YouGov-Umfrage Sparen: Mehrheit legt nicht genug Geld zurück

YouGov: 39 % sparen unter 2.500 € im Jahr
Eine aktuelle YouGov-Befragung im Auftrag der Postbank zeigt ein differenziertes Bild des Sparverhaltens in Deutschland: Vier von fünf Deutschen geben an, regelmäßig Geld zurückzulegen. Gleichwohl berichten 62,8 % der Sparer, ihre Rücklagen seien unzulänglich – sowohl in puncto Notfallreserve als auch bei der Altersvorsorge.
Weitere Kennzahlen zeigen: Mehr als 14 % sparen weniger als 500 € im Jahr, rund 25 % erreichen nur 500 bis 2.500 € jährliche Ersparnis. Ergänzend sieht die Studie erhebliche Wissenslücken: Rund 34,6 % der Befragten bewerten ihr Finanzwissen als mangelhaft oder gar nicht vorhanden, und etwa 26,7 % informieren sich überhaupt nicht über Finanzthemen.
Diese Ergebnisse signalisieren: Sparen ist zwar weit verbreitet. Doch Tiefe und Ziel-Orientierung sind oft unzureichend.
Warum Selbstständige besonders betroffen sind
Für Selbstständige gelten besondere Bedingungen und damit besondere Risiken bei der Altersversorgung. Eine aktuelle Umfrage des Ifo‑Institut unter rund 900 Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen zeigt: Nur 46 % der Befragten schätzen ihre Altersvorsorge als ausreichend ein, 32 % als unzureichend und 22 % sind unsicher.
Gleichzeitig weist das Deutsches Institut für Altersvorsorge (DIA) darauf hin, dass die Rentenlücke bei Selbstständigen in der Regel besonders groß ist – vor allem, wenn keine Pflichtversicherung existiert. Typische Ursachen sind: unregelmäßige Einnahmen, fehlende automatische Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung und häufig ein höherer Fokus auf kurzfristige Liquidität statt auf langfristige Vorsorge.
Damit entsteht ein doppeltes Risiko: Einerseits fehlt ein finanzielles Polster für Schwankungen. Andererseits bleibt die Versorgung im Alter unvollständig. Wer heute im unternehmerischen Alltag investiert und darauf vertraut, dass morgen die Dinge sich von allein regeln, läuft Gefahr, später in eine Versorgungs-Falle zu geraten.
Unsere Partner-EmpfehlungenWie Selbstständige richtig sparen
Damit die Vorsorge nicht zum Prokrastinationsfall wird, hier konkrete Schritte für Unternehmer:
- Notgroschen aufbauen: Selbstständige sollten mindestens die Liquidität für drei bis sechs Monate der betrieblichen und privaten Ausgaben als Reserve bilden. Regelmäßigkeit zählt: Ein Teil jeder Einnahme sollte hierfür abgezweigt werden, z. B. monatlich automatisch.
- Rentenlücke berechnen: Die Differenz zwischen Zielbedarf und erwarteter gesetzlichen Rente ergibt die Rentenlücke. Experten empfehlen als Bedarf 70 % des aktuellen Nettoeinkommens.
- Vorsorge-Mix gestalten: Steuerlich geförderte Produkte und ETFs mit langfristigem Anlagehorizont. Ab Januar 2027 gibt es das neue Altersvorsorgedepot.
- Automatisieren & Anpassungsmechanismen einbauen: Automatische Überweisung von Vorsorgebeitrag oder Rücklage direkt nach Zahlungseingang. Bei schwankendem Einkommen: dynamische Sparrate, z. B. ein fixer Prozentsatz jeder Rechnung statt absoluter Betrag.
- Kosten und Transparenz im Blick behalten: Bei Vorsorgeprodukten auf Kosten, Flexibilität und Liquiditätsfähigkeit achten. Hohe Abschluss- oder Managementkosten vermeiden.
Fazit: Je früher, desto besser
Die Postbank/YouGov-Umfrage zeigt klar: Deutschland spart, aber kaum ausreichend – und die Situation für Selbstständige ist besonders brisant. Wer heute als Unternehmer nicht auf Rücklagen und Altersvorsorge setzt, riskiert eine große Lücke im Ruhestand. Doch mit gezieltem Notgroschen, systematischer Rentenlückenberechnung und einem durchdachten Vorsorge-Mix lassen sich Risiken reduzieren. Wer heute startet, hat morgen einen größeren Gestaltungsspielraum.
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Quellen:
Deutsches Institut für Altersvorsorge: Altersvorsorge ist für Selbständige besonders wichtig
ifo-Institut: Mehr als die Hälfte der Selbständigen unsicher über Absicherung im Alter
Postbank: Deutschland bleibt ein Land der Sparer