Kostenexplosion Gastronomie: 64 Prozent scheitern in den ersten 5 Jahren

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Sie starten mit Leidenschaft, sparen jahrelang, um sich den Traum vom eigenen Café oder Restaurant zu erfüllen – und scheitern dann doch. Laut Statistischem Bundesamt überlebt nur gut ein Drittel der neu gegründeten Gastronomiebetriebe die ersten fünf Jahre. Die Gründe sind vielfältig: steigende Kosten, Personalmangel, Bürokratie. Doch was muss sich ändern, damit Gründer in der Gastronomie wieder eine Zukunft haben?

Kellner putzen Tische eines leeren Cafés
Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Die meisten Gastronomen scheitern in den ersten fünf Jahren. Bild: cottonbro studio / Pexels.

80 % überleben das erste Jahr

Die Zahlen sind ernüchternd. Im Jahr 2023 waren laut dem Statistischen Bundesamt noch 80,2 % der im Vorjahr gegründeten Gastronomieunternehmen aktiv. Nach fünf Jahren lag die Überlebensquote bei nur 36 %. Damit gehört die Branche zu den Bereichen mit den niedrigsten Erfolgsraten überhaupt.

Zum Vergleich: Im Veterinärwesen überstehen rund 60 % der Neugründungen die ersten fünf Jahre, im Gesundheitswesen 57 %. Auch Versicherungen und Pensionskassen liegen mit knapp 57 % deutlich besser. Nur in künstlerischen oder kreativen Branchen ist die Quote noch niedriger.

Was viele unterschätzen: Der Sprung in die Selbstständigkeit in der Gastronomie ist nicht nur eine Frage der Leidenschaft – sondern auch des Überlebens im täglichen wirtschaftlichen Ausnahmezustand.

Kostenexplosion frisst Gewinne auf

Einer der Hauptgründe für das frühe Scheitern ist die Kostenstruktur der Branche. Während Restaurants und Cafés oft mit schmalen Margen arbeiten, sind die Ausgaben in den letzten Jahren massiv gestiegen. Die beschlossene Mindestlohnerhöhung lässt die Personalkosten weiter in die Höhe schießen.

Besonders Küchen mit großem Strom- und Gasverbrauch spüren die Folgen der Energiekrise deutlich. Hinzu kommt die Inflation: Zutaten wie Fleisch, Milchprodukte und Gemüse sind seit 2021 um 20 % bis 40 % teurer geworden.

Das Ergebnis: Viele Gründer starten mit zu wenig Eigenkapital, geraten nach kurzer Zeit in eine Kostenspirale und können die Preise nicht so stark erhöhen, wie es nötig wäre. Gäste reagieren sensibel auf Preiserhöhungen und bleiben im Zweifel zuhause.

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Verändertes Konsumverhalten: Gäste sparen beim Ausgehen

Denn die Nachfrage hat sich verändert. Viele Verbraucher achten nach Jahren hoher Inflation wieder stärker aufs Geld. In einer Umfrage von Lightspeed gaben 58 % der Befragten an, in den vergangenen sechs Monaten seltener ein Restaurant besucht zu haben.

Und die Konkurrenz durch Lieferservices und Ghost Kitchens wächst. Digitale Bestellplattformen und neue Gastro-Konzepte verändern die Branche rasant. Wer da nicht mithält, verliert schnell den Anschluss.

Mehr Bürokratie, weniger Zeit fürs Geschäft

Neben den finanziellen Belastungen kämpfen Gründer in der Gastronomie mit bürokratischen Hürden, die ihresgleichen suchen: Hygienevorschriften, Dokumentationspflichten, Brandschutzauflagen, Umweltstandards – jedes Detail wird reguliert.

Die Mehrwertsteuer-Debatte verschärft die Lage. Nach der Corona-Pandemie galt für Speisen in Restaurants vorübergehend ein ermäßigter Satz von 7 %. 2024 kehrt die Regelbesteuerung von 19 % zurück. Ein Schlag für viele kleine Betriebe.

Online-Marketing als Überlebensstrategie

In diesen Zeiten wird eines klar: Eine gute Küche und eine nette Location reichen nicht mehr aus. Wer auch jüngere Zielgruppen ansprechen will, muss sich mit digitaler Sichtbarkeit auseinandersetzen. Laut einer Bitkom-Studie checken die Hälfte der Gäste (unter 16- bis 29-Jährigen: 69 %) die Speisekarte online, bevor sie ein Restaurant oder Café besuchen. Die Mehrheit (69 %) erwartet, dass der Gastronomiebetrieb einen Internetauftritt hat (80 % der 16- bis 29-Jährigen). Besonders Jüngere verlassen sich auf Bewertungen, Social-Media-Posts und Google-Suchergebnisse, um neue Lokale zu entdecken.

Wer digital unsichtbar bleibt, verliert ganze Zielgruppen. Erfolgreiche Konzepte wie WonderWaffel zeigen, wie Social Media zum Wachstumsmotor werden kann. Die Dessertkette aus Berlin nutzt Instagram und TikTok gezielt, um neue Standorte zu bewerben – mit kurzen Videos, auffälligen Produkten und einer klaren Markenstory.

Online-Marketing ersetzt kein gutes Konzept, kann aber den entscheidenden Unterschied machen. Sichtbarkeit schafft Vertrauen. Und Vertrauen bringt Gäste, gerade in einer Branche, in der jeder Kunde zählt.

Leidenschaft reicht nicht: Die Gastronomie braucht Strukturreformen

Dennoch: Damit die Gastronomie langfristig überlebt, braucht es mehr als digitale Reichweite und kreative Posts. Online-Marketing kann Gäste bringen. Aber nur, wenn auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Bürokratieabbau, planbare Steuern, realistische Löhne und Entlastungen bei Energie- und Mietkosten sind entscheidend, damit Gründer überhaupt eine Chance haben, ihre Ideen dauerhaft umzusetzen.

Gerade jetzt, zur Gründungswoche Deutschland vom 17. bis 23. November, steht die Frage im Raum: Wie kann Unternehmertum wieder attraktiver werden, auch in schwierigen Branchen wie der Gastronomie? In Workshops und Online-Events geben Expertinnen und Experten dort praxisnahes Wissen weiter, das Neugründern den Einstieg erleichtert.

Auch Für-Gründer.de unterstützt Gründer mit kostenlosen Tools, Leitfäden und Checklisten: von der Finanzplanung über den Businessplan bis hin zu Fördermitteln und Online-Marketing-Tipps. Wer sich gut vorbereitet, hat die besten Chancen, aus seiner Idee mehr zu machen als nur einen Traum.

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