KI verbessert Diagnosen in der Medizin



mediaire belegt Platz 2 in unserem Top 50-Start-ups-Ranking. Wie hält das junge Unternehmen in der Corona-Krise durch? Und welche Pläne gibt es für danach? Das haben wir Dr. Andreas Lemke gefragt, einen der Co-Founder. Außerdem verrät er seine Erfolgsgeheimnisse für Start-ups.

Science4Life- Abschlussprämierung,
“Da kann was Großes daraus werden…”: Die Co-Founder Jörg Döpfert und Andreas Lemke (v. l.) sahen schon früh das Potenzial in mediaire. (Foto: Dr. Michael Wohlers)

GründerDaily: Hallo Andreas, die Corona-Krise stellt für viele Start-ups eine große Herausforderung dar. Wie bleibt ihr in Zeiten der Corona-Krise motiviert?

Andreas von mediaire: Wir erinnern uns öfter an das gemeinsame Ziel, das wir erreichen wollen und versuchen, uns bei morgendlichen Video-Kaffee-Pausen gegenseitig etwas aufzuheitern.

GründerDaily: Welche Pläne verfolgt ihr, um nach der Corona-Zeit gut aufgestellt zu sein – nicht nur finanziell, sondern auch strategisch?

Andreas von mediaire: Wir haben Kurzarbeitergeld beantragt und unsere Marketing-Ausgaben signifikant reduziert, um der Reduktion im Umsatz entgegenzuwirken und eine längere Run Rate als Start-up aufzuweisen. Darüber hinaus konzentrieren wir uns jetzt noch mehr auf die Weiterentwicklung unseres aktuellen Produkts mdbrain und den Launch neuer Produkte. Dafür haben wir die angedachte geografische Expansion in Europa auf einen späteren Zeitpunkt verlegt.

GründerDaily: Bevor wir im Detail zu eurem Erfolgsprodukt mdbrain kommen, stelle uns doch bitte euer Unternehmen kurz vor.

Andreas von mediaire: Wir bei mediaire entwickeln KI-basierte Software für Radiologen, die ihnen hilft, die immer größer werdende Flut an MRT-Bildern zu analysieren und zu quantifizieren. Damit steigt die Effizienz des Radiologen und gleichzeitig die Diagnosequalität, wodurch auch der Patient profitiert.

GründerDaily: Seid ihr schon vor der Selbstständigkeit mit Start-ups in Berührung gekommen?

Andreas von mediaire: Ja, mich haben damals noch während meiner Arbeit bei der Bosch GmbH ehemalige Kollegen des Deutschen Krebsforschungszentrum gefragt, ob ich mit Ihnen die HQ Imaging GmbH gründen möchte. Da hatten wir schon mit unserer jetzigen Kundengruppe zu tun, nur in einem anderen Feld.

Tatsächlich haben mich dann meine ersten Radiologiekunden auf die neue Idee der mediaire gebracht, da diese ein Problem hatten, das bis dahin noch niemand für sie richtig adressiert hatte. Anschließend wurden sie dann Mitgründer der mediaire, zusammen mit meinem ehemaligem Diplomanten Jörg, der zu dem Zeitpunkt nach seiner Promotion dann schon bei Flixbus AI Engineer war. Zu der Zeit wusste ich: Da kann was Großes draus werden…

GründerDaily: Wodurch hebt sich mdbrain von ähnlichen Verfahren ab?

Andreas von mediaire: Es gibt zwar in unserem Feld der KI-Bilddiagnostik derzeit sehr viele Firmen und der Markt ist heiß umkämpft, aber das Besondere der mediaire ist, dass unsere Deep-Learning-Algorithmen auch mit recht geringen annotierten Daten außerhalb des Trainingsbereichs funktionieren. Hier verwenden wir spezielle Hybrid-Modelle, die auch physikalische Zusammenhänge berücksichtigen.

Zusätzlich ist unsere Software maximal auf unsere Kunden angepasst – so laufen unser DL-Modelle mit geringer Rechenzeit auch auf den CPUs der Server der Radiologie IT, sodass der Patientendatenschutz maximal gewährleistet ist. Und da wir von Anfang an auf ein SaaS samt Pay-Per-Use-Modell gesetzt haben, sind unsere Kunden und der monatliche Umsatz der beste Indikator für eine gute KI.

Wie habt ihr die Startfinanzierung bewältigt?

Andreas von mediaire: Wir hatten eine kleine Pre-Seed-Finanzierung bei der Gründung 2018, da wir hier bereits einen Business Angel gewinnen konnten. Anschließend halfen uns Förderprogramme wie das ProFit-Programm in Berlin und verschiedene Gründerwettbewerbe, die neben dem Geld auch noch wichtige Kontakte lieferten.

Im Februar 2019 konnten wir dann unsere Seed-Runde unter anderem mit dem HighTech Gründerfonds abschließen. Dabei hat uns geholfen, dass wir bereits die Zertifizierung als Medizinproduktehersteller abgeschlossen hatten und auch unser erstes Medizinprodukt mdbrain als MVP vorweisen konnten.

Welche Tipps könnt ihr anderen Gründern auf ihrem Weg ins Unternehmertum mitgeben?

Andreas von mediaire: Denkt bereits bei Beginn an eure Kunden und eure Finanzierung. Als CEO seid ihr fast immer auf der Suche nach neuem Geld, um eure Ideen umzusetzen. Derzeit bin ich schon wieder auf der Suche nach einer neuen Finanzierungsrunde, dieses Mal Series-A, welche im Juni abgeschlossen sein sollte.

Der letzte und wichtigste Tipp ist, dass man als Gründer zwar eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen sollte, aber alles in allem ist es eine der schönsten Aufgaben im Leben.

Keyfacts über mediaire

  • Gegründet im Jahr: 2018
  • Firmensitz in: Berlin
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: HTGF
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: Unser Coach, Mentoren und das sehr agile Umfeld in Berlin
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/ uns folgende:
    • Menschen: Unser Coach Cristoph Schaffrannek und all unsere Partner
    • Tools: Slack, Jira&Confluence, Gitlab
    • Internetseiten: Tatsächlich Fuer-Gruender.de (besonders am Anfang), medium.com, BerlinStartUpJobs, crunchbase.com & techstars
  • Kontakt

  • Andreas Lemke
  • mediaire GmbH
    Möckernstr. 63
    10965 Berlin
    Deutschland
  • +49 30 286 490 67
  • info@mediaire.de
  • www.mediaire.de
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