Modulares Bauen als Trend Grüne Nachhaltigkeit: Das Haus der Zukunft aus Holz und Stroh

# 1 HALM – modular & ökologisch bauen mit Stroh
Thorin Wäschle schnibbelt Gemüse, während er am Telefon mit der Journalistin spricht. Nein, er betreibt keine Gaststätte, sondern ist einer von sechs Geschäftsführern des 2022 gegründeten Start-ups HALM GmbH in Hohenmocker, einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Dass er Mittagessen vorbereitet, ist der Philosophie des jungen Unternehmens geschuldet: „Wir kochen täglich für unser 15-köpfiges Team“, sagt Thorin Wäschle. Darunter sind im Übrigen drei Auszubildende.
Gemeinsam bauen sie Häuser aus Holz und Stroh, wobei Stroh zur Dämmung dient. Dabei fertigen sie alle Module in der Halle vor. Im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise direkt am Objekt hat das den Vorteil, dass die Arbeitszeit auf der Baustelle stark minimiert wird. Die Module können in wenigen Tagen vor Ort eingesetzt werden, womit Aufwand und Kosten reduziert werden. Außerdem, da die Bauteile in der Halle bereits verkleidet werden, sind die Einsätze auf der Baustelle bei jedem Wetter möglich – ganz anders als beim herkömmlichen Bauen, das trockenes Wetter erfordert. Das Stroh darf nämlich nicht nass werden.
Warum die HALM-Gründer überhaupt auf Stroh setzen: Die Häuser erlangen Passivhausstandard und weisen ein gesundes Raumklima auf. Pro Einfamilienhaus werden bis zu 25 Tonnen CO2 gespeichert. Zudem: Stroh, ein Abfallprodukt der Landwirtschaft, wächst in einem Jahr nach. Holz braucht bedeutend länger. „Hier in der nahen Umgebung wachsen jährlich quasi 1.000 Einfamilienhäuser“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.
Bereits 17 Objekte hat HALM seit Gründung realisiert, meist Einfamilienhäuser. Jetzt bekommen die drei Brüder und ihre Mitgründer, die sich aus Zimmerern, Architekten, Umweltwissenschaftlern und Designern zusammensetzen, nach und nach Anfragen für größere Objekte. Die meisten Auftraggeber kommen aus einem Umkreis von rund 200 Kilometern. Doch es wurde auch schon ein Haus im entfernteren Erfurt gebaut; Projekte in Nordrhein-Westfalen und Südschweden stehen an.
Die Unternehmer sind für die Expansion gerüstet: Sie haben nach und nach eine große Krananlage, einen Montagetisch und weiteres Equipment angeschafft. Und das alles mit nur wenig Fremdkapital, das so Thorin Wäschle „auch schon wieder zurückgezahlt wurde“.
#2 ECOMENT: CO2-freies Bindemittel
ECOMENT hat das weltweit erste CO2-freie Bindemittel entwickelt, das wie Zement eingesetzt werden kann. Zudem stellt das Start-up aus Schkopau in Sachsen-Anhalt einen CO2-armen zertifizierten Zement her (der also so genannt werden darf). Da auf die herkömmliche Zementherstellung etwa acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen, sorgt das Verfahren des 2022 gegründeten Start-ups für extrem hohe Einsparungen – und dient in hohem Maß dem Umweltschutz.
Das gelingt der ECOMENT GmbH, da sie statt auf traditionelle Rohstoffe wie etwa Kalkstein zu setzen, Industrienebenprodukte wie Filterstäube und Aschen aus der Energieproduktion nutzt, die ansonsten entsorgt würden. „Das ist wie Stroh zu Gold zu spinnen“, sagt Gründer Thomas Mau. Diese erhalten sie vom Kraftwerk Schkopau, mahlen sie noch feiner und mischen sie in großen Kesseln mit weiteren Bestandteilen. Außerdem entfällt der energieintensive Brennprozess, weshalb das Start-up im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren rund 88 Prozent Energie einspart.
Thomas Mau hat ECOMENT gemeinsam mit Mirko Schüring gegründet. Der 55-Jährige Betriebswirt, viele Jahre als Steuerberater tätig, hatte schon einmal ein Unternehmen in diesem Metier aufgebaut, nachdem 2011 Mandanten mit einer entsprechenden Idee auf ihn zugekommen waren. „Das Unternehmen ging leider pleite“, sagt Thomas Mau. „Ich habe die Anlage mit Eigenmitteln aus der Insolvenzmasse herausgekauft und habe mit Mirko Schüring anschließend ECOMENT aufgebaut.“ Beide haben die Anlage und ebenso die Produktpalette erweitert. Seither produzieren sie in ihrem eigens errichteten Werk bis zu 150.000 Tonnen Bindemittel sowie Bodenbinder für den Straßenbau und Zement. Zu ihren Kunden zählen vor allem Transportbetonwerke und Hersteller von Pflastersteinen.
Das Unternehmen mit acht Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von vier Millionen Euro, übrigens schuldenfrei und profitabel, ist bereits dabei, die weitere Expansion vorzubereiten. „Wir haben Vorgespräche geführt, um Standorte in Polen zu eröffnen“, sagt Thomas Mau. Polen deshalb, weil das produzierende Werk in der Nähe der Lieferanten sein muss. Und in Polen, so der Gründer, „gibt es noch viele Kohlekraftwerke“.
#3 bandOlution: umweltfreundliche Papierbanderolen
Herkömmliche Banderolen und Umverpackungen, etwa um Obst und Gemüse oder Medikamente, bestehen häufig aus nicht wiederverwertbaren Kunststoffen. Für die Umwelt ist das belastend. Das Anfang 2023 von André Vois gegründete Start-up bandOlution setzt dem ökologische, recycelbare Banderolen, Folien und Schalen entgegen. Verpackungen aus Papier oder recyceltem Mono-Kunststoff führen zu einem geringeren Abfallaufkommen, weniger Plastik-Abfällen und einer besseren Recyclingfähigkeit in der Lieferkette.
Der 56-Jährige hat langjährige Erfahrungen als Angestellter in der Druckbranche und insbesondere mit Banderoliermaschinen. Als das Unternehmen, bei dem er zuletzt tätig war, umstrukturierte, machte sich Vois mit bandOlution selbstständig. Der claim der Kempener lautet: „Go Green! Evolution with Bandolution“.
Angefangen hat der gelernte Druckformhersteller mit Kunden aus der Lebensmittelbranche. „Dort war der Druck zur Veränderung am größten“, sagt er. Noch immer ist dieses Segment eines der wichtigsten für bandOlution. Mittlerweile zählen zu den Kunden aber auch Unternehmen aus der Logistik und den Bereichen Pharmazie, Holz oder Textilien.
André Vois hat das Start-up aus Eigenmitteln aufgezogen, noch immer plant er keine Finanzierung. Damit das gelingt, hält er die Ausgaben gering. „Ich habe mir einen Multivan angeschafft, damit ich, wenn ich auf Reisen gehe, etwa zu Messen, darin schlafen kann. Somit spare ich die Hotelkosten“, sagt er. Außerdem beschäftigt er nur zwei Minijobber, und auch das erst seit etwa einem Jahr. Frau und Tochter helfen bei der Buchhaltung, im Marketing und bei Übersetzungen. Letzteres ist nötig, da bandOlution bereits europaweit tätig ist. In Kürze kommen Kunden in den USA und Brasilien hinzu. Auf eine Papierbanderole mit einem sogenannten Euroloch hat das Start-up sein erstes Patent angemeldet. Das Produkt soll in Nordamerika zum Einsatz kommen. In Brasilien geht es um Papier-Tragegriffe für Melonen.
Nach eigenen Angaben ist bandOlution Marktführer bei Papierbanderolen. Den Umsatz will André Vois nicht nennen. Nur so viel: „Bisher ist er jedes Jahr um 30 bis 40 Prozent gestiegen.“
#4 Hezo Sports: lokal gefertigte 3D-Radschuhe
Radschuhe müssen gut sitzen. Solche von der Stange tun es oft nicht. Hezo Sports schafft Abhilfe: Das Start-up mit Sitz in Saarbrücken stellt maßgefertigte Radschuhe im 3D-Drucker her. Damit der Schuh wie angegossen passt, vermisst der Kunde seine Füße per App. In der Folge erstellt Hezo mit Hilfe einer Anpassungssoftware und einem Algorithmus eine präzise 3D-Rekonstruktion mit 1.000 Datenpunkten, die eine Genauigkeit von einem Millimeter ermöglicht. „Die Schuhe passen sich daher nicht nur in Länge und Breite an, sondern berücksichtigen jeden Bereich des Fußes“, erklärt Gründerin Helen Wiehr. „Somit gewähren wir eine optimale Passform, die Druckstellen vermeidet.“ Da das Start-up die Schuhe im Saarland produziert, ausschließlich recyclingfähige Materialen verwendet und nichts verklebt, sind ihre Produkte nachhaltig. Hinzu kommt, dass die einzelnen Komponenten, etwa Sohlen oder Verschlüsse, ausgetauscht werden können. Somit sind die Schuhe zudem langlebig, was der Umwelt ebenfalls zugutekommt.
Die Idee zum innovativen Radschuh hatte die Hobby-Triathletin in ihrem Industrial Design-Studium. Als Abschlussarbeit schrieb sie ein entsprechendes Konzept. „Ich hatte Lust, mehr daraus zu machen, aber dazu brauchte ich ein Team“, sagt Helen Wiehr. Nachdem sie Partner gefunden hatte, die sich im Kaufmännischen respektive mit Software auskannten, gründeten sie 2022 gemeinsam die „Gegenwind Sport GmbH“. Später firmierten sie in Hezo Sports GmbH um. „Es gab Windkraftgegner, die sich Gegenwind nannten“, zählt Helen Wiehr einen Grund auf. Der andere: Sie suchten einen internationalen Namen. Denn fast von Beginn an gingen Bestellungen aus aller Welt bei den Saarländern ein.
Das war nicht die einzige Änderung. Anfangs beauftragten sie einen Dienstleister mit der Produktion. „Das funktionierte nicht gut, die Schuhe waren mit mehr als 600 Euro viel zu teuer“, sagt Helen Wiehr. Also haben sie die Zusammenarbeit beendet und produzieren seit Ende 2024 selbst. Seither können sie die drei Modelle (eines für Gravelbikes, zwei für Rennräder) für zwischen 220 und 359 Euro anbieten. Das überzeugt mehr und mehr Radfahrer. Innerhalb knapp eines Jahres hat Hezo Sports 650 Paar Schuhe verkauft, mehrheitlich über den eigenen Online-Shop.
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