ZDH-Chef mahnt Handwerk in Gefahr: Leistungen durch Mindestlohn unbezahlbar?

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Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks warnt im Interview mit Bild: Die steigenden Löhne könnten das Handwerk unerschwinglich machen – für Betriebe und Kunden. Was hinter der Sorge steckt und was das für Gründer bedeutet.

Bauarbeiter messen und arbeiten auf einer Baustelle
Der ZDH-Chef warnt vor den Folgen des Mindestlohns im Handwerk. Bild: wal_172619 / Pixabay.

Was der Mindestlohn das Handwerk kostet

Seit Januar 2025 liegt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland bei 12,82 €.  Bis 2027 soll er auf 14,60 € steigen. Was politisch als sozialer Fortschritt gilt, sorgt im Handwerk für Alarm. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) Jörg Dittrich findet klare Worte: "Ich habe die ernsthafte Sorge, dass die eine oder andere Leistung für den Kunden dann unbezahlbar ist".

Dabei zahlen viele Betriebe längst über Mindestlohn. Doch der gesetzliche Satz dient als psychologischer Referenzwert. Steigt er, ziehen die Löhne insgesamt mit – inklusive aller Lohnnebenkosten.

Warum Handwerksleistungen teurer werden

Was viele übersehen: Mit dem Lohn steigen auch

  • Sozialabgaben,
  • Urlaubs- und Weihnachtsgeld,
  • Beiträge zur Berufsgenossenschaft und
  • Lohnsteuerlast.

Für kleine Betriebe mit wenig Puffer kann das schnell zur Existenzfrage werden. Dittrich warnt: "Wenn die Leistung unbezahlbar ist, findet sie nicht statt. Wenn sie nicht stattfindet, gibt es keine Sozialabgaben darauf. Wir gehen in eine Spirale hinein, die manche Leistungen eliminiert".

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Nahaufnahme. Handwerker arbeitet an Werkbank.
Sozialabgaben, Berufsgenossenschaft, Lohnsteuer: Die Mindestlohnerhöhung hat laut ZDH-Chef einer Preisspirale zur Folge. Bild: 加藤 俊 / Pixabay.

Fachkräftemangel durch Mindestlohn

Die steigenden Mindestlöhne sind nicht nur ein Kostenfaktor – sie beeinflussen auch das Verhalten junger Menschen bei der Berufswahl. IAB-Forscher Enzo Weber bringt einen möglichen Grund ins Spiel: Der Mindestlohn hebt gerade jene Helferjobs, für die kaum Qualifikation verlangt wird, auf ein für junge Menschen attraktives Einkommensniveau. Das sorgt dafür, dass Ausbildung weniger attraktiv wirkt, weil sie über Jahre hinweg zunächst weniger einbringt.

Das hat Folgen: Betriebe berichten seit Jahren, dass zahlreiche Ausbildungsplätze trotz Fachkräftemangel unbesetzt bleiben. Jörg Dittrich warnt: "Wenn wir heute keinen Lehrling haben, haben wir morgen keinen Gesellen und übermorgen niemanden, der die Firma übernimmt."

Forderung: Bürokratie abbauen

Für Jörg Dittrich ist Bürokratie ein täglicher Stolperstein: voll absurder Vorgaben, widersprüchlicher Regeln und wachsender Frustration. Besonders deutlich wird das am Beispiel des geplanten Tariftreuegesetzes. Dittrich sagt klar: "Das bringt jetzt erst mal wieder neue Bürokratie." Statt Tarifbindung zu stärken, verschärfe es den Verwaltungsaufwand und sende in der aktuellen Lage das falsche Signal.

Ein weiteres Beispiel aus dem Handwerksalltag illustriert die Widersprüchlichkeit der Regelungen: Fliesen in einem Fleischerbetrieb sollen laut Hygienevorschrift glatt sein, laut Arbeitsschutz aber rutschfest. Doch der Ernst der Lage ist ihm bewusst: "Solche Regelungen untergraben das Vertrauen in den Rechtsstaat." Wenn sich Betriebe nicht mehr sicher sein können, was gilt, entsteht Rechtsunsicherheit – und mit ihr ein schleichender Vertrauensverlust in die Politik.

Und der Wachstumbooster?

Das im Koalitionsvertrag angekündigte und beschlossene "Wachstumschancengesetz" bewertet Dittrich höchstens als kleinen Lichtblick. Die degressive Abschreibung könnte helfen, Investitionen schneller abzusetzen. Doch "dass deswegen die Breite des Mittelstands investiert", könne Dittrich noch nicht erkennen.

Fazit: Was Selbstständige im Handwerk jetzt tun können

Die Aussagen von ZDH-Präsident Jörg Dittrich machen deutlich: Die steigenden Mindestlöhne betreffen nicht nur große Branchen, sondern gerade das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – das Handwerk. Für Gründer bedeutet das vor allem: realistisch kalkulieren, betriebswirtschaftlich denken und politisch dranbleiben.

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