Mindestlohn 2021, stufenweise Erhöhung & Ausnahmen

Seit dem 1. Januar 2021 liegt der Mindestlohn bei 9,50 Euro pro Stunde – weitere stufenweise Erhöhungen sind geplant. Arbeitgeber müssen alle Regelungen bzgl. des Mindestlohns beachten, um Bußgelder zu vermeiden. Wir zeigen, was für Arbeitgeber wichtig ist und welche Ausnahmen für den Mindestlohn je nach Branche und Beschäftigungsart gelten.

1. Aktueller Mindestlohn & Erhöhungen bis 2023

Seit dem 1. Januar 2021 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,50 Euro; zum 1. Juli 2021 wird gemäß MiLoG (Mindestlohngesetz) eine erneute Erhöhung auf 9,60 Euro vorgenommen. Der Mindestlohn enthält dabei keine Zulagen wie Sachbezüge, geldwerte Vorteile oder Trinkgelder – diese gelten stets zusätzlich zum Mindestlohn.

Zum 1. Januar 2022 steigt der allgemeine gesetzliche Mindestlohn auf geplante 9,82 Euro pro Stunde, zum 1. Juli 2022 erfolgt dann die Erhöhung auf 10,45 Euro. Durch diese stufenweise Erhöhung des Mindestlohns würde dieser 2023 folglich bei 12 Euro liegen.

Für Arbeitgeber steigen langfristig also die Lohnkosten – dies gilt es in der Personalplanung zu beachten. Die Anpassung des Mindestlohns wirkt sich natürlich auch auf die Lohn- und Gehaltsabrechnungen aus – eine Lohnsoftware unterstützt hier.

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2. Ausnahmen vom Mindestlohn gemäß MiLoG

Grundsätzlich steht jedem Arbeitnehmer über 18 Jahren der gesetzliche Mindestlohn gemäß dem Mindestlohngesetz (MiLoG) zu, das seit 2015 den Mindestlohn regelt: "Jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Zahlung eines Arbeitsentgelts mindestens in Höhe des Mindestlohns durch den Arbeitgeber" (§ 1 MiLoG (1)). Aber keine Regel ohne Ausnahmen, denn je nach Branchen und Beschäftigungsart gibt es auch Sonderfälle.

Ausnahmen nach Branche

In einigen Branchen galten bereits vor der Einführung des Mindestlohns Tarifverträge. Diese gelten bis heute, weshalb der Mindestlohn je nach Branche niedriger oder auch höher als der gesetzliche Mindestlohn ausfallen kann.

Hinweis: Die folgenden Branchenmindestlöhne steigen teilweise unterjährig stufenweise an. Bitte informieren Sie sich im Zweifel bei Ihrem Lohnbuchhalter, welcher Mindestlohn für Ihre Branche aktuell ist. Wir vermitteln Ihnen gerne den passenden Experten.

BrancheBranchenmindestlohn
Abfallwirtschaft10,25 €, ab 1. Oktober 2021 10,45 €
Bauhauptgewerbe
  • 12,85 € (Werker)
  • 15,55 € (Fachwerker Ost)
  • 15,70 € (Fachwerker West)
Berufliche Aus- und Weiterbildung
  • 16,68 € für pädagogische Mitarbeiter
  • 17,02 € für pädagogische Mitarbeiter mit BA
Dachdecker
  • 12,60 € (Ungelernte)
  • 14,10 € (Gesellen)
Elektrohandwerk12,40 €
Gebäudereinigung
  • Innen- und Unterhaltsreinigung: 11,11 €
  • Glas- und Fassadenreinigung: 14,10 €
Geld- und Wertdienste (Geld- und Werttransport, Geldbearbeitung)
  • Je nach Bundesland; mobile Dienstleistungen zwischen 11,24 und 15,73 €
  • Stationäre Dienstleistung zwischen 9,33 und 12,92 €
Gerüstbauer12,20 €
Maler und Lackierer
  • 11,10 € (Ungelernte)
  • 13,50 € (Gesellen)
Pflege

Westdeutschland & Berlin

  • Ungelernte: 11,60 €, ab April 2021 11,80 €, ab September 2021 12 €
  • Pflegekräfte: ab Juli 2021 15 €
  • Pflegekräfte mit mind. 1 Jahr Ausbildung: ab April 2021 12,50 €

Ostdeutschland

  • Ungelernte: 11,20 €, ab April 2021 11,50 €, ab September 2021 12 €
  • Pflegekräfte: ab Juli 2021 15 €
  • Pflegekräfte mit mind. 1 Jahr Ausbildung: ab April 2021 12,20 €
Schornsteinfeger13,80 €
Steinmetze und Steinbildhauer12,20 €
ZeitarbeitAb 1. April 2021 10,45 €; ab April 2022 10,88 €

 

Ausnahmen nach Beschäftigungsart

Für einige Gruppen gilt der Anspruch auf Mindestlohn nicht:

BeschäftigungsartErläuterung
AuszubildendeAzubis erhalten keinen Mindestlohn, da sie die Ausbildung in erster Linie absolvieren, um Berufserfahrung zu sammeln und nicht, um Geld zu verdienen. Der Staat hat daher eine stufenweise Steigerung vorgesehen, die die Unabhängigkeut junger Menschen vom Elternhaus nach und nach erhöht.
Freiwilligendienst / EhrenämtlerMenschen, die freiwillig oder ehrenamtlich arbeiten, können maximal mit einem Taschengeld rechnen.
Selbstständige und FreiberuflerFür Menschen, die sich selbstständig gemacht haben, gelten die Regelungen des Mindestlohns nicht.

 

Praktikanten: komplexe Regelungen

Für Praktikanten gelten verschiedene gesetzliche Regelungen zum Mindestlohn – abhängig von der Art des Praktikums und der Dauer:

  • Pflichtpraktikum: Sofern Schule oder Uni das Praktikum vorschreiben, muss kein Mindestlohn gezahlt werden.
  • Freiwilliges Praktikum: Häufig werden freiwillige Praktika abgeschlossen, um sich beruflich zu orientieren (Orientierungspraktikum). Für alle freiwilligen Praktikanten mit einer Dauer unter drei Monaten muss kein Mindestlohn gezahlt werden. Geht das Praktikum hingegen länger oder wird verlängert, fällt ab dem ersten Tag Mindestlohn an.
DauerPflichtpraktikumFreiwilliges Praktikum
Max. 3 Monatekein Mindestlohnkein Mindestlohn
Mehr als 3 Monatekein MindestlohnMindestlohn

 

Weitere Ausnahmen gemäß MiLoG

  • Nicht volljährige Jugendliche ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Langzeitarbeitslose (mind. ein Jahr Arbeitslosigkeit) im ersten halben Beschäftigungsjahr
  • Personen mit Behinderung in einem arbeitnehmerähnlichen Rechtsverhältnis
  • Menschen, die an Maßnahmen zur Arbeitsförderung partizipieren
  • Personen, die an einer Einstellungsqualifizierung oder einer Berufsbildungsvorbereitung teilnehmen
  • Geflüchtete ohne Arbeitserlaubnis

3. Mindestlohn in der Lohnbuchhaltung

Sie haben Mitarbeiter oder sind mitten in der Personalplanung für 2021? Dann sollten Sie den steuerlichen Aspekten, der Arbeitszeit sowie der Lohn- und Gehaltsabrechnung besondere Beachtung schenken.

Diese Faktoren sind wichtig:

  1. Steuern
    Für versicherungspflichtige Beschäftigte fallen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an. Diese führen Sie als Arbeitgeber pauschal ab. Minijobber können sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Sie erhalten den Mindestlohn dann abzugsfrei.
  2. Minijobber
    Es ist Vorsicht geboten, wenn Sie Minijobber beschäftigen. Deren Verdienstgrenze liegt bei 450 Euro im Monat. Aufgrund des steigenden Mindestlohns verringert sich ihre Arbeitszeit. Als Minijobber Angestellte leisten also weniger Stunden als ihre Vollzeit-Kollegen. Andernfalls wird ihre Tätigkeit sozialversicherungspflichtig.
  3. Entgeltabrechnung
    Den steigenden Mindestlohn sollten Sie bei der Abrechnung natürlich berücksichtigen. Wenn Sie Ihre Lohn- oder Gehaltsabrechnungen mit einer professionellen Software selbst machen, geht das recht einfach. Sie berichtigen dann einfach den Grundlohn und das System erledigt den Rest.
  4. Rückzahlung
    Mitarbeiter dürfen den Mindestlohn auch rückwirkend einfordern, wenn sie davor weniger Geld erhalten haben. Das gilt sogar dann, wenn die betreffende Person nicht mehr im Unternehmen arbeitet.
  5. Zulagen
    Letztlich zählt nur Arbeitsentgelt zum Mindestlohn hinzu, Zahlungen zur betrieblichen Altersvorsorge, Sachbezüge oder geldwerte Vorteile zählen somit nicht zum Mindestlohn. Gleiches gilt für Trinkgeld in der Gastronomie.

Dokumentations- und Anmeldepflichten für Arbeitgeber

Aufzuzeichnen sind Beginn, Ende und Dauer der Tätigkeit eines Arbeitnehmers. Diese Dokumente müssen stets bereit gehalten werden, falls es zu einer Kontrolle durch den Zoll oder die Rentenversicherung kommen sollte. In der Praxis wurde bereits gefordert, die konkreten Pausenzeiten zu notieren – dafür gibt es jedoch keine gesetzliche Grundlage. 

Diese Dokumentationspflichten gelten für alle Arbeitgeber, die

  • Minijobber beschäftigen oder
  • Bestimmten Branchen angehören, in denen der Gesetz- oder Verordnungsgeber Aufzeichnungspflichten verlangt (bspw. Gastronomie, Hotellerie)

Für die Aufzeichnung dieser Informationen ist übrigens kein einheitliches Format notwendig, der Arbeitnehmer kann seine Arbeitszeiten daher auch selbst notieren und dann entsprechend seinem Arbeitgeber weiterreichen. 

Die Aufzeichnungen müssen spätestens sieben Tage nach Arbeitsleistung zur Verfügung stehen und über einen Zeitraum von zwei Jahren archiviert werden.

Konsequenzen bei Nichteinhaltung des MiLoG

Wird einem Arbeitnehmer weniger Lohn gezahlt als ihm zusteht, muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter den vorenthaltenen Lohn nachträglich ausbezahlen. Auf diesen nachentrichteten Lohn werden dann Sozialversicherungsbeiträge erhoben.

In vielen Fällen wird es auch eine Geldbuße geben, welche nach einer gesetzlich nicht festgelegten, jedoch allgemeingültigen Formel berechnet wird:

Zu wenig gezahltes Entgelt x 2 x 30 %

Bei Vorsatz würde diese Summe verdoppelt werden.

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4. Häufige Fragen zum Thema

Einen flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn gibt es deutschlandweit seit dem 1. Januar 2015.

Beim Mindestlohn handelt es sich um Bruttolohn.

Der Mindestlohn gilt bis auf einige wenige Ausnahmen unabhängig vom Umfang der Arbeit, also auch regulär für Minijobber.

Die Kontrolle der Einhaltung des MiLoG obliegt der Behörde der Zollverwaltung (Finanzkontrolle Schwarzarbeit). Verstöße können mit Geldbußen von bis zu 500.000 Euro geahndet werden.

Da eine Berufsausbildung dazu dient, Kenntnisse und Fertigkeiten im gewählten Beruf zu erlernen und die Auszubildenden in der Regel im Elternhaus wohnhaft sind (= finanziell nicht auf sich allein gestellt), gilt hier der Mindestlohn nicht.

Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn haben grundsätzlich alle Arbeitnehmer ab 18 Jahren, auch wenn es einige Ausnahmen gibt, wie bspw. Praktikanten, Auszubildende oder diverse Branchen, in denen der Mindestlohn nicht durch das MiLoG geregelt ist, sondern durch individuelle Tarifverträge.

Den Mindestlohn regelt das Mindestlohngesetz (MiLoG).

Da die Lebenshaltungskosten der Bürger stetig ansteigen, hat die Bundesregierung die Mindestlohnkommission ins Leben gerufen. Diese wird alle fünf Jahre neu berufen und setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender (Jan Zilius, Stand 2021), drei Gewerkschaftsvertreter, drei Arbeitgebervertreter, zwei wissenschaftliche Mitglieder

Die Kommission schlägt alle zwei Jahre vor, um wie viel Prozent der gesetzliche Mindestlohn ansteigen soll. Dabei dient als Orientierungshilfe der Tariflohn-Index des Statistischen Bundesamtes. In der Regel liegt der Mindestlohn nicht unter der allgemeinen Tariflohnentwicklung.

Ist der Vorschlag ausgearbeitet, entscheidet die Bundesregierung darüber, ob sie diesen annehmen oder ablehnen will. Ändern kann sie ihn jedoch nicht. Ist die Regierung mit der Empfehlung einverstanden, setzt sie diese per Verordnung um.

5. Fazit: So halten Sie alle Regelungen ein

Der Mindestlohn steigt seit 2015 kontinuierlich – allein deshalb sollten Arbeitgeber sich bewusst sein, dass dies Anpassungen innerhalb der Lohnbuchhaltung und Personalplanung nach sich zieht. Hier noch einmal die wichtigsten Aspekte zusammengefasst:

  • Bestehen Aufzeichnungspflichten, sollten diese nicht nur erfüllt werden: prüfen Sie immer auch gleich, ob alle arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen des Arbeitsgesetzes eingehalten werden: Nicht mehr als acht Stunden pro Tag, nicht über 48 Stunden in der Woche – bezogen auf alle Arbeitsverhältnisse eines Arbeitnehmers.
  • Besonderes Augenmerk sollten Sie auf Minijobber legen, die meistens noch einen zweiten Job haben. Denn durch die Aufzeichnung der Arbeitszeiten lieferen Sie in diesem Fall sogar noch Beweis für den Verstoß gegen arbeitsschutzrechtliche Bestimmungen.
  • Arbeitsverträge müssen mindestlohnkonform sein. Dinge, die im Widerspruch zum Mindestlohngesetz stehen, dürften dort nicht enthalten sein.

Alle diese Punkte können Sie auch mit Ihrem Lohnbuchhalter besprechen. Wir empfehlen gerne den passenden Ansprechpartner. Bei der schnellen Anpassung der Lohn- und Gehaltsabrechnungen hinsichtlich des Mindestlohns hilft Ihnen auch eine Lohnsoftware. Wir haben die Top Anbieter verglichen und Testsieger gekürt:

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