Finanzierung & Kredite EZB-Zinsentscheid heute: Wichtigster Leitzins bleibt bei 2,5 Prozent

EZB lässt Leitzins unverändert
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, beschlossen, ihre drei Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagensatz bleibt damit bei 2,5 Prozent. Die Entscheidung entspricht den Erwartungen der meisten Ökonomen.
Die aktuellen EZB-Leitzinsen im Überblick:
- Einlagensatz: 2,50 %
- Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 %
- Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 %
Der Einlagensatz ist derzeit der wichtigste Leitzins der EZB. Er legt fest, welche Zinsen Geschäftsbanken erhalten, wenn sie kurzfristig Geld bei der Zentralbank parken. Über den Geldmarkt beeinflusst er auch die Zinsen, zu denen sich Banken Geld beschaffen oder untereinander verleihen. Dadurch wirkt er mittelbar auf Kredit- und Sparzinsen für Unternehmen und Verbraucher.
Im Juni und September hatte die EZB die Zinsen jeweils um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Im Juli ließ sie die Zinssätze dagegen unverändert.
Doch die Zinspause ist nicht die einzige wichtige Nachricht aus Frankfurt: Auch an der Spitze der EZB stehen Veränderungen bevor.
EZB-Präsidentin Lagarde kündigt vorzeitigen Rücktritt an
Noch vor dem heutigen Zinsentscheid hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihren vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Sie wird ihr Amt am 7. Februar 2027 niederlegen, teilte die EZB mit. Regulär wäre ihre achtjährige Amtszeit erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen.
Über die Nachfolge entscheidet der Europäische Rat. Der Zeitpunkt des Rücktritts ist auch politisch relevant: Im Frühjahr 2027 steht in Frankreich die Präsidentschaftswahl an.
Welche Auswirkungen der Führungswechsel auf die künftige Geldpolitik haben wird, ist offen. Über die Leitzinsen entscheidet der gesamte EZB-Rat, nicht die Präsidentin allein. Einen offiziellen Grund für Lagardes Rücktritt nannte die EZB nicht.
Unabhängig vom bevorstehenden Führungswechsel steht die EZB vor einer schwierigen wirtschaftlichen Aufgabe: Die Inflation steigt wieder, während hohe Energiepreise zugleich die Konjunktur belasten.
Unsere Partner-EmpfehlungenInflation bei 3,8 Prozent: Warum die EZB trotzdem abwartet
Die Inflation im Euroraum ist im September 2026 weiter gestiegen. Nach Angaben des EU-Statistikamts Eurostat lagen die Verbraucherpreise 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im August hatte die jährliche Inflationsrate noch 3,2 Prozent betragen. Die jährliche Inflationsrate ist damit innerhalb eines Monats um 0,6 Prozentpunkte gestiegen.
Haupttreiber sind die stark gestiegenen Energiepreise. Sie lagen im September 18,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im August hatte die jährliche Teuerungsrate bei Energie noch 14,3 Prozent betragen. Hintergrund sind insbesondere die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten.
Außerhalb des Energiesektors fällt der Preisanstieg bislang geringer aus. Die sogenannte Kerninflation, die Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, lag im September bei 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August hatte sie 2,4 Prozent betragen.
Allerdings können sich die gestiegenen Energiepreise mit zeitlicher Verzögerung auch auf andere Waren und Dienstleistungen auswirken. Unternehmen könnten höhere Produktions- und Transportkosten an ihre Kunden weitergeben und damit den allgemeinen Preisauftrieb verstärken.
Für die EZB ergibt sich daraus ein Zielkonflikt: Einerseits liegt die Inflation deutlich über ihrem mittelfristigen Zielwert von 2 Prozent. Andererseits belasten die hohen Energiepreise bereits Unternehmen und Verbraucher.
Weitere Zinserhöhungen könnten die Nachfrage und damit den Preisdruck dämpfen, gleichzeitig aber Investitionen und Wirtschaftswachstum bremsen.
Warum Kredite trotz Zinspause teuer bleiben
Obwohl die EZB ihre Leitzinsen nicht weiter erhöht, können Kredite teuer bleiben. Denn die Finanzierungskosten hängen nicht nur von den Leitzinsen ab, sondern auch von den Entwicklungen an den Finanzmärkten.
Besonders deutlich zeigt sich das derzeit in Frankreich. Dort stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen im Oktober erstmals seit 2002 auf über 5 Prozent. Anleger verlangen also höhere Zinsen, wenn sie dem französischen Staat Geld leihen. Hintergrund sind die hohe Staatsverschuldung und die politische Unsicherheit.
Steigende Anleiherenditen können auch Unternehmenskredite verteuern. Denn bei längerfristigen Finanzierungen spielen neben den EZB-Leitzinsen auch die Zinsen am Kapitalmarkt eine wichtige Rolle. Der Anstieg der Kapitalmarktzinsen verschärft bereits die Finanzierungsbedingungen im Euroraum.
Nach einem Bericht von Euronews schätzt ING-Ökonom Carsten Brzeski, dass die gestiegenen deutschen Anleiherenditen seit September ähnlich stark auf Konjunktur und Inflation wirken könnten wie eine zusätzliche Leitzinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Für Frankreich beziffert er den Effekt sogar auf rund 0,5 Prozentpunkte.
Die Finanzmärkte verschärfen damit bereits die Finanzierungsbedingungen, obwohl die EZB ihre Leitzinsen nicht weiter erhöht. Das könnte ein zusätzlicher Grund für die Notenbank sein, mit weiteren Zinsschritten abzuwarten.

Was der Zinsentscheid für Unternehmen und Sparer bedeutet
Für Unternehmen bedeutet die Zinspause zunächst, dass die EZB ihre Leitzinsen nicht weiter anhebt. Wie sich die tatsächlichen Kreditkonditionen entwickeln, hängt jedoch auch von den Finanzmärkten und den individuellen Finanzierungsvoraussetzungen ab. Auch die weitere Zinsentwicklung bleibt unsicher.
Wer neue Maschinen kaufen, Fahrzeuge finanzieren oder den Betrieb erweitern möchte, muss weiterhin mit hohen Kreditkosten rechnen. Gerade Unternehmen, die zugleich unter gestiegenen Energiepreisen leiden, stehen dadurch unter Druck.
Bei bestehenden Krediten hängt die Wirkung der Zinsentwicklung vom Vertrag ab. Fest vereinbarte Zinssätze bleiben zunächst bestehen. Bei variablen Krediten können sich Änderungen der Marktzinsen dagegen schneller bemerkbar machen. Welche Konditionen bei einer Finanzierung wichtig sind, erklären wir in den häufigsten Fragen rund um KfW-Kredite für Unternehmer.
Wer Geld zurücklegt, kann dagegen von höheren Sparzinsen profitieren. Der Einlagensatz der EZB beeinflusst vor allem die Zinsen auf Tagesgeld. Banken entscheiden jedoch selbst, welche Konditionen sie anbieten. Beim Festgeld spielen außerdem die Laufzeit und die erwartete Zinsentwicklung eine Rolle.
Die Zinspause bedeutet deshalb nicht, dass die Sparzinsen unverändert bleiben müssen. Banken können die Konditionen auch unabhängig vom aktuellen EZB-Beschluss anpassen.
Für Selbstständige bietet sich eine Aufteilung an. Geld für unerwartete Ausgaben oder die nächste Steuerzahlung bleibt auf dem Tagesgeldkonto verfügbar. Rücklagen, die länger nicht gebraucht werden, bringen als Festgeld planbare Zinsen. Der vereinbarte Zinssatz gilt dann für die gesamte Laufzeit.
Wie unterschiedlich die Angebote ausfallen, zeigen die Vergleiche für Tagesgeld und Festgeld.
Ein Problem bleibt die hohe Inflation. Liegt die nominale Verzinsung unter der Inflationsrate, verliert das Guthaben trotz Zinserträgen real an Kaufkraft. Steuern auf die Zinserträge können die tatsächliche Rendite zusätzlich mindern.
Nächster EZB-Zinsentscheid: Kommt im Dezember die nächste Erhöhung?
Die Zinspause könnte bereits im Dezember enden. Am 17. Dezember 2026 entscheidet der EZB-Rat erneut über die Leitzinsen. Dann liegen auch neue Prognosen zur Inflation und zur wirtschaftlichen Entwicklung vor.
Nach Berechnungen auf Basis der Zinsswapmärkte lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte am 22. Oktober bei rund 84 Prozent, wie Morningstar berichtet. Diese Markterwartung kann sich allerdings jederzeit ändern. Die EZB selbst hat sich nicht auf weitere Zinserhöhungen festgelegt.
Wie es danach weitergeht, ist offen. Einige Ökonomen rechnen auch 2027 mit weiteren Zinserhöhungen. Andere erwarten, dass sich die Energiepreise beruhigen und die Inflation wieder zurückgeht. Dann könnte die EZB auf weitere Schritte verzichten.
Gründer und Unternehmen müssen vorerst weiterhin mit erhöhten Finanzierungskosten rechnen. Ob einzelne Kreditangebote teurer oder günstiger werden, hängt jedoch nicht allein von den Entscheidungen der EZB ab.
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Quellen:
Europäische Zentralbank: Geldpolitische Beschlüsse vom 29.10.2026
Euronews: Frankreichs Anleihekrise rückt vor EZB-Entscheid in Fokus
Eurostat: Annual inflation up to 3.8% in the euro area
Morningstar: EZB-Zinsentscheid: Was am 29. Oktober zu erwarten ist