Gründen in Berlin: Beratung und Netzwerke für Gründer



Berlin ist nicht nur die Bundes-, sondern gilt zugleich auch als Gründerhauptstadt Deutschlands. Wer hier lebt, schwört darauf. Auch wenn diejenigen, die in anderen Gründermetropolen wie München, Hamburg, der Rhein-Ruhr-Region oder im Herzen BaWüs in Stuttgart oder Karlsruhe gründen, nicht immer nachvollziehen können, warum Berlin so oft im Fokus steht. Doch auch Gründer in Berlin fangen klein an: wir stellen Unterstützungsangebote für das Gründen in Berlin vor.

Gründerkultur ist in Berlin fast schon Gründerkult. In kaum einer anderen Stadt, dreht sich so viel um die Start-up-Szene. Aber auch in einer so von der Gründerwelt beeinflussten Stadt fällt es nicht immer leicht, den Überblick über Beratungsstellen und Förderangebote zu behalten. Wer hilft Existenzgründern bei der Erstellung des Businessplans, wo bekommen innovative Start-ups auf Kapitalsuche Geld her, welche Networking-Events sollten Gründer auf keinen Fall verpassen und wie findet man den richtigen Unternehmensberater für sein Gründungsvorhaben?

Gründen in Berlin

Solche Fragen stehen bundesweit bei Gründern im Fokus, und so stellen wir der Reihe nach alle Bundesländer und ihre Gründungsförderungsangebote vor. Nachdem wir mit Baden-Württembergs Beratungsquellen, Finanzierungsmöglichkeiten und Gründerevents begonnen haben und auch die Netzwerkangebote, Förderinstrumente und Veranstaltungen in Hessen bereits Thema waren, dreht sich nun alles um Gründen in Berlin. In insgesamt drei Artikeln erhalten Berliner Existenzgründer und Start-ups praktische Hilfestellungen:

  • Teil I: Beratung und Netzwerke
  • Teil II: Finanzierung und Fördermittel
  • Teil III: Gründerwettbewerbe und Gründerevents

Heute beginnen wir im ersten Teil der Serie mit den zentralen Beratungsstellen und den wichtigsten Gründernetzwerken für das Gründen in Berlin.

Gründen in Berlin im Überblick

Gründen in Berlin
Infografik: Gründen in Berlin (Einwohnerzahl, Anteil der Start-ups, Gründerquote, Venture Capital, Patente und Förderungen in Berlin).

Die Stadt, die zugleich Bundeshauptstadt ist, wird nicht umsonst auch die Gründerhauptstadt genannt. Schließlich kommt fast ein Drittel aller Start-ups aus Berlin, so der aktuelle Startup Monitor 2015. Baden-Württemberg vereint 12 % aller Start-ups, während aus Hessen lediglich 3 % kommen. Mehr als 15.500 Patentanmeldungen gab es im Jahr 2014 in Berlin und die Gründerquote liegt bei 2,58 %. Zum Vergleich: in Hessen liegt sie bei 1,94 %, im Ländle bloß bei 1,53 %.

Mit einer durchschnittlichen Mitarbeiterzahl von 25,2 pro Start-up belegt Berlin den ersten Platz in Sachen geschaffene Arbeitsplätze. Die Belegschaft der Berliner Start-ups weist im Bundesvergleich zugleich auch die höchste Vielfalt bei den Nationalitäten der Mitarbeiter auf. Hier arbeiten mit einem Anteil von 33,7 % die meisten internationalen Mitarbeiter. Und es soll auch munter weitergehen. Berliner Start-ups gaben im Startup Monitor an, dass sie planen, in den kommenden zwölf Monaten im Schnitt fast zwölf neue Stellen zu schaffen. Damit sind die Berliner Gründer auch hier die Gründermetropole mit dem stärksten angestrebten Zuwachs. Gründen in Berlin liegt folglich weiterhin im Trend.

Beratungsangebote für Berliner Gründer

Vor der Praxis kommt die Theorie, das gilt auch für die Existenzgründung. Somit beginnt eine erfolgreiche Unternehmensgründung immer mit einer guten Planung. Wer von Anfang Fehler möglichst vermeiden möchte, kann das Gründercoaching Deutschland von der KfW Bankengruppe nutzen. Hierbei handelt es sich um eine vom Staat geförderte Existenzgründungsberatung, die mit einem Zuschuss gefördert wird.

Gründer erhalten einen Zuschuss zum Honorar eines Unternehmensberaters der KfW-Beraterbörse, das bis zu 4.000 Euro betragen kann. Bei einem Zuschussanteil von 50 % sind es bis zu 2.000 Euro, die Berliner Gründer weniger zahlen müssen. Den Antrag stellen Gründer aus Berlin über einen Regionalpartner der KfW, wie zum Beispiel die Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder eine Wirtschaftsfördergesellschaft.

Die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer Berlins sind ebenso die richtigen Anlaufstellen, wenn Sie sich im Handwerk, Einzelhandel oder Gaststättengewerbe selbstständig machen wollen und grundlegende Informationen im Hinblick auf Ihre Gründungsphase oder Branche suchen. Dort werden Sie allgemein beraten und mit verschiedenen regionalen Angeboten versorgt.

Einige ausgewählte weitere Anlaufstellen, die Gründer in Berlin aufsuchen können, um sich beraten zu lassen, sind:

  • Der Bundesverband der Freien Berufe richtet seine Unterstützung an alle, die sich in einem Freien Beruf selbstständig machen oder die Unternehmensnachfolge antreten. Sie werden mit Informationen rund um die freiberufliche Selbstständigkeit versorgt.
  • Der Bundesverband der Selbstständigen vereint die Gruppe der selbstständigen Unternehmer und Gewerbetreibenden aus Handwerk, Handel, Dienstleistungen und Freien Berufen in Berlin. Die Vereinigung versteht sich als Förderer für die Berliner Existenzgründer und Selbstständigen und unterstützt durch Beratungsgespräche und Existenzgründerseminare Gründungswillige bei der Vorbereitung ihrer Gründungsvorhaben.
  • Der Berliner Beratungsdienst ist eine Vereinigung von Fach- und Führungskräften im Ruhestand. Die sogenannten Wirtschaftsenioren bieten Gründungsinteressierten branchenübergreifende Fachinformationen zur Existenzgründung und Selbstständigkeit. So können nicht nur frischgebackene Gründer, sondern auch Jungunternehmer und etablierte Unternehmer vom Wissenstransfer profitieren.
  • Das RKW Berlin ist ein Verein, bestehend aus Einzelunternehmen und mittelständischen Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen. Er verfügt über einen ausgewählten und geprüften Pool erfahrener Berater, die in Workshops, Trainings, Coachings und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen und alle gründungsrelevanten Fragen rund um Gründen in Berlin beantworten.
  • Der SIBB ist ein Interessenverband für IKT-Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Hier macht man es sich zur Aufgabe, die Akteure der Branche im Diskurs mit Politik und Gesellschaft zu vertreten. Mithilfe von zahlreichen Events sollen der Austausch und die Kooperation untereinander gefördert werden. Zum regelmäßigen Angebot gehören außerdem Stammtische und Existenzgründerseminare.
  • Der Unternehmerservice ist ein Angebot für Unternehmen von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH sowie den Berliner Bezirken. Als zentrale Anlaufstelle erhalten Existenzgründer und Selbstständige beim Unternehmensservice kompetente Beratung bei allen Stationen im Prozess der Unternehmensentwicklung – angefangen bei der Standortsuche über die Suche qualifizierter Mitarbeiter bis hin zur Expansion und Standortsicherung.

Beratung für Gründerinnen

Mit einer bundesweiten Selbstständigenquote von 7,4 % sind Frauen seltener unternehmerisch tätig als Männer mit 13,6 %. Da ist also noch deutlich Luft nach oben. So sehen es auch einige Beratungsstellen in Berlin und setzen alles daran, das Potenzial von unternehmerischen Frauen zu fördern. Einige dieser Gründerinnen-Angebote sind:

Anlaufstellen für Hochschulgründer

Auch als Studierender, Absolvent oder wissenschaftlicher Mitarbeiter kann eine Gründungsberatung die Erfolgschancen bei der Unternehmensgründung erhöhen. Berlins Universitäten sind gut vernetzt und bieten sogar selbst viele Beratungsmöglichkeiten an. Somit wird Gründen in Berlin auch aus der Hochschule heraus stark unterstützt.

Eine übergeordnete Initiative ist B!gründet. Dabei handelt es sich um ein Gründungsnetzwerk der Berliner Hochschulen. Hier macht man es sich zur Aufgabe, innovative Start-ups aus den Hochschulen miteinander zu vernetzen, ihre unternehmerischen Potenziale zu mobilisieren und das Wachstum dieser Unternehmen zu fördern. Hierfür wird Hochschulgründern bei der Beantragung von Fördergeldern, wie zum Beispiel das EXIST-Gründerstipendium, geholfen und über verschiedene Aktionen der Gründergeist an den Instituten und Forschungseinrichtungen geweckt.

Weitere Ansprechpartner für Gründer aus den jeweiligen Hochschulen in Berlin sind:

 Unterstützung für Gründer mit Migrationshintergrund

Netzwerke für Start-ups, Freiberufler und etablierte Unternehmen

Viele Kooperationen und Partnerschaften von Start-ups untereinander oder zwischen Jungunternehmen und großen Konzernen entstehen aus der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft heraus. Mitgliedschaften in Unternehmerverbänden oder Partnerschaften mit Gründerinitiativen eröffnen teilweise erst den exklusiven Zugang zu einem Netzwerk, der Gründern unter normalen Umständen oft gar nicht gewährt wird.

  • START Berlin ist eine Studierendeninitiative rund um die Themen Existenzgründung und Unternehmertum an den Berliner Hochschulen. Hier macht man es sich zu Aufgabe, Orientierung, Unterstützung und Möglichkeiten zur Weiterbildung zu bieten. Des Weiteren steht die Vernetzung zur Kooperation mit Berliner Unis und Start-ups aus der Berliner Gründerwelt im Fokus.
  • Da die Vereinigung der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg auch um die Ansiedlung neuer Unternehmen bemüht ist, um so zur gezielten Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin-Brandenburg beizutragen, werden hierüber auch etablierte Unternehmen und Start-ups miteinander vernetzt.
  • Da das Mediengeschäft laut Medienboard Berlin-Brandenburg Networking und Kontakte braucht, bietet es der Film- und Medienindustrie in Berlin und Brandenburg viele verschiedene Netzwerkgelegenheiten. Das Medienboard bietet das ganze Jahr über zahlreiche Veranstaltungen für Gründer und Freiberufler aus innovativen Bereichen, wie Games, Apps oder Virtual Reality und versorgt seine Mitglieder mit aktuellen Informationen zur Branche.
  • Get Started ist die Start-up-Initiative des Digitalverbands Bitkom und richtet sich an Existenzgründer, Geschäftsführer und Mitarbeiter von Start-ups. Durch Zugang zu einem Netzwerk von Entscheidern und etablierten Unternehmen wird Mitgliedern ein stets aktueller Einblick in Marktentwicklungen und Gesetzesvorhaben gegeben. Bitkom repräsentiert über 1.500 Unternehmen, davon sind etwa 300 Start-ups.
  • Gemeinsam mit mehr als 200 Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft engagieren sich die Berlin Partner für den Standort Berlin und sorgen „für die richtige Vernetzung”. Ausbauen könne man sein Netzwerk bei Veranstaltungen, wie dem monatlichen Jour fixe, den thematischen Gesprächsrunden mit Vertretern der Landespolitik oder der jährlichen Gesellschafterversammlung.

Gründerzentren für Gründer und Start-ups in Berlin

Gründer mit technologieorientierten und innovativen Geschäftsideen können auch Büroflächen, Laborräume oder eine Werkstatt in einem Technologie- und Gründerzentrum mieten. Vor allem Gründungsvorhaben in Bereichen, wie der Informations-, Bio-, Nano- oder Umwelttechnologie können in einem Gründerzentrum geplant und umgesetzt werden. Getragen werden diese häufig von öffentlichen Mitteln, sodass Existenzgründer mit günstigeren Mieten finanziell entlastet werden. Allerdings ist der Andrang groß und der Zugang häufig durch Wartelisten gebremst. Aber das Warten lohnt sich, denn neben der Nutzungsmöglichkeit der bestehenden Infrastruktur und die regelmäßige Versorgung mit Beratungs- und Informationsveranstaltungen, bieten sich vielleicht auch Gelegenheiten zur Kooperation mit anderen Unternehmen. Ein paar der Gründerzentren in Berlin sind:

Ihnen fehlt eine Beratungsstelle oder ein Netzwerk? Wir freuen uns über Ihre Ergänzung in den Kommentaren. Im zweiten Artikel der „Gründen in Berlin”-Serie werden wir uns dann mit den Ansprechpartnern zur Gründungsfinanzierung in Berlin beschäftigen und Fördermitteln für Gründer vorstellen.