8. März BW Landtagswahlen 2026: Parteien, Prognose und Wahlprogramme

Welche Parteien stehen zur Wahl?
Landeswahlleiterin Cornelia Nesch teilte am 9. Januar 2026 mit: 21 Parteien treten mit einer Landesliste an, alle wurden zugelassen.
Ganz ohne Korrekturen lief das Verfahren allerdings nicht. 24 Bewerber wurden aus formalen Gründen gestrichen, betroffen waren neun Landeslisten. An der grundsätzlichen Zulassung der Parteien änderte das jedoch nichts.
Damit werden folgende Parteien auf dem Wahlzettel stehen:
- Die Grünen
- CDU
- SPD
- FDP
- AfD
- Die Linke
- Freie Wähler
- Die PARTEI
- dieBasis
- Klimaliste BW
- ÖDP
- Volt
- Bündnis C
- Partei der Humanisten
- Partei für Verjüngungsforschung
- BSW
- Die Gerechtigkeitspartei
- Partei der Rentner
- Partei des Fortschritts
- Tierschutzpartei
- WerteUnion
Umfragen und Prognose

Eine aktuelle Infratest-Dimap-Umfrage im Auftrag vom SWR und der Stuttgarter Zeitung liefert folgende Ergebnisse:
- CDU: 29 %
- Grüne: 23 %
- AfD: 20 %
- SPD: 8 %
- Linke: 7 %
- FDP: 5 %
- Sonstige: 8 %
Andere Institute wie INSA kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Damit zeigt diese Umfrage ein Spannungsfeld zwischen CDU und Grüne mit der AfD als überraschend starkem Drittplatzierten.
Wissenschaftler und Wahlforschende betonen regelmäßig, dass Umfragen keine Wahlergebnisse garantieren: Sie sind Momentaufnahmen, die sich bis zum Wahltag verändern können, besonders bei Landtagswahlen mit kürzerem Wahlkampf und lokaler Dynamik.
Wahlprogramme
Die Wahlprogramme der Parteien sind umfangreich, doch für Selbstständige und Unternehmer stehen Steuern und Abgaben, Bürokratie und Regulierung, Energie- und Standortkosten, Fachkräftesicherung sowie die Förderung von Gründungen und Innovationen im Fokus.
Im Folgenden zeigen wir, was die sechs umfragestärksten Parteien zu diesen wirtschaftlich zentralen Fragen planen und wo sich ihre Konzepte deutlich unterscheiden.
CDU: "Agenda der Zuversicht"
Die CDU setzt in ihrem Regierungsprogramm 2026 klar auf Entlastung, Tempo und Planungssicherheit für Unternehmen. Ziel ist es, Baden-Württemberg wieder zum starken Wirtschafts- und Gründerland zu machen.
Konkret plant die Partei einen spürbaren Bürokratieabbau. Berichtspflichten sollen reduziert, Verfahren konsequent digitalisiert und landesrechtliche Auflagen auf das notwendige Maß begrenzt werden.
Genehmigungen sollen schneller erteilt werden: Unter anderem durch ausgeweitete Genehmigungsfiktionen, bei denen Anträge als bewilligt gelten, wenn Behörden Fristen nicht einhalten. Ergänzend will die CDU ein One-Stop-Shop-Prinzip einführen und eine Ombudsstelle für Unternehmen schaffen, wenn Verfahren ins Stocken geraten.
Für Gründer sieht das Programm konkrete Erleichterungen vor: digitale Gründungen innerhalb von 48 Stunden, ein Bürokratie-Moratorium in der Startphase sowie steuerliche Entlastungen für junge Unternehmen. Zusätzlich soll der Zugang zu Risikokapital verbessert werden, unter anderem durch Änderungen im Stiftungsrecht.
Der Mittelstand soll zudem durch bezahlbare Energie, mittelstandsfreundliche Vergaben und Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge gestärkt werden. Im Handwerk plant die CDU die Abschaffung der Meistergebühren, eine Verdopplung der Meisterprämie und langfristig eine kostenfreie Meisterausbildung. Gegen den Fachkräftemangel setzt die Partei auf schnellere Zuwanderungsverfahren und eine zügigere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.
Grüne: "Stabil in bewegten Zeiten"
Die Grünen setzen in ihrem Wahlprogramm stark auf die Verbindung von wirtschaftlicher Stärke, Klimaschutz und staatlicher Modernisierung. Für Selbstständige und Unternehmer steht dabei weniger klassische Steuerpolitik im Mittelpunkt, sondern Tempo bei Verwaltung, Förderung von Innovationen und planbare Rahmenbedingungen für die Transformation.
Konkret kündigt die Partei einen umfassenden Bürokratieabbau durch Digitalisierung an. Verwaltungsverfahren sollen vollständig digital abgewickelt werden, mit einem einheitlichen Login für alle Behördendienste, vorbefüllten Formularen und dem Prinzip "Once only", bei dem Unternehmen Daten nur einmal angeben müssen. Standardentscheidungen sollen automatisiert erfolgen, Genehmigungen beschleunigt und ein landesweiter One-Stop-Shop für Unternehmensgründungen aufgebaut werden.
Für Gründer planen die Grünen einen landesweiten One-Stop-Shop, der Beratung, Anmeldung und Förderung bündelt und Gründungen innerhalb von 24 Stunden ermöglichen soll. Bestehende Programme wie Start-up BW PreSeed sollen ausgebaut werden.
Ergänzend ist ein "Scale-up BW"-Programm mit zusätzlichem Risikokapital geplant, um wachsende Startups bei Expansion und Internationalisierung zu unterstützen. Öffentliche Stellen sollen zudem stärker als Ankerkunden für innovative Startups auftreten.
Der Mittelstand soll vor allem durch Entbürokratisierung, digitale Förderanträge und gebündelte Förderplattformen entlastet werden. Berichtspflichten sollen zusammengeführt, Genehmigungsprozesse mit verbindlichen Fristen versehen und Förderprogramme übersichtlicher gestaltet werden. Für das Handwerk planen die Grünen den kostenlosen Meister, eine verlängerte Meistergründungsprämie (48 statt 24 Monate) sowie gezielte Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge, insbesondere im ländlichen Raum.
Ein zentraler Punkt ist die Energie- und Transformationspolitik. Die Grünen wollen Strom günstiger machen: Durch erneuerbare Energien, den weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie grünen Wasserstoff für Industrie und Mittelstand. Unternehmen sollen von flexiblen Strompreisen, Smart Metern und einem schnelleren Netzausbau profitieren. Gleichzeitig soll die Verwaltung bei Infrastruktur- und Energieprojekten deutlich schneller werden, unter anderem durch spezielle Taskforces für Genehmigungen.
Beim Thema Fachkräfte setzen die Grünen auf beschleunigte Zuwanderungsverfahren über die Landesagentur für Fachkräfte, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie gezielte Weiterbildungsprogramme. Auch der Mutterschutz für Selbstständige soll über eine Bundesratsinitiative vorangebracht werden.
AfD: "Unser Land verdient ein Comeback."
Die AfD positioniert sich in ihrem Wahlprogramm als wirtschaftsliberale Partei mit Fokus auf Entlastung von Unternehmen, niedrige Energiepreise und einen weitgehenden Rückbau staatlicher Regulierung. Zentrales Versprechen ist ein wirtschaftspolitischer Kurswechsel innerhalb der ersten 100 Tage einer AfD-geführten Landesregierung.
Konkret plant die AfD eine massive Senkung der Energiepreise. Rund 400 Millionen Euro, die bislang in Klimaschutzmaßnahmen fließen, sollen in einen landeseigenen Energierabatt für Unternehmen und Bürger umgeleitet werden. Langfristig setzt die Partei auf radikale Technologieoffenheit: Subventionen für erneuerbare Energien sollen beendet, die CO₂-Steuer abgeschafft und der Neubau von Kernkraftwerken wieder ermöglicht werden.
Für Selbstständige und Mittelständler verspricht die AfD einen umfassenden Bürokratieabbau. Genehmigungen für Neu- und Erweiterungsinvestitionen sollen beschleunigt, Berichtspflichten reduziert und Lieferkettenvorgaben sowie CO₂-Regulierungen auf Landesebene soweit möglich zurückgedrängt werden. Ziel ist ein "freier, handlungsfähiger Wirtschaftsstandort".
Gründungen und insbesondere die Unternehmensnachfolge nehmen im Programm einen breiten Raum ein. Betriebsübernahmen sollen nicht wie Neugründungen behandelt werden. Geplant sind vereinfachte Verfahren, One-Stop-Stellen mit festen Fristen, der Ausbau landeseigener Nachfolge-Fonds sowie eine digitale Nachfolgeplattform.
Besonders weitreichend ist die Forderung nach der Abschaffung der Erbschaft- und Schenkungsteuer bei Unternehmensübergaben sowie nach Sonderabschreibungen für Modernisierung und Digitalisierung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Automobilindustrie. Die AfD will das EU-Verbrennerverbot aufheben, Technologieverbote beenden und ein "Buy BW"-Programm einführen, das öffentliche Stellen verpflichtet, Fahrzeuge aus baden-württembergischer Produktion zu beschaffen. Zudem sollen Forschungsaktivitäten zu synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff gestärkt werden.
SPD: "Weil es um dich geht."
Die SPD Baden-Württemberg setzt in ihrem Wahlprogramm auf eine aktive Industrie- und Strukturpolitik, bei der staatliche Förderung stärker an Bedingungen geknüpft wird. Wirtschaft soll wachsen, allerdings nicht losgelöst von Beschäftigungssicherung, Tarifbindung und sozialer Verantwortung.
Zentral ist eine groß angelegte Investitionsoffensive. Die SPD plant eine Transformationsmilliarde für Infrastruktur, Innovation und regionale Modellprojekte. Ergänzend soll ein "Staatsfonds BW" eingerichtet werden, der sich zeitlich befristet und unbürokratisch mit Kapital an Unternehmen und Startups beteiligt, insbesondere bei nachhaltigen Geschäftsmodellen.
Förderprogramme wie InvestBW sollen finanziell deutlich ausgeweitet werden. Öffentliche Unterstützung gibt es jedoch nur unter klaren Bedingungen: Standorte und Arbeitsplätze im Land müssen gesichert werden, Unternehmen mit Tarifbindung sollen bevorzugt gefördert werden.
Beim Thema Bürokratie kündigt die SPD ein zweijähriges Bürokratie-Moratorium an. In diesem Zeitraum sollen keine neuen landesrechtlichen Vorschriften beschlossen werden, die zusätzliche Bürokratie für Unternehmen verursachen. Gleichzeitig sollen Genehmigungsverfahren gestrafft und beschleunigt werden, unter anderem durch One-Stop-Agencies, die Verfahren bündeln. In sogenannten Transformations-Modellregionen sollen neue Ansätze getestet werden, inklusive rechtlicher Öffnungsklauseln.
Für Gründer und Startups plant die SPD einen Ausbau der Früh- und Wachstumsfinanzierung, mehr öffentliche Mittel für Venture-Capital-Fonds sowie eine bessere Unterstützung bei der Bewerbung um öffentliche Aufträge. Zuschüsse, Darlehen und Beteiligungen sollen kombiniert werden, allerdings ebenfalls an faire Arbeitsbedingungen gekoppelt sein.
Im Handwerk und Mittelstand setzt die SPD stark auf Fachkräftesicherung. Die Meisterausbildung soll vollständig gebührenfrei werden, ebenso weitere Aufstiegsfortbildungen wie Techniker oder Fachwirte. Der Meistergründungszuschuss soll auf 20.000 € verdoppelt und die Beantragungsfrist auf vier Jahre verlängert werden. Zusätzlich ist ein Weiterbildungsfonds von 20 Millionen Euro speziell für Beschäftigte in kleinen und mittleren Unternehmen geplant.
Beim Thema Energie und Transformation bekennt sich die SPD klar zur Elektromobilität und zur Klimaneutralität, flankiert durch Förderprogramme für Zulieferer, Investitionen in Netze und Wasserstoffinfrastruktur sowie eine "Zukunftsanleihe Baden-Württemberg", mit der Infrastrukturprojekte über den Kapitalmarkt finanziert werden sollen.
Die Linke: "Menschen statt Profite."
Die Linke stellt in ihrem Wahlprogramm die soziale Verantwortung von Unternehmen in den Mittelpunkt. Wirtschaftspolitik soll aus Sicht der Partei vor allem dem Gemeinwohl dienen. Für Selbstständige und Unternehmer bedeutet das: staatliche Eingriffe, stärkere Regulierung und höhere Abgaben, verbunden mit gezielten Förderangeboten für kleinere Betriebe.
Zentral ist die Forderung nach höheren Steuern für Unternehmen und Vermögende. Die Linke spricht sich für eine Wiedereinführung der Vermögensteuer, eine höhere Besteuerung großer Unternehmen sowie für eine verschärfte Erbschaftsteuer aus. Öffentliche Investitionen sollen dadurch finanziert werden. Steuerliche Entlastungen sind vor allem für kleine Betriebe, Solo-Selbstständige und Genossenschaften vorgesehen.
Bei der Wirtschaftsförderung setzt Die Linke auf staatlich gesteuerte Investitionen. Öffentliche Aufträge und Fördermittel sollen nur an Unternehmen vergeben werden, die tarifgebunden sind und in denen Betriebsräte gewählt wurden. Gleichzeitig plant Die Linke den Ausbau öffentlicher und gemeinwohlorientierter Betriebe, etwa in den Bereichen Energie, Wohnen und Mobilität.
Für Gründer sieht das Programm gezielte Unterstützung vor, allerdings mit klarer Ausrichtung: Gefördert werden sollen vor allem soziale, ökologische und genossenschaftliche Unternehmensformen.
Im Bereich Arbeit plant Die Linke eine deutliche Ausweitung von Arbeitnehmerrechten, die auch Selbstständige betreffen kann. Dazu gehören ein landesweiter Mindestlohn von 17 € für alle (auch Jugendliche und Praktikanten), strengere Kontrollen gegen Scheinselbstständigkeit sowie mehr Mitbestimmung in Betrieben. Gleichzeitig werden 30-Stunden-Wochen bei vollem Lohnausgleich gefordert.
Energie- und industriepolitisch fordert Die Linke einen schnellstmöglichen Ausstieg aus fossilen Energien, den Ausbau kommunaler Energieversorger und eine stärkere Regulierung von Energiepreisen. Energieversorgung soll aus Sicht der Partei keine Gewinnfrage sein, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
FDP: "Zurück auf Vorwärts"
Die FDP Baden-Württemberg versteht sich im Wahlprogramm klar als Partei der Unternehmer, Gründer und Selbstständigen. Zentrales Leitmotiv ist ein ermöglichender Staat, der sich auf Kernaufgaben beschränkt, Bürokratie abbaut und wirtschaftliche Freiheit absichert. Der Fokus liegt deutlich auf Entlastung, Tempo und Technologieoffenheit.
Ein Kernvorhaben ist ein radikaler Bürokratieabbau, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Die FDP will per Bundesratsinitiative die statistischen Meldepflichten für Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern vollständig streichen.
Zusätzlich soll das Once-only-Prinzip gelten: Unternehmen müssen Daten nur einmal an den Staat übermitteln. Gesetze und Verordnungen sollen systematisch überprüft und teils mit Sunset-Klauseln versehen werden, damit sie automatisch auslaufen. Förderprogramme des Landes sollen vollständig digitalisiert und vereinfacht werden.
Für Gründer und den Mittelstand plant die FDP eine "Macherzone Baden-Württemberg": eine Art Sonderwirtschaftszone mit besonders schnellen Genehmigungen, weniger Auflagen und innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen. Zudem sollen Gewerbeflächen schneller ausgewiesen, brachliegende Flächen reaktiviert und Kommunen dabei aktiv unterstützt werden. Die Wirtschaftsförderung über Landesagenturen soll stärker an den tatsächlichen Bedarfen der Unternehmen ausgerichtet werden.
Steuerlich setzt die FDP auf Entlastung statt Umverteilung. Die Grunderwerbsteuer soll wieder auf 3,5 % gesenkt werden. Zusätzlich ist ein steuerfreier Kaufpreisanteil von bis zu 500.000 € geplant, um Investitionen in Eigentum zu erleichtern, relevant auch für Selbstständige mit Betriebsimmobilien. Die FDP lehnt neue Substanz- oder Vermögensteuern klar ab.
In der Energiepolitik verspricht die FDP bezahlbare und planbare Energiepreise durch einen technologieoffenen Ansatz. Sie fordert eine Überarbeitung von Stromsteuer, Netzentgelten und Umlagen, um Unternehmen zu entlasten. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll marktwirtschaftlich erfolgen, ohne zusätzliche Subventionen. Gleichzeitig setzt die FDP auf Wasserstoff, Speichertechnologien, CCS/CCU sowie neue Generationen der Kernenergie. Ziel ist Planungssicherheit für Industrie und Mittelstand.
Beim Arbeitsmarkt lehnt die FDP politische Eingriffe in den Mindestlohn ab und fordert flexiblere Arbeitszeiten, insbesondere für kleine Betriebe. Das Landestariftreue- und Mindestlohngesetz sowie das Bildungszeitgesetz sollen abgeschafft werden.
Für Handwerk und Fachkräftesicherung will die FDP die Meisterprämie erhöhen und auf weitere Berufe ausdehnen, Unternehmensnachfolgen gezielt erleichtern und die duale Ausbildung stärken.
Auch spannend:
- "Lifestyle-Teilzeit": CDU will Recht auf Teilzeit abschaffen
- Acht-Stunden-Tag: Was die Abschaffung für Betriebe bedeuten würde
- Gastro-Mehrwertsteuer: Sündenbock Gastronomie?
Quellen:
Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
Wahlprogramme der Parteien