Reformpaket Krankschreibung ab dem ersten Tag: Das müssen Arbeitgeber wissen

News

Attest ab dem ersten Krankheitstag, Telefon-Krankschreibung vor dem Aus: Das plant die Bundesregierung im Reformpaket. Für Arbeitgeber bedeutet das nicht nur mehr Kontrolle, sondern auch mehr Bürokratie, neue Prozesspflichten und die Frage, wie viel Vertrauen ein kleines Team braucht.

Google Preferred Source
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen auf einem Tisch
Wer krank ist, muss nach dem neuen Reformpaket bei Krankheit sofort zum Arzt Bild: Tim Reckmann / ccnull.

So begründet die Bundesregierung die Reform

Die Bundesregierung will den hohen Krankenstand und die vielen Fehltage im Job reduzieren. Laut Krankenstandsanalyse 2025 der DAK-Gesundheit sind es 19,5 Fehltage pro Kopf.

Daher sollen Beschäftigte künftig ab dem ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen statt wie bisher ab dem vierten Tag. Außerdem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.

Darauf haben sich Union und SPD nach dem Koalitionsausschuss geeinigt. Die Reform ist aber noch kein Gesetz.

Hausärztin: "Wird Welle von Menschen in unsere Praxen spülen"

Ärzte, Krankenkassen und Teile der Politik warnen bereits vor mehr Bürokratie, mehr Praxisbesuchen und wenig Nutzen gegen hohe Fehlzeiten.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert die geplante Abschaffung der Telefon-AU scharf. Wer wirklich krank ist, muss dann häufiger in die Praxis. Das kostet Zeit, belastet Wartezimmer und erhöht bei Infekten das Ansteckungsrisiko. 

"Das wird eine Welle von Menschen in unsere Praxen spülen – in vielen Fällen ohne medizinische Notwendigkeit, sondern aus rein administrativen Gründen", warnte die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Nicola Buhlinger-Göpfarth. "Während sich also die Infektfälle, die nur ein, zwei Tage im Bett gebraucht hätten, in unseren Wartezimmern stapeln, werden die dringlichen Fälle warten müssen, weil wir nicht hinterherkommen!"

Unsere Partner-Empfehlungen
sevdesk
sevdesk

Buchhaltung

  • 60 % Rabatt auf alle Tarife
  • Code: FG60
  • Nur für kurze Zeit
Zum Deal
Finom Basic
Finom Basic

Geschäftskonto

  • Ab 0 €
  • 5 % Zinsen p. a.
  • Bis zu 3 % Cashback
Zum Deal

Strengere Regeln bedeuten nicht weniger Fehlzeiten

"Die Zahl der Krankentage in Deutschland ist zu hoch", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Rahmen des Reformpakets. "Das ist eine harte Entscheidung. Aber wir können uns diesen Wettbewerbsnachteil durch lange Abwesenheiten in den Unternehmen nicht länger leisten."

Nach der Einigung und den Kritiken erläuterte der Bundeskanzler schließlich, dass es um eine Rahmenregelung im Gesetz geht: "Die Betriebe können davon abweichen, entweder durch einzelvertragliche Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Betrieb oder durch Betriebsvereinbarung oder durch Tarifvertrag."

Viele Arbeitgeber hoffen, strengere Regeln senken Fehlzeiten. Das kann stimmen, wenn ein Mitarbeiter etwa auffällig oft an Brückentagen fehlt oder öfters krank im Urlaub ist und immer wieder seine Urlaubstage zurückfordert.

Doch Krankheit ist selten nur eine Frage des Nachweises. Für Unternehmer ist der bessere Hebel eine Fehlzeitenanalyse. Folgende Fragen helfen:

  • Häufen sich Ausfälle nach heißen Projektphasen?
  • Gibt es Rollen mit dauerhaftem Druck?
  • Fehlen immer dieselben Schlüsselpersonen, weil niemand sie vertreten kann?
  • Sind Arbeitszeiten und Deadlines realistisch?

Viele Ausfälle haben mit Arbeitsorganisation zu tun. Unternehmer können nur steuern, was sie erkennen.

Was Arbeitgeber im Krankheitsfall nicht tun sollten

Arbeitgeber sollten nicht nach Diagnosen fragen. Die konkrete Krankheit geht den Arbeitgeber nichts an. Er muss wissen, dass der Mitarbeiter arbeitsunfähig ist und wie lange er voraussichtlich fehlt. Mehr nicht.

Sie sollten auch nicht jede Krankmeldung als Misstrauensfall behandeln. Das beschädigt die Kultur. Gerade junge Unternehmen brauchen Einsatzbereitschaft.

Die entsteht selten durch Kontrolle. Sie entsteht durch Fairness, Klarheit und gute Führung.

Gleichzeitig wäre Naivität falsch. Wenn Fehlzeiten den Betrieb gefährden, muss ein Gründer handeln. Aber nicht mit Bauchgefühl, sondern mit Regeln, Daten und Gesprächen.

Planungssicherheit entsteht durch klare Krankmeldewege, funktionierende eAU-Prozesse, Vertretungsregeln und eine Führungskultur, die Krankheit ernst nimmt, aber Missbrauch nicht ignoriert.

Auch spannend:

zurück