Storytelling: So funktioniert euer Produkt als Geschichte [inkl. Beispiele]



Trends kommen, Trends gehen. Doch einer hält an: Schon seit vielen Jahren ist das Thema Storytelling in aller Munde. Eine schöne Geschichte soll es sein, die das Produkt oder das Unternehmen so verpackt, dass es bei potenziellen Kunden, der Presse und anderen Stakeholdern hängen bleibt. Doch was, wenn eine Story nicht gerade auf der Hand liegt?

„Wie war nochmal der Name?“ – „Von welcher Firma?“ – „Wie schreibt man das?“

Gründer und Start-ups haben zu Beginn alle ein ähnliches Problem: Sie werden in der Regel nicht gekannt. Und was man nicht kennt, braucht man nicht. Oder zumindest kann man es nicht kaufen, bis man darauf aufmerksam wird. Storytelling soll das Heilmittel von Marketing und PR in Zeiten der Informationsflut heißen, das eurem Unternehmen den wirklichen Boost verschafft. Wenn nicht ohnehin eine bahnbrechende Entstehungsgeschichte vorliegt, kann das zu vielen Fragezeichen im Kopf von Gründern führen. Also: Wie gelingt’s?

Storytelling
Storytelling für Start-ups und Gründer – wir haben Beispiele und Praxistipps. (Quelle: piktochart)

Drei Beispiele für Storytelling in Start-ups

Zunächst einmal haben wir drei Beispiele für euch, damit ihr seht, wie unterschiedlich Start-ups in der Praxis Storytelling nutzen:

  • MyBoshi – der Weg ist die Geschichte: Zwei Skilehrer lernen auf einer Reise nach Japan von einer spanischen Kollegin das Häkeln. Die vielen Komplimente für die dadurch entstandenen Mützen und ein Kaufangebot hierfür in einer Kneipe brachten die Gründer auf die Idee für das eigene Start-up. Boshi ist übrigens japanisch und heißt Mütze oder Hut.
  • true fruits – Storytelling durch Provokation: Mit pfiffigen Sprüchen wie „Bock auf Rum Cola?“ oder „Grünzeug trinken statt rauchen“ nutzt Smoothie-Hersteller true fruits seine Flaschen als Storytelling-Plattform. Immer wieder werden mit den provokanten Werbesätzen à la Sixt virale Hits gelandet. Allerdings gab es bereits auch Vorwürfe wegen Sexismus und politischer Inkorrektheit. So stand das Unternehmen etwa für die Phrasen „Oralverzehr – schneller kommst du nicht zum Samengenuss“ oder „Noch mehr Flaschen aus dem Ausland“ heftig in der Kritik.
  • Fidor Bank – der Slogan macht’s: Auch ein gut gewählter Slogan kann ein Bild im Kopf der Kunden erzeugen. So etwa bei der Fidor Bank „Banking mit Freunden“. Das Fintech wollte damit nach der Finanzkrise auf kundenorientierte und vertrauensvolle Kommunikation setzen. Mit dem „Social Banking“ soll vor allem die Zielgruppe Millennials erreicht werden. In der „Smart Community“ steht ein Dialog auf Augenhöhe im Fokus und auch sonst zieht sich diese Idee durch das Konzept des Start-ups.
Storytelling true fruits
true fruits setzt auf provokantes Storytelling im Marketing (Quelle: true fruits)

Storytelling – das Wichtigste auf einen Blick

Warum überhaupt eine Geschichte erzählen?

Das Kernargument für Storytelling ist natürlich: Geschichten bleiben hängen – viel eher, als reine Produktinfos. Aber bei einer guten Geschichte gibt es noch einen weiteren Vorteil. Leute reden viel und gerne. Packende Stories wurden schon immer weitererzählt, denkt man nur an alte Fabeln oder gar die Bibel. Der Schneeballeffekt funktioniert in diesem Kontext: Schafft eure Geschichte es, einige Kunden zu überzeugen, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Story in die Welt getragen wird. Sei es Face-to-face oder viral.

Wo kann ich Storytelling einsetzen?

Wer nicht gerade eine packende Gründungsgeschichte wie MyBoshi vorweisen kann, der muss, soll bzw. darf diese nicht erfinden. Doch auch durch einen Slogan oder rund um ein Produkt können Geschichten vermittelt werden. Das zeigen unsere oben stehenden Beispiele. Im Idealfall zieht sich die Storyline wie ein roter Faden durch alle kommunikativen Elemente. Ihr könnt euch aber auch erst einmal in einem Vortrag oder einer Kundenpräsentation dem Thema Storytelling widmen. Kommt eine Idee gut an, so lässt sich die anschließend kanalübergreifend ausbauen.

Storytelling Ideen – wie komme ich auf eine Geschichte?

Die grundlegende Frage ist, was braucht eine gute Geschichte? Ein sinnstiftendes Thema ist der erste Schritt. Nicht umsonst enden viele Erzählungen auf „Und die Moral von der Geschicht‘…“. Legt euch also, bevor ihr startet, auf eine Botschaft fest, die ihr vermitteln wollt.

Im zweiten Schritt solltet ihr überlegen, an welcher (Helden-)Figur sich eure Kunden orientieren können. Ein Charakter, mit dem sich die Zielgruppe identifiziert, der ihre Aufmerksamkeit weckt, führt dazu, dass ihr stringent auch wirklich nur eine Botschaft erzählt. Weniger ist auch im Storytelling mehr. Aus einer internen Perspektive habt ihr oft so viele Details im Kopf, wie eine externe Person gar nicht aufnehmen kann, wenn sie das erste Mal von eurem Unternehmen oder Produkt hört. Wenn ihr eine Geschichte anhand eines Charakters erzählt, schafft ihr es leichter, vom ganzheitlichen Ansatz Abstand zu gewinnen.

Das heißt aber nicht, dass ihr nur erfolgreiche Heldenstorys erzählen solltet. Im Gegenteil! Vielleicht gibt es ja einen Konflikt oder ein Problem, für das ihr eine Lösung schafft? Die besten Storys entstehen oft aus einem Drama heraus – Geschichten, die das Leben schreibt. Als Unternehmen nimmt man in der Regel eher Abstand davon und berichtet lieber davon, was alles toll läuft. Doch negative Erlebnisse gehören zum Leben und erst recht zu einer Gründung. Nicht alles ist perfekt. Die wahren Helden sind schließlich die, die sich den Erfolg trotz Niederschläge hart erarbeitet haben.

Zu guter Letzt: Emotionen dürfen in keiner Geschichte fehlen. Denkt darüber nach, welche Reaktionen ihr bereits auf euer Start-up, eure Dienstleistung oder euer Produkt bekommen habt – vielleicht gibt es hier Anknüpfungspunkte? Was kam besonders gut an? In welchem Moment konntet ihr die Aufmerksamkeit wecken?

Storytelling im B2B-Bereich?

Ihr verkauft nicht direkt an Privatpersonen, sondern habt überwiegend Geschäftskunden? Oft werden wir gefragt, ob Storytelling dann nicht albern wirkt. Es kommt natürlich auf das Business an, aber prinzipiell solltet ihr nicht vergessen, dass hinter Geschäftskontakten auch Menschen stecken. Eine provokante Werbung wie bei true fruits ist hier vielleicht eher nicht angemessen, aber es gibt eine Vielzahl an gelungenen B2B-Storytelling-Beispielen. Versucht euch stets, in eure Zielgruppe hineinzuversetzen.

  • Tipp: Unsere Gründerplattform Unternehmerheld arbeitet nicht nur mit einer wahren Heldenfigur. Wir wollen Gründern dabei helfen, selbst ein heldenhaftes Business aufzubauen. Problem: Bürokratie, fehlende Zeit & Co. Lösung: Unternehmerheld. Erzählt von einem Held für Helden. Klickt rein, um eine weitere Storytelling-Inspiration zu entdecken (oder nutzt die Plattform natürlich für einen filmreifen Businessplan, Unterstützung bei nerviger Gründungsbürokratie oder, um Spaß statt Ärger in der Buchhaltung zu haben.)

Fazit: Storytelling ist (k)ein Wundermittel

Storytelling ist kein Wundermittel, die Methode kann aber zu echten Erfolgen führen. Wenn ihr das Stilmittel der PR noch nicht bei euch anwendet, dann solltet ihr es 2019 unbedingt ausprobieren. Dabei muss es nicht gleich die ganze Unternehmenshistorie sein, die man als Story aufbereitet. Auch ein griffiger Slogan, eine Geschichte rund um ein neues Produkt oder eine klare Storyline in der nächsten Kundenpräsentation kann ein erster Schritt sein. Ob B2C oder B2B spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist jedoch, immer bei der Wahrheit zu bleiben. Ein absolutes No-Go sind erfundene Gründungsgeschichten. Die Stilform Märchen ist also ausgeschlossen.

Und die Moral von der Geschicht: Storytelling hat man oder nicht.

Mehr Praxistipps für eure PR? Hier erfahrt ihr, welche Social Media Plattformen 2019 Top oder Flop sind. Außerdem haben wir eine kleine Anleitung in Sachen Pinterest für euch zusammengestellt.

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