Start-up-Atmosphäre bewahrt



Luxusfahrräder für Kinder? Im Interview verraten die woom-Gründer Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld, wie sie mit dieser ungewöhnlichen Geschäftsidee am Markt bestehen und wie Gründer am besten mit kritischer Berichterstattung umgehen.

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“Glaube nicht an die Banken, sie glauben auch nicht an dich”: In der Anfangsphase der Gründung haben sich Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld mit Kleinkrediten über Wasser gehalten. (Foto: woom)

GründerDaily: Hallo Christian, hallo Marcus. Luxus und Kinderfahrräder: Wie seid ihr – du und dein Co-Founder Marcus – auf diese doch recht ungewöhnliche Kombination gekommen? 

Christian von woom: Als “radlnarrischer” Vater habe ich nach dem perfekten Fahrrad für die eigenen Kinder gesucht. Weil ich keines fand, habe ich es selbst gebaut. Als gelernter Biomedizintechniker und studierter Industriedesigner habe ich mich intensiv mit der Anatomie der Kleinsten beschäftigt. Da ich im Netz zu wenige statistische Daten darüber fand, hab ich eigene Größentabellen entwickelt, um die Räder optimal an die Bedürfnisse der Kids anzupassen.

GründerDaily: Welches Team steht hinter eurem Start-up?

Christian von woom: Das MitarbeiterInnen-Team bei woom in Österreich besteht mittlerweile aus 100 ExpertInnen, die zusammen mindestens 15 Sprachen sprechen: DesignerInnen, ProduktentwicklerInnen, IngenieurInnen usw.

Wir haben uns die Start-up-Atmosphäre seit 2013 bewahrt und die Unternehmenskultur ist jung, kreativ und wenig hierarchisch.

GründerDaily: Ihr erweitert eure Produktpalette bald um ein E-Bike. Widerspricht das nicht dem Sinn eines Kinderfahrrades, dass die Kleinen sich aktiv an der frischen Luft bewegen sollen?

Christian von woom: Zuerst haben wir gesagt, wir machen das nicht, aber wenn die Eltern selbst ein E-Bike haben, kann man nicht von den Kindern erwarten, dass sie hinterherhecheln. Oder, wenn der Papa eine anspruchsvolle MTB-Tour macht, kann ein E-Bike der Garant für mühelosen Fahrspaß beim Kind sein. Oder auch, wenn die Familie in einer bergigen Gegend lebt, dann macht das E-Bike den Unterschied, ob das Kind alleine in die Schule fahren kann oder doch mit dem Auto gebracht werden muss.

Marcus von woom: Oder auch für Kinder, die überwiegend vor der Spielkonsole sitzen – da kann das E-Bike der erste mühelose Einstieg in die Freude am Radeln sein.

GründerDaily: Aller Anfang ist schwer: Auch die Erfolgsgeschichte von woom startete ganz nach dem Gründermythos mit kleinen Schritten – ohne Geld von der Bank und in einer kleinen Garage. Warum war es damals so schwierig, eine erste Finanzierung sicherzustellen?

Christian von woom: Das Thema der Finanzierung war die größte Herausforderung, die Banken kannten uns ja nicht.

Wir haben es mit der finanziellen Unterstützung von Family, Friends und Kunden, die uns wohlgesinnt waren, gelöst.

So haben wir mit Kleinkrediten die ersten Jahre überstanden.

GründerDaily: Eure Räder haben kaum Wertverlust. Wie erklärst du dir dieses Phänomen?

Christian von woom: Unsere Räder sind hochqualitativ, sorgfältig hergestellt und langlebig, gehen kaum kaputt und sind wegen der hohen Nachfrage oft ausverkauft. Das ist auch ein Grund, warum die Nachfrage nach gebrauchten Rädern ungebrochen hoch ist.

Wir gewähren keine Rabatte, das garantiert die Preisstabilität.

GründerDaily: Marcus, du hast früher im Marketing bei Opel gearbeitet. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse konntest du daraus für woom mitnehmen?

Marcus von woom: Ich habe dort gelernt, ein Unternehmen wie woom auf den Boden zu bringen. Christian ist der kreative Geist, ich kümmere mich um die Herausforderungen der Ebene.

GründerDaily: In den Medien wurde Kritik an den Arbeitsbedingungen in den Fabrikhallen Kambodschas laut, in denen woom-Räder hergestellt werden. Ihr selbst habt den Vorwürfen in einem darauffolgenden Interview widersprochen. Wie erklärt ihr euch die Entstehung solcher Vorwürfe und wie gehen Start-ups aus eurer Sicht am besten mit kritischer Berichterstattung um?

Christian von woom: Transparenz, Authentizität, rasches Reagieren. Unsere Community spürt, dass wir es ehrlich meinen. Veränderungen können nicht von heute auf morgen passieren, bei hohen Stückzahlen steckt das gesamte Know-how derzeit ausschließlich in Asien. Für geringere Stückzahlen lassen wir bereits jetzt in Europa fertigen.

GründerDaily: Passend zur letzten Frage: Welche weiteren Tipps hast du für angehende Gründer?

  • Wenn du nicht von deiner Idee überzeugt bist, wird es niemand sein. Du brauchst ein herausragendes Produkt und eine Top-Umsetzung, um am Markt eine Chance zu haben.
  • Eine dicke Haut und Durchhaltevermögen sollten zu deinen persönlichen Stärken zählen.
  • Versuche, die Kernkompetenzen im Team abzubilden.
  • Don’t listen to the neysayers (Thanks Arnie for that wisdom).
  • Glaube nicht an die Banken, sie glauben auch nicht an dich.
  • Have fun and learn every day. Be patient, no kingdom was built over night.

Vielen Dank für das Interview, Christian und Marcus. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg!

Keyfacts über woom:

  • Gegründet im Jahr: 2013
  • Firmensitz in: Klosterneuburg bei Wien
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Die erste Finanzierung erfolgte durch/über: Family & Friends
  • Besonders geholfen haben mir/uns bisher: die Vision, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Freude an der Bewegung im Freien zu vermitteln
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für mich/ uns folgende:
    • Menschen: Das woom Team (alleine erreichst du nix).
    • Tools: 4er, 5er und 6er Inbus und ein 15mm-Schraubenschlüssel zum Montieren der Pedale 😉
  • Kontakt

  • Christian Bezdeka & Marcus Ihlenfeld
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