Integration Weltflüchtlingstag: Geflüchteter Gründer rettet Hamburger Kult-Imbiss

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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag. In Deutschland lebten 2025 mehr als 4 Mio. Geflüchtete und Vertriebene. Doch hinter dieser Zahl stehen nicht nur Schicksale, sondern auch zahlreiche Gründerbiografien. Eine davon gehört Ali Nejat Nouei. Seine Geschichte zeigt, warum Integration auch ein Thema für Mittelstand und Selbstständige ist.

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Gastronom Ali Nejat Nouei in seinem Imbiss
Ali Nejat Nouei: 1988 floh er vor dem Iran-Irak-Krieg. Heute betreibt er einen Hamburger Kult-Imbiss. Bild: Imbiss bei Schorsch.

Die Wurst trotzt jeder Brise

Ali Nejat Nouei war zwölf Jahre alt, als er 1988 dem Iran-Irak-Krieg entkam. In Deutschland angekommen, fand er zunächst bei einer Tante in Köln Unterschlupf.

Seine Eltern blieben in Teheran zurück und leben dort bis heute. Ali Nejat Nouei selbst steht längst nicht mehr als Schutzsuchender im Mittelpunkt, sondern als Hamburger Unternehmer.

Bereits als 19-jähriger Schüler begann der Start in die Selbstständigkeit. Sein Ziel: Etwas Beständiges schaffen – auch für die Familie.

Seit 26 Jahren ist er nun bereits Gastronom und betreibt mehrere Unternehmen in Hamburg. Dazu zählen ein Cateringservice, ein Café und sein bekanntester Betrieb: Imbiss bei Schorsch – klein, aber stadtbekannt.

Der bereits 1961 gegründete Imbiss bei Schorsch im Schanzenviertel gilt als Institution. Die Currywurst hat Kultstatus.

Der Laden zeigt, was kleine Unternehmen oft leisten: Sie verkaufen nicht nur ein Produkt, sondern Vertrauen, Gewohnheit und ein Stück Stadtgefühl.

So die Vorgänger von Ali Nejat Nouei. So er und sein Team heute. Bis zur Pandemie konnte nichts die Nachfolger des einstigen Imbiss-Gründers erschüttern. Die Wurst trotze jeder steifen Brise.

Dann kam die Corona-Krise

Die Geschichte um "Schorsch" wurde in der Corona-Krise bekannt. Vor der Pandemie rührte der Imbiss laut KfW täglich 20 bis 30 Liter Currysauce an.

Während der Krise reichten plötzlich etwa zehn Liter. Die Kundenzahl brach ein.

Auch nach dem Lockdown noch lagen die Einnahmen 60 bis 70 % niedriger als zuvor. Für einen kleinen Betrieb ist das existenzbedrohend.

Ali Nejat Nouei musste drei Aushilfen entlassen. Vier Mitarbeiter gingen in Kurzarbeit.

Nouei verzichtete auf sein eigenes Gehalt. Der Vermieter stundete für zwei Monate die Miete.

Doch die Kosten liefen weiter. Die Rücklagen schrumpften.

Strom, Wasser, Ware und Gehälter verschwinden nicht, nur weil weniger Kunden kommen. Genau hier beginnt für viele Selbstständige die gefährlichste Phase einer Krise.

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KfW-Kredit als Rettungsanker

Ali Nejat Nouei stellte über seinen Bankberater einen Antrag auf einen KfW-Unternehmerkredit. Es ging laut KfW um 85.000 €.

Die Konditionen: Fünf Jahre Laufzeit, ein Prozent Zinsen und ein erstes tilgungsfreies Jahr.

Für einen Unternehmer bedeutet ein solcher Kredit vor allem Zeit. Zeit, um Rechnungen zu bezahlen.

Zeit, um Mitarbeiter zu halten. Zeit, um nicht aus einer kurzfristigen Krise heraus einen Betrieb aufzugeben.

Der Fall zeigt aber auch: Förderung ersetzt kein Geschäftsmodell. Sie hilft, wenn ein tragfähiger Betrieb durch einen externen Schock unter Druck gerät.

Der Bankberater traute Nejat Nouei laut KfW ohne Umschweife zu, den Kredit zurückzuzahlen. Das ist der Kern vieler Finanzierungen.

Nicht nur die Idee zählt. Entscheidend sind Zahlen, Erfahrung und Vertrauen. "Er ist ein richtiger Hamburger Kaufmann, bei dem das gesprochene Wort gilt", so der Berater der Hausbank

Heute: 15 Mitarbeiter, 2. Filiale, Café

Die Krise ist längst überwunden. 15 Mitarbeiter hat Ali Nejat Nouei heute. 

Schorsch hat vor 2 Jahren Zuwachs bekommen: Um Imbiss bei Schorsch II am Hamburger Rathausmarkt.

Aus der Eisdiele nebenan machte Nejat Nouei Café bei Schorsch. Und worauf er heute besonders stolz ist: "Im März 2027 ist auch der letzte Cent vom Kredit zurückgezahlt."

Integration ist auch Mittelstandspolitik

Der Imbiss bei Schorsch zeigt: Ein geflüchteter Gründer kann Arbeitgeber werden, Steuern zahlen, Lieferanten beauftragen und einen Stadtteil prägen. Er kann auch Betriebe erhalten, die für Kunden längst mehr sind als ein Ort zum Essen.

Denn beim Imbiss bei Schorsch geht es nicht nur um die Wurst. Es geht um Vertrauen, Gewohnheit und ein Stück Hamburg.

Ali Nejat Noueis' Tipp für alle Geflüchteten, die sich wie er selbstständig machen wollen: "Lernt die Sprache. Und dann beobachtet den Markt: Nicht wild loslegen, sondern mit Disziplin und klarer Kalkulation starten."

Auch spannend:

Quellen:

destatis: Pressemitteilung Nr. 206 vom 17. Juni 2026

Gespräch mit Ali Nejat Nouei

KfW: Corona Kredite. Lang lebe die Currywurst!

UNO Flüchtlingshilfe: Weltflüchtlingstags 2026

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