Besser als Claude? OpenAI stellt neues ChatGPT-Modell 6 Astra vor

OpenAI unter Druck: Kann GPT-6 Astra Claude wieder überholen?
ChatGPT ist noch immer der bekannteste Name für generative KI. Besonders bei Entwicklern und Unternehmenskunden gewann Anthropics Claude aber zuletzt deutlich an Boden.
Mit GPT-6 Astra will OpenAI nun zurückschlagen. Das Unternehmen bezeichnet Astra als sein bislang intelligentestes und am besten ausgerichtetes Modell.
Es soll vor allem bei der Webrecherche, der Bedienung von Computern, professioneller Büroarbeit und der Softwareentwicklung zulegen. Auffällig ist, wie häufig OpenAI das neue Modell direkt mit Claude vergleicht.
Einen eindeutigen Sieger gibt es trotzdem nicht. In OpenAIs eigenen Tests liegt Astra bei mehreren Aufgaben vorn.
Bei anderen Benchmarks behaupten Claude-Modelle ihre Führung. Auch Artificial Analysis sieht Claude Fable 5.1 in seinem aktuellen Intelligenzindex vor der Astra-Variante mit niedrigem Rechenaufwand. Solche Vergleiche hängen allerdings stark von Modellvariante, Einstellungen und Testverfahren ab.
Die Technikpresse blickt deshalb vorsichtig auf OpenAIs große Ankündigungen. Hinzu kommen Sicherheitsfragen: Laut Reuters räumt selbst OpenAI ein, dass sich Astras Denkprozesse teilweise schwerer überwachen lassen.
Fest steht damit vorerst nur: Astra bringt ChatGPT wieder näher an die Spitze. Ob es Claude im Arbeitsalltag tatsächlich überholt, werden Praxistests zeigen.
Büroarbeit mit Astra: Weniger Recherche, weniger Excel, weniger Routine?
Der größte Fortschritt von GPT-6 Astra könnte im Büroalltag liegen. Nicht, weil das Modell schönere E-Mails schreibt. Das konnten schon seine Vorgänger. Spannender ist OpenAIs Versprechen, dass Astra mehrere Arbeitsschritte zu einem vollständigen Ablauf verbinden kann.
Das Modell soll etwa online recherchieren, Formulare ausfüllen, Kundendaten im CRM aktualisieren und Termine organisieren. Die gesammelten Informationen kann es anschließend direkt in einer E-Mail oder einem Dokument zusammenfassen.
Ein Selbstständiger müsste Astra damit nicht mehr jeden einzelnen Schritt vorgeben. Er könnte stattdessen ein Ziel formulieren und das Modell einen größeren Teil der Arbeit erledigen lassen.
Auch bei Dokumenten, Tabellen und Präsentationen verspricht OpenAI Fortschritte. Astra soll bestehende Vorlagen übernehmen sowie Sprache, Aufbau und Gestaltung eines Unternehmens berücksichtigen. Aus Geschäftszahlen, Gesprächsnotizen und weiteren Unterlagen könnte so etwa eine fertige Auswertung samt Präsentation entstehen.
Wie groß der Zeitgewinn ausfällt, muss sich jedoch im Alltag zeigen. Ein von OpenAI veröffentlichter Praxistest liefert zumindest einen Hinweis: Das Softwareunternehmen Legora ließ Astra 41 Finanzdokumente in einem Durchlauf prüfen.
Das Modell fand dabei alle vier absichtlich eingebauten Fehler. Die abschließende Bewertung blieb dennoch bei einem Experten. Zudem handelt es sich um eine Fallstudie von OpenAI und nicht um einen unabhängigen Test.
Unsere Partner-EmpfehlungenCoden mit Astra: Holt ChatGPT jetzt auch Entwickler von Claude zurück?
Beim Programmieren dürfte sich besonders deutlich zeigen, ob OpenAI wieder Boden gegenüber Claude gutmacht. OpenAI bezeichnet Astra als sein bislang bestes Modell für Softwareentwicklung. Die eigenen Benchmarks liefern jedoch kein eindeutiges Bild.
Bei Terminal-Bench 4.0 und DeepSWE liegt Astra vor mehreren Claude-Modellen. Im Coding Agent Index erreicht Claude Opus 5 dagegen weiterhin einen leicht höheren Wert. Einen klaren Sieger gibt es also auch hier noch nicht.
Interessanter als die Ranglisten sind die neuen Arbeitsweisen. Astra soll Websites erstellen, Programme installieren, Software testen und Fehler direkt am Bildschirm untersuchen können.
In Codex kann das Modell außerdem Informationen über sehr lange Arbeitssitzungen hinweg sichern und wiederfinden. Das ist vor allem bei großen Projekten wichtig. Bei einem umfangreichen Umbau des Quellcodes gehen Anforderungen, frühere Fehlversuche und Testergebnisse so weniger schnell verloren.
Wie viel Zeit das sparen könnte, zeigt ein frühes Praxisbeispiel. Das Spiele-Start-up Playco entwickelte mit Astra drei Prototypen aus einer gemeinsamen Grundlage.
Nach Angaben des Unternehmens waren 50 % weniger manuelle Korrekturen nötig als mit dem Vorgängermodell. Die meisten Versionen hätten bereits beim ersten Versuch funktioniert. Aber auch diese Fallstudie stammt von OpenAI. Eine unabhängige Überprüfung der von Playco genannten Effizienzgewinne steht noch aus.
Für Entwickler, Agenturen und Gründer digitaler Produkte könnte Astra damit besonders interessant sein. Das Modell verspricht nicht nur besseren Code.
Es soll Aufgaben selbst testen und überarbeiten. Die menschliche Kontrolle bleibt dennoch wichtig.
Das gilt besonders, wenn ein KI-Agent Zugriff auf Quellcode, Kundendaten oder Produktivsysteme erhält. OpenAI beschränkt deshalb bereits bestimmte Aufgaben aus dem Bereich Cybersicherheit.
GPT-6 Astra wird teuer: Rechnet sich das für Selbstständige?
Auf den ersten Blick bleibt der Einstieg bezahlbar. OpenAI will Astra in die bestehenden Tarife Plus, Pro, Business und Enterprise aufnehmen.
Ein eigener Modellaufschlag ist zunächst nicht vorgesehen. Allerdings wird die Nutzung auf das vorhandene Kontingent angerechnet.
Im Plus-Tarif für 20 US-Dollar pro Monat fällt dieses begrenzt aus. Zusätzliche Nutzung lässt sich über Credits hinzukaufen. Zudem kann Astra das Kontingent schneller aufbrauchen als ältere Modelle.
Teurer wird es für Selbstständige, die Astra Pro im normalen Chat nutzen wollen. OpenAI bietet inzwischen Pro-Tarife für 100 und 200 US-Dollar pro Monat an.
Doch selbst dort ist das Spitzenmodell nicht unbegrenzt verfügbar. Beim kleineren Pro-Tarif sind 50 Nachrichten pro Woche enthalten, beim größeren 200. Für ChatGPT Work und Codex gelten eigene Limits.
Noch deutlicher zeigt sich der Preissprung bei der API. Dort verlangt OpenAI für Astra 10 US-Dollar je Million Input-Token und 50 US-Dollar je Million Output-Token.
Beim Vorgänger GPT-5.6 Sol sind es derzeit 4 und 20 US-Dollar. Astra kostet damit zweieinhalbmal so viel.
Der schnellere Modus verdoppelt den Preis noch einmal. Eine umfangreiche Aufgabe mit 50.000 Input- und 10.000 Output-Token kostet mit Astra rund einen US-Dollar. Mit GPT-5.6 Sol wären es etwa 40 Cent.
Das klingt zunächst überschaubar. Bei vielen automatisierten Aufgaben summieren sich die Beträge aber schnell. Hinzu kommen die Zeit für Einrichtung, Kontrolle und mögliche Korrekturen.
Entscheidend ist deshalb nicht der Preis einer einzelnen Anfrage, sondern der Preis einer zuverlässig erledigten Aufgabe. Astra rechnet sich nur, wenn das Modell weniger Anläufe braucht und spürbar Arbeitszeit spart.
Für wen lohnt sich Astra?
Für Selbstständige, die ChatGPT ohnehin täglich nutzen, ist Astra ein naheliegendes Upgrade. Vor allem bei komplexen Recherchen, langen Dokumenten, Tabellen und Programmieraufgaben könnte das neue Modell spürbar Zeit sparen.
Wer im Plus- oder Business-Tarif bleibt, kann Astra zunächst ohne eigenen Aufpreis testen. Entscheidend ist, ob die Ergebnisse tatsächlich weniger Nacharbeit erfordern.
Anders sieht es bei Nutzern von Claude oder anderen KI-Diensten aus. Für sie liefert Astra bislang keinen zwingenden Wechselgrund.
Die Benchmarks zeigen kein eindeutiges Bild, und gerade beim Coden bleibt Claude ein starker Konkurrent. Ein Wechsel lohnt sich daher nur, wenn Astras Funktionen für Büroarbeit, Automatisierung oder die Einbindung in bestehende ChatGPT-Abläufe einen klaren Vorteil bringen.
Unterm Strich gilt: Für bestehende ChatGPT-Nutzer dürfte Astra das Angebot deutlich attraktiver machen. Wer mit Claude zufrieden ist, sollte dagegen erst Praxistests und die eigenen Ergebnisse vergleichen. Der bessere Benchmark allein spart noch keine Arbeitszeit.
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Quellen:
Artificial Analysis: Benchmarking GPT-6 Astra [englisch]
heise online: OpenAI stellt GPT-6 Astra vor: Mehr Intelligenz und AGI-Raunen
Open AI: GPT-6 Astra: A new generation of intelligence; Pricing [englisch]