5 Geschäftsideen für den digitalen Acker



In der modernen Landwirtschaft steckt eine Menge Technologie. Das sogenannte Smart Farming ist nötig, um die Erträge zu steigern. Wir stellen fünf innovative Geschäftsideen vor, die helfen, auch noch 2050 die gesamte Weltbevölkerung ernähren zu können.

#1 fodjan – optimal füttern

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Fodjan ist altgermanisch und bedeutet füttern. Somit ist klar, worum es dem 2014 gegründeten Start-up fodjan geht: um die Fütterung – von Milchkühen. Deren richtige Ausübung entscheidet über die Höhe der Milchleistung, die Gesundheit der Kühe sowie die Kosten für die Futtermittel. Doch die Berechnung ist komplex, je größer die Herde, desto komplexer. Und gerade deshalb verlassen sich viele Bauern auf die Empfehlungen von Futtermittelberatern. fodjan-Gründer Carsten Gieseler wollte das ändern. Mit seinem Dresdner Start-up hat er den wichtigen Vorgang im Stall digitalisiert und auf eine professionellere Ebene gestellt.

Sein Anspruch: foodjan soll die moderne Online-Plattform für Fütterungsmanagement sein. Jeder Bauer soll in die Lage versetzt werden, die Rationen jederzeit selbst bestimmen zu können. Er braucht dazu lediglich ein Smartphone. Die fodjan-Software, die internationale Partner aus Landtechnik, Futtermittelherstellung, Beratung und Futterlaboren vernetzt, liefert alle fütterungsbezogenen Daten auf das Gerät und hilft dem Landwirt somit, jederzeit die optimale Entscheidung zu treffen.

#2 PEAT – Krankheit erkannt, Krankheit gebannt

Fast ein Drittel der weltweiten Ernte wird jährlich zunichtegemacht, weil Pflanzen von Schädlingen oder Krankheiten befallen werden und somit nur noch reif für die Tonne sind. Das Start-up PEAT hat mithilfe künstlicher Intelligenz eine Lösung für dieses Problem entwickelt: die App Plantix.

Plantix ermöglicht Landwirten, Pflanzenkrankheiten und Schädlinge zu erkennen – und rechtzeitig gegenzusteuern, bevor Ernten verloren gehen. Die Handhabung ist leicht: Der Bauer macht lediglich ein Foto der Pflanze. Die App gleicht das Bild sofort mit einer Datenbank ab und sendet dem Nutzer den Befund sowie wichtige Tipps zur Behandlung zurück.

Die Datenbank des 2011 in Hannover gegründeten und mittlerweile in Berlin ansässigen Unternehmens besteht aus mehr als 20 Millionen Fotos. So können 400 Krankheiten sowie Schädlinge bei 30 gängigen Nutzpflanzen wie Tomaten oder Mais identifiziert werden. Die App ist in 18 Sprachen erhältlich und wurde schon mehr als zehn Millionen mal heruntergeladen, vor allem von Landwirten in Entwicklungs- und Schwellenländern.

#3 Stenon – sekundenschnell analysiert

Wie gut die Ernte ausfällt, hängt natürlich von vielen Faktoren ab, zum Beispiel vom Wetter. Aber auch die Qualität des Bodens spielt eine wichtige Rolle. Das Wetter kann man nicht beeinflussen, die Beschaffenheit der Böden sehr wohl, etwa durch die richtige Düngung. Dies aber setzt voraus, dass man die Böden vorab analysiert, etwa Nährstoffe, den pH-Wert oder die Temperatur bestimmt.

Das Potsdamer Start-up Stenon hat diese Analyse revolutioniert. Früher musste der Landwirt Bodenproben entnehmen und ins Labor einschicken. Das war vor allem zeitaufwendig. Mit dem von Niels Grabbert und Dominic Roth entwickelten Gerät FarmLab kann der Bauer jederzeit selbst eine Bodenanalyse in Echtzeit vornehmen. Er muss lediglich den Sensorkopf in die Erde stecken.

In Sekundenschnelle erfasst das Gerät 5.000 Datenpunkte und wertet diese aus. Anhand der Ergebnisse kann der Landwirt anschließend die optimale Düngung vornehmen – genügend, um die Erträge zu steigern, aber auch nur so viel wie nötig, um die Kosten möglichst gering zu halten.

#4 FarmInsect – Insekten selber machen

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Insektenlarven sind das Geschäftsmodell von FarmInsect. Der Erfolg basiert u. a. auf der jahrelangen Erfahrung des Gründers. (Foto: FarmInsect)

Ein Bauer kann seine Nutztiere mit importiertem Soja oder Fischmehl füttern. Oder – seit der Freigabe durch die EU 2017 – mit heimischen Insekten. Vieles spricht für Letzteres, wissen Thomas Kühn, Wolfgang Westermeier und Andre Kloeckner. Deshalb haben sie im oberbayerischen Bergkirchen 2020 ihr Start-up FarmInsect gegründet. Mit der Ideenfindung begonnen hatten sie bereits im Jahr zuvor – und sofort den ersten Platz des Startup Booster Grants der Technischen Universität München gewonnen. Die TUM unterstützte das junge Unternehmen von Anfang an und betrieb die erste Pilotanlage.

Künftig sollen die Landwirte selbst zu Insektenproduzenten werden. Moderne IT-gestützte Anlagen ermöglichen ihnen dies. Die Vorteile sind mehr Nachhaltigkeit und eine höhere Effizienz. Insekten helfen beim Schließen von regionalen Kreisläufen. Die Kreislaufwirtschaft wird wieder auf den Hof zurückgebracht. Außerdem können die Landwirte rund 20 Prozent ihrer Kosten für Futtermittel einsparen.

#5 Agrora – Ein- und Verkauf digital

Noch einmal zum Wetter: Es beeinflusst nicht nur die Ernte. Informationen über das Wetter beeinflussen, ebenso wie solche über den Markt, die Währung oder die Börse, den Ein- und Verkauf von Getreide. Es geht darum, den besten Zeitpunkt für den Kauf beziehungsweise Verkauf zu finden. Doch die Informationsflut ist so groß, dass sich die Landwirte oft überfordert fühlen. Die Folge sind häufig schlechte Entscheidungen.

Für den Juristen Hauke Jaeschke und den Agrarökonomen Michael Kade liegt die Lösung in der Digitalisierung der Prozesse. Ihr Berliner Start-up Agrora unterstützt Agrarunternehmer genau dabei. Mit der von ihnen entwickelten Software können sie ihre Ein- und Verkäufe voll automatisiert gestalten – von der Informationsbeschaffung bis hin zu Vertragsabschlüssen. Die digitale Abwicklung spart nicht nur Zeit und Kosten ein. Die Verträge sind außerdem kalkulations- und rechtssicher, alle Dokumente werden übersichtlich an einem zentralen Ort verwaltet.

  • Farminsect-Gründer Wolfgang Westermeier spricht im Interview über die Erfolgsfaktoren bei der Gründung von FarmInsect. Noch mehr Revolutionäres aus der Lebensmittelproduktion: Lernt Geschäftsideen zu Urban Gardening kennen.
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