Pressekonferenz Koalitionsausschuss Auf Reformpaket geeinigt: Diese Ergebnisse müssen Gründer wissen

Update, 2. Juli 2026, 9.28 Uhr:
Die Koalitionsspitzen stellen ihre Ergebnisse zum Reformpaket bei der Pressekonferenz vor.
Für Unternehmer besonders wichtig sind:
- Alterssicherung: 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission werden umgesetzt. Bis zum Ende des Jahres wollen sie Gesetzgebungsverfahren abschließen.
- Steuerreform beschlossen: Entlastung untere und mittlere Einkommen wie im Koalitionsvertrag festgehalten. Bis 600 Euro pro Jahr für Durchschnittshaushalt mit zwei Erwerbstätigen mit Kindern bis 60.000 brutto Einkommen
- Arbeitsreform: Befristung von Arbeitsverträgen ausgeweitet - bis 48 Monate bis 31.12.2030. Befristete Verträge können bis 6-mal verlängert werden. Wichtig unter anderem für Start-ups
- Über 30 Maßnahmen zu Wettbewerb, Bürokratierückbau, etc.
- Gesundheit: Schaffen gesetzlich telefonische Krankschreibung ab, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab 1. Tag, Unternehmen können vertraglich davon abweichen.
- Aufhebung diverser Berichtspflichten
- Dokumentationspflichten massiv abgeschafft
- Genehmigungsverfahren - nach 4 Monaten genehmigt
- Lieferkettengesetz ab September auf den Weg bringen - Entlastung von unzähligen Auflagen für Unternehmen unter 5.000 Mitarbeiter
"Reformen schaffen Sicherheit", betont Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). "Unser Land kann mehr und will mehr."
Vorsitzende der SPD, Bärbel Bas ergänzt: "Wir wollen Beschäftigte und Unternehmen stärken." Dazu haben sie Maßnahmen zur Beschleunigung und Wachstum beschlossen.
"Refinanzierung ist seriös", so Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern (CSU). "Keine Erhöhung Spitzensteuersatz, keine höhere Dienstwagenbesteuerung, keine Erhöhung Erbschaftssteuer".
Im Gegenzug wird die Reichensteuer erhöht: 45 % ist der Steuersatz bei einem Einkommen ab 250.000 Euro pro Jahr, 47 % bei einem Einkommen von 280.000 Euro pro Jahr. Der Handwerkerbonus bleibt erhalten, wird aber etwas weniger.
Für Minijobs wird es höhere Steuern geben.
"Wir Vertrauen den Unternehmen. Das machen wir mit den Bechlüssen von gestern deutlich", betont Finanzminister und Vorsitzender der SPD Lars Klingbeil. "Einkommensteuerreform, damit Arbeit sich mehr lohnt."
Koalitionsausschuss: Was bis zur Pressekonferenz bekannt war
Es wurde sehr spät im Kanzleramt. Jetzt steht fest: CDU, CSU und SPD haben sich im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket verständigt.
Nach Informationen der Tagesschau umfasst die Einigung eine Reform der Einkommensteuer, Änderungen bei Arbeitsmarktregeln und Maßnahmen zum Bürokratieabbau.
Die Reformen sollen Wachstum und Beschäftigung stärken. Konkrete Einzelheiten wurden in der Nacht noch nicht bekannt. Die Details wollen die Parteivorsitzenden heute um 9 Uhr auf einer Pressekonferenz vorstellen.
Auch t-online berichtet, dass die Einkommensteuer der schwierigste Verhandlungspunkt war. Die Reform soll kleine und mittlere Einkommen ab dem 1. Januar 2027 entlasten.
Für Gründer ist das nicht nur eine private Frage. Viele Selbstständige, Freiberufler und Einzelunternehmer zahlen Einkommensteuer auf ihren Gewinn.
Sinkt die steuerliche Belastung, bleibt mehr Geld für Rücklagen, Investitionen oder den eigenen Lebensunterhalt. Bei GmbH- und UG-Gründern ist der Effekt weniger direkt. Dort sind Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Ausschüttungen wichtiger.
Unsere Partner-EmpfehlungenWarum der angekündigte Bürokratieabbau der entscheidende Punkt ist
So wichtig die Steuerdebatte ist: Für viele Gründer liegt der größere Hebel woanders. Sie verlieren Zeit durch Formulare, Wartezeiten und komplizierte Verfahren. Genau deshalb wird der angekündigte Bürokratieabbau für junge Unternehmen besonders spannend.
Der DIHK-Report Unternehmensgründung 2025 zeigt, wie groß das Problem ist. Fast sechs von zehn Gründern sind demnach mit den Rahmenbedingungen in Deutschland unzufrieden.
Genannt werden vor allem:
- Bürokratie
- Dokumentationspflichten
- hohe Steuern
- gestiegene Energie- und Arbeitskosten
- schwache digitale Infrastruktur
Drei Viertel der Befragten wünschen sich schnellere und einfachere Regeln. Mehr als die Hälfte fordert ein einfacheres Steuerrecht.
Das passt zu einem Ziel, das bereits auf der politischen Agenda steht: Gründen soll in Deutschland schneller und digitaler werden.
Der DigitalService des Bundes arbeitet mit dem Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung daran, Unternehmensgründungen einfacher zu machen. Perspektivisch soll eine Gründung bundesweit innerhalb von 24 Stunden online möglich sein. Heute dauert eine GmbH-Gründung nach Angaben des DigitalService im Schnitt vier bis acht Wochen.
Für Gründer wäre das ein echter Fortschritt. Denn in der Startphase zählt jeder Tag. Wer auf Steuernummer, Gewerbeanmeldung oder Handelsregistereintrag wartet, kann oft nicht richtig loslegen.
Was die Steuerreform für Gründer bedeuten könnte
Die geplante Einkommensteuerreform kann vor allem Einzelunternehmer und Personengesellschaften entlasten. Denn dort wird der Gewinn direkt über die Einkommensteuer erfasst.
Weniger Steuerlast kann bedeuten:
- mehr Liquidität
- bessere Planbarkeit
- mehr Spielraum für Investitionen
Für Kapitalgesellschaften sieht die Lage anders aus. GmbH und UG profitieren nicht automatisch von einer niedrigeren Einkommensteuer. Hier wirken andere Instrumente stärker.
Bereits in Kraft ist das steuerliche Investitionssofortprogramm der Bundesregierung. Es sieht unter anderem degressive Abschreibungen von bis zu 30 Prozent für Ausrüstungsinvestitionen vor. Die Körperschaftsteuer soll ab 2028 schrittweise von 15 auf 10 Prozent sinken.
Für Gründer heißt das: Entscheidend ist nicht nur, ob die Einkommensteuer sinkt. Entscheidend ist, ob das Gesamtpaket Investitionen erleichtert und Bürokratie tatsächlich abbaut.
Arbeitsmarkt: Mehr Flexibilität für kleine Teams?
Auch beim Arbeitsmarkt soll es eine Einigung geben. Nach den bisherigen Berichten könnten flexiblere Arbeitszeitregeln Teil des Pakets sein.
Für kleine Unternehmen wäre das relevant. In Start-ups und jungen Betrieben gibt es oft Projektspitzen durch Produktlaunches, Messeauftritte oder Kundenprojekte.
Mehr Flexibilität kann helfen. Aber nur, wenn die Regeln einfach bleiben. Gründer brauchen Rechtssicherheit, keine neuen Dokumentationspflichten. Sonst wird aus Entlastung schnell neue Bürokratie.
Reformpaket ist noch kein Befreiungsschlag
Das Reformpaket klingt groß. Für Gründer ist es aber noch kein Befreiungsschlag. Es ist bisher eine politische Einigung und noch kein Gesetz.
Besonders wichtig wird deshalb die Pressekonferenz um 9 Uhr werden. Dann muss die Koalition erklären, wie stark die Steuerentlastung ausfällt, welche Bürokratiepflichten konkret gestrichen werden und wann die Maßnahmen kommen.
Quellen:
Tagesschau, t-online, DIHK, DigitalService Bund, Bundesregierung