8 Milliarden fehlen Pflegeversicherung: AOK-Chefin warnt vor Beitragserhöhungen

News

Der Pflegeversicherung droht 2027 ein Defizit von acht Milliarden Euro. AOK-Chefin Carola Reimann warnt deshalb vor neuen Beitragserhöhungen. Für Selbstständige könnte das besonders teuer werden, weil sie ihren Beitrag in der Regel vollständig selbst tragen.

Google Preferred Source
Leere Pflegebetten auf einem Klinikflur
2027 könnten der Pflegeversicherung acht Milliarden Euro fehlen. Steigende Beiträge treffen Selbstständige voll: sie zahlen ohne Arbeitgeberanteil. Bild: adrian vieriu / Pexels.

Mehr als jeder zehnte Euro fehlt in der Pflegekasse

Die Finanzlage der sozialen Pflegeversicherung spitzt sich weiter zu. Nach Einschätzung von AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann könnte 2027 eine Finanzierungslücke von acht Milliarden Euro entstehen.

Die jährlichen Ausgaben der Pflegeversicherung liegen aktuell bei rund 70 Milliarden Euro. Damit würde mehr als ein Zehntel des gesamten Ausgabenvolumens fehlen.

Reimann bewertet die Situation deshalb als besonders kritisch. Sollte die Politik keine zusätzlichen Einnahmen oder Einsparungen finden, könnten erneut höhere Beiträge nötig werden.

Für Selbstständige ist das besonders relevant: Arbeitnehmer teilen sich den regulären Pflegeversicherungsbeitrag grundsätzlich mit ihrem Arbeitgeber. Selbstständige in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen ihren Beitrag dagegen selbst.

Schon eine Erhöhung um wenige Zehntel Prozentpunkte kann sich im Jahresverlauf bemerkbar machen. Bei 4.000 € beitragspflichtigem Monatseinkommen bedeuten 0,2 Prozentpunkte zusätzlich 8 € pro Monat. Das sind 96 € im Jahr.

Bei einer Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte wären es bereits 20 € monatlich beziehungsweise 240 € im Jahr.

Unsere Partner-Empfehlungen
sevdesk
sevdesk

Buchhaltung

  • 60 % Rabatt auf alle Tarife
  • Code: FG60
  • Nur für kurze Zeit
Zum Deal
Finom Basic
Finom Basic

Geschäftskonto

  • Ab 0 €
  • 5 % Zinsen p. a.
  • Bis zu 3 % Cashback
Zum Deal

Darlehen reicht schon 2026 wohl nicht aus

Das Finanzierungsproblem beginnt allerdings nicht erst 2027. Für das laufende Jahr unterstützt der Bund die Pflegeversicherung mit einem Darlehen von 3,2 Milliarden Euro.

Nach Einschätzung Reimanns dürfte selbst diese Summe nicht ausreichen, um die Finanzierung bis zum Jahresende sicherzustellen.

Auch GKV-Spitzenverbandschef Oliver Blatt hatte bereits vor einer erheblichen Lücke gewarnt. Er bezifferte den zusätzlichen Finanzbedarf für 2026 auf mehrere Milliarden Euro.

Das Darlehen verschafft der Pflegeversicherung also vor allem Zeit. Eine dauerhafte Lösung für die steigenden Ausgaben ist damit jedoch nicht gefunden.

Zwei Alternativen zu höheren Pflegebeiträgen

AOK-Chefin Reimann fordert, die Finanzierungslücke nicht allein über höhere Beiträge zu schließen.

Eine Möglichkeit wäre ein stärkerer Finanzausgleich zwischen der sozialen und der privaten Pflegeversicherung. Außerdem könnten sogenannte gesamtgesellschaftliche Aufgaben stärker aus Steuermitteln finanziert werden.

Dazu gehören beispielsweise Rentenbeiträge für Menschen, die Angehörige pflegen. Würden solche Leistungen künftig stärker aus dem Bundeshaushalt bezahlt, würde das die Pflegekassen entlasten. Damit könnte auch der Druck auf die Beitragssätze sinken.

Für Selbstständige ist diese Frage finanziell entscheidend. Denn je größer der Anteil ist, den die Beitragszahler übernehmen müssen, desto höher ist das Risiko steigender monatlicher Belastungen.

Rentenbeiträge für pflegende Angehörige verschärfen die Debatte

Zusätzlichen Druck erzeugt die Diskussion um die Rentenansprüche pflegender Angehöriger. Ursprünglich war vorgesehen, die entsprechenden Zahlungen der Pflegeversicherung zu reduzieren. Die Maßnahme hätte 2027 rund 1,8 Milliarden Euro einsparen sollen.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann will diese Kürzung jedoch nicht umsetzen. Auch GKV-Spitzenverbandschef Oliver Blatt hält Einsparungen bei pflegenden Angehörigen für den falschen Ansatz.

Damit bleibt allerdings offen, wie die geplante Entlastung von 1,8 Milliarden Euro anderweitig finanziert werden soll. Fehlen neue Einnahmen oder andere Einsparungen, steigt wiederum der Druck auf die Beitragssätze.

Was Selbstständige jetzt für 2027 einplanen sollten

Noch ist nicht entschieden, ob der Pflegeversicherungsbeitrag 2027 tatsächlich steigt. Auch über die mögliche Höhe gibt es bislang keine belastbare Aussage.

Selbstständige sollten deshalb nicht mit einem bestimmten neuen Beitragssatz kalkulieren. Sinnvoll ist aber, bei der Finanzplanung einen zusätzlichen Puffer vorzusehen.

Vor allem drei Punkte sind wichtig:

  1. Liquidität nicht zu knapp planen: Höhere Sozialversicherungsbeiträge sollten in der Jahresplanung als mögliches Kostenszenario vorkommen.
  2. Preise mit Spielraum kalkulieren: Bei langfristigen Aufträgen können steigende persönliche Kosten die eigene Marge drücken.
  3. Pflegereform verfolgen: Die Entscheidungen der Bundesregierung werden maßgeblich bestimmen, ob Beitragszahler stärker belastet werden.

Gerade für Solo-Selbstständige können sich kleinere Erhöhungen summieren. Denn neben der Pflegeversicherung können auch Krankenversicherung und andere laufende Kosten steigen.

Pflegereform im Herbst wird entscheidend

Bundeskanzler Friedrich Merz hat angekündigt, die Pflegereform im Herbst auf die politische Tagesordnung zu setzen. Dann dürfte sich zeigen, welche Finanzierungsvorschläge tatsächlich umgesetzt werden.

Zur Diskussion stehen unter anderem mehr Steuerfinanzierung, ein stärkerer Ausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung sowie weitere strukturelle Änderungen. Bleibt eine tragfähige Lösung aus, könnten höhere Beiträge für 2027 erneut Thema werden.

Auch spannend:

 

zurück