Beitragserhöhung 2026 Krankenkasse: PKV-Preiserhöhung – das kann man tun

Was bedeutet die PKV Preiserhöhung 2026?
Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung (PKV) sind 2026 laut PKV-Verband um rund 13 % gestiegen. Das gilt nicht automatisch für alle privatversicherten Personen, sondern ist abhängig von den Krankenkassen. Laut PKV-Verband betrifft es im Januar 2026 rund 60% der Versicherten.
Die Beitragsanpassungen erfolgen nicht willkürlich, sondern wenn die Kosten für die Versicherungsleistungen höher liegen als kalkuliert. Gesetzlich vorgeschrieben sind eine Differenz von mindestens 10 %, in Tarifen einzelner Anbieter kann aber auch etwas anderes festgelegt worden sein. Ein unabhängiger Treuhänder überprüft, ob eine Beitragsanpassung erlaubt ist. Hintergrund für die teilweise sprunghaften Steigerungen sind die bereits im Jahr 2024 gestiegenen Kosten im stationären Bereich, bei den Arzneimittel, Zahnbehandlung sowie die gestiegenen Tarifgehälter.
"Die Spreizung der Beitragsanpassungen ist groß und kann von wenigen Euro bis deutlich über 100 € reichen", berichtet Jan Roß, Geschäftsführer der Roß Perspektiven Management GmbH und seit über 20 Jahren im Versicherungsbereich tätig. "Allerdings ist immer zu prüfen: von was? Manchmal hatte man auch zuvor über Jahre hinweg keine Anpassung, so kann nach einigen Jahren dann auch einmal eine größere Anpassung folgen." Roß weiter: "Grundsätzlich kann man historisch betrachtet davon ausgehen, dass gesetzliche und private Krankenversicherung eine Steigerungsrate zwischen 3 und 4 % pro Jahr haben und damit etwa auf Inflationsrate liegen."
Für Gründer und Selbstständige bedeutet es eine spürbare Veränderung, da sie den vollen Beitrag zur PKV alleine tragen. Dennoch ist der erste Schritt: Ruhe bewahren und keine voreiligen Kündigungen schreiben. Es gibt einige Möglichkeiten auf die Beitragserhöhungen zu reagieren und die Veränderungen bedeuten nicht zwangsläufig eine Verschlechterung.

Wie kann man bei der PKV Kosten sparen?
Sobald der Brief mit der Beitragserhöhung angekommen ist, läuft die Sonderkündigungsfrist in der Regel für 8 Wochen. In dieser Zeit gilt es, die eigene PKV zu überprüfen, zu optimieren oder zu wechseln, um Kosten zu sparen. Diese Fragen sind wichtig:
- Wie lange läuft das Sonderkündigungsrecht meiner PKV?
- Welche Leistungen erwarte ich von meiner Krankenkasse?
- Welche Leistungen brauche ich nicht in meinem Tarif?
- Wer bietet mir die benötigten Leistungen womöglich günstiger an?
Je nach Ausgangslage stehen dann vier Möglichkeiten zur Auswahl.
1. Interner Tarifwechsel
Der interne Tarifwechsel nach §204 VVG ist jederzeit möglich und einfacher, als zu einer anderen PKV zu wechseln. Die bisher gesammelten Alterungsrückstände bleiben erhalten und es gibt keine neuen Wartezeiten bei bestimmten Leistungen.
"Jeder Privatversicherte hat einen Rechtsanspruch darauf, jederzeit in einen anderen Tarif mit gleichartigem, auf Wunsch auch niedrigerem Versicherungsschutz seines Versicherungsunternehmens zu wechseln – und zwar ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartefristen", erklärt ein Sprecher des PKV-Verbands. "Entsprechend den Leitlinien der Privaten Krankenversicherung garantieren die Teilnehmer eine umfassende persönliche und bedarfsgerechte Beratung aller wechselwilligen Versicherten. Erster Ansprechpartner bei einem gewünschten Tarifwechsel sollte immer das Versicherungsunternehmen sein."
2. Wechsel der PKV
Wenn die Kostenbeiträge der PKV auch in den anderen Tarifen zu teuer sind, gibt es die Option, die PKV zu wechseln. Dabei ist nicht nur der Preis wichtig, sondern auch der Leistungsumfang. Dieser umfasst unter anderem ambulante und stationäre Leistungen, Zahnbehandlungen, Psychotherapie sowie Hilfsmittel.
Wichtige Faktoren sind außerdem Beitragsstabilität, Tarifkalkulation, sowie die Selbstbehalt-Mechanik. Des Weiteren gilt beim Wechsel der PKV ein neues Beitrittsalter und es erfolgt eine erneute Gesundheitsprüfung. Auch die bisherigen Altersrückstände können nur teilweise oder gar nicht mitgenommen werden.
Bei einem Anbieterwechsel kann es Risikozuschläge oder Ausschlüsse geben. Um böse Überraschungen zu vermeiden, lohnt sich die Beratung bei einem unabhängigen Versicherungsmakler. "Wir können anonyme Voranfragen an alle relevanten PK-Versicherungsgesellschaften stellen", erklärt Jan Roß. "Dadurch stellen wir fest, ob die Person versicherungsfähig ist und was es kosten wird. Chronische Erkrankungen können beim Wechsel zum Ausschluss führen."
Der Wechsel der PKV lohnt sich bei einem sehr großen Missverhältnis zwischen Preis und Leistung und insbesondere für junge und gesunde Gründer und Selbstständige. Letztere starten mit niedrigen Beiträgen. Für ältere PKV-Mitglieder ist der Schritt erst nach Abwägung aller Wechselrisiken sinnvoll. Zusätzlich ist zu beachten, dass der Wechsel in eine andere PKV dauert.Wenn es kein Sonderkündigungsrecht gibt, dann beträgt die Kündigungsfrist oft 3 Monate zum Ende des Versicherungsjahrs.
3. Wechsel in Standardtarif oder Basistarif
Wer nach der sprunghaften Beitragserhöhung weder die regulären Tarife der eignen PKV noch von anderen Versicherungen zahlen kann, wechselt in den Standard- oder Basistarif. Die Sozialtarife der PKV fangen Mitglieder bei finanzieller Not auf. Der Standardtarif eignet sich für langjährige Privatversicherte, sprich Gründer und Selbstständige mit einem Vertrag vor dem 01. Januar 2009. Wer später seinen Vertrag abgeschlossen hat, kann in den Basistarif wechseln.
Laut Bundesgesundheitsministerium ist der Standardtarif brancheneinheitlich. Der Wechsel ist nur innerhalb des jeweiligen Versicherungsunternehmens möglich und deckt in etwa den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab. Die Versicherer dürfen "niemanden zurückweisen, der sich in diesem Tarif versichern darf" und Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse sind nicht erlaubt.
4. Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung
Der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung ist kaum möglich. Ausnahmen sind:
- Selbstständige, die in ein Angestelltenverhältnis übergehen
- Arbeitslose, die Arbeitslosengeld beziehen
- Menschen, die mindestens zwölf Monate im Ausland sind und dort gesetzlich versichert sind
Unter diesen Umständen kann die Rückkehr in die GKV nach Prüfung möglich sein.
PKV wechseln: Schritt für Schritt Anleitung
Wer sich für den Wechsel der privaten Krankenversicherung entscheidet, muss 7 Schritt gehen:
- Ziele definieren: Kostenbeitrag senken, Leistungen gleichbleibend oder weniger, Selbstbehalt erhöhen, langfristiges Budget
- Gesundheitsstatus & Risikofaktoren: ehrlich zu sich selbst sein und realistisch einschätzen
- Daten sammeln: Arztberichte, Diagnosen, Medikation, Behandlungen, Zeiträume
- Angebote vergleichen und sich beraten lassen: Nicht nur den aktuellen Preis im Blick haben. Wie stabil sind die Beiträge? Wann gab es Beitragserhöhungen? Wie sind die Tarife und Leistungsdetails? Wie ist die Selbstbehalt-Mechanik?
- Entscheiden: Interner Tarifwechsel oder externer Wechsel?
- Kündigung: Fristen im Blick haben, schriftlich kündigen, wenn Annahme der neuen PKV sicher ist, Kündigung ggf. per Einschreiben
- Unterlagen: Versicherungsnachweis der neuen PKV an alte PKV senden, damit der Versicherungsbeginn nahtlos ist
Typische Fehler beim PKV-Wechsel
Wer voreilig und unbedacht handelt, riskiert beim Wechsel jedoch zu einem späteren Zeitpunkt höhere Kosten. Die folgenden Fehler gilt es zu vermeiden:
- Auswahl eines "Billigtarifs" mit Leistungslücken
- Wahl einer zu hohen Selbstbeteiligung ohne Rücklagen
- Krankentagegeld vergessen oder zu niedrig angesetzt
- Wechsel trotz relevanter Vorerkrankungen ohne Strategie (kann zu Risikozuschlägen oder Ablehnung führen)
"Reagiert nicht nur auf Hörensagen oder Pauschalmeinungen", betont Jan Roß. "Entwickelt eine Langfriststrategie, achtet auf eure Liquidität und berücksichtigt die Familienplanung, auch wenn sie noch in der Zukunft liegt." Eine PKV-Erhöhung trifft Selbstständige hart, kann durch eine kluge Tarifwahl und Nutzung der Wechseloptionen aber abgefedert und langfristig gesteuert werden.
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Quellen:
PKV-Verband: PKV: Darum steigen 2026 die Beiträge
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Bundesministerium für Gesundheit: Private Krankenversicherung (PKV) - Prämien / Sozialtarife | BMG
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