Design Thinking: Schritte + Anwendungstipps



Design Thinking hilft bei der Ideenfindung: Teams wiederholen die Arbeitsprozesse so lange, bis das Endergebnis optimal auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt ist.

Was ist Design Thinking?

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Alle sind gefragt: Beim Design Thinking arbeitet Team Disziplin-übergreifend zusammen. (Foto: Unsplash)

Der Design-Thinking-Prozess orientiert sich am Arbeitsablauf von Designern. Hinter diesem offensichtlichen Fakt verbirgt sich ein origineller Ansatz: Denn die Methode ist nicht nur für Designer gedacht, wie man vermuten könnte. Es geht vielmehr um deren Workflow, der sich auf nahezu alle Unternehmensebenen übertragen lässt.

Die einzelnen Arbeitsschritte werden dabei in Schleifen so lange wiederholt, bis das Problem gelöst wurde. Dies wird auch als iterativ bezeichnet. Um welches Problem es sich dabei genau handelt, hängt vom Aufgabengebiet ab.

In diesen Unternehmensbereichen kommt Design Thinking zur Anwendung:

  • Innovationsfindung
  • Projektentwicklung und effiziente Produktentwicklung
  • Portfolioentwicklung
  • Analysen
  • Entwicklung von Software

Charakteristisch für den Design-Thinking-Prozess ist die Zusammenarbeit multidisziplinärer Teams. Ein Problem wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, so entstehen originelle Lösungsansätze.

Diese Ansätze schnell zu finden, wird immer wichtiger: Mit voranschreitender Technologie und dem Boom im E-Commerce ändert sich das Konsumverhalten. Agiles Arbeiten ist gefragt, um flexibel auf die dynamischen Marktanforderungen zu reagieren. Design Thinking eignet sich mit seinen sich wiederholenden, flexiblen Bearbeitungphasen und verschiedenen Perspektiven ideal für diesen Zweck.

  • Tipp: Der Prozess orientiert sich stets daran, was Kunden brauchen. Daher eignet sich die Kombination von Design-Thinking-Methoden mit Zielgruppen oder Personas hervorragend, um die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden zu erfüllen.

Die Methode wurde von David Kelley entwickelt, dem Gründer und Chairman der im Silicon Valley ansässigen Design-Agentur IDEO. Die Wissenschaftler Larry Leifer und Terry Winograd entwickelten den Design-Thinking-Prozess weiter. So wurde aus einer Innovation ein weltweites Erfolgsrezept.

Design Thinking Schritt für Schritt erklärt

Der Design-Thinking-Prozess setzt sich aus diesen Phasen zusammen:

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Design Thinking verläuft in definitierten, sich wiederholenden Phasen. Mit diesem Prozess schaffen Unternehmen kundennahe Lösungen. (Grafik: Für-Gründer.de)

#1 Empathie aufbauen

Für wen entwickelt das Unternehmen ein Produkt bzw. eine Lösung? Das findet ihr in dieser Phase heraus, beispielsweise mit der Erstellung der erwähnten Personas. Führt Umfragen und Kundeninterviews durch, um einen möglichst vielschichtigen Eindruck eurer Kunden zu erhalten und sie zu verstehen.

#2 Sichtweise defininieren

In dieser Phase halten die Teams schriftlich fest, welche Bedürfnisse die Menschen haben, für die eine Lösung entwickelt werden soll. Doch nicht nur Bedürfnisse spielen eine Rolle, auch Herausforderungen, Probleme und Wünsche sollten erfasst werden. Aus den vorher gesammelten Erkenntnissen aus Phase 1 lassen sich nun konkrete Themen ableiten, die Kunden beschäftigten.

#3 Ideen generieren

Hier wird es richtig spannend: Es geht nun darum, Lösungen für die erkannten und definierten Probleme der Kunden zu finden. Welche Produkte oder Dienstleistungen gilt es zu entwickeln, um zu helfen? Nutzt für diese Phase Kreativtechniken wie Brainstorming, Brainwriting und Brainwalking.

Zum Brainstorming werden immer mehrere Teilnehmer sowie ein Moderator benötigt, weshalb sich die Methode auch sehr gut eignet, wenn man als Team nach einer Geschäftsidee sucht. Die optimale Gruppengröße besteht aus 6- 12 Personen. Allerdings lassen sich auch als Einzelgründer andere Brainstorming-Teilnehmer finden, die unterstützend mitwirken. Diese Teilnehmer sollten aber den Gründer, seine Stärken und Schwächen sowie Interessen gut kennen.

Beim Brainwriting werden alle Gedanken der Teilnehmer auf einem Blatt Papier notiert. Diese werden dann getauscht und der nächste Teilnehmer vermerkt seine Gedanken ebenfalls auf dem Papier. Die Grundregeln des Brainstromings gelten auch für das Brainwriting.

Ähnlich dem Brainwriting ist das Brainwalking, bei dem die Teilnehmer durch den Raum laufen. Verteilt im Raum stehen Flipcharts, auf denen die Mitarbeiter ihre Gedanken notieren.

Für welche Kreativtechnik ihr euch auch entscheidet: Pflegt davon unabhängig ein Ideenmanagement, um den Fundus guter Ideen beständig zu erweitern. Ziel ist es, die folgende Frage mit guten Ideen so treffend wie möglich zu beantworten:

Was brauchen unsere Kunden?

#4 Prototypen entwickeln

Die gesammelten Ideen münden nun in einfache, leicht zu testende Prototypen. Einfach und leicht zu testen sollten sie deshalb sein, weil das Team schnell und Ressourcen-schonend herausfinden muss, welche Ideen Potenzial haben und welche nicht. Praktiziert wird also die klassische Trennung der Spreu vom Weizen. Dabei ist es wichtig, lean vorzugehen: ein Begriff, den der Unternehmer Eric Ries mit seiner Lean-Startup-Methode geprägt hat.

Das Problem liegt auf der Hand: Die Entwicklung eines jeden Prototypen bis zur Perfektion kostet viel Zeit, Geld und Arbeitskraft. Nur, damit sich später eventuell herausstellt, dass der Prototyp nicht funktioniert. Das geht wesentlich effizienter, indem ein schlankes Produkt wie eine rudimentäre App mit Grundfunktionen entwickelt wird, um so schnell wie möglich zur nächsten Phase zu kommen.

#5 Am Benutzer testen

Sobald der Prototyp entwickelt wurde, sollten Nutzer diesen testen. Doch es handelt sich dabei nicht um irgendwelche Nutzer, sondern um potenzielle Kunden oder Bestandskunden, die in Phase 1 zu Wort kamen. Schließlich sollten Menschen den Prototypen prüfen, die ihn auch benötigen. So erhält das Team wertvolles Feedback, anhand dessen die Mitarbeiter in die jeweils passende Phase zurückspringen können.

Kommen beispielsweise viele Rückmeldungen, dass der Prototyp das Problem der Kunden nicht löst, solltet ihr zu Phase 3 zurückkehren und die Ideenfindung von Neuem ankurbeln. Vielleicht war auch die Idee noch nicht gut oder präzise genug auf die Persona ausgerichtet?

Wenn Feedback dahingehend zurückkommt, dass die Tester bereits in der Theorie nichts mit dem neuen Angebot anzufangen wissen, könnte die Wurzel des Problems in Phase 2 liegen: Der Erlebnis- und Erwartungshorizont der Kunden wurde eventuell nicht genau genug definiert. Setzt hier erneut an und damit den Design-Thinking-Prozess ein weiteres Mal in Gang.

Diese Wiederholungen erfolgen so lange, bis gute oder sehr gute Resonanz aus den Tests hervorgeht. Dann beginnt die finale Phase.

#6 Lösung einbauen

Das Produkt bzw. die Lösung wurde von den Nutzern angenommen – Zeit für die Implementierung: Stellt die fertig entwickelte App in den App Stores zur Verfügung, bietet das physische Produkt zum Verkauf an, ladet das Angebot für eure Dienstleistung auf eurer Website hoch. Was immer es ist, am Ende des erfolgreichen Design-Thinking-Prozesses sollte die Präsentation des Endergebnisses stehen. Wie aber implementiert ein Unternehmen Design Thinking in die täglichen Abläufe?

Design-Thinking-Prozess im Alltag umsetzen: 6 Tipps

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Lasst euch Zeit beim Start: Der Design-Thinking-Prozess kann in kleineren Projekten geübt werden. (Foto: Unsplash)

Design Thinking klingt in der Theorie ganz logisch. Doch ist diese Praxis aus dem US-amerikanischen Raum gar nicht so einfach umzusetzen. Wir zeigen, wie Design Thinking in den Alltag integriert wird.

#1 Holt die Mitarbeiter ab

Führt die Methode nicht einfach von heute auf morgen ein, das wird nicht funktionieren. Mitarbeiter werden wesentlich motivierter sein, wenn ihr sie abholt. Widmet dem Prozess genügend Zeit und erklärt ihnen, warum die Implementierung von Design Thinking in den alltäglichen Arbeitsprozess sinnvoll ist.

Beantwortet damit verbundene Fragen und bereitet euch auf das Meeting zu diesem Thema mit der Präsentation erfolgreicher Beispiele vor. Die Einführung der Methode stellt eine erhebliche Umwälzung von alltäglichen Arbeitsprozessen dar. Dies sollte nicht unterschätzt werden. Holt die Mitarbeiter ab, so stehen die Chancen für die Akzeptanz dieser Umwälzung gut.

#2 Fangt klein an

Es ist eine riskante Idee, Design Thinking von Beginn an für das wichtigste Projekt zu nutzen. Trotz der sich wiederholenden Feedbackschleifen will auch agiles Arbeiten gelernt sein. Und das gelingt nur durch Übung. Das Team muss sich erst noch einspielen und Fehler werden dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren. Umso wichtiger ist es, Design Thinking in einem kleineren Projekt auszutesten. Im Idealfall handelt es sich dabei um ein Unterfangen, bei dem die Zeit nicht drängt.

#3 Führt einen Design Thinking Workshop durch

Workshops sind eine hervorragende Möglichkeit, Design Thinking auszuprobieren. Geht ein fiktives Problem an und verteilt die Rollen. Ein Team versetzt sich in die Lage der Kunden und gibt Auskünfte. Die anderen Teams entwickeln Lösungsansätze, Ideen und Prototypen. Gemeinsam wird das Feedback in Schleifen umgesetzt.

Orientiert euch hierfür an Workshop-Methoden, beispielsweise die Methode “Lego Serious Play”. Denn die bunten Steine eigenen sich nicht nur für Kinder zum Spielen. Die Methode wird u. a. für die Strategieentwicklung im Workshop genutzt.

So geht die Methode Lego Serious Play im Schnellstart:

  • Holt euch ein Set mit Basis-Bausteinen, getreu dem Motto: Keep it simple.
  • Praktiziert kleine Aufwärmübungen: einen kleinen Turm oder Haus bauen zum Beispiel.
  • Definiert nun das Ziel: Wohin sollen die Baumaßnahmen gehen?
  • Ernennt einen Moderator.
  • Jeder baut für sich los, ohne mit den Kollegen zu reden.
  • Denkt dabei nicht nach, lasst die Kreativität einfach durch eure Hände fließen.
  • Passt den Bau an, entfernt Teile, fügt neue hinzu.
  • Kombiniert, interpretiert und analysiert die Modelle unter Leitung des Moderators.

Mit der spielerischen kreativen Art lässt sich Lego Serious Play ideal für den Design-Thinking-Brainstormingprozess nutzen, denn diese Art der Ideenfindung arbeitet nach dem Denken-mit-der-Hand-Prinzip, eine motorische Kombination, die unser Gehirn mag.

#4 Bucht einen Design Thinking Coach

Der externe Coach bietet eine frische Außenbetrachtung auf die Unternehmensstrukturen und erkennt verbesserungswürdige Abläufe. Darüber hinaus ist der Experte mit der Methode vertraut und kann aufkommende Fragen schnell beantworten.

Je nach Kenntnisstand des Teams kann es also sinnvoll und zeitsparend seinen, einen Coach zu buchen, anstatt sich die Methode Schritt für Schritt selbst beizubringen. Achtet bei der Wahl eines Coaches auf entsprechende Zertifikate und aussagekräftige Referenzen, da es sich hierbei um ein anspruchsvolles und komplexes Thema handelt.

#5 Lest unsere Design Thinking Buchtipps

Ratgeber auf dem Markt helfen dabei, die Methode kennenzulernen, zu verstehen und umzusetzen. Wir möchten hierfür drei Bücher empfehlen.

 

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Design Thinking lernen: Mit diesen drei Büchern gelingt dies schnell. (Bilder: Amazon.de)
  • Das Design Thinking Playbook: Mit traditionellen, aktuellen und zukünftigen Erfolgsfaktoren
    Kennzeichnend für die erfolgreiche Methode ist die Praxisnähe. Da ist ein Playbook ideal, denn hierin findet sich das Mindset noch einmal anschaulich präsentiert und erklärt. Darüber hinaus gibt es konkrete Antworten auf die Fragen, wie Ideen selektiert werden und was einen guten Prototypen ausmacht.
  • Das Design Thinking Toolbook: Die besten Werkzeuge & Methoden
    Wo ein Playbook ist, da ist ein Toolbook nicht weit. In diesem Ratgeber erfahren Leser, welche Tools im Design-Thinking-Prozess helfen. Mit dabei: die Customer Journey Map, Emotional Response Cards und der Vision Cone. Mit Liebe zum Detail gestaltete, stimmige Illustrationen lockern das Buch auf.
  • Design Thinking Schnellstart: Kreative Workshops gestalten
    Wer von der Theorie so schnell wie möglich in die Praxis starten möchte, kommt mit diesem Buch genau dorthin. Schritt für Schritt führt der Ratgeber durch alle Phasen des Prozesses. Ein Rezensent meint, dass im Ratgeber die Zubereitung eines Workshops so anschaulich erklärt wird wie ein Rezept in einem Kochbuch. Wenn das die Lektüre nicht schmackhaft macht!

#6 Lasst euch von Beispielen inspirieren

Wie sieht Design Thinking in der Praxis aus? Zum Beispiel so, wie es der Ingenieur Jeff Chapin in Kambodscha umgesetzt hat: In einer Dorfregion fehlte es an Latrinen und Handwasch-Möglichkeiten. Gemeinsam mit seinem Team und in enger Kommunikation mit den Bewohnern entwickelte Chapin entsprechende, auf die körperlichen und kulturellen Bedürfnisse abgestimmten Systeme. Vertiefende Einblicke in den Entwicklungsprozess gibt es im Video zur Geschichte.

Schauen wir uns als ein weiteres Beispiel das Vorgehen des Berliner Ideenlabors an.

Der Design-Thinking-Prozess des Berliner Ideenlabors vorgestellt

Für die praktische Umsetzung möchten wir noch einen beispielhaften Prozess des Berliner Ideenlabors vorstellen.

Schritt 1: Future Foresight

Das ist eine Methode aus der Zukunftsforschung. Man sieht sich die großen Trends und Fragen unserer Zeit an. Wie werden zum Beispiel die Liebe, der Körper, der Tod oder die Kriminalität in Zukunft aussehen? Welche Forschungen gibt es? Stehen bahnbrechende Entwicklungen bevor? Welche Trends bestimmen zukünftig unser Leben? Im ersten Schritt werden also die ganz großen Felder aufgemacht.

Schritt 2: Design Thinking

Im Design Thinking Prozess werden diese großen, abstrakten Entwicklungen greifbar gemacht und in einen Kontext gebracht. Hier entwickelt man die nötige Empathie für den Nutzer und künftigen Kunden, spricht mit Betroffenen oder der potenziellen Zielgruppe und entwickelt erst dann erste Ideen.

Schritt 3: Business Model Innovation

Im dritten und letzten Schritt werden die Ideen fixiert und überprüft. Greift die Idee beim Nutzer? Löst sie seine Probleme? Stellt sie den nötigen Mehrwert dar? Sie sollte nicht so durchgeknallt sein, dass keiner sie annimmt. Erst wenn alle Unklarheiten beseitigt sind, kann die Idee in ein Geschäftsmodell tranformiert werden.

Wie das Ganze jetzt ganz konkret aussieht, schaut ihr euch am besten im Video an, das in Zusammenarbeit zwischen dem Berliner Ideenlabor und der Crowdfunding-Plattform Companisto entstanden ist.

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