1919 gegründet Insolvenz bei Kathrein: Ex-Weltmarktführer pleite

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Ein traditionsreicher Weltmarktführer mit Sitz in Süddeutschland hat Insolvenz angemeldet. Noch vor wenigen Jahren galt das Unternehmen als Paradebeispiel für den Erfolg des deutschen Mittelstands – mit über 500 Beschäftigten und Kunden weltweit. Doch wie konnte es so weit kommen?

Kathrein-Werk in Rosenheim vor bewölktem Himmel.
Kathrein: Der einstige Weltmarktführer aus Rosenheim meldete im August Insolvenz an. Bild: Rufus46 / Wikimedia Commons.

Kathrein: Vom Blitzschutz zur Kommunikationsikone

Kathrein wurde 1919 in Rosenheim von Anton Kathrein senior gegründet und entwickelte sich vom Hersteller für Blitzschutztechnik zum weltgrößten Antennenbauer. Früh erkannte das Unternehmen die Chancen des aufkommenden Rundfunks und stieg in die Produktion von Empfangsantennen ein.

In den 1950er Jahren lieferte Kathrein bereits Sendeanlagen an Rundfunkstationen, ab den 1980er Jahren prägten Satelliten- und Fahrzeugantennen das Wachstum. Unter der Führung von Anton Kathrein junior wurde das Unternehmen zu einem Hidden Champion des deutschen Mittelstands mit zeitweise über einer Milliarde Euro Umsatz.

Nach seinem Tod 2012 folgte ein umfassender Umbau: Der Mobilfunkbereich wurde an Ericsson verkauft, die Automotive-Sparte an Continental. Heute umfasst das Portfolio digitale Empfangssysteme, TV- und Sat-Technik, IoT-Lösungen sowie Ladelösungen für E-Mobilität.

Kathrein-Insolvenz: So geht es für das Unternehmen jetzt weiter

Nach der Insolvenz der Kathrein SE Anfang August 2025 führten in der Woche darauf auch die Kathrein Electronics GmbH (11. August) und die Kathrein Digital Systems GmbH (18. August) Sanierungsverfahren durch denselben vorläufigen Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Michael Verken, am Amtsgericht Rosenheim ein. Die Kathrein Broadcast GmbH war bereits im März in ein Insolvenzverfahren gegangen, konnte dieses aber bis Mitte des Jahres erfolgreich abschließen. Dafür hat das Münchner Beteiligungsunternehmen Lenbach Capital unter der Leitung von Dr. Hans Liebler sämtliche Anteile übernommen und damit den Geschäftsbetrieb langfristig gesichert. Die Broadcast-Sparte agiert seitdem eigenständig und ist wirtschaftlich nicht mehr Teil der Kathrein-Gruppe.

Für die verbliebenen Gesellschaften, darunter Kathrein SE, Kathrein Electronics und Kathrein Digital Systems bedeutet das: Es startet nun ein konzertierter Investorenprozess. Ziel ist, den Betrieb stabil zu halten, eine tragfähige Lösung zu realisieren und die bekannte Traditionsmarke zu erhalten. Der Insolvenzverwalter hat dafür bereits erste Interessensbekundungen erhalten und führt intensive Gespräche mit Management, Beschäftigten sowie Kunden und Partnern. Die circa 200 betroffenen Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld.

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Eine Kathrein-Antenne auf einem Funkmast in Frankreich
Eine Kathrein-Antenne auf einem Funkmast in Frankreich. Bild: Fabian06874 / Wikimedia Commons.

Kein Einzelfall: Deutsche Hidden Champions straucheln

Die Insolvenz reiht sich ein in eine Serie von Pleiten namhafter Mittelständler. So kämpft auch die Perlon-Gruppe, Weltmarktführer für synthetische Filamente, ums Überleben. Und der Metallverarbeiter Störk aus Baden-Württemberg sucht dringend Investoren.

Der Trend zeigt: Der deutsche Mittelstand, das Rückgrat der Wirtschaft, steht unter Druck.

Die Ursachen der Insolvenzwelle

Die Gründe für die Krise sind vielfältig:

  • Gestiegene Energie- und Rohstoffpreise
  • Längere Zahlungsziele und Auftragsstornierungen
  • Fachkräftemangel und fehlende Digitalisierung
  • Globale Unsicherheiten und Lieferkettenprobleme

Besonders fatal: Viele dieser Unternehmen hatten sich über Jahrzehnte auf stabile Märkte verlassen und wurden vom Wandel überrollt.

Chance in der Krise: Wie sich der Mittelstand neu erfindet

Nicht alle Insolvenzen bedeuten das Ende. Viele Unternehmen setzen auf:

  • Eigenverwaltungen zur Restrukturierung
  • Investorengespräche für frisches Kapital
  • Spin-offs oder Neugründungen aus alten Strukturen

Diese Prozesse bieten auch Chancen: etwa durch Übernahmen, Joint Ventures oder die Besetzung von Nischenmärkten.

Fazit: Das können Gründer aus der Insolvenz lernen

Die Insolvenz eines Weltmarktführers wie Kathrein zeigt, wie schnell selbst etablierte Unternehmen in Schieflage geraten können – und wie wichtig es ist, frühzeitig gegenzusteuern. Für Selbstständige und Gründer bedeutet das vor allem: Wachsamkeit und Anpassungsfähigkeit sind überlebenswichtig. Wer sich zu lange auf eingefahrenen Geschäftsmodellen ausruht, riskiert, vom Strukturwandel überrollt zu werden.

Besonders in Krisenzeiten gilt: Liquiditätsplanung, strategische Flexibilität und ein realistischer Blick auf den eigenen Markt sind entscheidend. Gleichzeitig bietet der Fall Kathrein auch Hoffnung: Sanierungen, Investorenlösungen oder Ausgründungen zeigen, dass eine Insolvenz nicht zwingend das Aus bedeuten muss, sondern auch der Startschuss für einen Neuanfang sein kann.

Umso wichtiger ist es für Gründer, sich frühzeitig Wissen und Werkzeuge an die Hand zu geben. Dabei hilft Für Gründer: mit praxisnahen Ratgebern, kostenlosen Tools zur Finanz- und Geschäftsplanung, inspirierenden Webinaren, unserem Podcast mit echten Gründungsgeschichten und kompakte Erklärvideos auf YouTube.

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