Die wichtigsten Versicherungen für Steuerberater

Steuerberater müssen eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abschließen. Empfehlenswert sind außerdem Versicherungen, die den Steuerberater und seine Kanzlei bei Personen- oder Sachschäden, Cyberangriffen, Einbruch oder Brand und bei Rechtsstreitigkeiten schützen.

Wir erklären, welche Versicherungen für Steuerberater sinnvoll sind, welche Leistungen sie beinhalten und worauf Sie beim Vertrag besonders achten sollten. 

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Selbständige Steuerberater sind gesetzlich zu einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung verpflichtet (StBerG § 67).
  • Der Versicherungsnachweis muss bei der Bestellung oder Wiederbestellung bei der Steuerberaterkammer vorgelegt werden.
  • Empfehlenswert für Steuerberater sind eine Berufshaftpflicht-, eine Cyber-, eine Inhalts- und eine Rechtsschutzversicheruung.
  • Ein individueller Versicherungs-Check hilft Steuerberatern, den passenden Versicherungsschutz zu finden.

  | Welche Risiken als Steuerberater absichern?

Ein Zahlendreher im Dokument, ein Fristversäumnis oder ein Beratungsfehler können hohe finanzielle Schäden bei Mandanten verursachen. Die Folge: Der Steuerberater wird auf Schadenersatz verklagt.

Die verpflichtende Vermögensschadenhaftpflichtversicherung schützt Steuerberater, wenn gegen sie Schadenersatzforderungen bei Haftpflichtschäden erhoben werden.

Für Steuerberater und Steuerkanzleien gibt es weitere typische Risiken:

  • Ein Mandant verletzt sich in der Steuerkanzlei, weil er stürzt. Eine Berufshaftpflichtversicherung hilft in diesem Fall.
  • Cyberkriminelle hacken die Steuerkanzlei und verschlüsseln sämtliche Daten. Eine Cyberversicherung federt Schäden durch Cyberangriffe ab.
  • Ein Brand zerstört die Einrichtung der Kanzlei mitsamt wichtigen Akten. In diesem Fall springt eine Inhaltsversicherung ein.
  • Mandanten bezahlen die Rechnungen nicht. Eine Rechtsschutzversicherung hilft dabei, die eigenen Forderungen durchzusetzen.
  • Der Steuerberater fällt selbst wegen Krankheit oder Unfall aus und muss seine Tätigkeit zeitweise einstellen. Fixkosten müssen trotz Gewinneinbußen weitergezahlt werden. Eine Betriebsausfallversicherung hilft hier.

In diesen Schadenfällen gewährleisten die Versicherungen, dass der Kanzleibetrieb weiterläuft oder rasch wieder aufgenommen werden kann.

  | Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung sichert echte Vermögensschäden ab, die im beruflichen Kontext des Steuerberaters entstehen. Echte Vermögensschäden sind finanzielle Schäden, die ein Mandant z. B. durch eine falsche Beratung oder fehlerhafte Angaben in seinen Unterlagen erleidet.

Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Steuerberater deckt typischerweise u. a. folgende Schadensfälle ab:

  • Fehlerhafte Angaben in Steuererklärungen
  • Falsche oder lückenhafte Beratung zu Chancen und Risiken
  • Verletzung von Sorgfaltspflichten
  • Verletzung von Geheimhaltungspflichten
  • Verletzung von Aufklärungspflichten
  • Verletzung von Vertrauenspflichten
  • Verletzung von Vertragspflichten
  • Verletzung von Berufspflichten
  • Verletzung von gesetzlichen Bestimmungen
  • Verletzung von Haftungsbeschränkungen

Jeder Steuerberater hat unterschiedliche Haftungsrisiken, je nach schwerpunktmäßiger Tätigkeit und Mandantenstruktur.

Ein individueller Versicherungs-Check ist für Steuerberater daher unbedingt ratsam.

Individueller Versicherungs-Check

Pflicht für Steuerberater

Selbständige Steuerberater und Steuerbevollmächtigte sind nach dem Steuerberatungsgesetz gesetzlich dazu verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung zur Deckung von Vermögensschäden abzuschließen (StBerG § 67).

Steuerberater müssen bei der Bestellung oder Wiederbestellung den Nachweis einer ausreichenden Vermögensschadenhaftpflichtversicherung bei der zuständigen Steuerberaterkammer vorlegen (DVStB § 55). 

Leistungen der Vermögensschadenhaftpflicht

Eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Steuerberater enthält im Schadenfall folgende Leistungen:

  • Prüfung der Schadensersatzansprüche: Der Versicherer prüft, ob die Schadenersatzforderungen gerechtfertigt sind.
  • Ausgleich des Schadens: Begleichung von berechtigten Schadenersatzforderungen bis zu vereinbarten Deckungssumme
  • Passiver Rechtsschutz: Unberechtigte Schadenersatzforderungen werden abgewehrt. Bei einem Prozess übernimmt die Versicherung die Gerichtskosten und Ausgaben für Anwälte und Sachverständige.

Versicherungsbeiträge einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung beginnen bei ca. 120 Euro pro Jahr

Sonderkündigungsrecht bei Kanzleiaufgabe

Steuerberater, die ihre Kanzlei aufgeben, haben ein Sonderkündigungsrecht: Sie müssen nur so lange Versicherungsbeiträge leisten, wie sie ihrer selbstständigen Tätigkeit nachgehen.

Die Versicherungsgesellschaft benötigt den Nachweis, dass die selbstständige Tätigkeit aufgegeben wird. 

Worauf bei Vertragsabschluss achten?

Selbstständige Steuerberater sind gesetzlich zu einer Mindest­versicherungs­summe von 250.000 Euro pro Versicherungsfall verpflichtet.

Insgesamt muss die Mindestversicherungssumme eine Million Euro im Jahr betragen (4-fache Maximierung).

Berufsausübungsformen und Mindestversicherungssummen

Für die Höhe der Versicherungssumme gibt es gesetzliche Vorgaben (§52 DVStB).

Steuerberater in Einzelkanzleien: 250.000 Euro

StB-Gesellschaften (GmbH, AG): 1.000.000 Euro

Sozietäten (GbR, PartG): 500.000 Euro

Steuerberater sollten unbedingt prüfen, wie hoch ihr individuelles Schadenrisiko ist. Ist der Schaden größer als die Versicherungssumme, muss der Steuerberater mit seinem Privatvermögen für die Differenz aufkommen.  

Weiterhin sollten Steuerberater bei einer Vermögensschadenhaftpflicht darauf achten, ob der Versicherungsschutz folgende Punkte umfasst:

  • Unbegrenzte Nachhaftung nach Betriebsaufgabe
  • Verletzung von Datenschutzgesetzen
  • Verletzung beruflicher Geheimhaltungspflichten 
  • Abwehrschutz beim Vorwurf wissentlicher Pflichtverletzung

Wir empfehlen im Vorfeld einen unverbindlichen, individuellen Versicherungs-Check.

Zum Versicherungs-Check

  | Weitere wichtige Versicherungen für Steuerberater

Steuerberater sollten für ihren umfassenden Schutz an zusätzliche Versicherungen denken.

Wir stellen die fünf wichtigsten Versicherungen neben der Vermögensschadenhaftpflicht vor:

#1 Berufshaftpflichtversicherung

Steuerberater haben oft geschäftliche Räumlichkeiten, in denen sie arbeiten.

Verletzt sich ein Mandant dort oder wird das Eigentum eines Dritten geschädigt, springt eine Berufshaftpflichtversicherung ein. Die Berufshaftpflicht deckt Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden ab.

Schadenbeispiele:

  • Ein Mandant rutscht in der Kanzlei aufgrund eines fehlerhaft verlegten Teppichs aus und bricht sich das Handgelenk (Personenschaden).
  • Ein Steuerberater stößt versehentlich das Wasserglas seiner Mandantin um und beschädigt dadurch deren Smartphone (Sachschaden).
  • Ein Mandant fällt über ein Kabel in der Steuerberaterkanzlei und lässt seinen Laptop fallen. Der Laptop muss aufwendig wiederhergestellt werden. Der Mandant kann mehrere Tage nicht auf seine Daten zurückgreifen und daher nicht arbeiten (Sachschaden mit Vermögensfolgeschaden). 

Einige Versicherer bieten eine "Berufshaftpflichtversicherung für Steuerberater" an. In dieser Versicherung sind die Leistungen der Vermögensschadenhaftpflicht- mit denen der Berufshaftpflichtversicherung zusammengeführt. Die "Berufshaftpflichtversicherung für Steuerberater" deckt dann Personen-, Sach-, Vermögensfolgeschäden und reine Vermögensschäden in einer gemeinsamen Police ab. 

Berufshaftpflicht- und Betriebshaftpflichtversicherung werden von manchen Versicherungsanbietern synonym verwendet. Wichtig ist, dass die Leistungen der Versicherung genau zum Risikoprofil passen – unabhängig vom Namen der Haftpflichtversicherung selbst.

Die jährlichen Beiträge einer Berufshaftpflichtversicherung starten bei ca. 80 Euro. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Spezialseite zur Berufshaftpflichtversicherung.

#2 Cyberversicherung

Steuerberater haben Zugang zu sensiblen, persönlichen Daten ihrer Mandanten. Daher ist es wichtig, eine Steuerkanzlei gegen digitale Bedrohungen absichern. Bei Cyberangriffen können z. B. Daten von Mandanten gestohlen oder missbraucht werden.

Eine Cyberversicherung springt bei Schäden durch Cyberkriminalität ein und federt die Kosten ab, die entstehen: von der Benachrichtigung der Klienten bis zu Schadenersatzansprüchen und der Bereinigung der IT-Systeme. 

Die Beiträge einer Cyberversicherung beginnen bei ca. 200 Euro pro Jahr. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Sonderseite über die Cyberversicherung.

#3 Inhaltsversicherung

Das Geschäftsinventar eines Steuerberaters kann durch Feuer, Wasser oder Einbruchdiebstahl beschädigt oder entwendet werden.

Eine Inhaltsversicherung bietet Schutz für das Inventar in der Kanzlei. Sie deckt die Kosten für Reparaturen oder den Ersatz von beschädigten oder gestohlenen Gegenständen wie Möbeln, Büroausstattung, Computern, Druckern und anderen technischen Geräten.

Ein Schadenfall führt dazu, dass der Kanzleibetrieb stillsteht? Dann deckt eine Betriebsunterbrechungsversicherung laufende Kosten wie Miete, Gehälter und andere Verpflichtungen. Die Betriebsunterbrechungsversicherung kann ein Zusatzbaustein der Inhaltsversicherung sein und springt dann nach einem Schaden ein, den die Inhaltsversicherung abdeckt.

Die Beiträge einer Inhaltsversicherung starten bei ca. 80 Euro pro Jahr. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Spezialseite zur Inhaltsversicherung.

#4 Rechtsschutzversicherung

Ein Firmenrechtsschutz schützt Steuerberater bei Rechtsstreitigkeiten, beispielsweise mit Mandanten oder Vermietern.

Eine Firmenrechtsschutzversicherung ist modular aufgebaut. Den Grundbaustein bildet ein allgemeiner Firmenrechtsschutz aus Steuerrechtsschutz und Sozialrechtsschutz. Zusatzbausteine sind bspw. Arbeitsrecht, Verkehrsrecht und Strafrecht.

Ein Firmenrechtsschutz deckt u. a. Kosten für Anwälte und Gerichtsgebühren. 

Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung beginnt mit einem Jahresbeitrag von ca. 90 Euro. Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Detailseite zum Firmenrechtsschutz.

#5 Betriebsausfallversicherung

Selbstständige Steuerberater, die allein oder maximal mit einem Partner, den Betrieb der Kanzlei aufrechterhalten, müssen den Ausfall ihrer eigenen Person absichern. Bei Krankheit, Unfall oder Quarantäne des Inhabers bzw. relevanter Schlüsselfiguren sind Ertragseinbußen die Folge.

Dennoch müssen Fixkosten wie Miete und Gehälter gezahlt werden. Die Betriebsausfallversicherung übernimmt an dieser Stelle: Sie kompensiert Gewinnverluste, laufende Fixkosten und übernimmt bestenfalls auch die Kosten für eine qualifizierte Vertretung.  

Wichtig: Persönliche Versicherungen

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sollten neben dem Schutz durch eine Berufshaftpflicht auch für ihren persönlichen Schutz sorgen.

Die richtigen Versicherungen helfen bei Unfall oder Krankheit und sichern finanziell ab, wenn der Beruf nicht ausgeübt werden kann.

Mehr Details finden Sie auf unseren Seiten zur Berufsunfähigkeitsversicherung, zur Krankenversicherung und zur Unfallversicherung.

  | Anbieter finden

Allianz, HDI, Württembergische und weitere große Versicherer bieten spezielle Versicherungspakete für Steuerberater. Die Pakete bündeln die wichtigsten Versicherungen und Zusatzbausteine in einer Police. 

Aber: Die Versicherungen muss den spezifischen Bedürfnissen und individuellen Risiken des Steuerberaters genau entsprechen. Bei einer Unterversicherung müssen im Schadenfall Schäden mit dem Privatvermögen ausgeglichen werden. Eine Überversicherung bedeutet, Versicherungsbeiträge für Versicherungen und Leistungen zu bezahlen, die nicht benötigt werden.

Ein individueller Versicherungs-Check bietet die Möglichkeit, eigene Risiken transparent aufzuschlüsseln. Unser Partner hilft Ihnen, den optimalen Schutz für Sie und Ihre Tätigkeit zu finden, indem er verschiedene Tarife vergleicht.  

Versicherungs-Check für Steuerberater

  | Worauf achten beim Versicherungsvertrag?

Steuerberater sollten bei ihrem Versicherungsschutz besonders auf folgende Aspekte achten, um den passenden Versicherungsschutz zu erhalten:

  • Deckungsumfang: Der Versicherungsschutz muss alle relevanten Risiken abdecken, die mit der Berufstätigkeit als Steuerberater verbunden sind.
  • Versicherungssumme: Die Versicherungssumme muss ausreichen, um im Ernstfall die Schadensersatzforderungen der Mandanten abzudecken.
  • Ausschlüsse: Der Versicherungsvertrag darf keine wichtigen Ausschlüsse enthalten, die Haftungsansprüche nicht abdecken.
  • Selbstbeteiligung: Eine zu hohe Selbstbeteiligung kann die Kostenbelastung erhöhen.
  • Berufswechsel und Nachhaftung: Besteht der Versicherungsschutz auch bei einem Berufswechsel oder nach Beendigung der Tätigkeit (Nachhaftung), um vergangene Beratungen abzusichern?
  • Neue Risiken: Ändern sich Tätigkeiten oder Aufgaben als Steuerberater, muss der Versicherungsschutz auch für neue Risiken sichergestellt sein.

Der Versicherungsschutz muss zu den individuellen Bedürfnissen und Risiken des Steuerberaters passen.

Ein persönlicher Versicherungs-Check zeigt Ihnen Ihre Risiken auf und findet für Sie den optimalen Schutz.

 

Indivdueller Versicherungs-Check

  | Unser Fazit

Steuerberater benötigen eine umfassende Absicherung durch verschiedene Versicherungen. Pflicht ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die finanzielle Haftpflichtansprüche von Mandanten etwa bei Fehlberatungen abdeckt.

Empfehlenswert ist zudem eine Berufshaftpflichtversicherung: Sie federt Personen- und Sachschäden ab. Eine Inhaltsversicherung schützt Steuerberater, wenn Inventar oder Akten z. B. durch Feuer oder Wasser beschädigt werden.

Da Steuerberater mit sensiblen Daten arbeiten, ist eine Cyberversicherung sinnvoll. Sie bietet auch spezielle Serviceleistungen wie IT-Forensik und PR-Unterstützung.

Eine Rechtschutzversicherung bietet Steuerberatern Schutz bei Rechtsstreitigkeiten mit Mandanten oder Vermietern und deckt Kosten für Anwälte und Gerichtsgebühren ab. Der Firmenrechtsschutz hilft bei der Durchsetzung eigener Ansprüche.

Steuerberater tragen ganz unterschiedliche Risiken, abhängig vom Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Daher ist eine persönliche Risikoanalyse und ein individueller Versicherungs-Check dringend zu empfehlen.

Zum individuellen Versicherungs-Check