KfW Award Gründen 2025 Künstliche Intelligenz: KI-Startups in Krebsforschung und Diagnostik

#1 CanChip ebnet den Weg für eine personalisierte Krebsbehandlung
Krebs ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit, seine Bekämpfung ist schwierig. Doch immer wieder gibt es auch positive Nachrichten. Eine kommt von Ghazaleh Madani und ihrem 2024 gegründeten Start-up CanChip. Das Potsdamer Unternehmen hat die sogenannte „Tumor-on-a-Chip“-Technologie entwickelt. Sie setzt anders als die herkömmlichen Methoden in der Krebsforschung weder auf 2D-Zellkulturen noch auf Tierversuche. Stattdessen, so erklärt Ghazaleh Madani, „basiert unser Verfahren auf einer authentischen Nachbildung der Tumormikroumgebung. Wir entwickeln Tumormodelle von menschlichen Zellen auf 3D-Plattformen.“ Diese Methode beschleunigt das Arzneimittelscreening, also die systematische Suche nach Wirkstoffen zur Medikamentenentwicklung. Die Entwicklungszeit reduziert sich laut Ghazaleh Madani um bis zu 70 %. Außerdem eröffnet der neuartige Ansatz Möglichkeiten für personalisierte Behandlungsstrategien.
„Die Digitalisierung spiel in unserem Start-up eine zentrale Rolle in der Erfassung, Strukturierung und der Analyse biologischer Daten“, sagt die Gründerin. Ab etwa Ende 2026 sei zudem die Integration von KI-gestützten Methoden zur schnelleren und effizienteren Datenauswertung und Mustererkennung geplant.
Ghazaleh Madani hat die CanChip GmbH gegründet, weil ihre Mutter im Jahr 2017 an Krebs erkrankte. Einerseits hat sie miterlebt, welches Leid eine solche Diagnose auslöst. Andererseits: „Somit bekam ich den Mut, etwas dagegen zu tun“, sagt sie. Nach Abschluss ihres Masterstudiums in Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Potsdam und zusätzlichen Weiterbildungen hat sie Anfang 2024 den Schritt gewagt und gemeinsam mit Dr. Omid Nejati CanChip gegründet.
Leicht hatte sie es als gebürtige Iranerin ohne deutsche Staatsbürgerschaft nicht. „Ich habe Sexismus und passiven Rassismus erlebt“, sagt sie. Auch die Finanzierung war nicht so einfach wie erhofft. Dennoch: CanChip fand einen Privatinvestor für den Anfang. Und vor wenigen Wochen konnte das Start-up erfolgreich einen weiteren Investor gewinnen. „Wir befinden uns in der finalen Abstimmung zum Abschluss der Finanzierungsrunde“, sagt Ghazahleh Madani. „Damit schaffen wir die Grundlage für die nächste Wachstumsphase.“
#2 MonsterShack: gesundheitsfördernde Lern-Apps für Kinder
Im Frühjahr 2024 haben die beiden Mediziner Dr. Daniel Voigt und Dr. Lisanne Drerup in Hamburg ein Start-up gegründet, das sich einem gesellschaftlich wichtigen Thema widmet: der Förderung der Kinder-Gesundheit. Das Duo setzt dies mithilfe von digitalen Medien um. Die MonsterShack UG hat verschiedene spielerische Anwendungen entwickelt, die Kindern zwischen vier und zehn bis zwölf Jahren helfen, Routinen zu verankern, die bei der Heilung respektive Vorsorge nützlich sind.
Vorerst konzentriert sich das Duo auf Neurodermitis und Sonnenschutz. Ersteres ist eine für die Kinder und Eltern belastende Krankheit. Sie kann vor allem dadurch gelindert werden, in dem sich der Betroffene mit einer Salbe eincremt. „Das Eincremen tut zum Teil aber weh oder wird aus anderen Gründen oft nicht regelmäßig ausgeführt“, sagt Dr. Daniel Voigt. Die Lernapp „ItchyMonsters“ bringt die Kinder mit kurzen animierten Abenteuer-Geschichten dazu, die wichtige Maßnahme regelmäßig durchzuführen. Das zweite von MonsterShack entwickelte Produkt ist die App „SunnyMonsters“, die den Kleinen die Relevanz von Sonnenschutz näherbringt. Weitere Apps sind in Planung, etwa zu den Themen Zahngesundheit und Sport.
Das Geschäftsmodell der Hanseaten basiert auf einem B2B2C-Ansatz: Sowohl Krankenkassen als auch „Lifestyle-Partner“ wie etwa Loreal mit ihrer dermatologischen Linie „La Roche Posay“ oder Galderma, bezahlen das Start-up dafür, dass ihre Kunden die App kostenlos nutzen können. So werden auf den Produktverpackungen der Hersteller etwa QR-Codes angebracht, mit denen man auf die App weitergeleitet wird. „Außerdem machen wir Werbung bei Dermatologen und Kinderärzten sowie Apotheken“, sagt Daniel Voigt.
Bislang ist das aus Eigenmitteln und Fördergeldern der Stadt Hamburg finanzierte junge Unternehmen im DACH-Raum aktiv. Für Sommer 2026 ist ein Ausrollen in den skandinavischen Markt geplant, zunächst mit der App „SunnyMonsters“. Zum einen ist Hautkrebs in Skandinavien weit verbreitet, da der dort vorherrschende helle Hauttyp besonders anfällig ist, erklärt Daniel Voigt den strategischen Schritt. Zum anderen: „Die Skandinavier sind digital sehr affin.“ Um die Expansion zu stemmen, geht das Start-up im Frühjahr 2026 auf Investorensuche.
#3 dianovi – KI-gestützte Diagnostik in der Notaufnahme
Elias Hofmann, Nils Bergmann und Niklas Prisching kennen sich schon lange, sie wohnen zusammen in einer WG, alle drei haben an der TU Darmstadt studiert. Und im Herbst letzten Jahres haben sie dann auch gemeinsam die dianovi GmbH gegründet. Das Start-up hat eine Software entwickelt, die Ärzte in Notaufnahmen dabei unterstützt, schnelle und sichere Entscheidungen zu treffen. Die Technologie der Darmstädter kombiniert medizinische Leitlinien mit echten Patientendaten und trainierten KI-Modellen. Das Ergebnis ist ein digitaler Assistent, der während der Behandlung Vorschläge für Diagnosen und Therapien macht. „Die Versorgung der Patienten wird verbessert, die Fehldiagnosen sinken“, sagt Elias Hofmann. Zudem optimiert die Software die Dokumentation, die, so Elias Hofmann, hohen Anforderungen entsprechen muss, damit die Klinik die Vorgänge abrechnen kann, sprich ihre Leistungen vergütet bekommt.
Die Idee zu dianovi entstand am Küchentisch, nachdem Nils Bergmann und Niklas Prisching in ihrem Informatik-Studium geforscht hatten, wie man KI in der Medizin sinnvoll einsetzen kann. Elias Hofmann gefiel dieser Ansatz. „Ich hatte schon länger vor zu gründen, und ich wollte etwas machen, das einen gesellschaftlichen Impact hat“, sagt er. Die drei fragten in verschiedenen Krankenhäusern, wo am meisten Bedarf besteht – und kamen schnell auf die Notaufnahmen. „Dort arbeiten häufig junge Assistenzärzte, die Hilfe gut gebrauchen können“, sagt der Wirtschaftsingenieur.
Finanziert wurde das Start-up aus Hessen von mehreren Business-Angels und durch Förderprogramme. Somit konnte das junge Unternehmen auf aktuell zehn Mitarbeitende wachsen und erfolgreich ein Pilotprojekt umsetzen.
Ein Jahr nach der Gründung setzen zwei Kliniken die Software von dianovi ein. „In den nächsten Monaten werden zehn bis 20 weitere Krankenhäuser in Deutschland hinzukommen“, sagt Elias Hofmann. Und das soll erst der Anfang sein. Geplant ist außerdem, das aktuelle Produkt weiterzuentwickeln und neue Anwendungsfelder zu erschließen.
#4 Hodapp – Schreinerei digital
In der Saarbrücker Schreinerei Hodapp ticken die Uhren seit 2021 anders, nämlich digital. Damals hat der heute 31-jährige Hannes Seidel den Handwerksbetrieb von seinem Vorgänger Karl Friedrich Hodapp übernommen. Hannes Seidel kannte das Unternehmen gut, er war erst Praktikant, dann Auszubildender, anschließend Geselle. „Und bereits nach wenigen Monaten als Geselle sagte mir mein Chef, dass er mir die Firma gerne verkaufen möchte.“ Der Eigentümer wollte sich aus Altersgründen zurückziehen.
Hannes Seidel beriet sich mit den Eltern, rechnete durch, ob er sich den Kaufpreis leisten kann – und sagte nach positiver Prüfung zu. Er ging dann noch zweieinhalb Jahre lang nach Rosenheim, um sich zum staatlich geprüften Holztechniker, Meister und Ausbilder weiterzubilden. Zurück im Saarland wurde der Verkauf besiegelt.
Für Hannes Seidel war von Beginn an klar, dass er das Unternehmen mit rund 25 Mitarbeitern in die digitale Zukunft führen will. „Es ist gesunder Menschenverstand, dass wir ohne Digitalisierung nicht weiter wachsen können“, sagt er. Er wusste: „Es muss Schluss sein mit der Zettelwirtschaft.“
Der neue Geschäftsführer der Hodapp GmbH ging Schritt für Schritt vor. Als erstes hat er die Excel-Listen verbannt, sprich die Plantafeln digitalisiert. Aufwändiger war die nächste Aufgabe, die Einführung eines ERP-Systems, also einer integrierten Software, die alle Kernprozesse eines Unternehmens in einer zentralen Datenbank verwaltet und automatisiert. „Die Monteure bekamen Tablets“, sagt Hannes Seidel. Der nächste Schritt, „eine Mammutaufgabe“: Hannes Seidel hat eine CAD/CAM-Anbindung geschaffen, das heißt eine „millimetergenaue“ Schnittstelle zwischen Rechnern und Maschinen. Das Resultat: Es werden weniger Facharbeiter benötigt, menschliche Fehler gehen gegen Null, der Zuschnitt wird optimiert, der Ausschuss minimiert. Kurzum: Die Produktivität wird gesteigert.
„Die Digitalisierung der Schreinerei wird wahrscheinlich nie an ihr Ende kommen“, sagt Hannes Seidel. „Es gibt immer wieder Neues zu tun.“ Künftig will er etwa das „digitale Aufmaß“ etablieren. Außerdem sollen seine Kunden, Privatleute wie Firmen, mithilfe einer VR-Brille einen ersten Eindruck von den Arbeiten bekommen. „Sie können sich im Vorfeld virtuell ihre Räume ansehen“, sagt der Saarländer.
KfW Award Gründen
- Seit 28 Jahren zeichnet die KfW Bankengruppe Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihrer Geschäftstätigkeit mit dem KfW Award Gründen (ehemals GründerChampions) aus. Für den renommierten Preis können sich Unternehmen aller Branchen bewerben, die ihren Sitz in Deutschland haben. Die Preisträger werden von einer Jury aus erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, Politik und Wirtschaft ausgewählt.
- Informiert euch jetzt über die Fördermittel der KfW
- Zur Preisverleihung der Landessieger: Die 16 besten Start-ups aus ganz Deutschland 2025
- Zum Bundessieger: Künstliche Intelligenz: Start-up Qdrant aus Berlin revolutioniert Suche