Bundesrat stimmt zu Neue Riester-Rente beschlossen: Was das Altersvorsorgedepot für Selbstständige bedeutet

Bundesrat stimmt für Nachfolger der Riester-Rente
Update vom 8. Mai 2026: Die Reform der privaten Altersvorsorge ist beschlossen. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat den Weg für das neue Altersvorsorgedepot freigemacht.
Ab 2027 können Sparer staatlich gefördert in Fonds, ETFs und andere Anlageformen investieren. Anders als bei der bisherigen Riester-Rente sind künftig auch Produkte ohne vollständige Beitragsgarantie möglich. Das soll höhere Renditechancen eröffnen, bedeutet aber auch: Die Anlage kann stärker schwanken.
Für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende ist das besonders relevant. Sie sollen künftig direkt förderberechtigt sein und damit erstmals breiter von einer staatlich unterstützten privaten Altersvorsorge profitieren.
Bisher war Riester für viele Selbstständige kaum zugänglich oder wenig attraktiv. Das Altersvorsorgedepot kann deshalb eine neue Option sein, ersetzt aber keine individuelle Vorsorgeplanung. Entscheidend bleiben Kosten, Förderung, Anlagekonzept und die Frage, ob ein gefördertes Depot besser passt als ein klassischer ETF-Sparplan ohne staatliche Zulagen.
Der Bundestag hatte die Neuregelung zur neuen geförderten privaten Altersvorsorge am 27. März 2026 beschlossen. Nach einer Einigung von Union und SPD auf zentrale Änderungen am ursprünglichen Gesetzentwurf war der Weg für die Reform der Riester-Rente frei.
Damit will sie, dass mehr Menschen privat für ihre Rente vorsorgen. Geplant ist, dass die neue geförderte private Altersvorsorge ab dem 1. Januar 2027 die bisherige Riester-Rente ablöst.
Warum die Politik die Riester-Rente neu aufsetzt
Die Riester-Rente gilt seit Jahren als zu teuer, zu kompliziert und renditeschwach. Ende 2024 gab es 15 Millionen Verträge ohne großen Zuwachs. Viele Sparer zahlen nicht mehr ein oder haben den Vertrag nur noch ruhend gestellt.
Ursprünglich sollte die Riester-Rente Lücken in der gesetzlichen Rente schließen und die eingezahlten Beiträge garantieren. Die starre Beitragsgarantie führte jedoch zu einer renditeschwachen Anlage, da die Anbieter sicherstellen mussten, dass am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben. Beruhigend für die Sparer, aber eine vorsichtige mit wenig Rendite.
Unsere Partner-EmpfehlungenSo funktioniert der Riester-Nachfolger
Die Reform der Riester-Rente bringt einen klaren Systemwechsel: Weg vom starren Einheitsmodell, hin zu mehr Auswahl, mehr Renditechancen und niedrigeren Kosten. Gerade für Gründer und Selbstständige ist das relevant, weil die neue Förderung erstmals auch für sie geöffnet werden soll.
Künftig soll es drei Varianten geben:
- Produkte mit 100 % Beitragsgarantie
- Produkte mit 80 % Garantie
- Altersvorsorgedepot ohne Garantie
Das Altersvorsorgedepot ist die eigentliche Neuerung. Es soll höhere Renditechancen ermöglichen, weil das Geld stärker am Kapitalmarkt angelegt werden kann, etwa über breit gestreute Fonds oder ETF-nahe Lösungen.
Das Standarddepot für einfache Vorsorge ist für alle, die keine komplizierten Entscheidungen treffen wollen und ein einfaches Produkt nutzen wollen. Die Kosten sollen sinken: Für das Standarddepot sind die Effektivkosten auf 1 Prozent gedeckelt. Damit reagiert die Reform auf einen der größten Schwachpunkte der alten Riester-Rente: zu hohe Gebühren.
Förderung: Bis zu 540 € Zuschuss vom Staat
Die Förderung wird einfacher und für kleinere Sparbeträge attraktiver: Für die ersten 360 € Jahresbeitrag gibt es 50 % Förderung, sprich 50 Cent für jeden Spar-Euro. Wer 360 € im Jahr einzahlt, erhält dafür 180 € staatliche Förderung.
Für weitere Beiträge bis insgesamt 1.800 € pro Jahr gibt es 25 Cent, sprich 25 % Förderung. Die maximale Grundzulage steigt also auf 540 € pro Jahr.
Familien profitieren zusätzlich von der Kinderzulage: Sie greift bereits bei einem monatlichen Sparbeitrag von 25 € und soll bis zu 300 € pro Kind betragen. Unterm Strich wird die neue Riester-Förderung damit vor allem für Menschen interessant, die schrittweise Vermögen aufbauen wollen, keine betriebliche Altersvorsorge haben und bei der Altersvorsorge stärker auf eigene Lösungen angewiesen sind.
Riester jetzt kündigen?
Viele Sparer stellen sich jetzt eine naheliegende Frage: Riester kündigen und auf das neue Modell wechseln – lohnt sich das? Die kurze Antwort: In den meisten Fällen nein. Zumindest nicht vorschnell.
Denn entscheidend ist der Unterschied zwischen Kündigung und Wechsel. Und genau hier liegt die größte Falle.
Wer seinen Riester-Vertrag kündigt und sich das Guthaben auszahlen lässt, verliert in der Regel einen großen Teil der Vorteile:
- Staatliche Zulagen müssen zurückgezahlt werden
- Steuervorteile werden nachträglich gestrichen
- Gebühren können zusätzlich anfallen
Am Ende bleibt oft deutlich weniger übrig als erwartet. Gerade bei älteren Verträgen ist das ein häufig unterschätztes Risiko. Hinzu kommt: Der besondere Schutz des Riester-Vermögens, etwa vor Pfändung, entfällt mit der Kündigung ebenfalls.
Wechsel als Alternative?
Die Reform bringt eine wichtige Neuerung: Ein Wechsel in das neue System soll möglich sein, ohne die bisherige Förderung zu verlieren. Das heißt konkret:
- Das angesparte Kapital kann übertragen werden
- Zulagen bleiben erhalten
- Ein Umstieg wird grundsätzlich erleichtert
Aber auch hier gilt: Kostenlos ist das nicht. Anbieter können Wechsel- und Abschlusskosten verlangen, wenn auch gedeckelt. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick. Wer wechselt, tauscht Sicherheit gegen Renditechancen.
Zwischen Kündigung und Wechsel gibt es noch einen dritten Weg: Vertrag ruhen lassen. So bliebt der Vertrag ohne weitere Einzahlungen bestehen, aber die Förderungen aus der Vergangenheit bleiben erhalten.
Was Selbstständige jetzt tun sollten
Die Reform gilt erst ab 2027, sofern sie durch den Bundesrat kommt. Für Selbstständige heißt das: Jetzt ist die richtige Zeit, die eigene Altersvorsorge aktiv zu prüfen.
Drei Schritte sind jetzt sinnvoll:
- Bestehende Riester-Verträge genau analysieren: Selbstständige mit bestehenden Riester-Verträgen gehören oft zu einer Sondergruppe und sollte besonders genau hinschauen. Denn diese Verträge enthalten häufig wertvolle Garantien und gesicherte Zulagen, die bei einer vorschnellen Entscheidung verloren gehen könnten. Sie sollten prüfen: Wie hoch sind Kosten, Rendite und Förderung? Wer unsicher ist, sollte eine unabhängige Beratung nutzen oder selbst nachrechnen. Wer hingegen nie riestern konnte, steht vor einer anderen Frage: Erstmals einsteigen oder weiter privat vorsorgen?
- Eigene Vorsorgestrategie hinterfragen: Reicht die aktuelle Altersvorsorge aus? Viele Selbstständige haben hier Lücken. Die Reform ist ein Anlass, sich ehrlich mit der eigenen finanziellen Zukunft auseinanderzusetzen.
- Neue Optionen im Blick behalten: Das Altersvorsorgedepot könnte ab 2027 vor allem in Kombination mit staatlicher Förderung besonders für Gründer interessant werden. Ein vorschneller Wechsel ist aber nicht nötig.
Die wichtigste Erkenntnis: Nicht handeln ist oft die teuerste Entscheidung. Aber falsch handeln auch. Wer sich jetzt informiert, Optionen vergleicht und dann entscheidet, verschafft sich einen echten Vorteil. Gerade als Selbstständiger, der später nicht auf eine starke gesetzliche Rente bauen kann.
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Quellen:
Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt das Altersvorsorgedepot
Tagesschau: Wie man künftig fürs Alter vorsorgen kann