Wurzeln im 17. Jahrhundert Insolvenz: Privatbrauerei Eichbaum vor dem Aus

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Die Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum will eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragen. Rund 300 Beschäftigte sind betroffen. Zuvor hatte das Unternehmen die bekannte Marke Karamalz verkauft. Was führte zu der Schieflage und welche Folgen hat sie für die deutsche Brauwirtschaft?

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Gebäude der Brauerei Eichbaum
Seit 1679 im Geschäft: Die Traditionsbrauerei Eichbaum meldet Insolvenz an. Bild: Immanuel Giel / Wikimedia Commons.

Traditionsbrauerei steht vor Insolvenz

Die Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG plant eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das teilte ein Sprecher dem SWR am Mittwoch mit. Das bedeutet: Die Geschäftsführung bleibt im Amt, wird aber von einem gerichtlich bestellten Sachwalter überwacht. Ziel eines solchen Verfahrens ist es, den Betrieb fortzuführen und gleichzeitig eine finanzielle und strukturelle Sanierung zu ermöglichen.

Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind von der Entwicklung betroffen. Für sie ist die Lage angespannt, denn die Zukunft der Arbeitsplätze hängt davon ab, ob der geplante Sanierungsplan greift.

Die Geschäftsführung betonte, man wolle das Unternehmen in der Eigenverwaltung zukunftsfähig aufstellen. Der vom Gericht zu bestellende Sachwalter wird prüfen, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Eichbaum: 1679 gegründet

Die Wurzeln von Eichbaum reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. 1679 gründete der wallonische Brauer Jean de Chaine das Unternehmen in Mannheim. In einer Zeit, in der die Stadt durch Zuzug von Handwerkern und Händlern wuchs, legte er den Grundstein für eine Brautradition, die über Jahrhunderte Bestand hatte.

Nach mehreren Eigentümerwechseln und Fusionen entwickelte sich Eichbaum im 19. Jahrhundert zu einem der führenden Braubetriebe in der Region. 1881 wurde die Gesellschaft in eine AG umgewandelt.

In den Jahrzehnten danach erlebte das Unternehmen wechselvolle Zeiten: Kriege, Inflation und neue Marktbedingungen stellten es immer wieder vor Herausforderungen. 2010 entstand schließlich die Privatbrauerei Eichbaum GmbH & Co. KG, die sich als größte Privatbrauerei Baden-Württembergs bezeichnet.

Bekannt wurde Eichbaum nicht nur durch klassische Biersorten, sondern auch durch die Entwicklung innovativer Produkte. Besonders die Marke Karamalz wurde zu einem Aushängeschild: Ein alkoholfreies Malzgetränk, das Generationen begleitete. Der Verkauf an Veltins im Oktober 2025 markierte eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte.

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Brauereibranche unter Druck

Die Ankündigung von Eichbaum kommt nicht aus dem Nichts. Der gesamte deutsche Biermarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank der Bierabsatz 2024 auf rund 8,3 Milliarden Liter, ein Rückgang um 1,4 % gegenüber dem Vorjahr. Der Trend geht zu weniger Konsum, vor allem bei klassischen Biersorten, während alkoholfreie Varianten und Spezialbiere zwar wachsen, aber die Verluste nicht ausgleichen können.

Gleichzeitig kämpfen viele Brauereien mit steigenden Kosten für Energie, Verpackung und Logistik. Für kleinere und mittelständische Betriebe wird es zunehmend schwierig, im Wettbewerb mit großen Konzernen zu bestehen.

Erst vor wenigen Wochen hatte auch die Genossenschaftsbrauerei Rötz in der Oberpfalz Insolvenz angemeldet. Nach über 100 Jahren, aus denselben Gründen: Kostenexplosion, rückläufige Nachfrage und fehlende finanzielle Rücklagen. Der Fall Eichbaum zeigt nun, dass auch größere regionale Anbieter nicht mehr vor dieser Entwicklung geschützt sind.

Wie geht es jetzt mit Eichbaum weiter?

Das Verfahren in Eigenverwaltung soll dem Unternehmen Zeit verschaffen. Ziel ist es, den Betrieb zu stabilisieren und einen tragfähigen Sanierungsplan zu entwickeln. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Liquidität zu sichern und das Vertrauen der Gläubiger zu gewinnen.

Eichbaum muss in den kommenden Monaten eine klare strategische Richtung finden. Ohne die Marke Karamalz braucht die Brauerei ein neues Zugpferd im Sortiment. Chancen liegen im wachsenden Markt für alkoholfreie und regionale Spezialbiere, die besonders bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung gewinnen. Auch die Modernisierung der Produktion und ein effizienterer Energieeinsatz könnten helfen, die Kosten zu senken.

Sollte der Sanierungsplan scheitern, bleibt als Alternative nur eine übertragende Sanierung – also der Verkauf des Unternehmens oder einzelner Marken an einen Investor. Für Mannheim und die Region wäre das ein herber Verlust, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.

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