Gainback Gastronomie-App mit U18 entwickelt: Schüler gründet Startup

Schon als 10-Jähriger wollte ich mein eigener Chef sein
Als ich mit 14 anfing zu programmieren, dachte ich nicht daran, dass ich einmal vor einem Familiengericht stehen würde, um meine Geschäftsfähigkeit zu beantragen. Aber genau das war mein Weg in die Selbstständigkeit. Corona gab mir damals den entscheidenden Schub: Plötzlich hatte ich Zeit, Neues zu lernen, und ich wollte nicht nur zocken oder Serien schauen. Schon als Zehnjähriger hatte ich diesen Wunsch: Was Eigenes aufbauen, mein eigener Chef sein. Und als meine ersten Projekte liefen, kam die Frage: warum nicht ein eigenes Unternehmen?
Eltern und Freunde: zwischen Skepsis und Stolz
Meine Eltern waren anfangs vorsichtig. Sie sind beide Angestellte und hatten mit Unternehmertum nichts am Hut. Ihr Tenor war: "Mach dein Ding, aber Schule und Studium dürfen nicht leiden." Ich versicherte ihnen, dass ich beides unter einen Hut bekomme. Und tatsächlich: Während ich abends programmierte, lief es in der Schule sogar so gut, dass ich am Ende der neunten Klasse mit einem Einser-Schnitt dastand.
Auch im Freundeskreis war die Skepsis groß. Während andere auf Feiern gingen, saß ich im Keller, schaute YouTube-Tutorials und brachte mir Programmieren bei. Anfangs fragten viele: "Warum gehst du nicht mit?" Heute ist es anders – inzwischen feiern sie meinen Weg, fragen nach Praktika und wollen bei uns im Startup mitarbeiten.
Familiengericht prüft, ob ich "mental tauglich" bin
Mit 16 stieß ich auf die rechtliche Hürde: Minderjährige sind nicht geschäftsfähig. Also recherchierte ich und fand heraus: Man kann beim Familiengericht eine sogenannte unbeschränkte Geschäftsfähigkeit beantragen.
Naiv wie ich war, lud ich mir ein Formular herunter, ließ es von meinen Eltern unterschreiben und schickte es ans Gericht in Schweinfurt. Zwei Wochen später kam ein Brief zurück: "Es fehlen Businessplan, Empfehlungsschreiben und weitere Unterlagen." Erst da wurde mir klar, wie ernst das Verfahren ist.
Ich schrieb meinen ersten Businessplan, bat meinen Direktor und meine Klassenlehrerin um Empfehlungsschreiben und legte alles erneut vor. Der zuständige Rechtspfleger war überrascht – er sagte später, es sei einer der ausführlichsten Businesspläne gewesen, die er je gesehen habe.
Trotzdem musste ich persönlich erscheinen: Ein Termin vor Gericht, bei dem geprüft wurde, ob ich "mental tauglich" bin, ein Unternehmen zu führen. Vor mir saßen der Rechtspfleger und zwei Jurastudentinnen. Sie fragten nach meinen Plänen, nach meiner Vorbereitung, nach Steuern und Buchhaltung.
Zum Glück hatte ich mit meinem Opa gesprochen, der früher Buchhalter war. So konnte ich erklären, wie ein Kleingewerbe steuerlich funktioniert. Am Ende gaben sie grünes Licht – unter der Bedingung, dass meine Noten stabil blieben. Wenige Wochen später stand ich beim Gewerbeamt, zahlte 35 € und hielt meinen ersten Gewerbeschein in der Hand.
Haftung: Alles sollte über meinen Namen laufen
Natürlich hätte ich den einfacheren Weg wählen können: Meine Eltern hätten das Gewerbe in ihrem Namen anmelden können. Aber dann hätten sie privat gehaftet – mit Haus, Auto, allem. Das wollte ich auf keinen Fall.
Wenn schon, dann richtig: Alles sollte über meinen Namen laufen. Auch wenn das bedeutete, dass ich selbst das Risiko tragen musste. Mit einem Anwalt klärte ich Impressum, AGBs und Datenschutz. Das Risiko war überschaubar, und es fühlte sich endlich so an, als sei es wirklich mein Unternehmen.
Steuern: Die größte Herausforderung
Die größte Herausforderung kam danach: Steuern. In der Schule lernst du nichts darüber, und wenn du mit 16 gründest, hast du schlicht keinen Plan. Viele junge Gründer im Young Founders Network stellen dieselbe Frage: "Wo finde ich einen guten Steuerberater, den ich mir leisten kann?" Ohne Steuerberater läuft es kaum – besonders, wenn du eine GmbH gründest. Für mich war das anfangs ein echter Pain Point, aber inzwischen haben wir einen Steuerberater an unserer Seite, der uns unterstützt.
Ich habe mehr gelernt als im Klassenzimmer
Manchmal war es hart. Besonders, wenn es Diskussionen mit meinen Eltern gab oder ich auf Partys verzichtet habe. Aber ich habe durch die Gründung mehr gelernt als in jedem Klassenzimmer: Vertrieb, Selbstorganisation, Buchhaltung – Skills, die mir mein Leben lang bleiben.
Deshalb sage ich: Gründen lohnt sich immer. Auch wenn ihr scheitert. Ihr gewinnt Erfahrung, die euch niemand mehr nehmen kann. Und je früher man anfängt, desto länger profitiert man davon.
Wer meine ganze Geschichte hören möchte, sollte die Podcast-Folge "Von der Schule zum Start-up: Wie gründe ich unter 18?" anhören. Sie ist ideal für alle, die selbst noch zur Schule gehen und mit dem Gedanken spielen, zu gründen.
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