Die Berufshaftpflichtversicherung: Schutz für Selbstständige und Freiberufler

Die Berufshaftpflichtversicherung sichert Schäden ab, die Selbstständige in beratenden, behandelnden und planenden Berufen durch ihre berufliche Tätigkeit bei Dritten verursachen. Bei einigen Berufsgruppen ist eine Berufshaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben.

Wir erklären, ob eine Berufshaftpflichtversicherung für Sie sinnvoll oder sogar Pflicht ist, nennen die Leistungen der Versicherung und helfen Ihnen dabei, den besten Anbieter zu finden.

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Das Wichtigste auf einen Blick:
  • Die Berufshaftpflichtversicherung sichert Personen- und Sachschäden sowie deren finanzielle Folgen ab.
  • Für einige Selbstständige in freien Berufen ist sie eine Pflichtversicherung, bspw. für Ärzte oder Hebammen.
  • Je nach Berufskammer der Bundesländer kann sie auch für Architekten oder Ingenieure verpflichtend sein.
  • Tarife beginnen ab ca. 80 Euro pro Jahr.
  • Eine Sonderform der Berufshaftpflicht für beratende Berufe ist die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung.

Welche Haftpflichtversicherung ist die richtige für Sie?

Was ist der Unterschied zwischen Betriebshaftpflichtversicherung und Berufshaftpflichtversicherung?

Eine Betriebshaftpflichtversicherung versichert ein ganzes Unternehmen mit seinen Mitarbeitern.

Eine Berufshaftpflichtversicherung sichert die Ausübung einiger spezieller Berufe ab, bei denen Beratungs-, Planungs- oder Behandlungsfehler zu hohen Schadenersatzforderungen Dritter führen können. Daher trägt die Berufshaftpflichtversicherung manchmal auch den Namen des entsprechenden Berufs, z. B. Arzthaftpflichtversicherung, Hebammenhaftpflichtversicherung oder Architektenhaftpflichtversicherung.

Weitere Details zur Betriebshaftpflichtversicherung finden Sie hier.

1. Wer braucht sie?

Für einige medizinische Berufe ist bei selbstständiger Tätigkeit eine Berufshaftpflichtversicherung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben:

  • Apotheker
  • Ärzte
  • Hebammen

Für folgende Berufe in der Baubranche kann eine gesetzliche Pflicht zum Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung bestehen. Diese hängt von den Berufsordnungen der Architektenkammern und Ingenieurkammern der einzelnen Bundesländer ab:

  • Architekten
  • Ingenieure
  • Baumeister

Auch wenn die Berufshaftpflichtversicherung in Ihrem Bundesland keine Pflichtversicherung ist: Auftraggeber verlangen im Vorfeld oft einen Nachweis über den Abschluss einer beruflichen Haftpflichtversicherung.

Da Architekten und Ingenieure auch beratend und prüfend tätig sind, ist für sie zusätzlich eine Absicherung durch eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung sinnvoll. Versicherungen bieten für diese Berufsgruppen oft Kombipakete an, in denen mehrere Versicherungen in einer Police zusammengefasst werden.

Empfehlenswert ist eine Berufshaftpflichtversicherung außerdem für:

  • Ernährungsberater - z. B. bei Fehlberatung eines Kunden mit einer unentdeckten Nahrungsmittelunverträglichkeit
  • Heilpraktiker – z. B., wenn bei einem Patienten eine schwere Erkrankung zu spät erkannt und behandelt wird.
  • Fitnesstrainer – z. B. bei falscher Anleitung zu einer Übung, bei der sich der Kunde die Schulter auskugelt.
  • Physiotherapeuten – z. B., wenn sich die Beschwerden eines Patienten nach chiropraktischen Maßnahmen verstärken und der Physiotherapeut dafür verantwortlich gemacht wird.
  • Yogalehrer – z. B., wenn sich ein Teilnehmer beim Kopfstand an der Halswirbelsäule verletzt.

2. Welche Schäden werden abgedeckt? 

Die Berufshaftpflichtversicherung sichert folgende Schäden ab:

  • Personenschäden
  • Sachschäden
  • Vermögensfolgeschäden

Schadenbeispiele:

Personenschaden: Eine Apothekerin mischt einem Kunden versehentlich eine Salbe gegen eine Hautkrankheit fehlerhaft an. Der Kunde erleidet daraufhin eine starke allergische Reaktion und fordert von der Apothekerin Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Sachschaden: Ein Prüfingenieur soll die Statik eines Vordaches prüfen und übersieht einen Berechnungsfehler des Statikers. Unter der Last des Schnees bricht das Vordach im Winter zusammen und beschädigt mehrere PKWs. 

Vermögensfolgeschaden: Ein Personal Trainer weist in seinen einleitenden Erklärungen seine Kundin nicht auf Gesundheitsprobleme hin, die auftreten können. Beim Training verstärken sich die körperlichen Beschwerden der Kundin. Sie ist daraufhin mehrere Tage arbeitsunfähig und verzeichnet Einnahmeverluste.

3. Leistungen, Kosten & Anbieter

  • Übernahme des Schadens bei berechtigten Ansprüchen (bis zur vertraglich vereinbarten Deckungssumme)
  • Passiver Rechtsschutz: Die Versicherung prüft die Haftungsfrage und wehrt unberechtigte Schadenersatzforderungen ab. Im Fall eines Prozesses trägt die Versicherung die Gerichtskosten sowie die Ausgaben für Anwälte und Sachverständige.

Die jährlichen Beiträge der Berufshaftpflichtversicherung beginnen bei ca. 80 Euro.

Die maximale Höhe der Versicherungsprämie hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Branche: Ein Arzt, der Herzoperationen durchführt, hat ein höheres Risiko als ein nicht operierender Allgemeinarzt.
  • Umsatzhöhe: Je mehr Umsätze Sie erwirtschaften, desto höher fällt Ihre Versicherungsprämie aus.
  • Mitarbeiterzahl: Je mehr Mitarbeiter mitversichert werden, desto höher ist die Versicherungsprämie.
  • Selbstbeteiligung: Bei einer höheren Selbstbeteiligung sinkt die Versicherungsprämie.
  • Zahlungsintervall: Bei einer jährlichen Beitragszahlung ist die Versicherungsprämie günstiger als bei einer monatlichen Zahlweise.
  • Erweiterung des Leistungsspektrums: Wenn Sie neben Personen- und Sachschäden auch reine Vermögensschäden absichern möchten, erhöht dies die Beitragshöhe.

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Personenschäden lassen Schadenersatzforderungen schnell in Millionenhöhe steigen. Experten raten daher zu einer Deckungssumme von mindestens 3 Millionen Euro pro Schadenfall.

Architekten, Bauingenieure und Fachplaner sollten zudem auf eine zeitlich unbegrenzte Haftung in ihrer Versicherungspolice achten. Denn Schäden an Gebäuden werden manchmal erst Jahre später festgestellt.

Alle großen Versicherer wie Allianz, AXA, Gothaer und Hiscox bieten eine Berufshaftpflichtversicherung an. Oft ist eine Kombination mit einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung möglich, sodass neben Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden auch reine Vermögensschäden abgedeckt werden.

4. Offene Fragen

In der Berufshaftpflichtversicherung ist der Versicherungsnehmer mit seinen Angestellten, Praktikanten, Werkstudenten und Hilfskräften versichert.

Ja, die Beträge der Berufshaftpflichtversicherung sind steuerlich absetzbar. Als Selbstständiger, Freiberufler und Unternehmer können Sie die gezahlten Beiträge als Betriebsausgaben in der Steuererklärung angeben.

Ja, wenn Sie Ihre geschäftliche Tätigkeit aufgeben, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Sie gilt, wenn Sie als Freiberufler in eine Festanstellung wechseln, aber auch wenn Sie Insolvenz anmelden müssen.

Bei einigen Tätigkeiten – wie beispielsweise privatem Nachhilfeunterricht – kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Versicherungsschutz durch die private Haftpflichtversicherung gewährleistet sein. Bei risikoreichen Nebentätigkeiten wie bspw. in der Gastronomie, der Gebäudereinigung oder dem Handwerk kann es schnell zu Personen- oder Sachschäden kommen. Dort ist eine Absicherung durch eine Berufshaftpflicht sinnvoll. Andernfalls haftet man als Selbstständiger im Schadenfall mit seinem Privatvermögen.

5. Unser Fazit

Eine Berufshaftpflichtversicherung schützt Sie in Ihrem Beruf vor hohen Schadenersatzforderungen, die existenzgefährdend sein können.

  • Für einige Berufe besteht eine Versicherungspflicht.
  • Auftraggeber, z. B. Bauherren verlangen vor der Auftragsvergabe oft den Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung.
  • Die Kosten für die Versicherungsbeiträge lassen sich steuerlich absetzen.
  • Der Versicherungsschutz lässt sich passgenau auf die Berufsausübung und deren Risiken anpassen und durch Zusatzbausteine beliebig erweitern.

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