Finanzierung EZB-Zinsentscheid heute: Leitzins steigt auf 2,5 Prozent

Aktuelle Zinssätze der EZB im Überblick
Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 in Frankfurt am Main über die Geldpolitik im Euroraum entschieden. Die Europäische Zentralbank erhöht dabei alle drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte. Der für Banken und Sparer besonders wichtige Einlagensatz steigt von 2,25 auf 2,50 %.
Damit gelten folgende Sätze:
| EZB-Leitzins | Bisher | Neu |
| Einlagefazilität | 2,25 % | 2,5 % |
| Hauptrefinanzierungssatz | 2,4 % | 2,65 % |
| Spitzenrefinanzierungssatz | 2,65 % | 2,9 % |
Bereits im Juni hatte die EZB die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben. Im Juli legte sie eine Pause ein. Nun folgt der nächste Schritt.
Warum erhöht die EZB die Zinsen?
Der wichtigste Grund ist die Inflation. Laut einer Schnellschätzung von Eurostat lag die Inflationsrate im Euroraum im August bei 3,3 %. Im Juli waren es noch 2,9 %. Damit entfernt sich die Teuerung wieder deutlicher vom mittelfristigen Inflationsziel der EZB von 2 %.
Ein großer Teil des Anstiegs geht allerdings auf die Energiepreise zurück: Sie lagen im August 14,3 % über dem Niveau des Vorjahres.
Bei Dienstleistungen schwächte sich die Teuerung dagegen von 3,3 auf 3,0 % ab. Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lag bei 2,4 %.
Die Lage ist deshalb weniger eindeutig, als die hohe Gesamtinflation vermuten lässt. Die EZB muss verhindern, dass hohe Energiepreise dauerhaft auf andere Waren, Dienstleistungen und Löhne durchschlagen. Gleichzeitig will sie die Wirtschaft nicht stärker als nötig bremsen.
Für einen weiteren Zinsschritt spricht, dass sich die Konjunktur bisher überraschend robust zeigt. Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum wuchs im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,6 %. Im Jahresvergleich betrug das Plus 1,2 %.
Unsere Partner-EmpfehlungenWas der Zinsentscheid für Selbstständige und Unternehmen bedeutet
Steigende EZB-Zinsen wirken auf die Finanzierungsbedingungen der Banken und damit auch auf die Konditionen für Unternehmen. Das betrifft vor allem neue Kredite sowie Finanzierungen mit variablem Zinssatz.
Wer in den kommenden Monaten eine größere Investition finanzieren will, muss deshalb mit höheren Finanzierungskosten rechnen. Auch Kontokorrentlinien und andere kurzfristige Kredite können teurer werden.
Ein bestehender Firmenkredit mit festgeschriebenem Zinssatz wird durch den heutigen EZB-Entscheid dagegen nicht plötzlich teurer. Hier gelten die vereinbarten Konditionen bis zum Ende der jeweiligen Zinsbindung.
Außerdem gibt eine Bank einen EZB-Zinsschritt nicht automatisch eins zu eins an ihre Kunden weiter. Neben der Geldpolitik spielen Laufzeit, Bonität, Sicherheiten, Wettbewerb und die allgemeine Entwicklung an den Kapitalmärkten eine Rolle.
Für Unternehmer lohnt es sich deshalb, bei geplanten Finanzierungen mehrere Angebote einzuholen. Schon kleine Zinsunterschiede können bei hohen Kreditsummen über mehrere Jahre erhebliche Mehrkosten verursachen.
Tagesgeld und Festgeld: Was passiert mit den Zinsen für Guthaben?
Höhere Leitzinsen haben auch eine positive Seite: Unternehmen mit größeren Rücklagen könnten künftig wieder höhere Zinsen auf Tagesgeld oder Festgeld erhalten.
Banken reagieren auf steigende EZB-Zinsen häufig auch mit höheren Guthabenzinsen. Wie stark sie den Zinsschritt weitergeben, unterscheidet sich allerdings deutlich.
Das macht einen Vergleich interessant: Gerade Betriebe, die größere Summen für Steuern, Investitionen oder als Liquiditätspuffer vorhalten, sollten prüfen, wie ihr Geschäftskonto oder Tagesgeld verzinst wird.
Dabei bleibt Liquidität wichtiger als die Jagd nach dem höchsten Zinssatz. Geld, das kurzfristig für Löhne, Steuern oder Rechnungen benötigt wird, sollte entsprechend schnell verfügbar bleiben.
Wie geht es mit den Zinsen weiter?
Nach der Zinserhöhung richtet sich der Blick bereits auf den nächsten Schritt. Und hier ist die Lage deutlich weniger eindeutig.
ING erwartet einen vorsichtigen Kurs der EZB. Die Ökonomen sehen angesichts der vergleichsweise moderaten Kerninflation Argumente dafür, die Zinsen zunächst nicht weiter stark anzuheben.
Ähnlich urteilt die Commerzbank. Ihre Ökonomen halten weitere Zinserhöhungen zwar für möglich, aber für eher unwahrscheinlich. Mit einem Einlagensatz von 2,50% befinde sich die EZB bereits am oberen Rand des neutralen Bereichs.
Der Finanzmarkt ist bislang skeptischer. Dort wurden vor dem heutigen Entscheid weitere Zinserhöhungen eingepreist.
Damit wird die Frage nach dem weiteren Kurs fast wichtiger als die heutige Erhöhung selbst. Entscheidend sind die kommenden Inflationszahlen, die Energiepreise und die Frage, ob sich der Preisdruck auf weitere Bereiche der Wirtschaft ausbreitet.
Die nächsten EZB-Termine 2026 im Überblick
Noch zweimal entscheidet die EZB in diesem Jahr regulär über die Geldpolitik. Die nächsten Beschlüsse stehen am 29. Oktober 2026 und am 17. Dezember 2026 an.
Gerade der Dezember-Termin dürfte wichtig werden. Bis dahin liegen weitere Inflations- und Konjunkturdaten vor. Sie werden zeigen, ob die heutige Zinserhöhung ausreicht oder die EZB noch einmal nachlegen muss.
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Quellen:
Commerzbank: Wie weit erhöht die EZB die Zinsen?
EZB: Geldpolitische Beschlüsse; Sitzungskalender des EZB-Rats [englisch]
Eurostat: Euro area annual inflation up to 3.3%; GDP up by 0.6% and employment up by 0.1% in the euro area [englisch]
ING: September ECB Cheat Sheet: Pick your poison [englisch]
MarketWatch: The ECB is virtually certain to raise rates Thursday. Wall Street is bracing for what comes next [englisch]