Bahn-Rückerstattung ohne Formular



Eine Zugverspätung kann sehr lästig sein – insbesondere, wenn es sich dabei nicht nur um ein paar Minuten handelt. Genauso nervenaufreibend ist allerdings die Bahn-Bürokratie für Preiserstattungen. refundrebel hat hierfür eine digitale wie praktikable Lösung gefunden.

GründerDaily: Hallo Andreas, wieso macht ihr es euch bei refundrebel als Aufgabe, ein Problem der Deutschen Bahn zu lösen?

Das Gründer-Duo Andreas Ott und Stefan Nitz hilft verzweifelten Gästen der Deutschen Bahn bei der Rückerstattung ihrer Fahrten. (Bild: refundrebel)

Andreas von refundrebel: Wir selbst sind begeisterte Bahnfahrer und sehen die Bahn als wichtige Stütze, um die Herausforderungen der Mobilitätswende anzugehen. Damit dies gelingt, wollen wir, dass die Bahn dafür auf eine breitere Akzeptanz trifft. Gerade das Problem der Zugverspätungen und Zugausfälle verhindert, dass mehr Menschen auf die Bahn umsteigen.

Zwar können wir keine Verspätung oder einen Zugausfall rückgängig machen, jedoch helfen wir den Bahnkunden einfach und schnell bei der Durchführung ihrer Kostenrückerstattung für eine Fahrkarte, eine Sitzplatzreservierung sowie Extrakosten wie Taxi, Mietwagen und Hotel.

Damit schaffen wir zumindest eine Linderung der schmerzlichen Erfahrung.

GründerDaily: Wie sind dein Geschäftspartner und du mit refundrebel gestartet?

Andreas von refundrebel: Unser Gründer Stefan Nitz war damals als IT-Berater viel mit der Bahn auf Reisen, manchmal sogar 15 bis 20 Stunden die Woche. Wer die Bahn kennt, weiß, da erlebt man viel.

Ihm ist aufgefallen, wie wenig erfreut die Fahrgäste sind, wenn der Schaffner mal wieder das Fahrgastrechteformular ausgeteilt hat. Wer hat denn bitteschön Lust, ein kompliziertes Papierdokument auszufüllen? Und dann auch noch, wenn der eigene Zug verspätet ist und man eher grübelt, ob sich der Anschlusszug noch erreichen lässt.

Die Idee kam daher auf einer seiner unzähligen Bahnfahrten. Warum geht das nicht einfacher? Am besten per Smartphone, frei von Papier und mit wenigen Klicks erledigt.

Er nutzte die Zeit in der Bahn und fragte die anderen Fahrgäste, was sie davon halten, wenn es eine solche Anwendung geben würde.

Die durchgehend positiven Antworten waren Anlass genug, einen ersten Prototypen zu entwickeln.

Die massive Nachfrage hat ihn schließlich dazu bewegt, aus der Idee eine GmbH zu gründen. Heute arbeiten ein Entwickler-Team und weitere Mitarbeiter jeden Tag daran die Bahn Entschädigungen noch einfacher zu machen, um noch mehr Zeit und Geld für Bahnfahrer zu sparen.

Stefan Nitz und ich haben uns dann bei dem Up2B-Accelerator in Heidelberg kennengelernt. Ich war eigentlich nur mal wieder bei einem Kurzaufenthalt für zehn Tage in Deutschland.

Wir haben uns allerdings so gut verstanden, dass Stefan mich dann auch dazu bewegt hat, meine Selbstständigkeit in Hong Kong letztendlich aufzugeben und nach sechs Jahren in Südostasien mit refundrebel wieder in die Heimat zurückzukehren.

Nun bin ich Vollzeit bei refundrebel.

GründerDaily: Was muss ich als Kunde tun, um euren Service nutzen zu können?

Andreas von refundrebel: Ihr könnt refundrebel ganz einfach in drei Schritten nutzen:

  1. Fall online kurz schildern und Ticket hochladen (PDF oder Foto)
  2. refundrebel setzt eure Ansprüche für euch durch (während ihr entspannt)
  3. Ihr erhaltet die Entschädigung auf euer Konto (abzüglich der Erfolgsprovision von 16,5 Prozent zzgl. MwSt.)

Die Kunden werden von uns in zeitlich sinnvollen Abständen über den Verlauf Ihres Antrags per E-Mail informiert, da die Bahnunternehmen gesetzlich bis zu vier Wochen Zeit haben, einen Fall zu bearbeiten.

GründerDaily: Wieso muss ich bei der Deutschen Bahn komplizierte Formulare ausfüllen und bei euch nicht?

Andreas von refundrebel: Warum die Bahn und das Servicecenter Fahrgastrechte die Rückerstattung so kompliziert gestalten, können wir nicht wissen. Allerdings ist es nicht nur das Papierformular, das eine Entschädigung so unliebsam macht.

Worüber sich viele Bahnfahrer nicht bewusst sind: Das Papierformular stellt nur circa 30 Prozent des Problems dar. Ohne refundrebel sind der noch aufwendigere Teil bei einer Zugentschädigung die Rückfragen, Einsprüche, und Ablehnungen per Post sowie zu niedrig ausgezahlte Beträge.

Das heißt, so ein Antrag kann sich für eine einzelne Person schon mal Monate hinweg ziehen, bis dann wirklich die angemessene Menge Geld auf dem Konto des Kunden ankommt. Mit refundrebel umgehen Sie viele Extraschleifen per Post.

Kundennähe ist das Stichwort bei refundrebel. Das Team kann nur auf das Vertrauen der Kunden aufbauen. (Bild: refundrebel)

GründerDaily: Wie hebt ihr euch von anderen Dienstleistern ab, die das gleiche Prinzip verfolgen?

Andreas von refundrebel: Wir heben uns vom Markt ab, da wir uns mehr für jeden einzelnen Kunden einsetzen als alle Konkurrenten. Die Bewertungen auf dem Bewertungsportal Trustpilot sprechen hier eine klare Sprache.

Allem voran wollen wir uns in drei Punkten abheben:

1. Das Papierformular digital abzulösen kann jeder. Das war damals quasi schon unser erster Prototyp.

Was wir heute anbieten, ist ein Rundumservice: Für jeden unserer Kunden gehen wir auch Anträgen nach, die initial abgelehnt, falsch vom Bahnunternehmen berechnet wurden und zu niedrig ausgezahlt wurden.

Weiterhin unterstützen wir auch Erstattungen beim Ausfall der ersten Klasse und für Extrakosten wie Taxi, Mietwagen, Privat-Pkw, Hotel oder auch Sitzplatzreservierungen.

2. Wir sind die Einzigen, die alle Fälle von allen deutschen Bahnunternehmen akzeptieren. Wir hören (und lesen in Kundenbewertungen), dass die Konkurrenz schon mehrfach Kundenfälle abgelehnt hat, welche wir im Anschluss erfolgreich durchsetzen konnten.

3. Wir sind der einzige Anbieter unter den Legal Techs für Bahnentschädigungen mit einer Verspätungsdatenbank aller Fernverkehrszüge in Deutschland. Das bedeutet für unsere Kunden, dass wir im Voraus jeden Kundenantrag auf Anspruch prüfen können, um damit die Anzahl der Rückläufer und Ablehnungen zu mindern.

Sogar namhafte Nachrichtenredaktionen wie die Wirtschaftswoche und das Handelsblatt haben Auszüge unserer Datenbank bereits genutzt, um eine aufklärende Berichterstattung publizieren zu können.

GründerDaily: Wie habt ihr es geschafft, genug Reichweite zu bekommen, um mit refundrebel voll durchzustarten?

Andreas von refundrebel: Wir setzen auf eine ehrliche und transparente Kommunikation. Wir möchten das Reisemittel Bahn in Deutschland stärken. Dazu gehört aber auch ein klarer Umgang mit dem Thema Verspätung und Zugausfall. Beide sind unserer Meinung nach die höchsten Hürden, die sich für Bahnreisende hierzulande ergeben.

refundrebel soll auch dafür sorgen, mehr Bewusstsein für das Reisen mit der Bahn zu schaffen. (Bild: refundrebel)

Außerdem setzen wir auf unsere Zusammenarbeit mit den Medien. Für Pressepartner stellen wir ausgewählte Datensätze zur Verfügung, anhand derer sich exakt die Verspätungs- und Ausfallzeiten einer bestimmten Strecke berechnen lassen. Denn in ihrer offiziellen Kommunikation zum Thema Verspätung weicht die Bahn leider massiv von den tatsächlichen Verspätungen ab. Allein schon, dass alles unter sechs Minuten für die Bahn nicht als Verspätung zählt, sorgt für eine verzerrte Perspektive.

Wir sehen uns nicht als Gegner der Bahn, sondern ganz klar pro Schienenverkehr.

GründerDaily: Wie verdient ihr an eurem Angebot? Welche Kosten müsst ihr regelmäßig decken?

Andreas von refundrebel: Wir arbeiten 100 Prozent auf Erfolgsprovision. Damit haben unsere Kunden garantierte Kostensicherheit. Zu unseren regelmäßigen Ausgaben gehören Kosten für Mitarbeiter, Dienstleister, Buchhaltung und Bürofläche. Bei uns als überwiegend digitales Unternehmen kommen noch viele weitere Kosten für die Online-Prozesse hinzu wie zum Beispiel eine Vielzahl an verschiedenen Softwares, welche wir einkaufen, darunter das Hosting, Datensicherheitssoftware, Bürosoftware Lizenzen etc.

GründerDaily: Was war und ist die größte Herausforderung eures Start-ups?

Andreas von refundrebel: Allen voran zwei Punkte:

1) Die rechtlichen, immer stringenter werdenden Rahmen einzuhalten, für beispielsweise Datensicherheit, und dabei gleichzeitig nicht die Kosten explodieren zu lassen.

2) Die massive Menge an Aufgaben mit einem kleinen Team zu bewältigen.

GründerDaily: Welche Tipps kannst du anderen auf ihrem Weg ins Unternehmertum mitgeben?

Andreas von refundrebel:

1) Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können und unterschätzen, was sie in drei Jahren erreichen können.

2) Gerade Tech-Gründer hoffen oft, dass sich ein gutes Produkt von alleine verkauft. Wie schon das Buch Traction von Gabriel Weinberg und Justin Mares sagt: 50 Prozent Produktentwicklung und 50 Prozent Vermarktung sind ein guter Mix in den meisten Fällen.

Hört auf, über euch und euer Produkt zu reden. Fangt an zu denken und zu fühlen wie eure Kunden. Empathie hilft sehr, um Kunden besser zu verstehen und damit auch deren Kaufverhalten.

GründerDaily: Danke für das spannende Interview und weiterhin alles Gute! 

Keyfacts über refundrebel

  • Gegründet im Jahr: 2017
  • Firmensitz in: Ludwigshafen am Rhein
  • Unser aktuelles Team besteht aus: 15 Teammitgliedern
  • Die erste Finanzierung erfolgte: Die ISB sowie VCs und BAs
  • Besonders geholfen haben uns bisher: Paul Becker vom Technologiepark Heidelberg
  • Besonders wichtig im Arbeitsalltag sind für uns folgende:
    • Menschen: Unsere Familien und Freunde, welche uns treue Zuhörer und Ratgeber sind
    • Tools: Trello, GoTo Meeting, Google Drive, unsere Kaffeemaschine
    • Seiten: Google Analytics, Trustpilot
  • Kontakt

  • Andreas Ott
  • refundrebel GmbH
    Pettenkoferstraße 9
    67063 Ludwigshafen am Rhein
    Deutschland
  • support@refundrebel.com
  • www.refundrebel.com
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