Die Beitragsbemessungsgrenze: das sollten Sie wissen

Die Beitragsbemessungsgrenze bezeichnet eine wichtige Grenze, bis zu der Abgaben für die jeweilige Sozialversicherung fällig werden. Unterschieden wird zwischen der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Für Selbstständige, die nur bedingt der Sozialversicherungspflicht unterliegen, ist die Beitragsbemessungsgrenze z.B. dann relevant, wenn man freiwillig bei der gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied ist.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Die Beitragsbemessungsgrenze ist eine wichtige Rechengröße in Deutschland – insbesondere für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber unter gewissen Umständen auch für Selbstständige.

Die Beitragsbemessungsgrenze ist für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie für die Renten- und Arbeitslosenversicherung relevant. Alle vier Sozialversicherungen werden prozentual vom Bruttolohn abgezogen – bis zu einer bestimmten Grenze. Diese Grenze, die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze, wird jedes Jahr neu vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales festgelegt und orientiert sich an der Einkommensentwicklung des Vorjahres. Ab Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze fallen keine zusätzlichen Belastungen mehr an.

Bei der Beitragsbemessungsgrenze wird zwischen der Beitragsbemessungsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung unterschieden. Es gibt somit zwei Beitragsbemessungsgrenzen in Deutschland.

Da die ebenfalls gesetzlich vorgeschriebene Unfallversicherung (bei Selbstständigen freiwillig) vom Umfallrisiko abhängt, unterliegt diese keiner Beitragsbemessungsgrenze. Als Arbeitnehmer ist diese übrigens aus Kostengründen sowieso nicht relevant, da die Unfallversicherung vom Arbeitgeber zu tragen ist. Selbstständige können selbst entscheiden, ob Sie eine Unfallversicherung abschliessen möchten - in der Regel ist die Berufsunfähigkeitsversicherung aber die bessere Alterantive.

BeitragsbemessungsgrenzeBeitragsbemessungsgrenze Übersicht (Stand 2014)

Beitragsbemessungsgrenze Kranken- & Pflegeversicherung

Die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung und Pflegeversicherung lag im Jahr 2014 bei 4.050 €. Das heißt, ab einem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze von 4.050 € sind keine weiteren Abgaben für Kranken- und Pflegeversicherung mehr fällig. Dies ist sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber relevant, da für beide Sozialversicherungen die Kosten gemeinsam getragen werden (Arbeitnehmeranteil bei der Krankenversicherung bei 8.3% vom Lohn, der Arbeitgeber trägt 7.3% vom Bruttolohn; Zahlen sind von 2014).

TIPP

Da bei der privaten Krankenversicherung die Beiträge nicht vom Einkommen sondern vom Leistungsumfang und Risiko abhängen, ist die Beitragsbemessungsgrenze nicht relevant!

Beitragsbemessungsgrenze Renten- & Arbeitslosenversicherung

Auch für die Renten- und Arbeitslosenversicherung gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze. Diese ist generell höher als die Beitragsbemessungsgrenze der Kranken- und Pflegeversicherung. Unterschieden wird zusätzlich zwischen den alten und neuen Bundesländern: In den neuen Bundesländern liegt die Beitragsbemessungsgrenze für die Renten- und Arbeitslosenversicherung tiefer als in den neuen Bundesländern - damit fallen die Lohnnebenkosten in den neuen Bundesländern ggf. etwas geringer aus.

Wichtige Grenzen neben der Beitragsbemessungsgrenze

Neben den Beitragsbemessungsgrenzen sind außerdem folgende Grenzen in Bezug auf die Sozialversicherungen wichtig:

  • Bruttogehalt unter 401 Euro oder Minijob
    Bei einer geringfügigen Beschäftigung fallen keine Sozialversicherungsabgaben an.
  • Gleitzone zwischen 401 und 850 Euro
    Zwischen der geringfügigen Beschäftigung und einem „normalen“ Beschäftigungsverhältnis besteht eine Gleitzone, bei der mit zunehmendem Einkommen auch höhere Abgaben anfallen
  • Ab 850 Euro: "Normaler" Beitragssatz
    Ab einem Bruttolohn von über 850 Euro fallen die regulären Sozialversicherungsabgaben an. Entsprechend betrugt z.B. der Mindestbeitrag bei der Krankenversicherung 2014: 850 € * 15,5% = 131,75 €  (Arbeitnehmer bezahlt 69,70 €)
  • Über Beitragsbemessungsgrenze: Maximaler Beitrag
    Ab einem Einkommen, das über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, wird der maximale Beitrag berechnet. Der  Höchstbetrag z.B. bei der Krankenversicherung betrug im Jahr 2014: 4.050 € * 15,5%  =  627,75 €  (Arbeitnehmeranteil bei 8.3%; d.h. 332,10 €)

Beitragsbemessungsgrenze auch für Selbstständige wichtig

Wenn man sich selbstständig macht, so wird man versicherungsfrei. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Mitgliedschaft in den jeweiligen Sozialversicherungen grundsätzlich freiwillig ist. Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung kann sich ein Selbstständiger versichern, bei der Kranken- und Pflegeversicherung besteht hingegen weiter die Pflicht – jedoch haben Selbstständige die Möglichkeit, zwischen der privaten und gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zu wählen.

Insofern kann die Beitragsbemessungsgrenze auch für Selbstständige relevant sein, nämlich wenn:

  • man sich als Selbstständiger für die freiwillig gesetzliche Krankenkasse entscheidet (und somit auch für die gesetzliche Pflegeversicherung)
  • man als privat versicherter den Basistarif PKV abgeschlossen hat, der sich an der gesetzlichen Krankenversicherung orientiert und für den auch die Beitragsbemessungsgrenze gilt
  • man sich für eine freiwillige Renten- und oder Arbeitslosenversicherung entscheidet

Beitragsbemessungsgrenze nicht Versicherungspflichtgrenze!

Oft werden Versicherungspflichtgrenze und Beitragsbemessungsgrenze verwechselt. Die Versicherungspflichtgrenze bezeichnet die Grenze, ab der ein Arbeitnehmer versicherungsfrei wird und sich somit zwischen der privaten und der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung entscheiden kann. 

Im Unterschied zur Beitragsbemessungsgrenze hat die Versicherungspflichtgrenze aber keinen Einfluss auf die Beitragshöhe. Auch für Selbstständige ist Sie nicht relevant, da man als Selbstständiger grundsätzlich versicherungsfrei ist. 

Nebenerwerb? Sozialversicherungspflicht prüfen!

Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, können Sie sich unter Umständen von der Beitragspflicht für die Renten- und Arbeitslosenversicherung befreien lassen. Dies ist dann möglich, wenn Ihre nebenberufliche Tätigkeit überwiegt (beim Einkommen und/oder der Arbeitszeit). Ist das der Fall, dann werden Sie versicherungsfrei und sind entsprechend nur noch bedingt der Sozialversicherungspflicht unterstellt.

TIPP

Erfahren Sie, welche Versicherungen für Selbstständige gesetzlich vorgeschrieben und welche eine sinnvoll Ergänzung sein können!

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