5 Geschäftsideen für Urban Gardening



Die Lebensmittelproduktion muss lokaler und nachhaltiger werden. Das schützt die Umwelt und bringt den Konsumenten frischere, schmackhaftere Gerichte auf den Teller. Wir stellen 5 Geschäftsideen aus dem Urban Gardening vor, die dieses Anliegen vorbildlich umgesetzt haben.

#1 Infarm – Kräuter aus dem Glashaus

Die meisten Lebensmittel, die wir verspeisen, werden anderswo produziert – und dann oft Tausende Kilometer weit nach Deutschland transportiert. Osnat Michaeli, Guy und Erez Galonska fanden, dass sich das ändern muss: 2013 haben sie deshalb Infarm gegründet. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ermöglicht die Aufzucht von Kräutern vor Ort.

Infarm stellt die dafür nötigen Gewächshäuser her. Diese stehen vor allem in Supermärkten und Restaurants. Darin wächst das von den Infarm-Mitarbeitern eingepflanzte Saatgut noch so lange weiter, bis die Kräuter erntereif sind. Mehr als 65 verschiedene Kräuter-Arten gelangen auf diese Weise frisch zu den Konsumenten, darunter Thymian, Minze oder Melisse.

Rund 250 solcher Indoor-Farmen wurden mittlerweile in Lebensmittelläden und Restaurants installiert. Die meisten befinden sich in Deutschland, weitere unter anderem in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. Die ersten beiden gläsernen Gewächshäuser wurden kürzlich in den USA aufgestellt und die Expansion nach Japan steht bevor. Auch eine Ausweitung des Gemüsespektrums ist bereits angedacht: Neben Kräutern sollen bald auch Karotten, Tomaten und Pilze hinter Glas gedeihen.

#2 Stadtfarm – frische Fische aus der Großstadt

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Auf der Stadtfarm mitten in Berlin werden Gemüseanbau und eine Fischzucht betrieben. (Foto: Stadtfarm)

Lebensmittel sollen gesund, frisch und so naturbelassen wie möglich sein. Die Stadtfarm in Berlin versucht sich genau daran: Seit 2017 betreibt das Start-up sogenannte AquaTerraPonik-Anlagen, in denen Fische, Gemüse und Tropenfrüchte mitten in der Stadt gezüchtet werden. Laut Geschäftsführerin Anne-Kathrin Kuhlemann ist die Stadtfarm im Landschaftspark Herzberge die größte in Europa.

Jährlich werden 30 Tonnen Salat, 50 Tonnen Afrikanischer Wels und überdies Kräuter, Tomaten und Gurken, aber auch Exotisches wie Bananen oder Maracuja erzeugt. Die Produktion erfolgt damit sehr nah an den Abnehmern. Sie können die Lebensmittel unter anderem direkt vor Ort im Hofladen erstehen.

Möglich ist diese Versorgung aufgrund der AuqaTerraPonik-Technologie: Ein geschlossener Kreislauf wandelt die Ausscheidungen der Fische in Dünger um, der wiederum den Pflanzen zugutekommt. Sie nehmen die Nährstoffe auf, reinigen dadurch gleichzeitig das Wasser, welches dann zu den Fischen gelangt.

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Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel, von Hormonen oder Antibiotika ist somit nicht nötig. Außerdem ist diese Produktionsweise ressourcenschonend.

#3 Agrilution – der intelligente Gewächsschrank für die Küche

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Gemüseanbau mit Style: In Apartments lassen sich die schicken Kästen von Agrilution optimal unterbringen. (Foto: Agrilution)

Die Geschäftsidee zu Agrilution beginnt im fernen China. Dort wächst Maximilian Lössl auf – und er stellt fest, dass viele Kinder im Land mangelernährt sind. Nach der Schule, zurück in Deutschland, sucht er Wege, der Ungerechtigkeit Paroli zu bieten. Es zieht ihn zum Studium in die Niederlande – und endlich macht es Klick: Lössl setzt sich zum Ziel, Vertical Farming für zu Hause anzubieten. Damit wären Gemüse, Salate und Kräuter so nah am Ort des Verzehrs wie nur möglich.

Gemeinsam mit seinem Freund Philipp Wagner hat er diese Vision wahr werden lassen: Die beiden haben den Plantcube entworfen, das „intelligente Vertical Farming System“ für die heimische Küche. Im Jahr 2013 haben sie das Münchner Unternehmen Agrilution gegründet, das den Gewächsschrank vertreibt. Mit knapp 3.000 Euro ist der zwar nicht günstig, ermöglicht seinen Besitzern aber die Aufzucht von etlichen Salat- und Kräuter-Sorten von Grünkohl über Radieschenkresse bis hin zu Pak Choi.

Das gesamte Procedere bis auf den Tisch ist recht einfach. Auf der Webseite sind die Schritte beschrieben: „Sorte aussuchen, Salatmatte einlegen, zurücklehnen, ernten und genießen.“

#4 Farmee / Alphabeet – Technologie für Profi- und Hobbygärtner

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Farmee hat eine App entwickelt: Mit Alphabeet habt ihr einen modernen Beetplaner an der Hand bzw. auf dem Smartphone. (Foto: Alphabeet)

Steffen Abel, Florian Haßler und Jens Schmelzle kennen sich schon lange. Eines Tages saßen sie zusammen und beschlossen, ein Unternehmen zu gründen, mit dem man die globale Ernährung positiv verändern kann. Die drei gründeten die Farmee GmbH und entwickelten mit Farmee.io eine offene Softwareplattform für professionelle Indoor-Farmer.

Allerdings mussten die Gründer feststellen, dass es dafür – zumindest derzeit – noch keinen ausreichend großen Markt gibt. Also haben sie sich letzten Sommer den Hobbyfarmern zugewandt und für sie die Plattform und App Alphabeet entwickelt. Gegen eine monatliche Gebühr von zwei Euro erhalten die Gärtner etliche Tipps zur Bestellung ihres heimischen Gemüsebeets.

Die Beetplanung deckt das ganze Jahr und alle wichtigen Themen ab: Etwa, welche Pflanzen zueinander passen, wann sie angepflanzt und geerntet werden müssen. Aber auch darüber hinausgehendes Wissen hält die Bibliothek bereit. Zum Beispiel, wie die Gärtner den Boden verbessern oder auf kleinster Fläche verschiedene Kulturen anbauen können. Außerdem stehen Kochrezepte zur Verfügung – damit die frische Ernte auch beim Urban Gardening gut schmeckt.

#5 Good Bank – wo der Salat hinter der Theke wächst

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Frischer gehts nicht mehr beim Urban Gardening: In den Restaurants von Good Bank wird der Salat direkt angebaut und geerntet. (Foto: Good Bank)

In den drei Berliner Good Bank-Restaurants wird ein Teil dessen, was auf dem Teller beziehungsweise in den Schüsseln landet, selbst angebaut und geerntet. Im Moment sind das Salate. In Zukunft sollen weitere Gemüsesorten hinzukommen. Der Salat wächst direkt im Restaurant in vertikalen Farmen, also in senkrecht gestapelten Pflanzenlaboren hinter Glas. Geerntet wird er erst kurz vor dem Verzehr, frischer geht es nicht.

Außerdem verwendet das 2017 gegründete Start-up beim Anbau keine Pestizide und kein gentechnisch verändertes Saatgut. Bei Good Bank werden die Salat-Variationen außerdem hydroponisch angebaut, was bedeutet, dass die Wurzeln nicht in Erde stecken, sondern in Wasser, über welches sie die benötigten Nährstoffe ziehen. Diese Art des Gemüseanbaus reduziert den Wasserverbrauch, da dasselbe Wasser über das System wiederverwendet werden kann.

Die Kunden können sich die Gerichte nicht nur in den Restaurants schmecken lassen. Ein Catering-Service liefert auch nach Hause oder ins Büro.

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