Standeskammern für Freiberufler in der Selbstständigkeit

Für Freiberufler gelten im Rahmen der Existenzgründung meist andere Meldepflichten als bei Unternehmensgründern, die ein Produkt auf den Markt bringen. Freiberufler sind z.B. kein Mitglied der IHK oder HWK. Freiberufler wie Ärzte oder Architekten sind in einer unabhängigen Kammer wie in der Architekten- oder Rechtsanwaltskammer eingetragen.

Welche Freiberufler kammerfähig sind und welche Kammern es gibt, sollten (angehende) Freiberufler wissen. Darüber hinaus ist es wichtig, z.B. die Ziele und Aufgaben einer Rechtsanwaltskammer zu kennen.



Meldepflichten für Freiberufler

Für viele Existenzgründer ist die Mitgliedschaft in einer Kammer wie der IHK (Industrie- und Handelskammer) oder HWK (Handwerkskammer) Pflicht. Anhänger Freier Berufe wie freiberufliche Anwälte, Steuerberater oder Architekten müssen jedoch nicht Mitglied einer IHK oder der HWK sein. Für sie gibt es eigenständige, berufsständische Kammern - die sogenannte Standeskammer - bei denen sie sich als Freiberufler registrieren müssen.

Zu den kammerfähigen Freien Berufen zählen:

  • Apotheker: Apothekerkammer
  • Architekten: Architektenkammer
  • Ärzte: Bundesärztekammer
  • Beratende Ingenieure: beratende Ingenieure Standeskammer
  • Notare: Notarkammer
  • Patentanwälte: Patentanwaltskammer
  • Rechtsanwälte: Rechtsanwaltskammer
  • Steuerberater: Steuerberaterkammer
  • Tierärzte: Tierärztekammer
  • Wirtschaftsprüfer: Wirtschaftsprüferkammer
  • Zahnärzte: Zahnärztekammer

Für Freiberufler ist zudem die Anmeldung direkt beim Finanzamt erforderlich, da eine Anmeldung beim Gewerbeamt nicht erfolgt. Am Beispiel der Rechtsanwaltskammer und Architektenkammer geben wir Ihnen im Folgenden Informationen zu den Aufgaben und Zielen der einzelnen, regionalen Standeskammer.

TIPP

Für Werbemaßnahmen, die Sie als Freiberufler durchführen können, bestehen teilweise Restriktionen von Seiten der Kammern. Hierzu sollten Sie Rücksprache mit der für Sie zuständigen Kammer halten.

Rechtsanwaltskammer: Aufgaben und Ziele

Eine regional tätige Rechtsanwaltskammer arbeitet als unabhängige Selbstverwaltung für unabhängige Rechtsanwälte. Die Sicherung der anwaltlichen Unabhängigkeit ist das Ziel jeder Rechtsanwaltskammer. Gleichzeitig fungiert eine Rechtsanwaltskammer als Kontrollinstanz über die regionale Rechtsanwaltschaft.

Die Rechtsanwaltskammer wird von einer Dachorganisation, der Bundesrechtsanwaltskammer, unterstützt. Sie ist Interessenvertreter der Anwaltschaft und ist in dieser Funktion an der Ausgestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen des Anwaltsberufs beteiligt.

Bundesweit ist die Rechtsanwaltskammer an 28 regionalen Standorten zu finden. Jeder Rechtsanwalt ist Mitglied einer regionalen Rechtsanwaltskammer. Zu den Aufgaben der Rechtsanwaltskammer gehören neben der Berufsaufsicht auch die Beratung und Betreuung ihrer Mitglieder. Das bedeutet:

  • Eine Rechtsanwaltskammer sorgt für die Zulassung eines Rechtsanwalts.
  • Eine Rechtsanwaltskammer berät und belehrt Rechtsanwälte in Fragen der Berufspflichten.
  • Bei Streitigkeiten zwischen Rechtsanwälten untereinander oder mit Mandanten vermittelt eine Rechtsanwaltskammer auf Anfrage.
  • Eine Rechtsanwaltskammer überwacht die anwaltlichen Berufspflichten und sanktioniert Verstöße.
  • Eine Rechtsanwaltskammer erstellt Gutachten.

Der Beitrag für eine Mitgliedschaft bei einer Rechtsanwaltskammer kann je nach regionaler Rechtsanwaltskammer variieren. Im Regelfall beträgt die Beitragshöhe für eine Mitgliedschaft bei einer regionalen Rechtsanwaltskammer um die 260 Euro.

Architektenkammer: Ziele und Aufgaben

Wie die Rechtsanwaltskammer ist auch die regionale Architektenkammer als Interessenvertreter, Verwaltungs- und Kontrollorgan für alle Architekten zuständig. Nur wer bei der Architektenkammer in seinem Bundesland registriert ist, darf sich Architekt, Garten- und Landschafts-, Innen- oder Städtebauarchitekt nennen. Die Zugangsregeln sowie die Mitgliedsbeiträge variieren von Bundesland zu Bundesland stark. Oberstes Ziel jeder Architektenkammer ist, ein hohes Ausbildungsniveau und somit eine hohe Qualität deutscher Architektenarbeit zu sichern.

Eine Architektenkammer erfüllt unter anderem folgende Aufgaben:

  • Eine Architektenkammer fördert die planerisch-gestalterische Qualität der Lebensräume in ihrer Region.
  • Eine Architektenkammer sorgt dafür, dass verbraucherschützende Bestimmungen berücksichtigt werden.
  • Eine Architektenkammer vertritt berufsständische Interessen und bietet Beratungsleistungen für Kammermitglieder.
  • Eine Architektenkammer legt Berufspflichten fest und überwacht diese Pflichten
  • Bei Streitigkeiten kann eine Architektenkammer als Schiedsstelle eingesetzt werden und gegebenenfalls Gutachten erstellen oder Sachverständige einsetzen.
  • Zu den administrativen Aufgaben einer Architektenkammer gehören die Führung der Architektenliste und das Erteilen der für die Berufsausübung notwendigen Bescheinigungen und Auskünfte.

Unterstützt werden die regionalen Architektenkammern von der Bundesarchitektenkammer, die die Interessen von derzeit rund 124.600 Architekten vertritt. Schwerpunkte der Arbeit der Bundesarchitektenkammer sind unter anderem die Bereiche Ausbildung, Wettbewerbs- und Vergaberecht sowie die Fortentwicklung der Honorarordnung.

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