Coronavirus: Wichtiges für Arbeitgeber



Der Coronavirus verbreitet viel Verunsicherung. Was ist für Unternehmen wichtig und welche staatliche Unterstützung gibt es? Wir geben euch darauf Antworten und danach Tipps, die helfen können, euer Team vor dem Virus zu schützen.


Inhalt


corona unternehmen 1200
Was passiert bei Ausfällen von Mitarbeitern oder Lieferengpässen? Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Hilfspaket für Unternehmen beschlossen. (Foto: Unsplash)

Greifen Betriebsversicherungen auch beim Coronavirus?

Wenn Mitarbeiter ausfallen, kommt es so gut wie immer zu Betriebseinbußen. Werden diese von einer Betriebsunterbrechungsversicherung aufgefangen? Leider nein, denn dafür muss ein Sachschaden vorliegen. Dazu gehören:

  • Einbrüche / Diebstahl
  • Wetterphänomene wie Sturm oder Hagel
  • Feuer
  • Wasserschäden

Krankheiten bzw. Pandemien werden von Betriebsunterbrechungsversicherungen in der Regel nicht abgedeckt – es sei denn, der Anbieter beruft sich auf § 6 des Infektionsschutzgesetzes. Dabei handelt es sich um einen Katalog meldepflichtiger Krankheitserreger, in den das Coronavirus kürzlich aufgenommen wurde. Ist der Inhaber der Firma versichert und gerät in Quarantäne bzw. erkrankt, springt die Versicherung ein. Das passiert aber auch nur dann, wenn der Betrieb ohne den Inhaber nicht weiterlaufen kann.

Bei der Ertragsausfallversicherung ist die Situation eindeutig: Sie springt nur bei Sachschäden ein und damit nicht beim Coronavirus.

Eine Betriebsschließungsversicherung greift auch dann, wenn ihr aufgrund einer Coronaepidemie euer Unternehmen vorübergehend schließen müsst, sofern der Seuchen- und Pandemiefall in der Police eingeschlossen ist.

Hierfür gibt es Entschädigungen, deren Umfang sich je nach Anbieter unterscheidet:

  • Tagesentschädigungen für Schließungstage
  • Lohnkosten für Mitarbeiter
  • Desinfektionskosten für Betriebsräume
  • Ermittlungs- und Beobachtungskosten
  • Warenschäden, Brauchbarmachung von Waren
  • Werbekosten für nachgewiesene Aufwendungen

Wer zahlt bei Arbeitsausfall durch Kita- und Schulschließungen?

Erste Kitas, Schulen und Hochschulen schließen bzw. wurden geschlossen. Die Entscheidung einer Schließung liegt bei der Gesundheitsbehörde oder in Ausnahmefällen und bei konkreter Gefahr bei der Schul- bzw. Kitaleitung. Eltern können jedoch nicht entscheiden, ihre Kinder nicht zur Schule zu bringen, es gilt weiterhin die Schulpflicht. Ob Mitarbeiter ihr Kind in die Kita bringen oder nicht, ist eine Ermessensentscheidung, die ihr als Unternehmer unterstützen könnt, aber nicht müsst.

Was passiert, wenn Schulen und Kitas auf behördliche Anordnung geschlossen werden und eure Mitarbeiter mit ihren Kindern zu Hause bleiben müssen? Dann müsst ihr laut Rechtsprechung den Lohn für fünf Tage zahlen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Kind nicht anderweitig, beispielsweise von anderen Familienmitgliedern, betreut werden kann.

Und wenn die Kleinen selbst krank werden? Es besteht kein Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Zahlt der Arbeitgeber nicht, springen die Krankenkassen aber mit Kinderkrankengeld ein. Der Arbeitnehmer erhält dann 70 Prozent seines Bruttogehalts und maximal 90 Prozent seines Nettogehalts.

Das Kinderkrankengeld gibt es bis zu 10 Arbeitstage lang pro Kind unter 12 Jahren und Jahr. Wenn Mutter und Vater beide berufstätig sind, verdoppelt sich die Zahl der Kinderkrankengeldtage. Jedoch stehen jedem Elternteil maximal 25 Kinderkrankengeldtage zur Verfügung. Alleinerziehende erhalten bis zu 50 Arbeitstage pro Jahr Kinderkrankengeld.

Privatversicherte haben keinen Anspruch auf Krankengeld, hier ist der Arbeitgeber in der Pflicht. So auch bei Auszubildenden: Sie haben bei Erkrankung ihres Kindes sofort Anspruch auf eine sechswöchige Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass bei Azubis das Berufsbildungsgesetz greift, beim Arbeitnehmer hingegen das Lohnfortzahlungsgesetz.

Haftung und Kostenerstattung bei Absagen von Messen

Immer mehr Veranstaltungen werden aufgrund der Coronaprävention abgesagt. Für Unternehmer ist der damit verbundene wirtschaftliche Schaden enorm. Auch viele Start-ups sind davon betroffen. Dabei geht es nicht nur um Zukunftsziele wie neue Geschäftsabschlüsse oder Networking, sondern auch um ganz reale Kosten, die bereits entstanden sind: etwa Miete für den Messestand oder Hotel- und Reisekosten.

Da ist die Frage nach der Haftung nur allzu verständlich. Doch leider lässt sich diese nicht pauschal beantworten. Es gibt zwei Absage-Situationen:

  • Behördliche Anordnung
  • Entscheidung des Veranstalters

Im ersten Fall wird keine Haftung übernommen, da es sich um einen Fall von höherer Gewalt handelt. Diesen hat niemand zu vertreten, weshalb auch niemand die Haftung übernimmt. Sagt der Veranstalter ab, gibt es hier wiederum ebenfalls zwei Szenarien:

  • Ausfall der Veranstaltung
  • Verlegung der Veranstaltung

Im ersten Fall stehen die Chancen gut, dass ihr eure bisherigen Kosten einfordern und notfalls auch vor Gericht einklagen könnt. Bei einer Verlegung wird das schwieriger, da der Veranstalter die vereinbarte Leistung erbringt – wenn auch zu einem anderen Zeitpunkt.

Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen für Unternehmen

Die Große Koalition hat ein umfassendes Paket mit Liquiditätshilfen beschlossen, um Unternehmen gegen das Coronavirus zu helfen. Eine Zahl nannte die Regierung nicht, jedoch soll kein Unternehmen durch den Virus insolvent und kein Arbeitsplatz verloren gehen. Weiterhin bekommen Arbeitgeber die Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden erstattet – etwa dann, wenn es zu Lieferausfällen kommt und die Arbeitszeit der eigenen Mitarbeiter entsprechend reduziert werden muss.

Vereinfachte Krankschreibung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband haben sich darauf geeinigt, eine vereinfachte Krankschreibung bis zu 7 Tage zu ermöglichen. Das bedeutet, dass es genügt, wenn ihr oder eure Mitarbeiter bei einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege euren Arzt anruft, um eine Krankschreibung zu erhalten. Eine Arztpraxis muss dafür also nicht aufgesucht werden.

Entschädigung für Selbstständige bei Quarantäne

Im Falle einer behördlich verordneten Quarantäne springt der Staat bei Selbstständigen ein. Wenn ihr also als Einzelkämpfer erkrankt, müsst ihr euch eigenständig beim Gesundheitsamt melden. Ordnet dieses eine Isolation an, habt ihr Anspruch auf Krankengeld. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem durchschnittlichen Einkommen des vergangenen Jahres. Nach sechs Wochen erhaltet ihr das Krankengeld in Höhe des gesetzlichen Standards.

Darüber hinaus bekommen Freiberufler und kleine Unternehmen, die in Bayern ansässig sind, finanzielle Unterstützung. In welcher Höhe und wie sich diese Hilfe staffelt, erfahrt ihr in unserem Artikel zu Liquiditätshilfen.

So schützt ihr euer Team vor dem Coronavirus

Mit ein paar einfachen Maßnahmen kann jeder zur Eindämmung des Coronavirus beitragen.

coronavirus schutz tipps
Persönliche Maßnahmen können die Ausbreitung des Coronavirus erheblich erschweren. Als Unternehmer habt ihr noch eine übergeordnete Verantwortung. (Foto: Unsplash)

#1 Homeoffice statt Teams im Büro

Viele Menschen zusammen in geschlossenen Räumen erleichtern die Verbreitung von Viren. Daher ist es eine kluge Idee, euer Team im Homeoffice arbeiten zu lassen, um die Gefahr von Ansteckungen zu verringern. Wenn nur ein Teil eurer Belegschaft zu Hause arbeiten kann, dann priorisiert nach Erkrankungswahrscheinlichkeit: Mitarbeiter, die häufig unterwegs sind, Kinder versorgen oder mit Risikogruppen wie Vielreisenden in Kontakt stehen, haben Vorrang.

#2 Datenschutzmaßnahmen und IT-Sicherheit im Homeoffice umsetzen

Die mehr oder weniger plötzliche Umstellung auf Homoffice-Betrieb stellt viele Unternehmen vor bisher unbekannte Herausforderungen. Daher solltet ihr all euren Mitarbeitern schriftliche Richtlinien für die Arbeit im Homeoffice mitgeben. Worauf es dabei ankommt, erläutern wir in einem späteren Artikel zum Thema.

Die wichtigste Regel lautet: Der verantwortungsbewusste Umgang mit vertraulichen bzw. sensiblen personenbezogenen Daten hat oberste Priorität. Hierfür ist es im ersten Schritt erforderlich, Betriebsgeräte für die Arbeit im Homeoffice zur Verfügung zu stellen – allen voran ein Laptop, sinnvoll ist auch ein Diensthandy. Mit beidem lassen sich private und berufliche Kommunikation sauber voneinander trennen.

Weiterhin sollten eure Mitarbeiter sicherstellen, dass eine räumliche Trennung zwischen Arbeitszimmer und dem Rest der Wohnung gegeben ist. Darüber hinaus sollten ausgedruckte dienstliche Unterlagen in einem Schrank aufbewahrt werden, der abschließbar ist. Bereits diese einfachen aber effektiven Maßnahmen tragen dazu bei, dass der Datenschutz im Homeoffice erhöht wird.

#3 Schichten zeitlich versetzen

Verringert zusätzlich das Ansteckungsrisiko, indem ihr Schichten zeitlich versetzt, sodass sich so wenig Mitarbeiter wie möglich zur selben Zeit im Büro aufhalten. Das ist zwar für das soziale Miteinander nicht so schön, aber den Kaffeeplausch lässt man dann doch lieber erst einmal ausfallen, wenn man dafür vom Coronavirus verschont bleibt – oder?

#4 Hygienemaßnahmen ausbauen

Macht eure Mitarbeiter in einem kurzen Meeting freundlich auf die Hygienebestimmungen in eurem Unternehmen aufmerksam und stellt weitere Maßnahmen vor. Diese Maßnahmen können ganz einfach umgesetzt, aber sehr effektiv sein: bereitgestellte Desinfektionsmittelspender auf den Schreibtischen zum Beispiel. Oder die kostenlose Verteilung von Desinfektionstüchern, die eure Mitarbeiter nach dem Händeschütteln und unterwegs benutzen können. Eventuell könnt ihr das Händeschütteln auch gänzlich vermeiden. Mit einem dezenten Hinweis auf die aktuelle Situation wird euch das sicherlich niemand verübeln.

Achtung: Die größten Keimquellen im Büro werden oft vergessen! Dazu gehören:

  • Computermäuse
  • Tastaturen
  • Telefone
  • Kopfhörer
  • Drucker und Kopierer
  • Türklinken
  • Smartphones und Tablets

Desinfiziert diese Flächen bzw. Gegenstände regelmäßig. Denkt auch an eine wiederholte Reinigung weniger delikater Stellen in eurem Office wie Toilettenspülknöpfe und den Griff der Toilettenbürste.

#5 Notfallplan erstellen

Ob Coronavirus, eine gewöhnliche Grippewelle oder ein Unfall: Gründe für einen plötzlichen Personalengpass gibt es viele. Für solche Krisen sollte jedes Unternehmen einen Notfallplan bereithalten. Darin wird genau definiert, welche Abläufe für das Unternehmen überlebenswichtig sind und wer sich bei überraschenden Ausfällen darum kümmert. Oberstes Ziel des Notfallplans ist es, dass die Geschäftsleitung des Start-ups auch im Krisenfall handlungsfähig bleibt und das Unternehmen vor dem wirtschaftlichen Kollaps bewahrt.

Einen Notfallplan zu erstellen ist daher gut investierte Zeit – verglichen mit den Folgen einer über Tage oder Wochen wegbrechenden Unternehmensleitung. Nutzt daher jetzt die Gelegenheit, einen solchen Notfallplan zu erstellen.

Prävention ja, Panik nein

Seriöse Berichterstattung rund um das Coronavirus zu verfolgen, ist sinnvoll. Schaut auch auf der Website des BMWi zum Thema vorbei, die Seite wird fortlaufend aktualisiert. Diese Form der Prävention in Verbindung mit unseren Tipps ist hilfreich, Panik jedoch nicht. Versucht daher, ruhig und besonnen mit der Situation umzugehen, um unnötigen Stress bei euch und euren Mitarbeitern zu vermeiden. Der schwächt nämlich auch das Immunsystem und begünstigt Krankheiten jeder Art. Wir wünschen euch ganz viel Gesundheit!

Ähnliche Beiträge zum Thema