Unternehmensnachfolge Café übernehmen: Erzieherin macht sich mit KfW-Kredit selbstständig

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In einem Dorf mit gerade einmal 250 Einwohnern führt Marie-Theres Mund ein erfolgreiches Café mit Dekoladen. Den Kauf finanzierte sie mithilfe der KfW und ihrer Sparkasse. Zehn Jahre später erzählt sie, wie ihr Geschäft wirklich funktioniert, was es kostet und warum ihr Traum manchmal auch zur Belastung wird.

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Marie-Theres Mund sitzt mit einer Kaffeetasse auf einer Holzbank vor einem Fachwerkhaus.
Von der Erzieherin zur Café-Inhaberin: Marie-Theres Mund übernahm 2016 die „Ländlichen Kaffeestuben“ im Südharz. Ein KfW-Kredit über 175.000 Euro half ihr, den Traum vom eigenen Café zu verwirklichen. Bild: Für Gründer / KABUJA.

KfW-Kredit für den Traum vom eigenen Café

Schon als Kind beobachtete Marie-Theres Mund aus ihrem Elternhaus die vielen Gäste, die sonntags in die "Ländlichen Kaffeestuben" im Südharz strömten. Als die bisherigen Betreiber aus Altersgründen einen Nachfolger suchten, sah die Erzieherin ihre Chance: Sie wollte das Café übernehmen und sich selbstständig machen.

Doch der Kaufpreis hatte es in sich: 320.000 € sollte die Übernahme kosten. So viel Geld hatte Marie nicht.

Eine erste Bank verlangte einen hohen Eigenkapitalanteil, den sie nicht aufbringen konnte. Bei der Sparkasse Nordhausen brachte ihr Berater schließlich die KfW als Finanzierungspartner ins Spiel.

Mit einem KfW-Kredit über 175.000 € und einem Sparkassenkredit über 145.000 € konnte Marie den Kauf vollständig finanzieren. Dass das Café bereits seit 1999 erfolgreich betrieben wurde, erleichterte die Kreditvergabe. "Die Zahlen haben natürlich auch belegt, dass das Café sehr gut läuft", erzählt Marie rückblickend.

2016 übernahm sie die Ländlichen Kaffeestuben. Aus der ehemaligen Erzieherin wurde mit Unterstützung der KfW eine Unternehmerin.

300.000 € Umsatz: Nicht nur Kafee und Kuchen

Die Übernahme war erst der Anfang. Heute erwirtschaften die Ländlichen Kaffeestuben nach Angaben von Marie rund 300.000 € Umsatz im Jahr – und das in einem Dorf mit gerade einmal 250 Einwohnern. Doch hinter dem Erfolg steckt mehr als guter Kaffee und selbst gebackener Kuchen.

Denn rund die Hälfte des Umsatzes stammt nicht aus dem Café, sondern aus dem angrenzenden Dekoladen. Dort verkauft Marie Wohnaccessoires und Dekorationsartikel.

Das Geschäft gehörte bereits bei der Übernahme zum Café. Marie und ihre Familie haben es seitdem nach ihrem eigenen Geschmack weiterentwickelt.

Das Besondere ist das Zusammenspiel beider Geschäftsbereiche: Schon beim Kaffeetrinken entdecken die Gäste Dekorationsartikel, mit denen das Café eingerichtet ist. Viele stöbern nach ihrem Cafébesuch noch im Laden und kaufen dort ein.

"Die meisten machen es so: Die trinken unten Kaffee und im Anschluss gehen sie noch mal hier hoch ins Geschäft", erzählt Marie.

So verdient Marie nicht nur am Verkauf von Kaffee und Kuchen, sondern auch am Einzelhandel. Die Kombination aus Gastronomie und Dekoladen macht das Café zu einem besonderen Ausflugsziel.

20.000 € Betriebskosten im Monat: Viel Umsatz macht noch lange nicht reich

300.000 € Jahresumsatz klingen nach einem lukrativen Geschäft. Doch dem stehen erhebliche Ausgaben gegenüber: Rund 20.000 € kostet der laufende Betrieb jeden Monat, erzählt Marie im Interview. Der größte Kostenfaktor ist das Personal, hinzu kommen Versicherungen, Energie, Wareneinkauf und Steuern.

Besonders hoch ist die Marge bei Getränken. Eine Tasse Kaffee verkauft Marie für 2,40 €, den reinen Wareneinsatz schätzt sie auf etwa zwölf Cent.

Doch die Differenz ist längst kein Reingewinn: Schließlich müssen auch die Zubereitung, die Bedienung und das Spülen des Geschirrs bezahlt werden.

Die Preise kann Marie nicht beliebig erhöhen. Im ländlichen Südharz reagieren die Gäste empfindlicher auf Preissteigerungen als in manchen Großstädten. Deshalb orientiert sie sich auch an den Preisen anderer Cafés und Restaurants in der Region.

Wie viel vom Umsatz am Ende tatsächlich übrig bleibt, verrät Marie nicht. Ihr eigenes Einkommen schwankt jedenfalls: In umsatzstarken Monaten zahlt sie sich mehr aus, in schwächeren weniger. Hoher Umsatz bedeutet eben nicht automatisch hohen Gewinn.

Gäste fahren bis zu 100 Kilometer

Doch wie schafft es Marie, trotz der abgelegenen Lage genügend Gäste anzulocken? Ihr Café liegt im Südharz, weit entfernt von großen Städten.

Trotzdem kommen Besucher nach ihren Angaben aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern. Unter der Woche sind es vor allem ältere Gäste, am Wochenende Familien und Ausflügler.

Große Werbekampagnen braucht Marie dafür nicht. Zwar ist das Café auf Facebook und Instagram vertreten, außerdem liegen Visitenkarten in umliegenden Hotels aus.

Die wichtigste Werbung ist jedoch die Mundpropaganda. Zufriedene Gäste empfehlen das Café weiter.

Das Erfolgsrezept liegt auch im Angebot: Statt Trendgetränken gibt es klassischen Filterkaffee und täglich frisch gebackene Torten.

Marie und ihre Mutter stehen dafür frühmorgens gemeinsam in der Küche. Fertige Backwaren kommen ihnen nicht ins Haus.

Dazu passt die gemütliche Atmosphäre des alten Bauernhauses. Hier können die Gäste Kaffee und Kuchen genießen wie früher bei Oma. Zusammen mit dem Dekoladen entsteht so ein besonderes Ausflugsziel, für das Besucher auch längere Anfahrten in Kauf nehmen.

Zehn-Stunden-Tage und laufende Kredite: Der Preis der Selbstständigkeit

Was für die Gäste ein gemütlicher Ausflug ist, bedeutet für Marie und ihre Familie vor allem viel Arbeit. Zehn-Stunden-Tage sind für die Unternehmerin die Regel.

"Es ist super viel Arbeit", erzählt sie im Interview. Manchmal werde es sogar zu viel.

Auch finanziell bleibt die Selbstständigkeit eine Herausforderung. Zehn Jahre nach der Übernahme sind die Kredite noch nicht vollständig zurückgezahlt.

Dazu kommen saisonale Umsatzschwankungen. Besonders in heißen Sommermonaten läuft das Geschäft schwächer, sodass Marie sich weniger Gehalt auszahlt.

Wie wichtig finanzielle Rücklagen sind, zeigte ein Wasserschaden im Café. Zwar sprang die Versicherung ein, doch für Marie war das nicht mit regulären Umsätzen vergleichbar. Marie lässt deshalb lieber mehr Geld auf dem Geschäftskonto, um auf unerwartete Ausgaben vorbereitet zu sein.

Trotz der Belastung bereut sie ihre Entscheidung nicht: Die Arbeit macht ihr Spaß, und das positive Feedback der Gäste motiviert sie. Besonders freut sie sich, wenn Kunden ihre selbst gebackenen Torten als die besten der Region loben.

Standort, Konzept, Mut: Maries Tipps für Café-Gründer

Was rät Marie Menschen, die selbst ein Café eröffnen möchten? An erster Stelle steht die Wahl des richtigen Standorts. Gründer sollten genau prüfen, welche Angebote es in der Umgebung bereits gibt und wie sie sich von der Konkurrenz abheben können.

Zweitens muss das Konzept zur Lage passen. In Maries altem Bauernhaus im Südharz erwarten die Gäste keine modernen Trendgetränke, sondern selbst gebackene Torten und eine gemütliche Atmosphäre wie bei Oma. Genau das macht den besonderen Reiz ihres Cafés aus.

Ihr dritter Rat lautet: "Mut zum Risiko haben." Denn selbst wenn Standort, Konzept und Finanzierung stimmen, gibt es keine Garantie für den Erfolg.

Marie selbst hat diesen Mut bewiesen. Entscheidend war dabei auch, dass sie ein bereits erfolgreiches Café übernehmen konnte und mit der Sparkasse und der KfW die passenden Finanzierungspartner fand. Dass die Ländlichen Kaffeestuben zehn Jahre später noch immer erfolgreich laufen, ist dagegen vor allem ihr eigener Verdienst.

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