1962 gegründet Rofu Kinderland: Insolvenz bei Spielwarenhändler

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Über Jahrzehnte galt ROFU als feste Größe im deutschen Spielwarenhandel. Nun hat der Mittelständler nach mehr als 60 Jahren Insolvenz beantragt. Was bedeutet das für die 104 Filialen und rund 2.000 Beschäftigten?

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ROFU Kinderland Filiale
Das ROFU Kinderland kämpfte zuletzt mit intensivem Wettbewerb und Konsumzurückhaltung. Bild: universaldilletant / Flickr.

Wie es zur Insolvenz kam

Der Spielwarenhändler ROFU Kinderland hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das zuständige Amtsgericht Idar-Oberstein hat nach Unternehmensangaben am 19. Januar 2026 das vorläufige Verfahren angeordnet. Das Gericht bestellte Annemarie Dhonau (Kanzlei Schiebe und Collegen) zur vorläufigen Sachwalterin. Sie überwacht die Eigenverwaltung und soll die Interessen der Gläubiger wahren.

Der operative Betrieb soll zunächst weiterlaufen: Alle 104 Filialen bleiben geöffnet, ebenso der Online-Shop. In den Begründungen tauchen mehrere Faktoren auf, die sich gegenseitig verstärken: ein schwaches Weihnachtsgeschäft, anhaltende Konsumzurückhaltung, gestiegene Kosten entlang der Wertschöpfungskette und intensiver Wettbewerb, im stationären wie im digitalen Handel.

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Erfolgsgeschichte aus dem Mittelstand

ROFU ist im Kern eine Familiengeschichte aus Rheinland-Pfalz und lange Zeit eine echte Mittelstands-Erfolgserzählung. Der Gründer Eberhard Fuchs startete bereits 1962 (mit 18 Jahren) mit der Firma "Robert Fuchs Spielwaren". Weil er damals noch nicht volljährig war (damals galt  man erst mit 21 als Volljährig), wählte er den Namen seines Vaters Robert.

Früh setzte Fuchs auf Direktimporte aus Fernost. Als in Deutschland Ende der 1960er Jahre die Selbstbedienungsmärkte groß wurden, belieferte er nach Unternehmensdarstellung Ketten wie Rewe, Grosso, Toom und Tengelmann mit Spielwaren. Eine Verbindung nach Hongkong blieb: ROFU betreibt dort nach eigenen Angaben bis heute ein Büro.

Der Schritt vom Zulieferer zum Händler folgte 1984: In Birkenfeld eröffnete Fuchs das erste "ROFU Kinderland". Das Konzept war klar positioniert: große Auswahl, günstige Preise, inklusive Eigenimporten. Obwohl der Standort nicht in einer klassischen Top-Lage lag, sprach sich das Angebot herum. Das erste Geschäft wurde zum Erfolg und legte die Basis für die Expansion.

In den folgenden Jahren wuchs ROFU im Südwesten. Ein Schlüssel war die Logistik: Weil die Flächen in Birkenfeld nicht mehr reichten, entstand 1991 ein neuer Standort in Hoppstädten-Weiersbach. Mit der Expansion wuchs auch der Lagerbedarf. Ende 2004 waren dort laut Unternehmenschronik 25.000 Quadratmeter Lager- und Arbeitsfläche in Betrieb. Gleichzeitig wurden externe Lager konsolidiert und in Ramstein ein großes Lager (rund 27.000 Quadratmeter) aufgebaut. Ab September 2011 wurde das Zentrallager in Hoppstädten weiter ausgebaut – auf 36.000 Quadratmeter. Ziel: die Versorgung von über 100 Filialen und weiteres Wachstum.

Ein symbolischer Meilenstein: Im März 2023 eröffnete ROFU nach eigener Darstellung die 100. Filiale in Schwandorf. Im Oktober 2024 feierte das Unternehmen seinen 40. Geburtstag als "ROFU Kinderland".

Doch zuletzt kippte die Lage. Bereits im Dezember 2025 sprach ROFU öffentlich von einer strategischen Neuausrichtung: Konsumzurückhaltung, höhere Kosten und intensiver Wettbewerb setzten das Geschäft unter Druck. Gleichzeitig wurde die Geschäftsführung neu zugeschnitten. Gesellschafter Michael Fuchs übernahm zentral die Ressorts Finanzen, Personal, Logistik und IT, während Michael Edl unter anderem Einkauf, Marketing und Vertrieb bündeln sollte. ROFU suchte zudem nach einer "unterstützenden strategischen Partnerschaft" – ein Hinweis darauf, dass der Handlungsdruck schon vor dem Insolvenzantrag hoch war.

Wie geht es für ROFU weiter?

Kurzfristig lautet die wichtigste Botschaft: Weiterbetrieb. ROFU betont, dass die Märkte "zu den gewohnten Zeiten" geöffnet bleiben und Kunden auch online bestellen können. Das ist in Sanierungsverfahren ein entscheidender Punkt: Ohne laufenden Umsatz bricht jede Fortführung weg.

Für die Beschäftigten ist das Insolvenzgeld der zentrale Schutzmechanismus in den ersten Wochen. Damit sind die Löhne für bis zu drei Monate abgesichert. Praktisch verschafft das Zeit: für Verhandlungen, eine Stabilisierung des Einkaufs und für die Suche nach Kapital oder einem Käufer.

Aus den bisherigen Mitteilungen ergeben sich drei Schritte für die Zukunft: Erstens will ROFU ein Sanierungskonzept im Rahmen der Eigenverwaltung umsetzen. Zweitens soll der Investorenprozess fortgesetzt werden, also die Suche nach einem neuen Investor, der frisches Kapital und Stabilität bringt. Drittens soll die Lieferfähigkeit gesichert werden. ROFU kündigt Gespräche mit Lieferanten an und verweist auf den Austausch mit Markant, um die Warenversorgung in der Sanierungsphase nicht abreißen zu lassen.

Der Erfolg dieser Pläne entscheidet darüber, es für das Unternehmen noch eine Zukunft gibt. Klar ist aber: Die nächsten Wochen sind für die Mitarbeiter emotional besonders heikel. Der Handel lebt von Routine, von Kundenfrequenz und von Teams, die funktionieren. Wenn ROFU die Fortführung wirklich will, muss das Unternehmen jetzt Transparenz liefern: Welche Standorte sind tragfähig? Welche Maßnahmen kommen zuerst? Und wie sieht der Zeitplan für den Investorenprozess aus? Bis dahin bleibt die Lage angespannt, aber nicht hoffnungslos. Denn genau dafür ist die Eigenverwaltung gedacht: Sanieren statt schließen.

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