KfW Award Gründen 2025 Dresden: Startup HolyPoly hilft Mattel, Bosch und Co. beim Recycling

News

HolyPoly zeigt, wie ausgedientes Plastik nicht Müll, sondern wertvoller Rohstoff wird. Das Start-up hilft großen Marken dabei, ihre Kunststoff-Produkte recycelbar zu machen und schließt den Kreis vom Altstoff zurück in die Serie. Dafür wurden die Dresdner mit dem diesjährigen Publikumspreis der KfW ausgezeichnet.

Das Team von HolyPoly in einer Lagerhalle
HolyPoly: Das Dresdner Startup konnte schon große Unternehmen wie Mattel und Vorwerk als Kunden gewinnen. Bild: HolyPoly.

Weitere Artikel zu den besten Geschäftsideen 2025:

HolyPoly macht Kunststoff wieder nutzbar

Beim Thema Elektro-Recycling will die Regierung ab 2026 mit einem neuen Gesetz Abhilfe schaffen. Doch viele Dinge, die das Leben schön und angenehm machen, bestehen aus Plastik. Das geht vom Tischtennisball über Brillengläser bis hin zu Haushaltswaren. Das Problem dabei: Jeden Tag werden Unmengen wertvolles Plastik in Müllverbrennungsanlagen und auf Deponien vernichtet oder, fast noch schlimmer, arglos an Stränden, in Straßen und Wäldern zurückgelassen. Dadurch gelangen die Kunststoffe in die Ozeane und in unsere Nahrung.

Die Verbraucher werden angehalten, Plastik einzusparen. Das ist im Sinne des Umweltschutzes natürlich sinnvoll, aber es reicht nicht aus. Es braucht wirkungsvollere Methoden, um dem drängenden Problem der Plastikflut Herr zu werden. „Es liegt in der Hand der Industrie, den Kreislaufwandel in Gang zu bringen“, sagt Matthias Röder, Mitgründer des Start-ups HolyPoly. Das 2020 gegründete Unternehmen ist genau diesen Weg eingeschlagen: Es hilft Markenherstellern, Kunststoff in einen echten Kreislauf zu bringen. Somit landet ausgedientes Plastik nicht mehr im Müll, sondern wird zu einem wertvollen Rohstoff. Ob alte Waschmaschinen oder Spielzeuge: Sie werden recycelt und anschließend in neuen Produkten eingesetzt.

Weniger als zehn Prozent

„Theoretisch ist das schon länger möglich“, sagt Matthias Röder. „In der Praxis bestehen aber nur weniger als zehn Prozent aller Alltagsprodukte aus recyceltem Kunststoff. Der Großteil des Plastikmülls wird verbrannt.“ Dabei eigne sich Kunststoff, anders als vielfach dargestellt, „hervorragend“ dafür, in den Kreislauf geführt zu werden. Er lasse sich mit vergleichsweise wenig Energie hochwertig recyceln.

Die HolyPoly GmbH will dies im großen Stil umzusetzen. Und es scheint zu gelingen: Auch weil das Start-up eine Komplettlösung anbietet – vom Rücknahmesystem über den Recyclingprozess bis hin zu Produktdesign und Vermarktung –, hat es bereits führende Markenhersteller wie Mattel, Bosch, Vorwerk oder das Schweizer Unternehmen V-Zug gewinnen können. Seit dem offiziellen Start im Frühjahr 2021 bis Mitte 2025 konnte HolyPoly seine Umsätze auf rund 1,6 Millionen Euro verfünffachen. Das Unternehmen beschäftigt 30 festangestellte und 40 freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

sevdesk
sevdesk

Buchhaltung

  • 70 % Rabatt auf alle Tarife
  • Code: FUERGRUENDER70
  • Nur für kurze Zeit
Zum Deal
Finom Basic
Finom Basic

Geschäftskonto

  • 100 € Bonus
  • 0 € im 1. Monat
  • Nur bis 31. Januar
Zum Deal

Tour durch Europa

Die Idee zu HolyPoly entstand gewissermaßen auf der Straße: In der mobilen Recyclingwerkstatt „Kunststoffschmiede“, einer offenen Werkstatt im Dresdner Verein „Konglomerat“, der sich Themen wie Nachhaltigkeit, Innovation und Umweltbildung verschrieben hat, haben die späteren Gründer um Johanna Bialek, Florian Pflüger und Matthias Röder begonnen, mit selbstgebauten „Precious Plastic“-Maschinen aus gebrauchten Kunststoffen neue Produkte herzustellen. Damit zog das Team drei Jahre lang durch Europa – bis zur EU-Kommission nach Brüssel. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Tour:

  1. Es gibt zwar ein großes Interesse am Thema Wiederverwertung, aber wenig Know-How.
  2. In diesem Bereich wird fast ausschließlich partielle Beratung und Unterstützung angeboten, aber keine Komplettlösung.

„Dabei“, so Matthias Röder, „suchen die Markenhersteller, die sich auf den Weg machen wollen und sich mit der Vielschichtigkeit und Komplexität konfrontiert sehen, genau das.“ Also tat das durch die Tour zusammengeschweißte Team das Naheliegende und gründete HolyPoly. Das Unternehmen finanziert sich von Beginn an aus verschiedenen Kanälen, etwa einem Social-Impact-Inkubator, dem EXIST-Gründungsstipendium, verschiedenen Privatinvestoren sowie Crowdfunding. Auf einer solchen Plattform kam 2023 alleine fast eine Million Euro zusammen.

Liebe zu Plastik

Der Firmenname HolyPoly drückt im Übrigen die „Liebe“ der Gründer zu Plastik aus. Viele denken bei Plastik an vermüllte Strände und strangulierte Schildkröten. „Kunststoff hat ein negatives Image“ sagt Matthias Röder. HolyPoly jedoch fasziniert die Wandlungsfähigkeit des Materials in Bezug auf seine Eigenschaften wie Farbe, Haptik und Elastizität. Auch aus Klimaschutzgründen sei die einfache Formbarkeit bei wenig Energieaufwand, die niedrige Dichte und die Langlebigkeit sehr interessant. Vor allem aber: „Wir sind überzeugt davon, dass Kunststoff einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten wird und auch heute schon tut. Wir arbeiten für eine Welt, in der der Einsatz von recyceltem Plastik selbstverständlich geworden ist“, sagt Matthias Röder.

Einerseits: Ja, die Sensibilität ist gegeben. Andererseits ist der Recyclingmarkt immer noch unterentwickelt. Einer der Gründe: Produkte und Produktionsprozesse anzupassen, ist für die Hersteller aufwendig, mit Mehrkosten verbunden und riskant. Auch das Sortieren von gebrauchtem Plastik ist aufwendig und teuer. Aber schon beim Design läuft vieles falsch, erklärt der Gründer: In einem Produkt seien oft verschiedene Arten von Plastik so verbaut, dass ein sinnvolles Aufbereiten unmöglich ist. Daher müsse sich „Design for Recycling“ etablieren. Das heißt: Produkte und Verpackungen sollten so gestaltet werden, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer möglichst einfach und hochwertig recycelt werden können.

Recycling aus einer Hand

Das wäre ein Gewinn für die Umwelt. Außerdem wollen das immer mehr Verbraucher. Der Druck kommt vor allem von jüngeren Leuten. Und auch die Produzenten streben vermehrt danach, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gegenüber positiv zu verhalten. „HolyPoly hilft ihnen, die Hürden zu nehmen und die Chancen der Zeitenwende zu nutzen“, sagt Matthias Röder.

Aus diesem Grund haben sich die Sachsen als Full-Service-Partner für Markenhersteller von Plastikprodukten positioniert. Die Devise lautet: „Kunststoffrecycling aus einer Hand, mit allem Drum und Dran.“ In der Praxis bedeutet das, dass die Sachsen in den sechs Bereichen Beratung, Design, Engineering, Material, Fertigung und Kommunikation Expertise aufgebaut haben. Ein Team aus unterschiedlichsten Spezialisten, etwa aus den Bereichen Materialforschung, Produktion, Prozessentwicklung oder Kommunikation, deckt alle Anforderungen der gesamten Wertschöpfungskette ab.

Das überzeugt schon weltweit rund 50 Kunden. Und dennoch muss das Dresdner Start-up noch immer eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich sind die Hersteller es seit Jahrzehnten gewohnt, exakt das Material geliefert zu bekommen, das sie brauchen – in nahezu beliebigen Mengen und bei gleichbleibender Qualität. Wollen sie nun mit gebrauchten Plastik arbeiten, müssen sie akzeptieren, dass dieses „etwas erlebt“ hat, also etwa die Farbe und andere Eigenschaften von der gewohnten Norm abweichen. Noch dazu sind die sogenannten Post-Consumer-Materialien in der Regel teurer als die „Virgin“-Alternativen.

Abfall gibt es genug

Dennoch sieht das HolyPoly-Team positiv in die Zukunft. Matthias Röder: „Abfall gibt es genug“, sagt er. Zumal die Dresdner die Player des Sekundärstoff-Markts über die üblichen Distributeure hinaus gut kennen. Zum anderen sehen sie einen neuen Trend: „Viele Kunden haben den Wunsch, dass der Einsatz von Recyclingmaterialien im Endprodukt sichtbar ist“, sagt Matthias Röder. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn ein Dübel nicht einheitlich grau wäre, sondern einen Marmor-Effekt hätte. Und er geht noch einen Schritt weiter: Um den Verbrauchern zu zeigen, dass in den Dübeln Materialien wiederverwendet wurden, könnte man sie in Baumärkten live herstellen lassen. Denn darin liegt die größte Chance für HolyPoly und somit auch für die Umwelt: dass recyceltes Material nicht nur akzeptiert, sondern zum regulär eingesetzten Material, und darüber hinaus zum Lifestyle wird.

KfW Award Gründen

zurück