"gelebte Freiheit" Bargeld: Was die Abschaffung für kleine Unternehmen bedeuten würde

Bargeldabschaffung: Diese Kosten kommen auf Kleinunternehmer zu
Eine schleichende Abschaffung bedeutet nicht nur weniger Scheine im Umlauf. Sie zeigt sich auch im Rückgang von Geldautomaten und Bankfilialen. Kleine Unternehmen, besonders Kleinstbetriebe, könnten als letzte die Folgen spüren.
Sinkende Bargeldnutzung drückt die Gewinnmargen durch höhere Transaktionsgebühren. Zugleich zwingt sie zur Investition in neue Bezahltechnik mit möglichen Effizienzgewinnen.
Welche Vorteile hat Bargeld?
Bargeld bietet Anonymität und Krisensicherheit. Es lässt sich nicht hacken und funktioniert bei Stromausfällen oder Cyberangriffen. Laut Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz wird Bargeld deshalb "in zehn bis fünfzehn Jahren weiterhin eine zentrale Rolle spielen."
Für viele Kunden bleibt die Barzahlung erste Wahl, vor allem bei kleinen Beträgen, Bezahlung in Cafés, am Kiosk und auf Märkten.
Folgen der schleichenden Bargeldabschaffung
Die schleichende Abschaffung von Bargeld hat längst konkrete Auswirkungen – vor allem im Alltag von Verbrauchern und Unternehmern:
- Infrastrukturabbau: Die Zahl der Geldautomaten ging deutlich zurück. In manchen Regionen wird der Zugang schon als "ziemlich schwierig" empfunden. Laut Bundesbank-Monatsbericht war ein Anstieg von 6 % (2021) auf 15 % (2023) der Befragten zu verzeichnen.
- Filialschließungen: Kleinere Bankfilialen schließen, auch weil sich der Unterhalt nicht mehr rechnet.
- Investitionsdruck: Unternehmer müssen in Zahlungsterminals und Software investieren. Diese Entwicklungen greifen besonders kleine Händler an der Ladenkasse an.

Praxisbeispiel: Bäckerei in Leipzig
Die Bäckerei-Kette Steinecke lässt seit dem 1. Juli in einer Filiale am Ostplatz in Leipzig keine Bargeldzahlung mehr zu. Ein Plakat mit "Bye-bye Bargeld, hallo Karte" begrüßt die Kunden. Es handelt sich zunächst um einen Testlauf.
Begründung der Aktion: Höherer Kartenzahlungsanteil und einfachere Abendabrechnung für die Mitarbeitenden. Viele Stammkunden sind überrascht, manche sogar verärgert.
Bargeldabschaffung: Folgen für Kleinunternehmen
Für kleinere Betriebe mit wenigen Mitarbeitern fehlt oft das Budget für moderne Kassenlösungen. Fachkräfte für IT-Integration sind rar.
Laut Bitkom ordnet sich nur ein Drittel der Unternehmen mit 20–49 Beschäftigten zu den Digital-Vorreitern. Ganze 62 % kleiner Unternehmen erreichen keine grundlegende digitale Intensität bzw. zählen sich eher zu den digitalen Nachzüglern.
Kleinstbetriebe dürften noch schlechter dastehen. Bei Umstellung auf digitale Kassensysteme können die Folgen sein:
- Höhere Transaktionskosten (bis 1,5 % des Umsatzes) gerade für Kleinstbeträge
- Zusatzaufwand für Wartung und Updates der Kassensysteme
- Verlust bargeldaffiner Kunden sowie Stammkunden
Chancen durch die Abschaffung von Papiergeld
Trotz aller Risiken bieten digitale Zahlmethoden auch Chancen für Unternehmen:
- Echtzeit-Übersicht: Umsätze sind sofort ersichtlich.
- Automatisierte Buchhaltung: Belege werden digital erfasst.
- Geringeres Diebstahlrisiko: Kein Bargeldvorrat im Geschäft.
- Spontankäufe per Mobile Payment: Jeder Deutsche bezahlte 2023 durchschnittlich 304 Mal elektronisch; das ist ein Wachstumstreiber. Unternehmer, die mobile Zahlungen in ihr Angebot integrieren, sichern sich einen Wettbewerbsvorteil.
Bereit für die Zukunft: 3 Tipps für Gründer und Selbstständige
Wer auf den Wandel vorbereitet sein will, sollte jetzt handeln – diese drei Empfehlungen helfen Gründern und Selbstständigen dabei:
- Hybrid-Modell wagen: Behalten Sie Bargeld an der Kasse, bieten Sie digitale Alternativen an und bauen Sie diese bei Erfolg aus.
- Kosten genau kalkulieren: Vergleichen Sie Transaktionsgebühren und Leasingkosten für Terminals. Nutzen Sie unseren Kassensystem-Vergleich, um das ideale Kassensystem für Ihr Unternehmen zu finden.
- Schulungen durchführen: Bilden Sie sich und Ihre Mitarbeiter im Umgang mit digitalen Abrechnungssystemen fort. Unsere kostenlosen Webinare halten Sie auf dem Laufenden.

Fazit: Freiheit für Unternehmer und Kunde durch hybride Bezahlstrategien
Die schleichende Bargeldabschaffung ist eine Gratwanderung. Für kleine Unternehmen drohen höhere Kosten und Kundenverluste. Gleichzeitig eröffnen sich Effizienzgewinne und neue Umsatzquellen.
Eine durchdachte, hybride Strategie sichert die Agilität des Unternehmers und bewahrt zugleich die Freiheit seiner Kunden.
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Quellen:
- Spiegel Online: „Bundesbank-Vorstand glaubt an die Zukunft des Bargelds“ (Interview mit Burkhard Balz, 24. Juni 2025)
- Bild.de (Regional Leipzig): „Dieser Bäcker verbietet Bargeld – Kunden an der Tür darauf hingewiesen“ (1. Juli 2025)
- Deutsche Bundesbank: „Zahlungsverhalten in Deutschland 2023“ (Jahresbericht, veröffentlicht 2024)
- Deutsche Bundesbank: „Zugang zu Bargeld in Deutschland weiterhin gewährleistet“ (Monatsbericht März 2025)
- Bitkom Research: „Digitalisierung der Wirtschaft in Deutschland – Digitalisierungsindex 2023“ (Kurzfassung, Dezember 2023)
- Europäische Zentralbank: „Digitaler Euro – Zeitplan und Fortschritte“ (Jahresübersicht 2024)
- Verbraucherschutzforum Berlin: „EU führt Bargeld-Obergrenze ein: Ab 2027 strengere Regeln bei größeren Barzahlungen“ (17. Juni 2025)
- BMWK: „Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU“ (Stand 2025)
- Statista: „Anteil von Kontaktlos-Zahlungen an allen girocard-Transaktionen“ (10. Februar 2021)