Millionenumsatz mit gedruckten Brillen



Die perfekte Brille zu finden, die auch noch gut aussieht, ist nicht einfach. Beim Start-up YouMawo kommt die maßgefertigte Brille aus dem 3D-Drucker. Innerhalb von zwei Jahren haben sie sich mit ihrem 3D-Scanner ein Millionengeschäft aufgebaut. Für ihre Geschäftsidee wurde das Start-up beim diesjährigen KfW Award Gründen als eines der besten ausgezeichnet. 

GründerDaily: Hallo Daniel, YouMawo steht für „your magic world“ – was wollt ihr damit vermitteln?

Daniel von YouMawo: Der Name spiegelt unsere Mission und Gründungsgeschichte wider.

Die Welt ist so facettenreich und einzigartig – genau wie jeder Mensch. Und trotzdem konsumieren wir täglich Massenartikel, die ohne jegliche Art von Individualität sind.

Besonders Brillen, die mit unserem Gesicht und Charakter verschmelzen sollen, sind kaum oder gar nicht individuell. Das wollen wir mit unseren maßgeschneiderten Brillen ändern.

Die Idee zu YouMawo kam den vier Gründern auf einer ihrer Rucksackreisen (von links: Daniel Miko, Stephan Grotz, Sebastian Zenetti, Daniel Szabo). (Foto: YouMawo)

GründerDaily: Was unterscheidet eure Brillen von herkömmlichen Brillen?

Daniel von YouMawo: Unsere Brillendesigns sind auf Basis von über hundert Gesichtsscans optimiert worden. Die Brillen sind 30 Prozent leichter als herkömmliche Brillen, flexibler und nachhaltig produziert. Da unsere Modelle mit Polyamid-Pulver produziert werden, gibt es keinen Materialüberschuss. Das übrig gebliebene Pulver kann direkt weiterverwendet werden, zum Beispiel für Spritzguss. Generell bietet YouMawo mit der entwickelten Technologie nicht nur Standardmodelle. Jeder Kunde kann seine eigene, individuelle Brille zusammenstellen lassen.

GründerDaily: Ihr seid vier Gründer, zwei von euch kommen bereits aus der Optiker-Branche. Wir habt ihr als Team zusammengefunden?

Daniel von YouMawo: Daniel Szabo und ich sind Jugendfreunde. Sebastian und ich haben uns in München in der Meisterschule kennengelernt. Sebastian ist wiederum sehr gut mit Stephan befreundet. Daraus hat sich dann über die Zeit unser Team gebildet.

Daniel Szabo ist unser Mann für Zahlen, Stephan Grotz der Big Data Dude, Sebastian und ich sind Experten im Design und Optik-Markt.

Letztendlich ist unser Team auch unser Erfolgsgeheimnis.

Wir sind ein Team aus den unterschiedlichsten Welten, mit sehr verschiedenen Talenten. Das hat uns besonders bei der Gründung geholfen, unsere Ideen gut reflektieren zu können. Jedem fallen andere Kleinigkeiten auf, die wir verbessern können. Das macht unser Team erfolgreich.

GründerDaily: Wie seid ihr das Konzept der Fertigungstechnologie angegangen und wie funktioniert es?

Daniel von YouMawo: Wir haben uns schon immer viel mit Technologie auseinandergesetzt und daran gebastelt. Irgendwann sagte dann Daniel Szabo: „Warum drucken wir eigentlich keine Brillen“. Das haben wir dann einfach ausprobiert. Wir haben einige Zeit an einer Technologie für die Brillen getüftelt, bis wir eine gute Fertigung erzielen konnten.

Am Anfang war das Ergebnis natürlich noch recht bedürftig, da der Scanner noch nicht für tragbare Produkte ausgelegt war.

Nachdem die Brille aus dem Drucker kam, war sie noch sehr rau und grob, auch die Färbung war noch nicht ganz ausgereift. Die ganzen Schritte, die zur fertigen Brille führen, gab es noch gar nicht. Das haben wir erst später Schritt für Schritt mit unserem Partner entwickelt. Das ganze Material sowie die Maschinen kommen aus Deutschland und auch die Produktion findet dort statt. Eine Maschine kostet ungefähr 500.000 Euro – und das, ohne die Färbung und das Finishing der Brille.

GründerDaily: Wie kann man sich die Verwendung und Verarbeitung des 3D-Scanners vorstellen?

Daniel von YouMawo: Der Scanner ist ein Infrarotscanner, der einfach auf ein iPad gesteckt wird. Stephan Grotz hat eine eigene App entwickelt, die YouMawo App, über die der Optiker das Gesicht der Kunden scannen kann. Anschließend wird der Scan mit ausgewählten Grundmodellen an uns übermittelt und wir passen die Brillen nach unserem YouMawo-System für den Kunden an.

Kurz nach dem Drucken ist die Brille noch weiß und sehr rau, wie Schmirgelpapier. (Foto: YouMawo)

Zum Schluss geht es noch in die Produktion. Dort kann der Kunde das Modell nach seinen Belieben gestalten. Zum Beispiel mit einer Lasergravur mit seinem Namen. Die fertig gedruckte Brille ist dann noch weiß und sehr rau, wie Schmirgelpapier. Sie wird abgeschliffen, rund gemacht und gefärbt. Nach ungefähr drei Wochen ist die Brille beim Optiker angekommen und der Kunde kann sie dann abholen.

GründerDaily: Ihr habt euch zu Beginn selbst finanziert. Wie vermittelt ihr jetzt eure Brillen?

Daniel von YouMawo: Wir haben uns von Anfang an mit 75.000 Euro selbst finanziert. Das restliche Geld, was wir nach und nach besonders für die Maschinen brauchten, konnten wir durch Cashflow sicherstellen. Wir haben keinerlei Kredite oder Ähnliches aufnehmen müssen.

Durch Messen und Gründerwettbewerbe kamen viel mehr Kunden auf uns zu, als wir uns je hätten erträumen können.

Mittlerweile haben wir knapp 600 Kunden im gesamten DACH-Raum, die unseren 3D-Scanner nutzen.

  •  Tipp: Einen Überblick über 167 Gründerwettbewerbe findet ihr in der kostenlosen Publikation von Für-Gründer.de.

GründerDaily: Wie habt ihr den Durchbruch auf dem Markt geschafft?

Daniel von YouMawo: 2016 sind wir erstmal an den Markt gegangen. Wir haben uns beim Gründerwettbewerb Opti angemeldet und einen Stand im Start-up-Bereich aufgebaut. Unser Ziel war es damals, knapp 50 Kunden zu bekommen, aber nicht mehr. Das hätte unsere Produktion nicht schaffen können. Freitags fing die Messe an und Samstagmittag waren wir komplett ausverkauft.

Da wir die ersten auf dem Markt waren, die eine funktionierende Lösung hatten, hat sich das recht schnell rumgesprochen.

Die Optiker-Welt ist sehr gut vernetzt. Natürlich hat unser Vertrieb auch viel Arbeit geleistet und ist fleißig unterwegs, um alle Kunden auf dem neuesten Stand zu halten und den ständigen Kontakt zu pflegen. Wir haben ein junges Team, dass mit knapp 50 Modellen in den verschiedensten Farben und Größen auf Optikergeschäfte zugeht und sie von unserer Geschäftsidee versuchen zu überzeugen. Das hat sich bis jetzt immer sehr gut bewährt.

Durch Messen konnten wir uns ebenfalls ein gutes und großes Netzwerk aufbauen. Zumal Sebastian Zenetti und ich bereits aus der Optiker-Branche kommen und wir dadurch einen leichteren Zugang zu Optikern haben.

Das Erfolgsrezept des Start-ups ist das Team, mit den unterschiedlichen Expertisen der Gründer. (Foto: YouMawo)

GründerDaily: Was waren die größten Herausforderungen für YouMawo?

Daniel von YouMawo:

Am schwierigsten war es, einen einfachen Prozess für den Kunden zu entwickeln, sodass er ohne viel Aufwand an seine gewünschte Maßbrille kommt.

Knapp ein halbes Jahr haben wir nur an der Technologie gefeilt, um heute das perfekte Ergebnis erzielen zu können. Dafür haben wir uns an Scannern aus der Architektur orientiert. Vor uns gab es nämlich noch keinen, der dieselbe Fertigungstechnologie nutzte. Wir wollten eine Einzelanfertigung, aber en masse. Dafür am Anfang eine geeignete Lösung zu finden, das war die größte Hürde.

GründerDaily: Glaubt ihr, dass es einen Umbruch geben wird, sodass Kunden bewusst 200 Euro mehr für Brillen ausgeben wollen?

Daniel von YouMawo: Unsere Standardbrillen kosten knapp 380 Euro, eine maßgefertigte Custombrille kostet 490 Euro. Nur 10 Prozent unserer verkauften Brillen sind Maßbrillen, die dann doch etwas mehr als herkömmliche Modelle kosten.

Natürlich ist es immer eine Kostenfrage – wie viel Geld habe ich zur Verfügung und wie wichtig ist es mir, eine gute Brille zu haben? Trotzdem muss man sagen, dass wir uns im Bereich der maßgefertigten Brillen noch im niedrigeren Segment der Kosten befinden. Es gibt weitaus teurere maßgefertigte Brillen als unsere.

GründerDaily: Was sind eure nächsten Meilensteine als Start-up?

Daniel von YouMawo:

Wir wollen uns die nächsten Jahre auf jeden Fall international aufstellen und versuchen, den gleichen Erfolg zu erzielen, wie wir es in Deutschland, Österreich und der Schweiz erleben durften.

Diese Länder haben unsere Erwartungen übertroffen. Es gab kaum eine konservative Einstellung, alle waren offen und sofort begeistert von YouMawo. Auch die Produktion in den Märkten selbst würde uns in Zukunft Zeit und Geld sparen, vor allen Dingen aber auch Arbeitsplätze fördern.

Wir sehen uns klar als führendes Unternehmen in unserem Sektor der maßgefertigten 3D-Brillen. Im gesamten DACH-Raum sind wir in unserem Material-Sektor auf jeden Fall schon marktführend und ich denke, das schließt den Großteil der Welt mit ein. Ganz besonders liegt es uns aber am Herzen, das Verständnis von Maßbrillen zu verbreiten. Dass sich die Menschen zukünftig gar nicht erst die Frage stellen müssen, ob sie eine Brille wie jede andere oder eine maßgeschneiderte Brille kaufen möchten.

Keyfacts über YouMawo

  • Gegründet im Jahr: 2016
  • Firmensitz in: Headquarter in Konstanz
  • Unser aktuelles Team besteht aus: Daniel Miko, Stephan Grotz, Sebastian Zenetti, Daniel Szabo
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch: Eigenfinanzierung 
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für uns folgende:
    • Menschen: Unser komplettes Team, jeder ist ein Zahnrad im ganzen Werk
    • Tools: Slack, Telefon, 3D-Scanner

Seit 20 Jahren zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen (ehemals „GründerChampions“) aus. Für den renommierten Preis können sich Unternehmen aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die Preisträger werden von einer Jury aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, Politik und Wirtschaft ausgewählt. Die Preisverleihung fand am 17. Oktober im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der deGUT statt.

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