese Finanzierung durch die Crowd kaum für gewinnorientierte Start-ups und Unternehmen. Gründer aus dem Bereich Social Entrepreneurship, die bspw. mit einer gGmbH starten, können von Spenden aus der Crowd durchaus profitieren.

Alternativen zur Finanzierung durch die Crowd

Als Alternative zur Finanzierung über die Crowd stehen natürlich die klassischen Wege der Finanzierung offen. Zu diesen zählen:

Welcher Finanzierungsweg in welcher Phase des Unternehmens Sinn macht, haben wir Ihnen im Kapitel zur Finanzierungsstrategie erläutert.

TIPP

Wenn Sie einen Kapitalgeber gewinnen möchten, brauchen Sie einen überzeugenden Business- und Finanzplan! Ein Gründercoach hilft Ihnen und stellt sicher, dass Sie optimal vorbereitet sind - nutzen Sie hierfür das geförderte Gründercoaching.

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