Alltags-Wahnsinn: Tipps für Mompreneurs



Mompreneurs stemmen zwei Herausforderungen: Sie sind Mütter und gleichzeitig Gründerinnen bzw. Unternehmerinnen. Mit den folgenden Experten-Tipps, u. a. von der MomPreneurs.de-Gründerin Esther Eisenhardt, gelingt euch dieser Spagat.

#1 Sucht euch eine naheliegende Geschäftsidee

Sicherlich ist es einfacher, wenn ihr eine Geschäftsidee habt, die sich mit euren Erfahrungen und eurem Umfeld beschäftigt. Das ist natürlich kein Muss, aber eine Orientierung, die euch das Leben als Mompreneur bzw. als Mutter mit Gründungsabsichten leichter machen kann.

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Das Leben von Mompreneurs ist turbulent und anspruchsvoll. Das Wichtigste ist hierbei ein gutes Zeitmanagement. (Foto: Unsplash)

So gründete die Unternehmensmanagerin Andrea Lässing die Kinderstube Nordstadthaus, eine Ganztagsbetreuungs-Kita. Um als Mompreneur durchzuhalten und Kraft zu tanken, gibt sie Frauen in ähnlichen Situationen einen spannenden Tipp:

Was mir sehr nützlich gewesen ist, war das Wissen um meine Stärken und Schwächen, welche ich im Laufe der letzten Jahre beruflich wie auch privat für mich erkannt habe […] Ich hatte eine rosarote Brille auf und war davon überzeugt, dass alles klappen wird. Dieser extreme Optimismus ist zwar nicht für jeden Gründer zu empfehlen, hat mir in diesem Moment jedoch sehr geholfen.

Gnadenloser Optimismus, Gründer-Charaktereigenschaften und eine alltagsnahe Geschäftsidee sind also wirksame Ingredienzien für euer Erfolgsrezept.

Weiterhin empfiehlt Esther Eisenhardt, Gründerin von Mompreneurs.de:

  • Entscheidungen treffen und damit Momentum erreichen. Auch hier sich bewusst für oder gegen etwas zu entscheiden.
  • Früh und schnell in den Markt gehen, verkaufen, um zu verstehen, was funktioniert und was eben nicht funktioniert.
  • Die Zahlen analysieren und stets im Blick behalten, um zukünftig noch bessere Entscheidungen zu treffen.
  • Und der Klassiker: Die eigene Komfortzone verlassen und es einfach MACHEN, um Unmögliches möglich zu machen.

Übrigens: Mütter sind prädestiniert für ein digitales Business, das sie mit Internetzugang, Laptop und Smartphone flexibel unterhalten.

Solch ein Business lässt sich im Home Office aufbauen, was euch Fahrtzeiten und Büromiete erspart.

#2 Den täglichen Wahnsinn mit Zielsetzungen und Wochenplänen organisieren

In der Hektik des Alltags geht der Fokus auf das eigene Wohlbefinden schnell verloren. Als Mompreneurs rotiert ihr oft nur zwischen Business und Kindererziehung und ordnet eure Wünsche dem komplett unter. Auch wenn Elternschaft ein Vollzeitjob ist: Erholungsphasen sind wichtig, damit ihr die alltäglichen Herausforderungen als Mompreneur meistern könnt.

Weiterhin empfiehlt Esther Eisenhardt einen straffen Zielsetzungsplan aufzustellen, um Klarheit für sich selbst zu schaffen und den Fokus auf das für einen selbst Wichtige zu richten:

Hierfür empfehle ich eine 12-Wochen-Planung mit klaren Zielen und vor allem Aktionen, die passieren müssen, damit du dein Ziel nach 12 Wochen auch erreichst. Mindset spielt hier eine sehr wichtige Rolle, d. h., der Glaube an sich selbst und es trotz Mompreneurs-Wahnsinn tatsächlich zu schaffen.

Horcht daher immer wieder in euch hinein: Was brauche ich, um meine Akkus wieder aufzuladen? Wer kann mir im Job sowie auch privat mal etwas abnehmen, sodass ich mal eine Stunde Zeit für mich habe? Plant euch die Sportstunde, den Café-Besuch mit einer Freundin oder den Kinoabend langfristig ein – und verteidigt den Termin wie ein wichtiges Meeting.

Und seid standhaft: Haltet euch strikt daran und widersteht der Versuchung, nur mal kurz zwischendurch aufs Handy zu schauen. So fühlt ihr euch nach ein bis zwei Stunden Entspannungsprogramm, als ob ihr gerade von einem Kurzurlaub zurückgekommen seid. Das braucht ihr auch, denn es gibt eine Gefahr als Mompreneur, die Eisenhardt auf den Punkt bringt:

Viele MomPreneurs versuchen (verzweifelt) allem und allen gerecht zu werden, ignorieren dabei oft die eigenen Ressourcen und irgendwann geht dann gar nichts mehr.

#3 Zieht klare Grenzen zwischen den beiden Rollen

Auch wenn es im Alltag nicht immer klappt: Zieht so gut wie möglich die Grenze zwischen den beiden Bereichen Mutterschaft und Unternehmertum. Wie schwer das ist, verriet uns auch die erfolgreiche Gründerin des Start-ups Wildling Shoes, Anna Yona:

Wie oft nimmt man die Arbeit mit an den Küchentisch? Liest doch schnell nochmal eine Mail oder chattet mit dem Team, während man eigentlich gemeinsam Hausaufgaben machen, ein Spiel spielen oder Abendessen möchte? Meine Arbeit macht mir sehr viel Spaß, aber gerade deshalb muss ich mich disziplinieren, auch “Wildling-freie” Zonen und Zeiten zu schaffen. Das gelingt mir nicht immer, aber ich werde besser.

Wenn ihr für eure Kinder da seid, dann voll und ganz. Schenkt ihnen eure ungeteilte Aufmerksamkeit, anstatt sie, vertieft in die Arbeit, nicht zu beachten. Umgekehrt solltet ihr euch bei Gesprächen mit Kunden komplett auf deren Anliegen konzentrieren, ohne von den Kindern abgelenkt zu werden.

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Auszeiten ganz bewusst nehmen und verteidigen: So schaufelt ihr Zeit für die Familie frei. (Foto: Unsplash)

Eine glasklare Trennung der beiden Bereiche ist nicht immer machbar, sollte aber von euch so oft es geht angestrebt werden. Und ihr werdet schnell merken, dass ihr euch nicht mehr so zerrissen fühlt, sondern ihr mit einem guten Gefühl zwischen den verschiedenen Rollen wechseln könnt. So ergänzt Anna Yona von Wildling Shoes:

Meine Arbeit ist den Kindern nicht fremd und Wildling ist sehr präsent in ihrem Leben. Essentiell wichtig für mich ist unsere Home Office-Struktur, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Und es hat auch sein Gutes, dass beide Welten miteinander zusammenhängen, wie Unternehmerin und Mutter Nadine Kästner-Otto bestätigt:

Sein eigener Boss zu sein bringt nicht nur Herausforderungen, sondern auch Freiheiten mit sich! Gerade als Mutter schätze ich es sehr, dass ich zum Beispiel im Kinderkrankheitsfall nur mir selbst Rechenschaft schuldig bin. Außerdem merke ich bereits jetzt an meinen Töchtern, obwohl sie noch so jung sind, dass ich ihnen dadurch ein Vorbild sein kann.  

#4 Betreibt Outsourcing

Und ganz wichtig: Ihr müsst nicht alles selbst machen! Projektmanagement ist das A und O: Was immer ihr outsourcen könnt, tut es. Holt euch Unterstützung durch virtuelle Assistenten, die eure E-Mail-Kommunikation abwickeln und gebt die Erstellung eurer Website in Auftrag, anstatt selbst stundenlang daran zu arbeiten.

Auch Eisenhardt empfiehlt hierfür radikale Reduktion. Mit ihrer jahrelangen Erfahrungen würde sie heute einiges anders machen:

Ich würde viel schneller mit einem Angebot in den Markt gehen, testen und optimieren. Außerdem würde ich mich bewusst für weniger entscheiden, d. h., mein Angebot und meine Aufgaben stärker fokussieren, mehr Win-win-Kooperationen realisieren, früher Aufgaben auslagern, was andere besser können, genauer analysieren wo es sich wirklich lohnt, Zeit, Geld und Nerven zu investieren und alles andere weglassen.

Wie weit ihr outsourcen könnt, ist natürlich auch immer eine finanzielle Ermessensfrage. Kümmert euch daher frühzeitig darum, dass eure Kalkulation stimmt und verkauft eure Leistungen nicht unter Wert. So rät Kästner-Otto:

Ich würde mich trauen, die Preise für besondere und zeitintensive Services wie handgeschriebene Grußkarten, individuelle Zusammenstellungen etc. von Anfang an höher anzusetzen. Meiner Erfahrung nach spielen für die Kunden ein paar Euro mehr oder weniger oft gar keine so entscheidende Rolle. Für den Wert der eigenen Arbeitszeit allerdings schon.

Auf der anderen Seite solltet ihr so früh wie möglich investieren, auch in Werbung. So gibt Kästner-Otto den Tipp:

Ich würde wesentlich früher in bezahlte Werbung bei Instagram investieren, um von Beginn an einen möglichst großen Personenkreis zu erreichen. Dabei mit dem Budget nicht zu knausrig sein und die Ad für mindestens eine Woche laufen lassen, dann zeigen sich Erfolge! Kürzere Laufzeiten und ganz kleine Budgets pro Ad kann man sich meiner Meinung nach sparen, da diese nichts bringen.

#5 Lasst euch so viel Luft wie möglich

Tools wie Trello helfen euch dabei, die kommenden Tage und Wochen vorauszuplanen. Verplant jedoch nicht jede Minute, denn es kann immer etwas dazwischenkommen.

Legt euch für solche Fälle einen Plan B oder eine App zurecht, zum Beispiel SitEinander. Über die App organisieren Nachbarn und Freunde untereinander spontanes, kostenloses Babysitten. Bedenkt hierbei aber auch, dass SitEinander auf Geben und Nehmen basiert: Wenn ihr dort Kinderbetreuung in Anspruch nehmt, erwarten dies die Mütter dort von euch ebenfalls. Aber der Service hilft, in Krisenfällen einen Babysitter zu bekommen.

Unabhängig davon könnt und solltet ihr ein starkes Netzwerk mit Familie und Freunden aufbauen, das euch unterstützt. Wir wünschen euch viel Erfolg dabei!

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