Datenschutz Schufa: noyb plant Sammelklage wegen Schattendatenbank

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Die Datenschutzorganisation noyb hat die Schufa abgemahnt. Der Vorwurf: Die Auskunftei hält in einer sogenannten Schattendatenbank alte Kredite, Pfändungen und Privatinsolvenzen weiter vor, obwohl sie diese Daten nach ihren eigenen Fristen längst gelöscht haben müsste – und gibt sie bei der Selbstauskunft nicht heraus. Wer eine Finanzierung plant, verliert damit eine Grundannahme: dass die eigene Schufa-Auskunft vollständig ist. Bis zum 9. September soll die Schufa eine Unterlassungserklärung unterschreiben.

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Vier Personen sitzen in einer hellen Bürolobby um einen Tisch mit Unterlagen, aufgenommen von oben.
Wenn über eine Finanzierung entschieden wird, zählt auch, was die Auskunftei liefert – Betroffene sehen davon nur einen Teil. Bild: Vitaly Gariev / Pexels.

Alte Pfändungen, die nie wirklich verschwunden sind

Die Schufa ist die größte Wirtschaftsauskunftei Deutschlands. Zu ihren Kunden zählen Banken, Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen.

Eine gemeinsame Recherche von NDR und Süddeutscher Zeitung hat Mitte Juli aufgedeckt, dass sie neben ihrem regulären Bestand eine zweite Sammlung mit veralteten Daten führt – eine sogenannte "Schattendatenbank". Seither steht die Frage im Raum, ob es für diese Bestände überhaupt eine Rechtsgrundlage gibt.

In der Schattendatenbank liegen Daten zu alten Krediten und Kreditkarten, zu Pfändungen und Privatinsolvenzen und auch zu Schulden, die vor Jahren beglichen wurden. Die Datensätze sind bis zu zehn Jahre alt.

Ein Schufa-Sprecher nannte gegenüber NDR und Süddeutscher Zeitung eine Größenordnung von 68 Millionen Menschen als realistisch. Betroffen ist damit praktisch jeder, zu dem schon einmal eine Auskunft eingeholt wurde.

Nach den selbst auferlegten Speicherfristen der Schufa sollten erledigte Kredite und Inkassoforderungen drei Jahre nach der Zahlung gelöscht sein. Die Auskunftei sieht sich im Recht: Sie speichere "historische Daten zu Datenschutzkontroll-, Test-, Entwicklungs- und Rechtsverteidigungszwecken" und stütze sich dabei auf mehrere einander ergänzende Erlaubnistatbestände. In den aktuellen Score fließen die Bestände nach ihren Angaben nicht ein.

Bei einer Auskunft nach Artikel 15 DSGVO liefert die Schufa die historischen Daten bislang trotzdem nicht mit. Sinngemäß argumentiert sie, Betroffene interessierten sich ohnehin nur für die Angaben, die aktuell in den Score einfließen. Die Datenschutzorganisation noyb hält das für rechtswidrig und verweist auf den EuGH, der eine vollständige, originalgetreue Kopie aller verarbeiteten Daten verlangt.

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Alte Scores landen bei Vertragspartnern

Nach der Recherche von NDR und SZ können Vertragspartner der Schufa die historischen Scores abrufen. Einige tun dies auch. Die Schufa betont, es geschehe ausschließlich zu Testzwecken.

Genau hier setzt die juristische Kritik an. Die Bayreuther Rechtswissenschaftlerin Ruth Janal hält die Praxis für unzulässig, weil solche Werte Einblick in die frühere finanzielle Lage einer Person geben: "Das geht die Vertragspartnerinnen der Schufa schlicht überhaupt nichts an." Für einen Betrieb, der bei derselben Bank seit Jahren Konto und Kreditlinie führt, sind das Datenpunkte aus einer geschäftlich längst abgeschlossenen Phase.

Der zweite Einwand betrifft die Speicherung selbst: Fachleute verweisen auf die gesetzlichen Löschfristen und auf den Grundsatz der Datensparsamkeit, der unabhängig davon gilt, wozu ein Bestand später genutzt wird.

Dazu kommt die Kontrolllücke: berichtigen oder löschen lassen kann nur, wer weiß, was gespeichert ist. Diesen Zugang verweigert die Schufa bei den historischen Daten bislang.

Anwälte, die regelmäßig gegen die Auskunftei vorgehen, ziehen noch weitere Linien. Sie verweisen auf die zahllosen Verfahren, die Betroffene zu Auskunft und Löschung geführt haben, und stellen die Frage, ob die Angaben der Schufa dort immer zutreffend waren. Bei einer entgeltlichen Weitergabe angeblich gelöschter Daten halten einzelne von ihnen sogar eine strafrechtliche Prüfung für denkbar.

Warum die private Schufa über den Firmenkredit mitentscheidet

Wer als Einzelunternehmer oder Personengesellschafter arbeitet, haftet persönlich mit dem Privatvermögen. Damit fällt bei der Bank die Trennung zwischen privater und geschäftlicher Bonität weg. Ein drei Jahre zurückliegender Inkassovorgang aus einer alten Stromrechnung kann so den Kredit für eine neue Maschine kosten.

Die Auskunftei bewertet ohnehin nicht nur Verbraucher: Ihre Unternehmensauskunft liefert Bonitätsinformationen zu Firmen, Selbstständigen, Freiberuflern und Gewerbetreibenden. Abgefragt wird sie von Geschäftspartnern mit berechtigtem Interesse, etwa vor einem Vertragsabschluss. Das betroffene Unternehmen erfährt davon in der Regel nichts.

Gerade bei jungen Unternehmen und Einzelunternehmern ist die geschäftliche Datenlage oft dünn. Die Personendaten schlagen dann umso stärker durch.

Ein schwacher Score führt selten zur glatten Absage, aber regelmäßig zu höheren Zinsen und strengeren Sicherheitenforderungen.

Warum Finanzierungen jetzt mehr Vorlauf brauchen

Der Streit dürfte sich ziehen. Unterschreibt die Schufa bis zum 9. September keine Unterlassungserklärung, will noyb Unterlassungsklage einreichen. Die Auskunftei hat angekündigt, nicht zu unterschreiben und notfalls bis zum Bundesgerichtshof zu gehen.

Eine Sammelklage auf Schadenersatz ist vorbereitet, aber nicht eingereicht. Im Raum stehen rund 500 € pro Person.

Die hessische Datenschutzaufsicht prüft den Fall nach eigenen Angaben seit Frühjahr 2025 ohne Ergebnis, beim BGH liegen mehrere Verfahren zur Transparenz früherer Berechnungsverfahren. Festgestellt ist die Rechtswidrigkeit bislang weder behördlich noch gerichtlich. Eine Petition zur Löschung der Bestände hat fast 145.000 Unterstützerer.

Wer in den nächsten Monaten ein Bank-, Leasing- oder Lieferantengespräch ansetzt, zieht die Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO deshalb mit Vorlauf, nicht erst eine Woche vorher, weil Korrekturen Zeit brauchen. Die Auskunft sollte ausdrücklich auf die historischen Daten erstreckt werden – AlgorithmWatch stellt dafür ein vorbereitetes Formular bereit. Unterlagen zu früheren Selbstauskünften gehören in die Ablage, weil sie bei einer späteren Sammelklage den Nachweis tragen.

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