Europäisches Patentamt Patentanmeldungen 2025: Mehr als jedes vierte Patent in Europa kommt von KMU & Einzelpersonen

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Mehr als 200.000 Patentanmeldungen in Europa, Deutschland weiter an der Spitze, China auf dem Vormarsch: Die neue EPO-Studie zeigt, wie hart der Wettbewerb um Innovationen geworden ist. Überraschend ist vor allem, wer anmeldet: Mehr als jede vierte Anmeldung aus Europa kommt von KMU oder Einzelerfindern.

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Landwirtschaftsroboter Thorvald des Unternehmens Saga Robotics.
Innovation aus kleineren Teams: Saga Robotics begann als Forschungsprojekt in Norwegen und ist heute mit seinen Robotern international im Einsatz. Genau solche Akteure rücken auch in den neuen Patentzahlen stärker in den Blick. Bild: This is Engineering / Pixabay.

Europäisches Patentamt: Rekordjahr für Anmeldungen

Die EPO-Daten zeigen ein Rekordjahr: Erstmals wurde die Schwelle von 200.000 europäischen Patentanmeldungen überschritten – das waren 1,4 % mehr als im Vorjahr. Anmeldungen aus Europa stiegen leicht um 0,4 %, aus Nicht-Europa um 2,1 %. Europa bleibt als Technologiemarkt attraktiv, doch das Wachstum kommt zunehmend auch von außen.

Deutschland bleibt der wichtigste Herkunftsstandort in Europa und weltweit direkt hinter den USA auf Platz zwei. Zugleich zeigt der Ländervergleich, wie stark sich der Wettbewerb verschiebt: China stieg 2025 erstmals in die Top 3 auf. Die Zahl der Anmeldungen aus China legte um 9,7 % zu. Japan, lange auf Platz drei, wurde damit verdrängt.

Auch andere traditionelle Patentländer wie Frankreich, die Schweiz, die Niederlande, Großbritannien, Italien und Schweden lagen im Minus. Wachstum kam in Europa eher aus kleineren und mittleren Ländern wie Dänemark (+5,2 %), Österreich (+5,0 %), Spanien (+2,9 %) und besonders Finnland (+44,0 %).

KI als Wachstumsfeld

Die spannendste Entwicklung steckt in den Technologiefeldern: Computertechnik blieb 2025 die wichtigste Kategorie mit 17.844 Anmeldungen. Das entspricht einem Plus von 6,1 %. Das EPO hebt dabei vor allem Anwendungen aus dem Bereich KI, etwa neuronale Netze und Bilderkennung, hervor. In diesem Teilbereich stiegen die Anmeldungen um 9,5 %. Noch auffälliger ist das Wachstum bei Quantentechnologien mit +37,9 %. Europa hält laut EPO in den Teilfeldern KI und Quantentechnologie sogar die größten Anteile unter den Anmeldern.

Auf Platz zwei folgt die digitale Kommunikation. Dort stiegen die Anmeldungen um 11,4 %. Treiber ist laut EPO vor allem die nächste Mobilfunkgeneration 6G. Das zeigt: Wer heute an Netzinfrastruktur, vernetzten Geräten oder technischer Kommunikation arbeitet, bewegt sich in einem Feld mit hoher Patentdichte. Für junge Firmen ist das relevant, weil der Schutz hier oft auch über Marktchancen entscheidet.

Ebenfalls stark war der Bereich elektrische Maschinen, Apparate und Energie. Dort registrierte das EPO 16.997 Anmeldungen, ein Plus von 5,3 %. Besonders dynamisch entwickelten sich Batterietechnologien mit +14,6 %. Auch Halbleitertechnologien legten weiter zu, um 7,6 %.

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KMU und Einzelpersonen melden 26 % der europäischen Patente an

Die neuen EPO-Zahlen zeigen auch: Patente sind in Europa längst nicht nur ein Thema für Großkonzerne. 26 % der 2025 aus Europa stammenden Patentanmeldungen kamen von Einzelerfindern oder KMU.

Noch deutlicher wird dieser Trend beim Einheitspatent. Dieses neue System soll den Schutz in Europa vereinfachen und gewinnt sichtbar an Bedeutung. Seit der Implementierung 2023 wurden bis 2025 80.000 Einheitspatente beantragt. Die Nutzungsquote lag 2025 bei 28,7 %.

Auffällig ist dabei vor allem, wer diesen neuen Schutz nutzt: Zu den größten Antragstellern zählen zwar internationale Konzerne wie Samsung, Siemens und Johnson & Johnson. Gleichzeitig entfällt bei europäischen Innovatoren inzwischen nahezu die Hälfte der Einheitspatente auf KMU, Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen. Das zeigt: Gerade kleinere Innovatoren greifen überdurchschnittlich oft zu diesem Modell, um ihre Erfindungen einfacher in mehreren Märkten abzusichern.

Was eine Patentanmeldung KMU und Einzelunternehmern bringt

Ein normales Patent kann für kleine Unternehmen viel mehr sein als nur ein juristisches Schutzschild. Es sichert eine technische Idee gegen Nachahmer ab, stärkt die eigene Position im Wettbewerb und kann bei Gesprächen mit Investoren, Banken oder potenziellen Partnern Vertrauen schaffen. Wer etwas entwickelt hat, das sich klar vom Markt abhebt, macht aus einer guten Idee mit einem Patent eher einen vermarktbaren Vorteil.

Das Einheitspatent geht noch einen Schritt weiter: Es baut auf dem europäischen Patent auf und ermöglicht nach der Erteilung mit einem einzigen Antrag Schutz in 18 EU-Staaten. Das spart Aufwand, weil nicht in vielen Ländern einzeln vorgegangen werden muss. Gerade für KMU und Einzelunternehmer ist das interessant, wenn ein Produkt nicht nur in Deutschland verkauft, sondern auch in anderen europäischen Märkten angeboten, lizenziert oder gegen Nachahmer geschützt werden soll.

Wie meldet man ein Patent an?

Der erste Schritt ist immer die Prüfung, ob die Erfindung neu, erfinderisch und gewerblich anwendbar ist. Erst danach sollte die Anmeldung vorbereitet werden. Dazu gehören vor allem eine Beschreibung der Erfindung, die Patentansprüche, gegebenenfalls Zeichnungen und eine kurze Zusammenfassung. Wer nur Schutz in Deutschland braucht, kann beim DPMA anmelden. Wer mehrere europäische Länder im Blick hat, geht über das Europäische Patentamt (EPO).

Nach der Einreichung wird die Anmeldung nicht sofort automatisch zum Patent. Beim EPO folgen unter anderem Recherche, Veröffentlichung, Prüfung und erst dann die Erteilung. Auch beim DPMA ist wichtig: Eine bloße Anmeldung reicht noch nicht, für die eigentliche Prüfung muss ein Prüfungsantrag gestellt werden.

Wer in Deutschland anmeldet, muss außerdem die Anmeldegebühr innerhalb von drei Monaten zahlen, sonst gilt die Anmeldung als zurückgenommen. Bei einer Patentanmeldung beim DPMA kostet die Anmeldegebühr 40 € bei elektronischer Einreichung und 60 € in Papierform. In beiden Fällen sind bis zu 10 Patentansprüche enthalten. Für jeden weiteren Anspruch steigen die Gebühren um 20 € elektronisch bzw. 30 € auf Papier.

Eine weitere wichtige Regel: Erst anmelden, dann öffentlich darüber sprechen. Wer seine Erfindung vorab zu früh auf einer Messe, in einem Pitch oder online offenlegt, kann sich den Patentschutz kaputtmachen. Und weil Formulierungen in den Patentansprüchen später oft entscheidend sind, ist fachliche Hilfe in vielen Fällen sinnvoll. Das EPO empfiehlt Erfindern ohne Erfahrung ausdrücklich, einen professionellen Vertreter hinzuzuziehen.

Als professioneller Vertreter kommt meist ein Patentanwalt infrage, bei europäischen Verfahren auch ein zugelassener Vertreter vor dem Europäischen Patentamt. Wichtig ist eine Spezialisierung auf Patentrecht und möglichst auch auf das jeweilige Technologiefeld.

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